Tilburg (Ndl.: [ˈtɪlbʏr(ə)x] ) ist eine Gemeinde in den Niederlanden, Provinz Noord-Brabant. Die Gemeinde umfasst die Stadt Tilburg und die Dörfer Udenhout, Berkel-Enschot und Biezenmortel. Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt etwa 128 km². Die Einwohnerzahl des schnell wachsenden Orts lag am bei .

Lage und Kultur Tilburg liegt in der Mitte der Provinz, zwischen Breda im Westen und ’s-Hertogenbosch und Eindhoven im Osten. Von diesen Städten führen Auto- und Eisenbahnen sowie Kanäle für die Binnenschifffahrt nach Tilburg.

Tilburg hat eine vielseitige Industrie, unter anderem Chemie, Foto- und Bürobedarf (Fuji), Druckereien und einen großen Schlachthof. Im Dienstleistungsbereich sind der Hauptsitz einer Bank und zweier großer Versicherungsgesellschaften (Interpolis, CZ Groep) zu nennen. Dazu gibt es noch viele kleinere Unternehmen aller Art.

Tilburg hat eine Universität, eine wichtige Musik- und mehrere andere Fachhochschulen.

Geschichte Tilburg entstand spätestens im 11. Jahrhundert aus etwa acht kleinen Dörfern, im Brabanter Dialekt „herdgangen“ genannt. Die alten Dorfkerne sind noch in den Namen von Stadtvierteln wiederzuerkennen, wie de Heuvel, ‘t Heike, Korvel, Veldhoven, Broekhoven, Oerle, Hasselt und ‘t Goirke. Erst 1809 erhielt Tilburg durch königlichen Beschluss Stadtrechte. Im Jahr 1997 erweiterte sich das Gemeindegebiet der Stadt um die vormalig selbständigen Gemeinden Berkel-Enschot und Udenhout. Seit dem 1. Januar 2021 ist das Dorf Biezenmortel ebenso Teil der Gemeinde Tilburg.

Um 1600 fing man an, die Wolle der vielen Schafe in der weiten Umgebung zentral in Manufakturen, nach 1850 in Fabriken zu verarbeiten. Im frühen 20. Jahrhundert gab es in Tilburg zahlreiche Wolle- und Textilfabriken, neben Enschede und Hengelo war die Stadt einer der bedeutendsten Standorte in den Niederlanden. Für den Produktionsvorgang in der Textilindustrie wurde von etwa 1600 bis 1840 menschlicher Urin benötigt. Die Tilburger Arbeiter mussten den Harn dazu in Tonkrügen aufbewahren und mit zur Arbeit nehmen. Das brachte den Tilburgern den Spottnamen „Kruikenzeikers“ (Krugpisser) ein.

Der niederländische König Wilhelm II. schätzte Tilburg sehr. Er machte es sogar vorübergehend zur Residenz, indem er 1847 hier einen Palast erbauen ließ. Das weiße Gebäude ist heute Teil des Rathauskomplexes. Ihm zu Ehren wurde der lokale Fußballverein 1897 in Willem II umbenannt; seine Spielstätte heißt seit 2009 Koning Willem II Stadion.

Im 20. Jahrhundert ersetzten andere Industriebetriebe die Zigarren- und Textilindustrie. In den 1980er Jahren überstieg die Arbeitslosigkeit sogar 20 %. Der Strukturwandel führte dann aber zum jetzt immer noch dauernden Wachstum der Stadt. Dies ging einher mit einer Veränderung in der Stadtverwaltung, als „Tilburger Modell“ in Fachkreisen bekannt: eine Verwaltung wie einen Betrieb zu führen.

Wirtschaft und Infrastruktur Seit 1993 hat Tilburg drei Hochhäuser entlang der Bahnlinie westlich und östlich des Hauptbahnhofes gebaut, die im niederländischen Maßstab als Wolkenkratzer angesehen werden: zum einen die Hauptverwaltung der Versicherung Interpolis und der „Westpoint“-Wohnturm (143 m hoch, kurzzeitig war er das höchste Hochhaus der Niederlande), zum anderen ergänzte 2006 der Wohnturm „De Stadsheer“ das Stadtbild.

Seit den 1960er Jahren profilierte sich die Stadt als „Herz von Brabant“. Mit den Reformen in der Verwaltung änderte sich der Slogan zu „Tilburg, moderne Industriestadt“. Inzwischen besteht der Slogan schlicht aus einem unifarbenen Quadrat mit einem weißen „T“ in der Mitte.

Tesla Motors – der weltgrößte Automobilkonzern, der ausschließlich Elektroautos baut – hat in Tilburg ein Werk für den europäischen Markt errichtet, in dem die in den USA vorproduzierten Teile montiert werden.

Ein beliebter Kräuterlikör ist der in Tilburg hergestellte Schrobbelèr.

Sport Die Tilburg Trappers sind ein Eishockey-Verein, der seit der Saison 2015/16 in der deutschen Oberliga-Nord spielt. Der Fußballverein Willem II trägt seine Heimspiele im 14.750 Zuschauer fassenden König-Wilhelm-II.-Stadion aus. Der langjährige Erstligist spielt in der Saison 2023/24 zweitklassig.

Sehenswürdigkeiten Niederländisches Textilmuseum (Nederlands Textielmuseum) mit vielen erhaltenen Maschinen, ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) De Pont Museum voor Hedendaagse Kunst Safaripark Beekse Bergen wenige Kilometer südöstlich in der Nachbargemeinde Hilvarenbeek Freizeitpark Efteling nördlich der Stadt 013, benannt nach der Telefonvorwahl von Tilburg, ein in den ganzen Niederlanden bekanntes Zentrum für Musik.www.013.nl/over-013 Viele bekannte Bands und Artisten treten hier gerne auf. Trappistenabtei Unsere Liebe Frau von Koningshoeven, deren Mönche u. a. eine Brauerei (La Trappe) betreiben. Ehemaliges Wohnhaus der Familie Weil. Die von dem Architekten Ad Grimmon gebaute Villa wird in Tilburg auch „t Witte Huis“ genannt und gilt als „das reinste Beispiel für neue Sachlichkeit“ in der Stadt. Seit 2002 ist die Villa ein Nationaldenkmal.Die Villa Weil in Tilburg Max Weil, der Eigentümer der Villa, leitete die niederländische Niederlassung der Firma Adler & Oppenheimer. Im Mai 1940 besetzten Wehrmacht-Truppen die Niederlande. Ab dem 14. Juli 1941 deportierten sie systematisch Juden via Durchgangslager Westerbork nach Osten – vorgeblich für den Arbeitseinsatz in Lagern in Deutschland, tatsächlich aber in Vernichtungslager. Max Weil und seine Frau Jeanne flohen 1941 in die USA.

Galerie

Veranstaltungen Das internationale Festival Incubate (vor 2009 ZXZW) findet jedes Jahr im September statt. Jedes Jahr im Juli findet in Tilburg etwa zehn Tage lang die größte Kirmes der Niederlande statt. Im September finden im Stadtzentrum die Tilburg Ten Miles statt, ein Straßenlauf mit internationaler Beteiligung über zehn englische Meilen. Im April findet im o. g. „013“ sowie im benachbarten „Het Patronaat“ jährlich das Roadburn Festival statt. Seit 2019 findet am jeweils letzten August-Wochenende bzw. ersten Wochenende des Septembers der zuvor in Breda beheimatete Tag der Rothaarigen statt.

Politik Die rechte Lokalpartei Lijst Smolders Tilburg gewann die letzte Kommunalwahl im Jahr 2026 mit rund 17 Prozent der abgegebenen Stimmen und konnte damit zum zweiten Mal nach 2018 die Wahl für sich entscheiden.

Gemeinderat

Seit 1982 setzt sich der Gemeinderat von Tilburg wie folgt zusammen: Partei Sitze 1982 1986 1990 1994 1996 1999 2002 2006 2010 2014 2018 2022 2026 Lijst SmoldersTilburg – – – – – – – 5 – 5 10 6 8 GroenLinks – – 4 4 4 5 4 3 4 4 6 10 8 PvdA 7 13 8 6 5 7 7 11 11 5 2 3 VVD 7 4 3 4 5 8 7 4 7 5 6 5 7 D66 2 1 3 5 3 2 1 1 5 9 9 7 6 50PLUS – – – – – – – – – – 2 3 4 CDA 15 14 15 10 10 9 9 7 6 5 4 2 3 Lokaal Tilburg – – – – – – – – – – 1 2 2 FvD – – – – – – – – – – – 1 2 PvdD – – – – – – – – – – – 2 1 SP 1 1 2 3 4 3 3 5 4 6 4 2 1 DENK – – – – – – – – – – – – 1 ONS Tilburg – – – – – – – – – – – 1 1 VoorTilburg013 – – – – – – – – 1 1 1 1 1 VSP – – – – – – – – 1 1 0 – – OuderenPolitiek Actief – – – – – – – – – 1 0 – – TilburgseVolkspartij – – – – – – – 1 3 2 – – – TROTS – – – – – – – – 3 1 – – – AlgemeenBelang – – – – 4 3 4 1 – – – – – TilburgseOuderen-partij 1 1 3 4 4 2 4 1 – – – – – CentrumDemocraten – – 0 2 0 – – – – – – – – Sport &Welzijn ’86 – 1 1 1 – – – – – – – – – Partij Midden-Brabant 1 1 0 – – – – – – – – – – PSP 3 3 – – – – – – – – – – – PPR 1 – – – – – – – – – – – CPN 1 – – – – – – – – – – – Gesamt 39 39 39 39 39 39 39 39 45 45 45 45 45

Anmerkungen

Städtepartnerschaften Tilburg listet sieben Partnerstädte auf: StadtLandArtChangzhouwirtschaftlichEmfulenipolitischLublinpolitisch, seit 1996Matagalpapolitisch, seit 1988Minamiashigarawirtschaftlich, seit 1989SamepolitischSuboticaunbelegt

Söhne und Töchter der Stadt Gerard van Spaendonck (1746–1822), Maler und Graveur Adriaan de Lelie (1755–1820), Maler und Zeichner Henriëtte Geertruida Knip (1783–1842), Malerin und Zeichnerin George Willem Vreede (1809–1880), Rechtswissenschaftler und Rechtshistoriker Franciscus Cornelis Donders (1818–1889), Physiologe und Wegbereiter auf dem Gebiet der Augenheilkunde Jacobus Cornelis Bloem (1822–1902), Politiker Francis Janssens (1843–1897), Erzbischof von New Orleans Franziskus Albert Janssens (1881–1950), Theologe, Generalabt des Zisterzienserordens Coba Pulskens (1884–1945), Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg Jan Pijnenburg (1906–1979), Radrennfahrer Suze Arts (1916–1991), Aufseherin im KZ Herzogenbusch Tarsicius Jan van Bavel (1923–2007), katholischer Theologe Jan van Roessel (1925–2011), Fußballnationalspieler Frits Louer (1931–2021), Fußballspieler Maria Csollány (1932–2018), Übersetzerin in Deutschland Leo Coehorst (* 1938), Radrennfahrer Amelia Louer (1942–2021), Leichtathletin Cas Janssens (1944–2024), Fußballspieler Cees Zoontjens (1944–2011), Radrennfahrer Marianne Penz-van Stappershoef (* 1945), österreichische Kulturmanagerin Suzie (Martina Carina Peereboom) (1946–2008), Sängerin Gerard Willems (* 1946), Pianist Theo van de Sande (* 1947), Kameramann Bart Taminiau (* 1947), Hockeyspieler Henk Krol (* 1950), Politiker und Journalist Maggie MacNeal (* 1950), Sängerin Martin Venix (* 1950), Bahnradsportler Wil van Helvoirt (* 1952), Radrennfahrer Marijke Amado (* 1954), Moderatorin Lex Bos (* 1957), Hockeyspieler Marijn Dekkers (* 1957), Manager, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG Chris Abelen (* 1959), Jazzposaunist Leonard Retel Helmrich (1959–2023), niederländisch-indonesischer Regisseur und Dokumentarfilmer Ruud Janssen (* 1959), Maler Jacques Palinckx (* 1959), Jazz- und Fusionmusiker Jean-Paul van Poppel (* 1962), Radrennfahrer Hans Leijtens (* 1963), Polizeioffizier und Verwaltungsbeamter, Chef der EU-Grenzschutzagentur Frontex Ron van den Hout (* 1964), römisch-katholischer Geistlicher, Bischof von Roermond Richard Rijnvos (* 1964), Komponist Bas Rutten (* 1965), Kampfsportler Pascal Vermeer (* 1967), Jazz- und Improvisationsmusiker Ageeth Boomgaardt (* 1972), Hockeyspielerin Mario Robbe (* 1973), Dartspieler Sjoerd Potters (* 1974), Politiker Gerben de Knegt (* 1975), Radrennfahrer Stef Clement (* 1982), Radrennfahrer Floortje Engels (* 1982), Hockeyspielerin Peter van Biezen (* 1983), Eishockeyspieler Floris Evers (* 1983), Hockeyspieler Willem Jan Thijssen (* 1986), Fußballspieler Marieke Westenenk (* 1987), Schauspielerin und Sängerin Levi van Huijgevoort (* 1987), Künstler Bram Stadhouders (* 1987), Jazz- und Improvisationsmusiker Margot van Geffen (* 1989), Hockeyspielerin Jasper Stadhouders (* 1989), Jazz- und Improvisationsmusiker Lars Hutten (* 1990), Fußballspieler Reinier de Ridder (* 1990), MMA-Kämpfer Benito van de Pas (* 1993), Dartspieler Timo Roosen (* 1993), Radrennfahrer Jeffrey Sparidaans (* 1993), Dartspieler Jackie Groenen (* 1994), Fußballspielerin Reno de Hondt (* 1995), Eishockeyspieler Sam Oomen (* 1995), Radrennfahrer Joep de Mol (* 1995), Hockeyspieler Sam Lammers (* 1997), Fußballspieler Bram Welten (* 1997), Radrennfahrer Jonne de Bonth (* 1998), Eishockeyspieler Roshon van Eijma (* 1998), Fußballspieler Friso Emons (* 1998), Shorttracker Joris van Gool (* 1998), Leichtathlet Thomas Kok (* 1998), Fußballspieler Wouter Sars (* 2000), Eishockeyspieler Arjan Versteijnen (* 2000), Handballspieler Björn Hardley (* 2002), Fußballspieler Paulo Da Silva (* 2007), Fußballspieler

Aus Tilburg stammen auch die Bands Krezip, Textures und VOF de Kunst.

Literatur Rob van Putten, Petra Robben, Pieter Siebers: Historische atlas van Tilburg. De transformatie van een textielstad. Vantilt, Nijmegen 2019, ISBN 978-94-6004-422-9.

Weblinks

Website der Gemeinde (niederländisch, englisch) Website der Universität (niederländisch, englisch) Website des Textilmuseums (niederländisch, englisch) Website des Safariparks (niederländisch, deutsch, englisch, französisch) Website der Mönchsabtei Koningshoeven (niederländisch)

Einzelnachweise