Der Dritte Bildungsweg ist die (nicht-amtliche) Bezeichnung für alle Bildungsbemühungen, die außerhalb des Ersten und Zweiten Bildungswegs im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts stattfanden, um zu einem Hochschul-Studium zu kommen. Trotz vieler Vorschläge in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geht es ihm wie dem Zweiten Bildungsweg zwischen 1945 und 1970, dieser war zunächst die Bezeichnung für Alternativen aller Art zum Ersten Bildungsweg, um später mit den Schul- und Hochschulreformen der frühen 1970er Jahre als Bezeichnung für die Schulen für Erwachsene festgelegt zu werden. Danach haben viele reformerische Ansätze „für didaktische Entwürfe, die die Grenzen verschulten Lernens überschreiten und die Fähigkeit fördern, außerschulische – insbesondere durch den Beruf vermittelte – gesellschaftliche Erfahrungen in angemessener Methodenvielfalt zu verarbeiten und als sinnvoll in die je eigene Lernbiographie einzufügen“ (Renke Suhren) eine mögliche Verwirklichung unter dieser Bezeichnung gesucht.Renke Suhren: Fachlexikon der sozialen Arbeit, Stichwort „Zweiter Bildungsweg“, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. (Hrsg.), Stuttgart; Berlin; Köln; Mainz: Kohlhammer 1980, S. 840 f. ISBN 3-7745-6453-1Renke Suhren Bildung im zweiten Bildungsweg? in: Bildung und Erziehung, 1963, S. 194–197

Bildungswege

Der Erste und der Zweite Bildungsweg sind geregelte Wege, strukturiert und organisiert. Sie führen entweder von der Volksschule über das Gymnasium bzw. die gymnasialen Oberstufen zur Hochschule (es ist der Weg über die Schule für Kinder und Jugendliche) oder von der beruflichen Qualifikation über das Abendgymnasium/Kolleg, über die Schule für Erwachsene (SfE), zur Hochschule (die „Rennstrecke für Spätentwickler“). Beide sind fremdbestimmt, denn andere als die jugendlichen oder erwachsenen Schüler entscheiden über die relevanten Fragen ihres Lernens.

Der Dritte Bildungsweg ist nur selten ein strukturierter, organisierter oder geregelter Weg, es sei denn, man sieht in der selbstbestimmten Strukturierung, Organisierung und Regelung des einzelnen Individuums, das nach Bildung strebt, diese Voraussetzungen als erfüllt an. Dieses strukturiert und organisiert den Weg in seiner ihm eigenen Weise, nach seinen Maßstäben, eigenem Zeitplan und in eigener Direktion (Verantwortung). Er ist nicht fremdbestimmt, wenn man von der Orientierung an den Vorgaben der Prüfungsordnungen absieht, die ist die einzige Einschränkung dieser Privatautonomie.

Bekannte nicht-staatliche erwachsenenpädagogisch angeleitete Wege zum Studium Vorstudienausbildung und Begabtenprüfung während der NS-Zeit

Das Langemarck-Studium während der Zeit von 1934 bis 1944 im nationalsozialistischen Deutschland war ein Begabtenförderungsprogramm der NSDAP; es gliederte sich in die Vorstudienausbildung mit Zwischenprüfung, die Begabtenprüfung und das anschließende erstrebte Hochschulstudium. Nach einjähriger Ausbildung in der Vorstudienausbildung fand eine Zwischenprüfung statt; wer diese bestand, konnte danach als Gasthörer in dem von dem Bewerber gewählten Hauptfach bei der Hochschule der Ausbildungsstätte zugelassen werden.Richtlinien für die Zulassung als Gasthörer an den deutschen Hochschulen, Runderlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 9. Juni 1938 — W J 2240 E III, E IV, E V, Z II a (b) — Anlage; in: Hans Huber und Franz Senger Das Studium ohne Reifezeugnis an den deutschen Hochschulen — Amtliche Bestimmungen Berlin (Weidmannsche Verlagsbuchhandlung) 1938, S. 30 Gasthörer-Zulassungsrichtlinien Wer die Zwischenprüfung bestanden hatte, unterzog sich – entsprechend seiner Verpflichtung – nach einem weiteren Halbjahr der Begabtenprüfung und studierte.

Die drei gewerkschaftsorientierten Akademien Akademie der Arbeit/Europäische Akademie der Arbeit (Frankfurt am Main)

Die im März 1921 gegründete erste deutsche Hochschule für das Volk der ArbeitHugo Sinzheimer und Ernst Pape Über die Idee einer Arbeiterakademie Frankfurt am Main (Mitteilungen der Akademie der Arbeit) 1920, auch abgedruckt als Nr. 1b in der Dokumentation (Anhang mit zahlreichen weiteren Dokumenten) in: Otto Antrick Die Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt-Main – Idee, Werden, Gestalt Darmstadt (Eduard Rother Verlag) 1966, S. 96. besteht zwar als Akademie der Arbeit „in“ der Universität Frankfurt am Main (seit 1932 Johann Wolfgang Goethe–Universität und seit 2008 „Goethe–Universität“, die Akademie nennt sich seit dieser Zeit „Europäische Akademie der Arbeit“) hatte aber außer der räumlichen Nähe nur wenig Berührung mit der Universität (= ParallelweltenAnna Kern, Josef Hoormann Der Dritte Bildungsweg für Studierende der Europäischen Akademie der Arbeit (EAdA) – Zum Hochschulzugang für Studierende der EAdA – Potentiale, Erfahrungen, Chancen, Arbeitspapier 244, Düsseldorf (Hans Böckler–Stiftung – Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des DGB, Dezember 2011, S. 87)). Die einjährige Ausbildung führte bis 2010 trotz hoher Motivation der Teilnehmer nicht zu einer, wie auch immer ausgestalteten, staatlichen Anerkennung im Hinblick auf eine Öffnung der Hochschule; sie galt nicht als Referenz für die Begabtenprüfung, ihre haupt- (nach der Satzung „hauptamtliche Lehrkräfte“) und nebenamtlichen Lehrer waren damals trotz hoher fachlichen und erwachsenenpädagogischer Qualifikation und praktischer Erfahrung, von Ausnahmen abgesehen, keine Hochschullehrer, obwohl das Land Hessen neben dem DGB und der Stadt Frankfurt am Main Stifter der Akademie waren bzw. sie finanzierten. Deshalb waren die Chancen der Absolventen, eine berufliche Karriere außerhalb der Gewerkschaften oder ihrer Betriebe zu finden, gering. Einige Kommunen, insbesondere die Stadt Frankfurt am Main, ermöglichten eine Freistellung vom Dienst und die anschließende Weiterbeschäftigung. Demgemäß war der Übergang von der Akademie zur Universität selten.

Das änderte sich erst 25 Jahre nach dem Ende der Begabtenprüfung (1984) und der Einführung der Gleichstellung von beruflich Qualifizierten für den Hochschulzugang durch Erlass der Verordnung über den Zugang beruflich Qualifizierter zu den Hochschulen im Lande Hessen vom 7. Juli 2010 (Berufsqualifikations-Hochschulzugangsverordnung). Nach deren § 1 Abs. 2Gesetz- und Verordnungsblatt, Teil I, Jahrgang 2010 (GVBl. I 2010), S. 238 (juris-Abkürzung: BerQHSchulZV HE 2010), https://www.rv.hessenrecht.hessen.de/bshe/document/jlr-BerQHSchulZVHE2010pP1 besitzen die … Absolventinnen und Absolventen eines einjährigen Lehrgangs an der Europäischen Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt am Main eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung (§ 54 Abs. 2 Satz 2 in Verbindung mit Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 des Hessischen Hochschulgesetzes (HHG) vom 14. Dezember 2009)§ 54 Abs. 2 Satz 2 HHG lautet: Der Nachweis nach Nr. 1 oder 4 berechtigt zum Studium aller Fachrichtungen, der Nachweis nach Nr. 2 in der entsprechenden Fachrichtung an allen Hochschulen, der Nachweis nach Nr. 3 zu einem Studium an einer Fachhochschule oder in einem gestuften Studiengang an einer Universität oder der Hochschule Geisenheim. Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 lautet: 2. die fachgebundene Hochschulreife, (Hessisches Hochschulgesetz GVBl. I 2009 S. 666), das entsprechend dem Beschluss der Kultusministerkonferenz 2009 angepasst wurde. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) überprüft, ob und inwieweit Absolventen der EAdA in Folge der Neuregelung leichter und besser den Weg in ein Hochschulstudium finden und welche Qualifikationen sie für ein Hochschulstudium mitbringen. Die Ergebnisse sind eher negativ.

Akademie für Wirtschaft und Politik (Hamburg)

Die Akademie für Gemeinwirtschaft hat bereits frühzeitig einen anderen Weg zum Hochschulstudium für ihre Absolventen gefunden.Bärbel von Borries-Pusback: Keine Hochschule für den Sozialismus – Die Gründung der Akademie für Gemeinwirtschaft in Hamburg 1945–1955, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2002 S. 266 ff. ISBN 978-3-8100-3369-7 1948 wurde die Akademie gegründet, 1961 wurde sie Akademie für Wirtschaft und Politik, 1970 Hochschule für Wirtschaft und Politik und von 1991 (bis zum 31. März 2005) eine selbständige Universität, was sie ab 2001 auch im Namen trug: Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP). 2009 wurde sie als Fachbereich Sozialökonomie vollständig in die Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Hamburger Universität (UHH) eingegliedert. Sie bildet jetzt gemeinsam mit den Fachbereichen Betriebswirtschaftslehre, Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre diese Fakultät.

Vorbild für den institutionellen Aufbau und den Lehrplan war bei der Gründung 1948 die Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main.Bärbel von Borries-Pusback: Keine Hochschule für den Sozialismus – Die Gründung der Akademie für Gemeinwirtschaft in Hamburg 1945–1955, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2002 S. 135 ff. ISBN 978-3-8100-3369-7 Zugangsvoraussetzung zum Studium war nicht das Abitur, sondern das Bestehen einer umfangreichen Aufnahmeprüfung: Teilnehmen konnten auch Personen mit einem Hauptschulabschluss und einer gewerblichen Berufsausbildung, sofern sich die Bewerber aus diesem Personenkreis durch Teilnahme an Fortbildungsaktivitäten hinreichend vorbereitet hatten.Flyer Bedingungen für die Zulassung zum Studium an der Akademie für Gemeinwirtschaft Hamburg – vom November 1953 Obwohl die Akademie bei ihrer Gründung die AdA in Frankfurt zum Vorbild hatte, erhielten die Absolventen bis 1970 mit einem mindestens „guten“ Studienabschluss, ohne eine weitere Prüfung, die fachgebundene Hochschulreife (was es in Frankfurt nicht gab) für ein juristisches oder sozialwissenschaftliches Weiterstudium an den Universitäten Hamburg und Göttingen. Ab 1970 erhielten alle Absolventen die allgemeine Hochschulreife. Kein Fall für die Begabtenprüfung, sondern eher einer mit einem Übergang von einer höheren Fachschule an die Hochschule (wie es bereits seit 1937 auch bei Staatsbauschulen, Ingenieurschulen usw. mit den Sonderreifeprüfungen möglich war).

Sozialakademie Dortmund

Seit 1998 ist sie Bestandteil der Universität Dortmund, und zwar im Zentrum für Weiterbildung der Technischen Universität Dortmund.http://www.zfw.tu-dortmund.de/http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/gewerkschaften/sozialakademie.htm

Die Hochschulen für Politik Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft in Wilhelmshaven/Rüstersiel (Apowi)

Das Propädeutikum an der Apowi in Wilhelmshaven/Rüstersiel Das Propädeutikum in Wilhelmshaven-Rüstersiel war ursprünglich für Nichtabiturienten, die im Berufsleben gestanden hatten, als einführende Vorstufe für das rechts-, wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Studium an der Apowi gedacht. Eine „Hochschulreife-Begabtenprüfung“Hans Scheuerl Bildungsinstitute und Vollunterricht – Technische Oberschule Stuttgart, Braunschweig-Kolleg, Propädeutikum Wilhelmshaven und Oberhausener Institut in Der Zweite Bildungsweg im sozialen und kulturellen Leben der Gegenwart – Zum zehnjährigen Bestehen der Akademie für Gemeinwirtschaft Hamburg Heidelberg (Quelle & Meyer) 1959, S. 223–237 in den Lehrfächern der Hochschule entschied über die Zulassung zum Studium.

Ab Winter-Semester 1952 stand das Propädeutikum unter staatlicher Schulverwaltung (ab 1956 zum Schulverwaltungsbezirk Oldenburg gehörig). Bis 1962 ermöglicht es jungen Erwachsenen mit abgeschlossener Berufsausbildung die allgemeine Hochschulreife zu erwerben (Ausbildungsdauer: 2 Jahre, erste Prüfungen am 15. November 1952). Das Propädeutikum war eng mit der Hochschule verbunden und hatte Internatscharakter (in alten Militärunterkünften).