Das Alpine Museum in München ist eine Einrichtung des Deutschen Alpenvereins (DAV), ein kulturelles Zentrum mit Bibliothek, Archiv und Sammlung zur Geschichte des Alpinismus. Es beherbergt das gemeinsame Historische Alpenarchiv des Deutschen Alpenvereins (DAV), des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) und des Alpenvereins Südtirol (AVS). Das Museumsgebäude ist Treffpunkt und Veranstaltungsort des Deutschen Alpenvereins mit seinen 355 Sektionen mit insgesamt Mitgliedern (Stand: ), ein Ort, der für DAV-Mitglieder und die breite Öffentlichkeit die Möglichkeit bietet, sich über alpine Themen auszutauschen.

Geschichte Die ursprüngliche Idee zu einem Alpinen Museum als Kultureinrichtung geht auf einen Beschluss des damaligen gemeinsamen Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuOeAV) von 1874 zurück, die sich in ihren Statuten dazu verpflichteten, „die Kenntnisse von den Alpen zu erweitern und zu verbreitern, ihre Bereisung zu erleichtern“ (Statuten des Deutschen Alpenvereins, in: Zeitschrift. DAV 1, 1869/70, Anhang XI). Über die Gründung eines Alpinen Museum wurde konkret seit 1904 diskutiert. Am 14. Juli 1907 beauftragte die in Innsbruck tagende Generalversammlung des DuOeAV den Zentralausschuss durch einstimmigen Beschluss, die Vorarbeiten für das Museum einzuleiten. Die Stadtgemeinde München hatte zuvor dem DuOeAV für das neu zu gründende Museum das auf der Praterinsel gelegene ehemalige Café & Restaurant Isarlust zur unentgeltlichen Nutzung angeboten. Am 18. Juli 1908 beschloss die Generalversammlung endgültig und einstimmig die Errichtung des Museums; annähernd einstimmig fiel die Wahl auf den von der Stadt München offerierten Standort.

Die offizielle Übernahme des Museums fand am 23. Januar 1909 statt. Das einstige Isarlust-Café wurde daraufhin umgebaut, was in erster Linie die Unterbringung der alpinen Zentralbibliothek betraf, im großen Saal wurden Wände eingezogen, um mehr Wandfläche zu schaffen. Gesamtverantwortlich für die Gebäudeadaptionen war Robert Rehlen (1859–1941), 1912 Baurat und Leiter der Abteilung Hochbau III bei der Stadtgemeinde München, Leiter des Hütten- und Wegebaues im DuOeAV und von 1928 bis 1934 dessen Präsident. Der nächste Schritt war die Eingliederung der alpinen Exlibris-Sammlung in das Museum. Die das Museum umgebenden Freiflächen dienten der Präsentation von Gesteinsblöcken verschiedener geologischer Formationen, eine Art Gesteins-Lehrpfad, der bis zum Neubau des Museums im Jahr 2024 in seiner ursprünglichen Formation von 1910 weitgehenden erhalten blieb. 1911 wurde eine „Besuchsordnung“ des Alpinen Museums des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins für das Alpine Museum erlassen. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1911 (Band XXXVII), S. 298. (Online bei ALO). Die Eröffnung des Museums fand am 17. Dezember 1911 statt.Müller: Das Alpine Museum, S. 1 f. Zum Leiter und ersten Direktor des Museums berief der DuOeAV den Juristen und Landgerichtsrat Carl Müller.

Standort des Museums Die Praterinsel, auf der seit 1911 das Alpine Museum besteht, ist eine von zwei bebauten Inseln in der Isar, die andere ist die Museumsinsel. Wegen Hochwassergefahr blieb die Insel lange unbebaut. Standort des Alpinen Museums ist der einst als Feuerwerksinsel bezeichnete Teil der Praterinsel, wo sich seit 1888 das Restaurant und Café Isarlust befand. Eigentümerin der Insel und der Gebäude war die Stadt München. München und Innsbruck wetteiferten zu der Zeit um den Standort für ein Alpenmuseum. Innsbruck warb mit der unmittelbaren Lage in den Alpen. Der Magistrat der Stadt München ersuchte den DuOeAV am 10. Juli 1907 das Museum in der Stadt zu errichten. München betrachtete es laut Oberbürgermeister Wilhelm Ritter von Borscht als Ehrenpflicht, dem DuOeAV „für das Alpine Museum zu eigentumsgleicher Benutzung die Isarlust für alle Zeit zur Verfügung zu stellen“.(Quelle: Rede von Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Ritter von Borscht auf der Generalversammlung des DuOeAV am 8. Juli 1908, Stadtarchiv München, DE-1992-SCHULA Alpines Museum 1907–1949)

Vom Café Isarlust zum Museum Das übernommene Gebäude des Cafés Isarlust auf der Praterinsel war ein nach den Plänen des Stadtbaurats Friedrich Löwel entworfenes Schlösschen im Neorokokostil, das vor der Nutzung als Museum grundlegend umgebaut werden musste. Den Umbau von 1909 bis 1911 leitete der Architekt und Hüttenreferent des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuOeAV) Robert Rehlen, der später von 1928 bis 1934 Präsident des DuOeAV war. Zunächst befand sich im Keller des Gebäudes auch die Bibliothek des DuOeAV, die wegen Feuchtigkeitsproblemen 1913 ausgelagert wurde. 1914 gab es erste Pläne zum Ausbau und zur Erweiterung des Museums. Der Ausbau fand dann in zwei Schritten 1926 und 1936 statt. Ab 1929 dienten zwei weitere geräumige Säle der Vorführung des (bis dahin als touristisch nicht vollwertig erachteten) alpinen Skilaufs sowie der alpinen Technik, wobei diese in zwei sieben Meter hohen Gruppen mit lebensgroßen Figuren demonstriert wurde. Ein weiterer Saal wurde, wissenschaftlich wie alpin-technisch, dem Großglockner gewidmet.

Parallel zum Umbau des vormaligen Cafés Isarlust zum Museum wurde auf der Seite zur Isar hin ein Alpenpflanzengarten angelegt. Der Schaugarten war ein Geschenk des „Vereins zum Schutze und zur Pflege der Alpenpflanzen“, der ältesten Naturschutzorganisation in Bayern, heute Verein zum Schutz der Bergwelt.

Krieg und Neuanfang Am 20. September 1942 fielen Bomben auf das Museum, die Sammlungen blieben weitgehend verschont und wurden danach großenteils in Bergwerksstollen nach Tirol ausgelagert. Bombardierungen im September 1943 und im April 1944 zerstörten das Gebäude fast vollständig. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte der Deutsche Alpenverein (DAV) das Haus als Verwaltungsgebäude, und Jugendgruppen der Münchner Sektionen begannen mit den Aufräumarbeiten, 1950 begann der neu gegründete DAV mit dem Wiederaufbau und nutzte das Gebäude weitgehend für die Verwaltung. Die umfangreiche Bibliothek wurde im Erdgeschoss untergebracht, im 1967 fertig gestellten Festsaal im zweiten Stock fanden Versammlungen, Veranstaltungen und Pressekonferenzen statt. In einigen Räumlichkeiten fanden Alpine Kunstveranstaltungen Platz. In den 1990er Jahren drohte die Stadt, das Gebäude zurückzufordern, weil die Zweckbindung Museum und Bildung durch die Büros der Verwaltung des DAV nicht mehr erfüllt wurde. Daher beschloss der DAV 1993 die Neuerrichtung des Alpinen Museums auf der Praterinsel.

1996: Wiedereröffnung Die Wiedereröffnung des Alpinen Museums fand am 26. Oktober 1996 statt. In vier Räumen präsentierte das Museum seine Dauerausstellung. Der ehemalige zweigeschossige Bibliotheksraum diente den Sonderausstellungen, die Bibliothek wurde ins erste Obergeschoss verlegt, während das zweite Obergeschoss Versammlungsräume und die Museumsverwaltung beherbergte. Das neue Magazin der Bibliothek kam in den Keller.

Erste Direktorin des Museums war Maike Trentin-Meyer, zum 1. Juli 2000 wurde Friederike Kaiser zur Leiterin bestellt.Nachfolge auf der Praterinsel. Friederike Kaiser neue Leiterin des Alpinen Museums. In: DAV Panorama. Heft 1/2001. DAV, München 2001, ZDB-ID 2589886-3, S. 69. – Text online (PDF; 394 kB), abgerufen am 27. März 2012.Alpenverein.de: Bundesgeschäftsstelle des DAV

Von November 2011 bis Juni 2012 feierte das Museum sein einhundertjähriges Bestehen unter anderem mit der zeitkritischen Sonderausstellung Berg Heil! Alpenverein und Bergsteigen 1918–1945Jonas Kassner (Red.): Sonderausstellung im Alpinen Museum. In: alpenverein.de, abgerufen am 27. März 2012. sowie diversen, das Thema begleitenden Diskussionsveranstaltungen.Friederike Kaiser: 100 Jahre Alpines Museum des DAV. Auf der Praterinsel blüht die Alpingeschichte. In: DAV Panorama. Heft 4/2011. DAV, München 2011, , S. 6 f. — Text online (PDF; 3,3 MB), abgerufen am 27. März 2012.

2013 erhielt das Museum von den Erben der Brüder Adolf, Hermann und Robert von Schlagintweit 200 Aquarelle und Zeichnungen, die diese während ihrer Expedition nach Indien, Nepal, Tibet und Turkestan in den Jahren 1854 bis 1857 angefertigt hatten.

Im Rahmen des vollständigen Abrisses der alten Höllentalangerhütte im Jahr 2013 wurde das Blockhaus, die „Urzelle“ der Hütte, im Außengelände des Museums wieder aufgebaut und im März 2017 mitsamt historischer Einrichtung der Öffentlichkeit mit finanzieller Förderung der Versicherungskammer Bayern zugänglich gemacht.

Umbau des Alpinen Museums Von 2021 bis 2024 fand ein grundlegender Umbau des Museums statt. Das Haus sollte zum einen seine ursprüngliche Großzügigkeit von 1887/88 zurück erhalten, die Ausstellungs- und Veranstaltungsräume sollten vergrößert werden, der Park mit teils uralten Bäumen sollte voll erhalten bleiben. Die Modernisierung und der Umbau des Museums und seiner Einrichtungen auf der Praterinsel wurden von der Bundesregierung mit 4,9 Mio. Euro bezuschusst, die Stadt München schloss sich mit 1 Mio. Euro Förderung an. Bayern förderte das Projekt mit 0,8 Mio. Euro. Der Deutsche Alpenverein selbst trug den Rest der Umbaukosten sowie die Kosten für die Innenausstattung, der auf 10,5 Mio. Euro angesetzte Kostenrahmen wurde nicht überschritten.

2024: Neues Alpines Museum Die Neueröffnung des Alpinen Museums fand am 7. März 2024 statt. Mit einher ging damit eine inhaltliche Neuausrichtung des Museums. Es verfügt heute über rund 600 Quadratmeter Fläche für Ausstellungen und Veranstaltungen. Der Eingang befindet sich vorne zur Stadt hin, dahinter ein großzügiges Foyer verbunden mit dem Café Isarlust, im zweiten Obergeschoss ein repräsentativer Festsaal für 200 Gäste. Roland Stierle, der Präsident des DAV: „Wir verstehen das Museum mit Archiv und Bibliothek als unser kulturelles Zentrum. Es soll den Mitgliedern und Nichtmitglieder für einen gesamtgesellschaftlichen Austausch zu allen alpinen Themen dienen. Gleichzeitig ist es in seiner Offenheit, Modernität und Vielfältigkeit ein sehr wichtiges Aushängeschild für den DAV.“

Erneuertes Gebäude Nach außen hin am Auffälligsten: Der Eingang des Hauses ist sichtbarer zur Stadtseite hin verlegt, zum Westen an den Isarkanal. Das Eingangsfoyer öffnet sich in alle Bereiche des Museums, zur Bibliothek und zur Leselounge, zum gastronomischen Bereich, zum Museumsshop und zu den Veranstaltungsräumen. Insgesamt ist das Museum moderner und heller geworden. Durch den gesamten Eingangsbereich und das Foyer bis nach außen zu den Terrassen im Garten zieht sich Nagelfluh, ein Konglomerat verschiedener Gesteine das Alpenraums, als steinernes Band durch das ganze Gebäude, ergänzt durch raue, grob gestockte Betonoberflächen in den beiden neuen Treppenhäusern.

Der Bezug zur Natur in den Alpen findet sich in weiteren Elementen wieder. Das reicht vom Parkett zu Einbauten, dem Mobiliar und den Bibliotheksregalen, die aus unterschiedlichen Hölzern der Bergwelt gefertigt wurden, und in ihrer Gestaltung an die Einfachheit der Berghütten erinnern sollen. Im Park soll ein eigener kleiner Bereich mit alpinen Pflanzen gestaltet werden. Der zuvor labyrinthartige Charakter des Gebäudes ist wieder zurückgeführt auf seinen früheren klaren Grundriss. Architekt Michael Feil: „Unsere Planung sah vor, das Alpine Museum in Anlehnung an die frühere Ordnung so umzubauen, dass die ursprüngliche Großzügigkeit der Räumlichkeiten zurückkehrt. Die Neuordnung verstehen wir als Reparatur, Freilegung und Wiederherstellung der ursprünglichen Raumorganisation.“