Berlin ist eines der umsatzstärksten Medienzentren in Deutschland und Europa.Das sind die 10 wichtigsten Medienstädte Absatzwirtschaft, 13. März 2015, abgerufen am 23. Juli 2025. Die Berliner Medienlandschaft umfasst eine breite Palette von Fernsehsendern, Rundfunksendern, Verlagen, Filmfirmen, Musiklabels, Printmedien, Werbeagenturen, Produzenten von Computerspielen, Pressediensten und Internetmedien (Stand: 2015–2025).
Geschichte
1600–1900 mini|hochkant|Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung, 1848
Berlin kann auf 400 Jahre Pressegeschichte zurückblicken und zählt damit zu den Pionieren im Gewerbe. Vom ältesten für Berlin herausgegebenen gedruckten Nachrichtenblatt, der Frischmann-Zeitung, ist ein Exemplar aus dem Jahre 1617 erhalten geblieben.400 Jahre Zeitungsstadt Berlin: Wie Frischmann die erste Berliner Zeitung erfand. In: Berliner Zeitung, abgerufen am 2. September 2017
Die seit 1785 in Umlauf gebrachte Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen wurde später zur Vossischen Zeitung und war bis zu ihrer Einstellung 1934 die am längsten durchgängig in Berlin publizierte Tageszeitung.
Rudolf Mosse gründete am 1. Januar 1867 in der Friedrichstraße 60 in Berlin die Rudolf Mosse Zeitungs-Annoncen-Expedition, für die er selbst in Anzeigen warb.
Leopold Ullstein gründete 1877 den Ullstein Verlag, nachdem er das Neue Berliner Tagblatt, die dazugehörige Druckerei Stahl und Aßmann und die Berliner Zeitung erworben hatte. Im Jahr 1894 kaufte Ullstein die 1892 gegründete Berliner Illustrirte Zeitung, die er zur bedeutendsten deutschen Wochenzeitung fortentwickelte. 1898 gründete er die Berliner Morgenpost.
August Scherl gründete am 1. Oktober 1883 einen Presse- und Buchverlag, der seit 1900 den Namen August Scherl Verlag trug. Seit dem 3. November 1883 gab er als ersten deutschen „General-Anzeiger“ den Berliner Lokal-Anzeiger heraus, seit 1899 erschien in seinem Verlag das illustrierte Wochenblatt Die Woche.
Die Brüder Skladanowsky zeigten im Wintergartenpalais zu Berlin 1895 erstmals in Deutschland kurze Filme auf einem Überblendprojektor.
Die Deutsche Grammophon Gesellschaft wurde 1898 gegründet und 1917 nach Berlin verlegt. Sie ist gegenwärtig (Stand: 2020) das älteste Schallplattenlabel bzw. Tonträgerunternehmen der Welt.books.google.de: Deutsche Grammophon
1900–1990 mini|hochkant|Ullsteinhaus, 1961
Die Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H. wurde 1903 in Berlin gegründet. Als Unternehmen der Funk- bzw. Nachrichtentechnik baute die Firma Sende- und Empfangsgeräte für den Rundfunk sowie die drahtlose und kabelgebundene Übertragungstechnik.
Im Jahr 1905 erschienen in Berlin 59 Zeitungen und Zeitschriften. Die bekanntesten erschienen sogar zweimal am Tag als Morgen- und Abendausgabe. Es gab aber auch die B.Z. am Mittag oder die Nachtausgabe der National-Zeitung zu Zeiten der Reichstagsdebatten. Auflagenhöhe einzelner Blätter 1905: Berliner Lokal-Anzeiger (mehr als 200.000 Exemplare), Berliner Morgenpost (mehr als 300.000 Exemplare) und Berliner Tageblatt (mehr als 90.000 Exemplare).
Die Universum Film AG (UFA) wurde 1917 in Berlin als Zusammenschluss privater Filmfirmen gegründet. In der Folgezeit wurden Filmstudios in Babelsberg und Berlin-Tempelhof aufgebaut.Deutsches Historisches Museum, DHM, abgerufen am 4. September 2017.
1923 begann im Vox-Haus nahe des Potsdamer Platz die Geschichte des Rundfunks in Deutschland.
Am 22. März 1935 wurde in Deutschland das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt live über den Fernsehsender Paul Nipkow in Berlin ausgestrahlt. Der Betrieb war anfangs auf etwa zwei abendliche Stunden an drei Wochentagen beschränkt.
Konrad Zuse entwickelte mit dem Z3 im Jahr 1941 den ersten funktionstüchtigen, vollautomatischen und frei programmierbaren Computer der Welt.
Von 1956 bis 1990 hatte der Rundfunk der DDR seinen Sitz im Funkhaus Nalepastraße (Ortsteil Oberschöneweide).
Seit 1990 mini|4G-Antennen auf einem Hausdach in Berlin, 2013
Nach 1990 nahm die Anzahl an Medienfirmen in Berlin beträchtlich zu. Der Medienstandort entwickelte sich durch zahlreiche Neugründungen und Umzüge zu einem der wichtigsten in der Europäischen Union. Durch die Verbreitung Internet-basierter Technologien, neuer Endgeräte und neuer Übertragungstechniken wurden seit den späten 1990er Jahren weite Teile der Medienwirtschaft digitalisiert. Geräte, die mediale Inhalte zur Verfügung stellen konnten, wie PCs, Notebooks, Tablets und Smartphones fanden in weiten Teilen der Bevölkerung neue Nutzer.
Die Durchdringung von neuen Medientechniken und Diensten am Markt wurde seit dem Jahr 2000 in erster Linie von US-amerikanischen IT-Unternehmen, wie Microsoft, Alphabet Inc., Meta Platforms, Apple und später Netflix und Amazon dominiert. Die Bedeutung, Werbewirksamkeit, Auffindbarkeit, Präsenz und Reichweite vieler in Berlin ansässigen Medienfirmen nahm in der Folge erheblich ab. Die Einnahmebasis vieler Firmen sank. Die Abhängigkeit gegenüber nichteuropäischen Firmen stieg.Ein Zusammenschluss europäischer Medien könnte Facebook und Google noch stoppen. In: Handelsblatt, abgerufen am 24. Juli 2021.
Mit der Ausdifferenzierung der Medienlandschaft im Internet verloren nach 2010 auch viele etablierte deutschsprachige Medienfirmen an Informations- und Deutungshoheit. Die kulturelle Prägekraft sowie die gemeinschafts- und identitätsstiftende Wirkung der ansässigen Medienfirmen nahm auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene bis zum Jahr 2020 ab.
Zeitungen
Tages- und Wochenzeitungen
Berlin ist die Stadt Deutschlands, in der die größte Zahl an Tageszeitungen und deren Internetportale produziert werden. Die größten Abonnementzeitungen sind der Tagesspiegel (Dieter von Holtzbrinck Medien) und die Berliner Zeitung (Berliner Verlag). Es folgt die Berliner Morgenpost (Funke Mediengruppe).Medienwandel: Springer-Verlag verkauft Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, Hörzu. Bei: Spiegel Online, 25. Juli 2013
Überregionale Tageszeitungen aus Berlin sind Die Welt (Axel Springer Verlag) sowie die von großen Verlagen unabhängig erscheinenden Blätter Die Tageszeitung, Neues Deutschland und Junge Welt. Daneben erscheinen noch die nur über Einzelverkauf vertriebenen Boulevardzeitungen B.Z. und Bild Berlin (beide Axel Springer Verlag) und der Berliner Kurier (Berliner Verlag).
Die zehn täglich meistverkauften Tageszeitungen in Berlin zwischen 2014 und 2016: B.Z. 100.379 Exemplare, Berliner Zeitung 85.083, Tagesspiegel 81.363, Berliner Morgenpost 73.533, Berliner Kurier 57.703, Bild 35.615, Die Welt und Die Welt Kompakt 18.807, Süddeutsche Zeitung 16.547, Frankfurter Allgemeine Zeitung 14.701, Handelsblatt 8.750.Zeitungsmarkt Berlin: B.Z. baut Vorsprung aus, Berliner Morgenpost, Welt und F.A.Z. verlieren deutlich. In: Meedia, 22. September 2016
Darüber hinaus werden auch die Wochenzeitungen Focus, der Freitag, Junge Freiheit und Jungle World sowie die zweiwöchentlich erscheinenden Zeitschriften Das Blättchen und Ossietzky in Berlin verlegt.
Alle in Berlin verlegten Zeitungen betreiben täglich aktualisierte Internetpräsenzen. Spiegel Online und Zeit Online sind in Berlin mit großen Redaktionsbüros vertreten.
Anzeigen- und Spartenzeitungen Neben diesen Zeitungen erscheinen in Berlin noch eine Reihe Anzeigenblätter, u. a. das Berliner Abendblatt (Berliner Verlag), die Berliner Lokalnachrichten, die Berliner Woche (Funke Mediengruppe) und weitere.
Eine Übersicht über Veranstaltungen in der LGBT-Szene gibt das monatlich erscheinende Magazin Siegessäule, das bereits seit 1984 in Berlin veröffentlicht wird. Weiterhin erscheint seit 1997 die blu ebenfalls monatlich.
Berlin hat zwei regelmäßig erscheinende, meist von obdachlosen oder armen Menschen verkaufte Straßenzeitungen. Eine davon, die Motz, erscheint vierzehntäglich.
Die Jüdische Allgemeine wird ebenfalls in Berlin herausgegeben. mini|Sitz der 11 Freunde Redaktion
Magazine
In Berlin erscheint das Stadtmagazin Tip. Der The Berliner, ein englischsprachiges Stadtmagazin und Il Mitte, ein italienischsprachiges Online-StadtmagazinStadtmagazin ‚Il Mitte‘: Italiener erzählen ihr Berlin. Bei: cafébabel.de, abgerufen am 3. Juli 2017. werden auch in Berlin produziert. Weiterhin gibt es das kostenlose Magazin Magazin Berlin.
Zweimonatlich erscheint das kostenlose HIMBEER Stadtmagazin mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender für Kinder und Familien. Ebenfalls zweimonatlich sowie online erscheint das Wirtschaftsmagazin BERLINboxx. Außerdem erscheinen online noch Berlin-Magazine, wie beispielsweise berlinonline.de, meinberlin.de oder top10berlin.de.
Bekannte Printmagazine, die in Berlin produziert werden, sind u. a. Dummy, Stiftung Warentest Finanzen, Capital, Lettre International, Business Punk, 11 Freunde, Cicero, Philosophie Magazin und das Kulturmagazin 032c.
Verlage Berlin ist nach der Jahrtausendwende zur Stadt mit den meisten Verlagen im deutschsprachigen Raum aufgestiegen. Im Jahr 2016 befanden sich 151 Verlage in der Stadt.Kopf-an-Kopf-Rennen. In: Der Tagesspiegel, 29. Mai 2005Statista: Ranking der Städte mit den meisten Verlagen in Deutschland im Jahr 2016, nach Daten des Börsenvereins
Im Berliner Ortsteil Wilmersdorf hat die Cornelsen Verlagsgruppe ihren Stammsitz. Zu ihr zählen unter anderem die Cornelsen Schulverlage, die mit den Marken Cornelsen und Duden Schulbuch bundesweit erfolgreich auf dem Bildungsmarkt agieren. Die Springer Nature ist eine wissenschaftliche Verlagsgruppe mit Sitz in Berlin. Sie zählt zu den umsatzstärksten Buchverlagen der Welt.The World’s 50 Largest Publishers, 2017. Bei: Publishers Weekly, abgerufen am 12. September 2017. Der Aufbau-Verlag ist ein Publikumsverlag der 1945 in Berlin im Auftrag des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands e. V. gegründet wurde. Der Verlag Walter de Gruyter ist ein 1918 in Berlin gegründeter Wissenschaftsverlag. Die Suhrkamp Verlag AG ist ein 1950 gegründeter Verlag, der seit 2010 seinen Sitz in Berlin hat. Die Berliner Repräsentanz der Bertelsmann AG befindet sich im Kommandantenhaus Unter den Linden.
Fernsehen
Öffentlich-rechtliche Medien
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) ist seit 2003 die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt für die Bundesländer Berlin und Brandenburg. Die meisten öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogramme des rbb senden für die gesamte Region Berlin-Brandenburg. Der rbb betreibt zwei Studios, eines in Berlin-Westend (das Haus des Rundfunks) und eines in Potsdam-Babelsberg. Das Fernsehprogramm des rbb hatte im Jahr 2016 einen Marktanteil von 5,5 % im regionalen Sendegebiet. Verglichen mit allen Dritten Programmen der ARD erreicht der Sender damit seit seiner Gründung die niedrigste Einschaltquote.Marktanteile der dritten Fernsehprogramme in ihrem eigenen Sendegebiet in den Jahren 2014 bis 2017. In: Statista, abgerufen am 19. Oktober 2018.
Im Haus des Rundfunks werden speziell für Berlin das Hörfunkprogramm rbb 88.8 und die Fernsehsendung Berliner Abendschau produziert – in Analogie zu Antenne Brandenburg mit Brandenburg aktuell, das der rbb in Potsdam nur für Brandenburg produziert. Alle übrigen Programme und Sendungen des rbb richten sich an die gesamte Region Berlin-Brandenburg: die in Berlin produzierten Hörfunkprogramme Inforadio und Kulturradio und die aus Potsdam senden Programme Fritz und Radio Eins sowie das rbb-Fernsehprogramm.