mini|Porträt Dietrich Mateschitz’, Collage von Danor Shtruzman (2017)

Dietrich Markwart Eberhart „Didi“ Mateschitz (* 20. Mai 1944 in Sankt Marein im Mürztal, Steiermark; † 22. Oktober 2022 in St. Wolfgang im Salzkammergut, Oberösterreich) war ein österreichischer Unternehmer. Er machte die Marke Red Bull international bekannt und galt als reichster Österreicher. Außerdem gründete er das Red Bull Media House, das den Fernsehsender ServusTV betreibt.

Leben Mateschitz wurde als Sohn eines Lehrerpaars geboren und verbrachte seine Kindheit mit seinen Eltern, bzw. seiner Mutter, im Dorf Sankt Marein im Mürztal. Seine Mutter Maria Auguste, geborene Kahr (* 1914)Pfarre St. Josef, Taufbuch 1, 1908–1914, S. 386., Post-Nr. 184, abgerufen am 21. April 2025. kam aus Graz und unterrichtete an der Volksschule des Mürztaler Ortes. Sein Vater Franz Adam Mateschitz (1900–1985) wurde im hessischen Groß-Gerau geboren. Der Großvater väterlicherseits, Franz Mateschitz (* 1873),Pfarre Limbuš (Maribor), Krstna knjiga / Taufbuch, 1859–1882, S. 102., Post-Nr. 41, abgerufen am 10. Oktober 2025. stammte ursprünglich aus Limbuš, das heute eine Ortschaft der Stadt Maribor ist. Seine Eltern ließen sich früh scheiden. Er hatte eine vier Jahre ältere Schwester, Helgard. Nachdem er die Hochschule für Welthandel in Wien als Diplomkaufmann absolviert hatte, war er unter anderem für Jacobs Kaffee als Handelsvertreter und für den Zahnpastahersteller Blendax als Marketingchef tätig.

Während einer Geschäftsreise nach Thailand wurde Mateschitz 1982 auf den von Chaleo Yoovidhyas Firma T. C. Pharmaceuticals produzierten Energydrink Krating Daeng (dt. „roter Stier“) aufmerksam und erwarb in der Folge die Lizenzrechte für den Vertrieb der Marke außerhalb Asiens. 1984 gründete er zusammen mit Yoovidhya die Red Bull GmbH mit Sitz in Fuschl am See. Nach einer Abwandlung der Rezeptur des thailändischen Originals und der Entwicklung eines Marketingkonzepts wurde am 1. April 1987 das Getränk Red Bull in Österreich und 1992 in Ungarn eingeführt. In der Folgezeit wurde dieses zum Weltmarktführer bei Energydrinks. Als Tochter der Red Bull GmbH fasst Red Bull Media House mehrere Subfirmen zusammen, die sich der Produktion und dem Vertrieb unterschiedlicher Medien, insbesondere dem Fernsehsender ServusTV und auch von Musik, widmen. Mateschitz trat als Sponsor von zahlreichen Extremsportarten und -veranstaltungen wie dem Red Bull Dolomitenmann (ab 1997), dem Red Bull Stratos (2012) und der Red Bull Cliff Diving World Series (ab 2009) auf. Außerdem war er als Sponsor für den Automobilrennstall Sauber (ab 1995) in der Formel 1 und später mit dem eigenen Formel-1-Team Red Bull Racing (ab Ende 2004) aktiv.

Mateschitz galt als Marketingspezialist, sein Unternehmen ist bekannt für kreative Werbung. Zudem sammelte er Flugzeuge, die er als sogenannte „Flying Bulls“ auch als Werbeträger einsetzte. Für seine Flugzeuge ließ er am Salzburger Flughafen den von Architekt Volkmar Burgstaller geplanten Hangar-7 errichten. Red Bull ist seit Jahren die gewinnbringendste österreichische Unternehmensmarke.

Mateschitz’ einziges Kind ist sein 1992 als Mark Gerhardter geborenerPersonenstandsrechtliche Namensänderung von Gebhardter auf Mateschitz zwischen August 2017 und Juli 2021, vgl. Einträge im Firmenbuch:

Thalheimer Heilwasser GmbH, FN 444070w. FB-Änderung mit Geschäftsführerwechsel, bekannt gemacht am 29. August 2017 am Landesgericht Salzburg. Eintrag auf wirtschaft.at der Wiener Zeitung: Mark Mateschitz Beteiligungs GmbH, FN 560097y. FB-Neueintragung, bekannt gemacht am 6. Juli 2021 am Landesgericht Salzburg. Eintrag auf wirtschaft.at der Wiener Zeitung: Sohn Mark Mateschitz. Dessen Mutter ist die ehemalige Skilehrerin Anita Gerhardter. Mutter und Sohn bekleiden Führungspositionen in Mateschitz’ Unternehmensgruppe. Ab 2009 war er mit Marion Feichtner liiert.Das Privatleben von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. In: t-online.de, 23. Oktober 2022.

Mateschitz’ Wahlheimat war Salzburg, wo er in einer Villa im Stadtteil Nonntal lebte. Er starb am 22. Oktober 2022Thomas Kniewasser: Dietrich Mateschitz verstorben. Mitteilung der Red Bull GmbH an die Mitarbeiter, veröffentlicht auf ots.at am 22. Oktober 2022, abgerufen am 25. Oktober 2022: „Wir müssen euch informieren, dass Dietrich Mateschitz heute verstorben ist.“ im Alter von 78 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs, der im Jahr zuvor bei ihm festgestellt worden war. Eine Behandlung mit Chemotherapie lehnte er ab und nutzte stattdessen Methoden der Alternativmedizin.Bericht: Red-Bull-Boss Mateschitz lehnte Chemotherapie ab. In: focus.de, 24. Oktober 2022. Wo sich seine Grabstätte befindet, blieb in der Öffentlichkeit bis heute unbekannt.

Vermögen Mateschitz war mit 49 Prozent an der Red Bull GmbH beteiligt. Sein Vermögen betrug laut der Forbes-Liste The World’s Billionaires von 2020 16,5 Milliarden US-Dollar, womit er der reichste Österreicher war und weltweit Platz 57 belegte.Mateschitz auf Forbes-Liste auf Platz 57 abgerutscht kurier.at, 9. April 2020 Forbes schätzte sein Vermögen 2021 auf 26,9 Milliarden US-Dollar. Laut dem Bloomberg Billionaires Index belegte er im Februar 2022 mit einem geschätzten Vermögen von 15,4 Milliarden US-Dollar den 132. Platz auf der Rangliste der reichsten Menschen der Welt.

Gesellschaftliches Engagement 2004 gründete Mateschitz mit seinem Freund Heinz Kinigadner die Stiftung Wings for Life, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Querschnittlähmung heilbar zu machen.Wings for Life, abgerufen am 11. Oktober 2015.

Im Jahr 2012 wurde bekannt, dass Mateschitz 70 Millionen Euro für die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) zu spenden beabsichtigte. Es ist die bis dahin drittgrößte Privatspende in der Geschichte Europas. Von den 70 Millionen flossen 20 Millionen in die Errichtung eines Querschnitt- und Geweberegenerationszentrums am Bildungscampus „Competence Park“ in Salzburg. Von 2013 bis 2023 fließen von den restlichen 50 Millionen jährlich 5 Millionen an die PMU für die Rückenmarksforschung. Dazu kamen ab 2009 jährlich 350.000 Euro für verschiedene Forschungsprojekte.„Vision Selbstheilung“ bei Querschnittslähmung. In: Der Standard, 5. Februar 2012.Stefan Veigl: , Salzburger Nachrichten, 9. April 2017

Mateschitz finanzierte über seine Quo Vadis Veritas Privatstiftung das von September 2017 bis September 2020 bestehende Medienprojekt Addendum. Die Quo Vadis Veritas Privatstiftung wurde im August 2022 umbenannt in Kunst und Kultur DM Privatstiftung.Harald Fidler: Die ungewisse Zukunft von Mateschitz' multimillionenschwerem Medienreich um Servus TV und redbull.com. In: derstandard.at, 23. Oktober 2022, abgerufen am 28. August 2025.

Auch in den nachhaltigen Tourismus der Fidschi-Insel Laucala, die er 2003 von der Familie Forbes für 10 Mio. US-Dollar kaufte, investierte er.Gary Walther: A Fiji Paradise Created By The Inventor Of Red Bull, Forbes.com, 29. Juni 2013Philosophy, S. 5 Farms, laucala.com, abgerufen am 6. November 2022

Außerdem engagierte er sich ab 2014 in der Gemeinde Altaussee, in dem er die Immobilien der H.M.Z.-Privatstiftung des Industriellen Helmut M. Zoidl sowie weitere Immobilien übernahm und Investitionen für Modernisierungen durchführte.

Kontroversen Mateschitz wurde eine Nähe zum RechtspopulismusRed-Bull-Milliardär Mateschitz plant Recherche-Plattform Mitarbeiter wehren sich gegen Rechtsaußen-Vorwürfe Focus-Video vom 28. April 2017RB Leipzig und Red-Bull-Boss Mateschitz: Auch die Nähe zur rechten Szene ist ein Problem, von Niklas Noack, bw24.de, 3. August 2022Umstrittenes Sponsoring von Red-Bull-CEO Verständnis für Rechtsextreme, von Ralf Leonhard, taz 5. Oktober 2018Nach Mateschitz-Äußerungen: Vorwurf Rechtspopulismus: Künstler bleiben Red Bull Music Festival fern von Hannes Soltau, Der Tagesspiegel 12. Oktober 2018Pop und Politik Der rechte Flüüügel, von Jan Kedves, Süddeutsche Zeitung 12. Oktober 2018Red Bull und der Rechtsruck in Österreich Klangkünstler sendet ein unerwünschtes Interview, Nik Nowak im Gespräch mit Stephan Karkowsky, Deutschlandfunk, 4. Dezember 2018Mit Bullenkraft nach rechts von Frank Jödicke, Telepolis, 17. Mai 2018 bzw. Rechtskonservatismus vorgeworfen.Red Bull Music Academy Musikförderung mit Beigeschmack, Christoph Möller im Gespräch mit Adalbert Siniawski, Deutschlandfunk 17. September 2018Das neue Medienprojekt des Red-Bull-Gründers Addendum: Recherche von rechts?, von Susanne Lettenbauer Deutschlandfunk 10. Oktober 2017 2017 äußerte er sich in einem Interview in der Kleinen Zeitung vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise 2015 kritisch über die österreichische Flüchtlingspolitik. Im Interview kritisierte er „das unverzeihliche Ausmaß der politischen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen bei der Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle oder, besser gesagt, der Auswanderungswelle“, und es sei schon zu Beginn der Flüchtlingskrise „für jedermann erkennbar“ gewesen, „dass der Großteil der Menschen nicht der Definition des Flüchtlings“ entspreche, weshalb es ein Fehler gewesen sei, die Grenzen nicht zu schließen. Man müsse „taub und blind“ gewesen sein, um dies nicht zu erkennen."

Diese Aussagen erregten große öffentliche Kritik. Mehrere Flüchtlingshelfer veröffentlichten einen offenen Brief an Mateschitz, in dem sie die Aussagen scharf kritisieren. Wegen der Vorwürfe des Rechtspopulismus gegenüber Mateschitz beendete das Berliner Label und Künstlerkollektiv Live From Earth im Oktober 2018 die Zusammenarbeit mit der Red Bull Music Academy zur Kuratierung der offiziellen Abschlussveranstaltung des Red Bull Music Festivals. Bei seinem Auftritt auf dem Red Bull Music Festival im Oktober 2018 wurde dem Klangkünstler Nik Nowak das Mikro abgestellt, als er über fragwürdige Äußerungen Mateschitz’ und die Positionierung des Red-Bull-Konzerns gegenüber Felix Baumgartners – nach Auffassung des Klangkünstlers rechtsextremen – Äußerungen sprechen wollte.

Auch Mateschitz’ Fernsehsender ServusTV und sein Medienprojekt Addendum, das durch die Quo Vadis Veritas Privatstiftung von Mateschitz finanziert wurde, wurde wiederholt aufgrund der rechtspopulistischen Ausrichtung der Medienorganisationen kritisiert. ServusTV wurde während der COVID-19-Pandemie für Corona-Verharmlosung kritisiert. Mehrfach gab der Sender Verschwörungstheoretikern und Impfgegnern eine Bühne.Das Recht, Unsinn zu senden, oe1.at, 1. November 2021, abgerufen am 23. Oktober 2022.Ein Milliardär geht an Grenzen. In: faz.net, 22. Dezember 2021, abgerufen am 23. Oktober 2022.

Mateschitz wehrte sich vehement gegen die Gründung eines Betriebsrates bei ServusTV. 2016 verkündete er die Schließung des Senders, da es eine Initiative zur Gründung eines Betriebsrates gab. Erst als diese abgesagt wurde, nahm er die Betriebseinstellung und die Kündigung der Mitarbeiter zurück.Servus-TV-Mitarbeiter „wollen keinen Betriebsrat“. In: diepresse.com, 4. Mai 2016, abgerufen am 24. Oktober 2022.Posse um Servus TV: Wie der Red-Bull-Chef einen Betriebsrat verhindert. In: stern.de, 4. Mai 2016, abgerufen am 24. Oktober 2022.