mini|Grüninger Stadtwappen von 1591 mini|Stadtplan vor 1831Stadtplan zwischen 1818 und 1831 erstellt vom Statistisch-topographischen Bureau des Königreichs Württemberg im Rahmen der 1818 begonnenen Württembergischen Landesvermessung.: Der doppelte Mauerring mit Graben und Wall war bis auf das Ostertor noch erhalten
Grüningen, heute Markgröningen,Markgröningen ist eine rund 15.000 Einwohner zählende Stadt im baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg und Bestandteil der Deutschen Fachwerkstraße war im Mittelalter ein auch als Pfalz genutztes Königsgut: Die Reichsburg und die seit 1226 als Stadt mit Schultheiß belegte„In Episcopatu Spirensi quedam Domini Regis que vocatur Gruoninge spectans ad Imperium Scultetus ipsius Civitatis Godefridus. Ex Miraculis Sancti Mathiae“ (Quelle: Mathias-Bruderschaft, Trier um 1226, eingraviert auf der Stauferstele Markgröningen). Kommune haben die Könige dem vorzugsweise schwäbischen Träger der Reichssturmfahne als mit diesem „Grafenamt“ verbundenes Lehen übergeben.
1336 gelangten Markgröningen und die Reichssturmfahne durch Kauf endgültig in die Hand der württembergischen Grafen. Als Zweitresidenz und Amtsstadt erlebte Grüningen im ausgehenden Mittelalter einen zweiten Frühling und stellte die reichste Bürgerschaft Württembergs. Ihr beeindruckendes Rathaus und der alljährlich im August stattfindende Schäferlauf halten die Erinnerung an diese Blütezeit wach.
Der Bau des Residenzschlosses Ludwigsburg und erst recht die 1718 erfolgte Gründung der Stadt Ludwigsburg auf Grüninger Amtsgebiet führten jedoch zu einem fundamentalen Bedeutungsverlust: Grüningen musste seine Funktionen als Zweitresidenz und Hort der Reichssturmfahne, als Oberamtsstadt, Hochgericht, Dekanat und Kameralamt der jungen Konkurrenz überlassen und obendrein für ihren Ausbau bluten. So verfiel Grüningen der Stagnation und wurde schließlich in Markgröningen umbenannt. Die jüngere Geschichte nach dieser historischen Zäsur befindet sich unter Markgröningen.
mini|Bezirk des Grüninger Landkapitels entlang der fränkischen Demarkationslinie von 496
Historische Geographie mini|Der wasserreiche Wettebrunnen bildete den ursprünglichen Ortskern Für eine Agrargesellschaft das Paradies auf Erden Die Geschicke einer Stadt und ihrer Bürger sind abhängig von den verschiedensten Standortfaktoren. Grundlegende Siedlungsvoraussetzung war im frühen Mittelalter die ganzjährig sichere Verfügbarkeit von Trinkwasser, die insbesondere in der Quellmulde der Wette, dem ursprünglichen Grüninger Ortskern, gegeben war. Eine Grundwasser stauende Schicht des Lettenkeupers ermöglichte darüber hinaus die Anlage zahlreicher Brunnen im ganzen Bereich der im 13. Jahrhundert erweiterten Altstadt.Siehe Heyd, Markgröningen, 1829, S. IX: Hans Grüninger beschreibt 1527 die große Quellschüttung in der Wette und zählt „20 Schöpfbrunnen und 3 Roehrbrunnen, stark laufende“.
Generell ist es um die naturgeographischen und insbesondere die agrarwirtschaftlichen Standortfaktoren Grüningens bestens bestellt:Laut Hermann Römer: Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte I., Urgeschichte und Mittelalter. 291 S., Markgröningen 1933, S. 30, wurde die Grüninger Markung in der Überlieferung als „Paradies“ bezeichnet. Zur großflächigen Markung zählen im schwäbischen Raum unübertroffene Ackerböden auf der Lößebene des „Langen Felds“ und auf Lößablagerungen im sogenannten Ausfeld westlich der Glems. Das milde Klima tat ein Übriges und ermöglichte an den Muschelkalkhängen des Glems- und Leudelsbachtales Weinbau in großem Stil. Reiche Überschüsse an Feldfrüchten und Wein, Leinen und Wolle bildeten die Grundlage für florierenden Fernhandel im ausgehenden Mittelalter.Der Fernhandel erweist sich im 15. Jahrhundert als wichtiger Wirtschaftsfaktor und Quelle des Vollandschen Reichtums.
Diese Gunstlage erklärt die weit zurückreichende Siedlungstradition und die besondere Wertschätzung, die dem seit 496 fränkischen GrüningenVon 496 bis 746 lag Grüningen direkt an der fränkisch-alemannischen Demarkationslinie, die im Süden vom Verlauf der Glems abwich und nach Osten verschwenkte. Vgl. Karte des Grenzverlaufs. bereits in karolingischer Zeit zuteilgeworden sei. Der Bau der Vorgänger-Basilika der Bartholomäuskirche soll der Legende nach von Hildegard, einer 783 gestorbenen Gattin Karls des Großen und Enkelin des schwäbischen Herzogs Hnabi, auf Königsgut initiiert worden sein. Ihr Bruder Gerold der Jüngere war ein enger Vertrauter und Heerführer Karls des Großen und soll der erste „primicerius et signifer regis“ (Vorstreiter und Fähnrich des Königs) gewesen sein, der ihm und seinen schwäbischen Nachfolgern dieses mit dem Grüninger Reichslehen verknüpfte Amt „auf alle Zeiten“ übertragen haben soll.In den Volkssagen wird Gerold vor allem als „Bannerträger Karls des Großen“ verherrlicht. Vgl. und Carl Voretzsch (Hrsg.): Romanistische Arbeiten, Band 1, Verlag Max Niemeyer, Halle an der Saale 1922, S. 150. Diese Überlieferung bekommt durch einen Eintrag im Lorscher Codex Gewicht, in dem Gerold der Jüngere 794 unter anderem als Gaugraf im Glemsgau aufgeführt wird, also vor Ort ein damals vom König verliehenes Amt bekleidete.Gustav Bossert: Württembergisches aus dem Codex Laureshamensis, den Traditiones Fuldenses und aus Weissenburger Quellen. In: Dietrich Schäfer (Hrsg.): Württembergische Geschichtsquellen, Bd. 2. Stuttgart 1895, S. 208, Auszug als PDF
Von Gruoninga über Grüningen zu Mark(t)gröningen 779 wurde Markgröningen erstmals in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Fulda erwähnt (hier Gruoninga geschrieben und von einem alemannischen Ortsgründer Gruono abgeleitet). Noch heute wird die ehemalige Reichs- und württembergische Residenzstadt Grüningen von den Einheimischen umgangssprachlich „Gröningen“ (sprich: ) genannt.Im Hochmittelalter erscheinen neben Grüningen die Schreibweisen Grieningen, Grunyngen, Gryningen, Grunigen und später auch Greiningen und Gröningen. In offiziellen Dokumenten setzte sich Grüningen durch; im 17. Jahrhundert findet sich zunehmend Gröningen. Markgröningen wurde erst im Laufe des 18. Jahrhunderts amtlich adaptiert. Allerdings weder von König Friedrich, der 1806 immer noch den Nebentitel „Graf zu Gröningen“ führte, noch vom Magistrat der Stadt, der am 20. November 1816 in einer Petition an den neuen König Wilhelm selbstverständlich „Gröningen“ schrieb.
mini|„Von margt Grieningen“ schrieb Hans Grüninger 1527, was belegt, dass „Mark“ vom Barthel-Markt stammt mini|Städtemaler Christian von Martens schrieb 1819 „Markt-Gröningen“ mini|Wüstungen rund um Grüningen mini|Ab 1751 wurde das verwahrloste „Außfeld“ westlich der Glems zur Rekultivierung vermessen, flurbereinigt und schließlich neu besiedelt Die erstmals im 16. Jahrhundert verwendete Vorsilbe „Mark“ wurde im 18. Jahrhundert unter Herzog Carl von Württemberg zunehmend auch offiziell gebräuchlich und soll sich auf die Grenzlage an der fränkisch-alemannischen Mark beziehen. Diese war allerdings seit dem Blutgericht zu Cannstatt (746) nicht mehr relevant, bis auf die Übereinstimmung in diesem Bereich mit der Bistumsgrenze zwischen Konstanz und Speyer. Schlüssiger erscheint die These, dass sich die Vorsilbe „Mark“ auf den einstigen Sonderstatus als stets aus dem Glemsgau ausgemarktes Königsgut bzw. ehemaliges Reichslehen bezieht, was die einmal bei Heyd auftauchende Bezeichnung „Grüningen in der Mark“ belegen könnte.Vgl. Heyd, Ludwig Friedrich: Geschichte der Grafen von Gröningen. 106 S., Stuttgart 1829, S. 1ff Allerdings war Grüningen im 16. Jahrhundert als württembergische Amtsstadt schon seit rund zweihundert Jahren nicht mehr ausgemarkt.
Als die Vorsilbe „Mark“ vorerst nur im außerörtlichen Volksmund als Unterscheidungsmerkmal gebräuchlich wurde, waren jedoch beide historisch-akademischen Erklärungsansätze irrelevant.Laut Röder, in Geographisches statistisch-topographisches Lexikon von Schwaben, Band 1, Ulm 1791, S. 619, nannte vorerst nur der „Pöbel“ die Stadt „Markgröningen“. Digitalisat der BSB (PDF) Vielmehr verbanden Auswärtige zur Zeit der Namensergänzung mit (Mark-)Gröningen ein landesweit bekanntes Charakteristikum: den überregional bedeutsamen Jahrmarkt am Bartholomäustag, den Lorenz Fries bzw. Hans GrüningerQuelle: Fries, L., 1527, Passage vom Verleger und Drucker Hans Grüninger eingefügt; als Faksimile bei Hermann Römer: Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte I., Urgeschichte und Mittelalter. 291 S., Markgröningen 1933, S. 285 1527 mit der bedeutenden Frankfurter Messe gleichsetzte und der deshalb tatsächlich namensgebend gewesen sein könnte. Dieser Bartholomäusmarkt wurde anfangs wie andernorts anlässlich der Kirchweih abgehalten. Weil Bartholomäus nicht nur der Patron der Stadtkirche, sondern auch der Schutzheilige der Schäfer ist, und der Termin gut in den Jahresablauf der Wanderschäferei passte, war es wohl opportun, den zentralen Zunfttag der württembergischen Schäfer mit diesem Jahrmarkt zu verknüpfen. Für auswärtige „Beinamensgeber“ wurde der „Barthelmarkt“ damit erst recht zum Unterscheidungsmerkmal von anderen Grüningen oder Gröningen, von denen es im Lande einige und mit Neckargröningen einen Ort im näheren Umkreis gab.
Unterstrichen wird diese Namensherleitung durch besagten Abschnitt bei Fries, in dem der ortskundige Hans Grüninger die Stadt im Titel „Margt Grieningen“ nennt, und durch andere Quellen: So wurde 1533 in den Tübinger Matrikeln der Baccalarius Michel Volland „ex Marckt Gröningen“ aufgeführt.Heinrich Hermelink, Die Matrikeln der Universität Tübingen von 1477–1600. Stuttgart 1906. S. 266. Tübinger Matrikel online Und so verwies auch Matthäus Merian in seiner 1643 publizierten Beschreibung Grüningens auf die Alternativbezeichnung „Marckt Gröningen“.Siehe „Grüningen“ bzw. „Marckt Gröningen“ in der Topographia Germaniae – Digitalisat bei Wikisource.
Im Sinne dieses Erklärungsansatzes hat übrigens auch der 1819 durchreisende Städtemaler Christian von Martens, der seine aquarellierte Zeichnung von der Stadt mit „Markt-Gröningen“ beschriftete,Siehe Bild auf landesarchiv-bw.de die Vorsilbe offenbar ganz selbstverständlich von Markt abgeleitet und deshalb die Vorsilbe der vom Magistrat auch offiziell immer noch Gröningen genannten StadtIn einer Petition an König Wilhelm I. nannte der Magistrat die Stadt 1816 immer noch Gröningen. Liebler, Gerhard: Markgröningen – Kurzweilige Begegnungen mit der Stadt und ihrer Geschichte. Hrsg. v. Arbeitskreis Geschichtsforschung und Denkmalpflege Markgröningen, 107 S. Markgröningen 2011, S. 97f vermeintlich falsch, sinngemäß aber richtig geschrieben. Das im schwäbischen Dialekt gerne auch bei „Markplatz“ verschluckte „t“ könnte erklären, warum es in der Vorsilbe des Ortsnamens verloren ging und damit die Namensdeuter auf eine falsche Spur gelenkt hat.
Abgegangene Siedlungen rund um Grüningen Durch den Konzentrationsprozess im Zuge der Stadtentwicklung, aber auch durch Seuchen und Kriegsschäden, sind rund um Grüningen einige Siedlungen wüst gefallen (im Uhrzeigersinn von Nordost nach Nord): Hörnle, Maulbronn, Laiblingen, Schönbühl, Böhringen, Konstatt bzw. Caunstett bei der Oberen Mühle, Aicholtz, Hinterstatt, Kühlenbronn, die Schlüsselburg mit einem vermuteten Burgweiler im Sankt Johännser und Talhausen auf der Grüninger Gemarkung sowie die Orte Remmingen bzw. Remmigheim mit dem Remminger Schlössle auf Untermberger Markung, Vöhingen auf Schwieberdinger, Pulverdingen und Leinfelden auf Enzweihinger sowie Guckenhäußer und Burg Dauseck mit einem Burgweiler – nach Georg Gadner das ehemalige Pulverdingen1590 lokalisierte der bereits recht zuverlässig arbeitende Kartograph Georg Gadner Pulverdingen statt am Südrand nördlich des Unteren Pulverdinger Holzes, wo Andreas Kieser 1682 auf der Forstkarte 158 eine Wüstung bei der ehemaligen Burg Dauseck verzeichnete. – auf Unterriexinger Markung.
Vermessung und Rekultivierung des Außfelds