Die Brenta ist eine Gebirgsgruppe der Südlichen Kalkalpen im Trentino im Norden Italiens. Das teilweise vergletscherte Gebirge erreicht seinen höchsten Punkt in der Cima Brenta mit und gehört zu den hochalpinen Bereichen mit sieben weiteren Gipfeln über und zahlreichen anderen Erhebungen über Zusammen mit den westlich angrenzenden Adamello-Presanella-Alpen sind Teile der Brenta seit 1967 ein Naturpark und bilden das größte Naturschutzgebiet im Trentino, das zu den UNESCO Global Geoparks gehört. Der Großteil des Gebirges wurde 2009 in das UNESCO-Welterbe Dolomiten aufgenommen.
Es besteht vorwiegend aus mesozoischen Kalken und Dolomiten der Trias und ist stark verkarstet. Das Gebiet entwässert größtenteils unterirdisch und ist von mehreren Höhlen durchzogen. Das weitgehend naturnahe Gebirge mit seiner stark gegliederten Höhen bietet Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und steht größtenteils unter Naturschutz. Bemerkenswert ist eine Population von Braunbären (Ursus arctos). Teile der Brenta gehören zum UNESCO-Biosphärenreservat Ledroalpen und Judikarien.
Die Brenta ist eine wild zerklüftete Gebirgsgruppe. Viele Gebiete sind recht einsam und zivilisationsfern und ermöglichen daher ein besonderes Naturerlebnis. Daher ist sie eine beliebte Region für Kletterer, Wanderer, Mountainbiker und andere Naturliebhaber. Am Rande der Brenta gibt es auch mehrere Schigebiete.
Geographie
Lage und Abgrenzung Die Brenta liegt im Trentino in Norditalien, westlich von Trient und rund 20 Kilometer nördlich des Gardasees. Westlich der Brenta liegt die Adamellogruppe.
Die Südgrenze beginnt bei Trient und verläuft mehr oder weniger direkt bis zum Südufer des Lago di Santa Massenza. Von dort folgt die Grenze dem Nordufer des Lago di Toblino und dessen Abflusskanal Rimone bis zum Auslauf am Lago di Cavedine. Die Sarca bildet nun durchgehend die Grenze bis nach Tione di Trento. Im Westen bildet ebenfalls die Sarca die Grenze flussaufwärts bis nach Madonna di Campiglio. Über den Passo Campo Carlo Magno verläuft die Grenze entlang des Torrente Meledrio bis zur Einmündung in den Noce bei Dimaro. Die nördliche Grenze bildet der Noce bis dessen Einmündung in die Etsch bei Mezzocorona. Von dort folgt der Grenzverlauf der Etsch bis nach Trient.
Die Beschreibung der Brenta folgt der Alpenvereinsteilung der Ostalpen (AVE), hier hat die Brenta die Nummer 51. Sie entspricht der Einteilung nach SOIUSA, in dem sie im Unterabschit 28.IV beschrieben wird.
Beschreibung mini|Die Cima Tosa (unscheinbar mittig im Einschnitt hinten) und der Crozzon del Brenta (rechts) mit dem Rifugio Brentei im Vordergrund Für die Gruppe ist auch der Name Brentner Dolomiten (Dolomiti di Brenta) verbreitet, weil sie zu den Dolomiten gerechnet werden, obwohl sie etwas abseits der anderen Dolomitenregionen liegt. Die Brenta gehört zusammen mit der Adamellogruppe zum Naturpark Adamello-Brenta, die Brenta zudem zum UNESCO-Welterbe Dolomiten.
In der Gruppe gibt es 8 Gipfel über und zahlreiche über , die Brenta gehört damit zu den hochalpinen Bereichen. Seit dem Abschmelzen der Eiskuppe der ehemals hohen Cima Tosa (heute ) ist der höchste Gipfel die (). Ein weiterer markanter Felsturm ist der freistehende (, auch: ). In den hochgelegenen schattigen Karen der Nord-Seite vieler Brenta-Gipfel gab es einige kleinere Gletscher, diese sind in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Laut der letzten vom italienischen glaziologischen Komitee veröffentlichten Erhebung gab es 2015 in der Brenta noch 20 Gletscher. Die Gesamtfläche der Gletscher ist seit 1989 von ursprünglich 3,23 km² um 73 % zurückgegangen. Die Brenta war damit die Gebirgsgruppe im Trentino mit dem größten Gletscherschwund.Claudio Smiraglia, Guglielmina Diolaiuti (Hrsg.): Il Nuovo Catasto dei Ghiacciai Italiani / The New Italian Glacier Inventory: Revision 2016. EvK2CNR, Bergamo 2015, ISBN 978-88-940908-0-2, S. 187, 190 (PDF). Weit unterhalb der Kare lassen sich deutliche Moränenwälle ausmachen sowie vom Gletscher glatt geschliffener Fels darüber. Während der letzten Kaltzeit war der Gebirgsstock der Brenta großflächig von Eis bedeckt, nur die höchsten Gipfel ragten aus dem Eis. Spuren davon lassen sich bis weit über 2000 Höhenmeter durch ortsfremde Gesteine nachweisen. Die gewaltigen Gletscher haben in Fließrichtung große, breite Täler geschaffen und einzelne Berge abgeschliffen, ein schönes Beispiel ist die schiffsbugartige Form des Turrion Basso.mini|Cima Molveno, Cima degli Armi, Torre di Brenta und Sfulmini
Gliederung und Gipfel Die Brenta kann grob in einen nördlichen, zentralen und südlichen Bereich gegliedert werden. Der nördliche Bereich erstreckt sich vom Monte Peller bis zum Passo del Grostè (). Daran schließt der zentrale Bereich und ab der Bocca di Brenta der abschließende südliche Bereich an.Società degli Alpinisti Tridentini – Sezione del CAI – Commissione Sentieri: … per sentieri e luoghi. Sui monti del Trentino. 5 Presanella, Adamello, Dolomiti di Brenta. S. 24–25. Der Club Alpino Italiano untergliedert diese Bereiche noch in insgesamt 13 Untergruppen, Gebirgszüge und Massive.Gino Buscaini, Ettore Castiglioni: Dolomiti di Brenta. Guida dei Monti d’Italia. S. 9–13. Die wesentlichen Gipfel der Brenta sind von Norden nach Süden: Pietra Grande, 2936 m Turrion Basso, 2385 m Cima del Grostè, 2898 m Cima Falkner, 2988 m Cima Sella, 2917 m Cima Brenta, 3152 m Cima degli Armi, 2951 m Torre di Brenta, 3014 m Campanile Alto, 2937 m Campanile Basso (Guglia di Brenta), 2883 m Cima Brenta Alta, 2960 m Cima Brenta Bassa, 2809 m Cima Margherita, 2845 m Crozzon di Brenta, 3135 m Cima Tosa, 3136 m Crozzon di Val d’Agola, 2673 m Cima d’Ambiéz, 3102 m Die bedeutendsten Täler innerhalb der Brenta sind das im Westen liegende Val Brenta, das 12 km lange Val d'Ambiéz an der Südseite, das enge Val delle Seghe im Osten sowie das Val di Tóvel zwischen Nordkette und Campagruppe.
Hydrologie mini|Lago di Molveno. Im Hintergrund die Brentagruppe Die umgebenden Täler werden maßgeblich durch die Flüsse geformt, so fließt die Sarca ab Pinzolo in südlicher Richtung bis nach Tione und bildet damit die Grenze zwischen der Adamello- und Brentagruppe. Ab Tione fließt die Sarca östlich nach Stenico und macht dann einen Knick nach Süden. Es gibt auch einen Fluss namens Brenta, dieser entspringt aber nicht im Gebirgszug Brenta, sondern südöstlich von Trient.
Da die Brenta stark vom Karst geprägt ist, versickert Wasser schnell, sodass oberirdische Gewässer selten sind und meist nicht das ganze Jahr Wasser führen. Einige Bäche gibt es aber, wie die Tresenica, die den Tovelsee durchfließt und in die Noce mündet. Im Süden der Brenta ist es der Bondai, der den Molvenosee durchfließt.
In der Brenta gibt es einige Seen, die von Bedeutung sind. Im Norden im Val di Tóvel liegt der Tovelsee, der bekannt wurde, weil er in warmen Sommermonaten bis 1964 durch Algen eine intensive dunkle Rotfärbung annahm. Im Süden der Gebirgsgruppe liegt der 3,3 km2 große Molvenosee, der vermutlich durch einen Erdrutsch entstanden ist. Es gibt auch einige Wasserfälle, wie der Wasserfall des Rio Bianco in Stenico und eine kleine Höhle im Nonstal, die Bus de la Spia in der Nähe von Sporminore. Im Dezember 2024 wurde festgestellt, dass die Höhle Abisso del Laresot (Kat. Nr. 1827) tiefer ist als erwartet, nämlich bis zu 1140 m.
Klima Das Klima in der Brenta ist abhängig von der jeweiligen Höhenlage, die Talsohlen weisen hohe Sommertemperaturen auf. Die mittleren Höhenlagen (zwischen und ) zeichnen sich durch einen eher frischen, trockenen Sommer und einen strengen Winter aus. In der Zeit von Juni bis September sind Tagestemperaturen von 20 bis 24 Grad üblich, die Tiefsttemperaturen können aber bis 9 Grad sinken. Die Winter sind rau mit Minustemperaturen. In dieser Höhenlage befinden sich die meisten Touristenorte. Das Wetter im Hochgebirge (über ) kann auch im Sommer sehr rau sein, plötzliche Wetterumschwünge sind häufig. Da die Brenta-Gipfel eine offene Front zum Gardasee und zum Meer haben, können die wasserdampfgesättigten Luftmassen in kurzer Zeit bis in die Gletscherregionen aufsteigen. Die Folge ist eine sehr rasche Abkühlung mit heftigen gewittrigen Entladungen. Damit kann auf brütende Hitze Eisregen mit großer Kälte folgen. Dies ist auch der Grund, warum der Großteil der Niederschläge im Sommer fällt.
Beispielhaft ist hier das Klima für Andalo vorgestellt, das auf auf einem Sattel liegt.
Geologie Das formgebende Gestein im Zentralbereich der Brenta (Dreitausender) ist der äußerst harte Dolomia principale (die südalpine Äquivalente des Hauptdolomits, Trias: Karnium–Norium), der in diesem Gebirge in einer Mächtigkeit bis etwa 1000 Metern ansteht. Bei der Alpidischen Gebirgsbildung wurde dieses Sedimentgestein nicht wie beim Kalkstein oder Schiefer aufgewölbt, sondern gebrochen, was dem Gebiet den schroffen Charakter mit seinen senkrechten Türmen und massiven Felswänden verlieh. Die Brenta zeichnet sich daher durch besonders kühne und einzigartige Formen aus. Der Dolomia Principale weist etwa 40 bis 50 Meter dicke Lagen aus verschiedenem Dolomitgestein auf, die durch unterschiedliche Verwitterung die waagerechten oder leicht schrägen markanten Bänder bilden. Diese Bänder machten durch ihre Begehbarkeit die touristische Erschließung der Brenta im 19. Jahrhundert erst möglich.Raimund von Klebelsberg: Geologie von Tirol. In: Monografien Geowissenschaften Gemischt, 0124:1–872 (1935). Die Berge der Brentagruppe liegen auf einem Gesteinskern aus der Mitteltrias, der Dolomia principale bildet einige der Gipfel wie die Cima Brenta oder die Cima Tosa. Dieser entstand aus Ablagerungen der oberen Trias, als die gesamte Dolomitenregion ein riesiges subtropisches Watt war, das immer wieder vom Meer überflutet wurde.
In den randlichen, flächenmäßig jedoch überwiegenden Bereichen der Brenta taucht der Dolomia principale unter jüngere Sedimente ab: es folgen in Wechsellagerung Kalkstein, Mergel und Dolomit des Rhaetiums (oberste Trias), weiters weiße und rote Kalksteine des Jura und der Kreide, stellenweise bis ins tiefere Paläogen (vormals Alttertiär). Es handelt sich im Detail um die Gipfelgruppen (im Uhrzeigersinn) nördlich und östlich des Passo della Gaiarda (Cima Santa Maria, Turrion Basso), südöstlich des Passo del Clamer (Cima dei Lasteri, Piz Galin, Croz dell’Altissimo), nordöstlich und südöstlich der Forcolotta di Noghera (Monte Daino, Cima di Ghez), südwestlich der Bocca d’Agola (Cima d’Agola, Cima di Vallon), nordwestlich der Bocca dei Camosci (Cima di Val Stretta, Cima Fracinglo) und westlich und nördlich des Passo del Grostè (Monte Spinale, Pietra Grande, Cima Sassara, Sasso Rosso, Monte Peller).John Wiebols: Geologie der Brentagruppe. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, Band 88 (1938), S. 261–350, mit Geologischer Karte 1:25.000 am Ende (PDF 8,8 MB)Agenzia per la Protezione dell’Ambiente e per i servizi tecnici, Provincia Autonoma di Trento – Servizio Geologico (Hrsg.): Carta Geologica d’Italia: Tione di Trento. Foglio 059. Maßstab 1:50.000 (Digitalisat).Agenzia per la Protezione dell’Ambiente e per i servizi tecnici, Provincia Autonoma di Trento – Servizio Geologico (Hrsg.): Carta Geologica d’Italia: Malè. Foglio 042. Maßstab 1:50.000 (Digitalisat).