mini|hochkant=0.8|Horst K. Saalbach in Leipzig (Nov. 2013) Horst Kurt Saalbach (* 16. März 1938 in Leipzig) ist ein deutsch-amerikanischer Ingenieur, Top-Manager und Träger des Bundesverdienstkreuzes sowie des Verdienstordens des Freistaates Sachsen. Er gehört zu den Pionieren der deutschen Automatisierungs-Industrie in den USA und war Mitbegründer der Firma Festo-USA, sowie ihr langjähriger Präsident.

Leben Saalbach wurde 1938 in Leipzig geboren, wo er auch aufwuchs und zur Schule ging. Mit 17 Jahren floh er 1955 in die Bundesrepublik Deutschland. In Stuttgart lernte er seine spätere Ehefrau Elfriede kennen. Gemeinsam mit ihr ging er 1959 in die USA. Dort arbeitete Saalbach zunächst in der Konstruktionsabteilung eines Unternehmens der Bauindustrie in New York, um sein Studium am Medgar Evers College zu finanzieren. Das Studium schloss er als Bauingenieur der Fachrichtung Architectural Design ab. An der Long Island University erwarb er zusätzlich einen Abschluss in Marketing. Es folgten weitere Studien an der New York University, wo er die Lehrbefähigung erlangte. An der Yale University und der Wharton School studierte er Höheres Management.

Horst Saalbach ist mit Elfriede Saalbach verheiratet. Das Ehepaar hat vier Töchter und drei Enkelkinder und lebt in Palm Beach (Florida).

Arbeit als Ingenieur in der USA-Industrie Nach Erhalt der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft im Jahre 1964 arbeitete Saalbach eine Reihe von Jahren im Ingenieurbereich für mehrere Consulting-Unternehmen und sammelte hierbei umfangreiche Industrieerfahrungen auf dem amerikanischen und internationalen Markt.

Damit hatte er sich zugleich systematisch das Rüstzeug geschaffen, um im Lebensalter von 40 Jahren die Aufgabe als President of Festo Corporation zu übernehmen. Festo ist eine große schwäbische Automatisierungsfirma aus Esslingen bei Stuttgart, die damals ihr weiteres Wachstum in Richtung Weltmarktführer und Aktiengesellschaft auch auf dem amerikanischen Markt voranbringen wollte.

Wirken als Präsident der Firma Festo-USA Für diese Zielstellung von Festo erwies sich Horst Saalbach als geeignete Persönlichkeit, die ihren neu gewonnenen Freiraum aktiv und schöpferisch-innovativ zu nutzen wusste. So entwickelte er mit seiner Initiativkraft das Unternehmen Festo-USA von einer bescheidenen Ursprungsgröße zu einer Unternehmung für den Gesamtbereich Nord- und Mittelamerika (USA, Kanada, Mexiko). Dabei konnte er die Anzahl der Beschäftigten auf mehr als das 70-fache und den Umsatz auf das über 160-fache steigern.

Unter seiner Führung seit 1978 ist Festo-USA zur größten Auslandsvertretung des Unternehmens aufgestiegen und hat eine Marktführerschaft für spezielle Komponenten und Systeme der Pneumatik und Elektronik für die Automatisierung auf dem US-amerikanischen Markt sowie in ganz Nordamerika erlangt. Diese Expansion schließt auch den Aufbau eines neuen Headquarters in New York/Long Island sowie von mehr als zehn Regionalvertretungen ein. Saalbach wirkte insgesamt 23 Jahre als Präsident von Festo-USA und hat diese Auslandsvertretung nachhaltig geprägt.

Seit Übernahme der Präsidentschaft hat Saalbach seine engen Kontakte nach Europa besonders intensiv gepflegt. Dies schließt sowohl den Westen als auch den Osten Deutschlands ein, also insbesondere seine Heimatregion sowie die Staaten Osteuropas. So war er Vorstandsmitglied in der German-American Chamber of Commerce und zugleich des USA-USSR Trade Council. Weiterhin gehörte er zur Wirtschaftsrunde (German Economic Roundtable) und zum Vorstand im Deutschen Verein.

In seiner späteren beruflichen Entwicklung hat Saalbach seinen Fokus besonders auf akademische Aus- und Weiterbildung, Werteentwicklung und Prinzipientreue ausgeweitet. Diese Aktivitäten zur nachhaltigen Generierung von Spitzenfachkräften und praxisrelevanten Forschungsergebnissen waren eingebunden in den Geschäftsbereich Festo-Didactic. Daher war es naheliegend, dass er die benachbarte Farmingdale University New York / Long Island hinsichtlich ihrer industrienahen Ausbildung auch durch seine eigene Lehrtätigkeit als Visiting Professor sowie hinsichtlich deren Forschungen mit entsprechenden Ausrüstungen vielfältig unterstützte.

Typisch für die USA ist in diesem Zusammenhang auch, dass Saalbach zwei Stiftungen ins Leben gerufen hat, um bedürftige Studenten zu unterstützen. Diese zeitlich unbegrenzten Stiftungen kommen Studierenden der Farmingdale University und der Hofstra University (ebenfalls Long Island) zugute.

Gleichzeitig war Saalbach Vorstandsmitglied und Präsident der Farmingdale Foundation. Sein prägender Einfluss auf die Farmingdale University und die Qualität ihrer praxisnahen Forschung und Studentenausbildung wurde mit dem Ram’s Horn Recognition Award und schließlich mit dem Ehrendoktor der Universität gewürdigt.

Saalbach war immer sehr stolz auf seine deutsche Herkunft und insbesondere auf seine Geburtsstadt Leipzig. Er wurde daher auch Mitbegründer und Mitglied im Aufsichtsrat der German-American Hall of Fame (GAMHOF), die den Einfluss deutscher Immigranten auf Erfolgsgeschichten in den USA würdigt. In eine virtuelle Gedenkhalle werden hier regelmäßig lebende und verstorbene Persönlichkeiten mit deutschen Wurzeln aufgenommen: 2012 Donald Trump (Immobilieninvestor, Trump-Tower N.Y., 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von 2017 bis 2021) und John Augustus Roebling (Brooklyn-Bridge als ein Wahrzeichen von N.Y.).

Der NACFAM Washington (National Council for Advanced Manufacturing) berät die Regierung, insbesondere unterstützte er den Senat durch Analysen zur gegenwärtigen und zukünftigen Aus- und Weiterbildung aus Sicht der Fertigungsindustrie und ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Saalbach ist hier ebenfalls als Aufsichtsratsmitglied aktiv.

Außerdem wirkte Saalbach als Vorstandsmitglied in der Herbert Quandt Foundation von BMW America, die sich für lebenslanges Lernen einsetzt. Als Vorstandsmitglied der Carl Duisberg Society, die den Austausch von Studenten zwischen Deutschland und den USA fördert, hat er insbesondere für Studierende der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig und der privaten Handelshochschule Leipzig (HHL) längere Praktikumsaufenthalte in den USA und somit das Kennenlernen der dortigen Industrie- und Wirtschaftstätigkeit ermöglicht.

Für seine umfassenden Aktivitäten in der Wirtschaft sowie an der Schnittstelle zur Bildung und Wissenschaft wurde Saalbach durch den Gouverneur des Staates New York Pataki als „Businessman of the Year 1995“ ausgezeichnet.

Besondere Aktivitäten nach der deutschen Wiedervereinigung Saalbach hat die Kontakte zu seiner Familie sowie den Freunden in Leipzig und Sachsen niemals abreißen lassen. Während der DDR-Zeit besuchte er jedes Jahr die traditionsreiche Leipziger Messe. Zum Zeitpunkt des Mauerfalls am 9. November 1989 war er gerade im Festo-Stammhaus in Esslingen, fuhr tags darauf Richtung Leipzig über den erstmals geöffneten Grenzübergang Hof und wurde Augenzeuge der Autoschlange, die sich in Gegenrichtung bewegte – für ihn einer der emotionalsten Augenblicke seines Lebens sowie eine spontane Aufforderung zur aktiven Unterstützung des nun erwarteten Wiedervereinigungsprozesses.

Er knüpfte sofort über seinen alten Schulfreund eine Verbindung zur Technischen Hochschule Leipzig, Sektion Automatisierungsanlagen, Direktor Werner Richter. Dieser entsendete seinen stellvertretenden Sektionsdirektor für Forschung Werner Kriesel nach Esslingen, und dort wurde bereits im Januar 1990 durch Saalbach der Kontakt zum Geschäftsführenden Gesellschafter Wilfried Stoll und weiteren Mitgliedern der Unternehmensleitung von Festo aufgebaut, basierend auf langjährig bestehenden Fachkontakten zu Heinz Töpfer in Dresden.

Das Team Kriesel aus Leipzig hatte zu diesem Zeitpunkt innovative Forschungsergebnisse vorzuweisen für ein neuartiges System zur Verknüpfung von Steuerungen mit zugehörigen Sensoren und Aktuatoren, die aber in der DDR wegen unzureichender Mikroelektronik nicht umsetzbar waren. Dieses neuartige Gedankengut fand mit Unterstützung von Saalbach schrittweise immer mehr Interesse bei Festo sowie weiteren Firmen und wurde dann zielstrebig mit der Leistungsfähigkeit dieser modernen Unternehmen verknüpft.

Parallel entstand im Jahre 1990 im Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) hierzu ein Verbundprojekt, in dem ein Firmenkonsortium von 11 Unternehmen einschließlich Festo zusammen mit der TH Leipzig (Werner Kriesel) und der Universität Karlsruhe (Klaus Bender) in den Jahren 1991 bis 1994 derartiges Ideengut umsetzte. Saalbach hat dieses System aus seiner spezifischen USA-Sicht bei Festo besonders unterstützt. Im Ergebnis ist als Weltneuheit ein industrietaugliches Automatisierungssystem zur hocheffektiven Verknüpfung von Steuerungen mit Maschinen und Anlagen unter dem Namen ASI Aktuator-Sensor-Interface beziehungsweise AS-Interface entstanden. Dieses System ist inzwischen Weltmarktführer im Gebiet der Automation / Kommunikation auf der Sensor-Aktuator-Ebene.

Eine Folge des Beitritts der DDR zur BRD war der Übergang aller Hochschulen in die Länderverantwortung, so dass Sachsen nunmehr acht Technische Hochschulen hatte. Davon wurden fünf geschlossen und durch Fachhochschulen ersetzt. Die Schließung der TH Leipzig erfolgte schrittweise in einem Zeitfenster von 1992 bis 1996, nachdem 1992 die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) neu gegründet wurde (Gründungsrektor: Klaus Steinbock). Saalbach hat durch seine vielfältige Unterstützung dazu beigetragen, dass die HTWK diese angewandten Forschungen der TH Leipzig zur Industriellen Kommunikation (Vernetzung) für das Systems AS-Interface mit mehreren Projekten und vielen studentischen Arbeiten kontinuierlich fortsetzen sowie in die Lehre einbeziehen konnte. Aus solchen Forschungsarbeiten sind auch zahlreiche Veröffentlichungen auf Kongressen und in Fachzeitschriften hervorgegangen sowie mehrere Fachbücher (deutsch und englisch) entstanden, die nachhaltig dazu beitragen, das Ansehen dieser herausragenden gesamtdeutschen Forschungs- und Entwicklungs- sowie Produktionsleistung zu stärken. Saalbach hat besonders die Weiterentwicklung dieses international äußerst erfolgreichen Systems stets im Auge behalten und mit seinen gewichtigen Diskussionen aus USA-Sicht dazu beigetragen, dass erforderliche Vorlaufarbeiten zur langfristigen Entwicklung neuartiger intelligenter Komponenten gezielt begonnen wurden.

Seine umfangreichen internationalen Industrie- und Managementerfahrungen vermittelt Saalbach seit Anfang der 2000er Jahre in regelmäßigen Vorlesungen. An der privaten Handelshochschule Leipzig (HHL, Graduate School of Management) hält er diese für den Führungskräftenachwuchs. Dabei räumt er zugleich mit Klischees auf und zeichnet ein realistisches sowie optimistisches Amerikabild. Weiterhin hält er an der HTWK zugleich entsprechende Vorlesungen für Ingenieurstudenten der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik (damaliger Dekan: Günter Stein) im Sinne einer Gastprofessur. Saalbach vermittelt insbesondere qualifizierte Studierende in Master-Programme, die von der Gottlieb-Stoll-Stiftung in Esslingen finanziert werden.

Besonders hervorzuheben sind die umfangreichen Sponsoringaktivitäten von Saalbach im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. So hat er unmittelbar nach Grenzöffnung die weltbekannte Thomaskirche in Leipzig (Thomaner-Chor, langjährige Wirkungsstätte von Johann Sebastian Bach) hinsichtlich neuer Kirchenfenster spürbar unterstützt. Auch hat er die Modernisierung von Laborausrüstungen der TH und HTWK Leipzig gefördert, um in der Ausbildung von Automatisierungsingenieuren den westdeutschen Standard zügig zu erreichen.