mini|Gebäudereste des Franziskanerklosters um 1650 (Merian);Originalbezeichnungen:F. Fürstliche CantzleyG. Fürstlicher ReitstallH. Das Kornhauss Das Franziskanerkloster Schwerin wurde 1236 als Niederlassung des Franziskanerordens erstmals urkundlich erwähnt, im Zuge der Reformation 1548 aufgelöst und 1554 zerstört. Von 1556 bis 1557 wurden die Gebäudereste der Kirche ganz abgetragen und die Baumaterialien bei Neubauten am Schweriner Schloss verwendet.

Geschichte Graf Heinrich I. von Schwerin hatte am Kreuzzug von Damiette bis 1221 teilgenommen und eine Heilig-Blut-Reliquie mitgebracht, die er dem Schweriner Dom schenkte. Um ihre Verehrung zu fördern, plante er die Gründung eines Klosters in Schwerin. Seit 1222 wurde daher im Dom zu Schwerin ein Drittel der Oblationen aus der Reliquienverehrung zum Bau eines Klosters abgeführt.MJB 13 (1848) Friedrich Lisch: Geschichte der Heiligen-Bluts-Kapelle im Dome zu Schwerin. S. 154–155. Die Entscheidung über den Charakter der zukünftigen Klostergemeinschaft oblag der Grafenfamilie. Der 1210 gegründete Franziskanerorden breitete sich ab 1221 in Deutschland aus. 1225 wurden Niederlassungen in Lübeck und Bremen gegründet. Nach dem Tode des Grafen 1228 nahm seine Witwe Audacia in ihrer Funktion als Regentin der Grafschaft den Gedanken an die Gründung eines Klosters auf. Dass sie sich für eine Niederlassung des Bettelordens der Franziskaner entschied, ist auf ihre inzwischen entstandenen engen Beziehungen zu den Oberen der 1230 durch Teilung aus der Provinz Teutonia entstandenen Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) und ihre nachweisbar intensive Religiosität zurückzuführen. Bischof und Gräfin haben die Oblationen aus der Domreliquie gemeinsam zum Bau ihrer Kirchen verwendet.

Gründung Über die Gründungsgeschichte des Schweriner Franziskanerkonvents – eines Klosters der Barfüßerbrüder, wie die Franziskaner auch genannt wurden – liegen keine präzisen urkundlichen Nachrichten in Form einer Stiftungsurkunde oder vergleichbarer Dokumente vor. Erste grundlegende Informationen teilte der Lübecker Stadtchronist Detmar, der gegen Ende des 14. Jahrhunderts selbst Mitglied des Lübecker Franziskanerkonvents war, ausdrücklich zum Jahr 1287 mit: de in Zwerin, de in des sulven stad buwede dat closter der barvoten brodere.Detmar-Chronik von 1101–1395, Die Chroniken der niedersächsischen Städte: Lübeck. 1899, S. 351, 367.

Die Ankunftszeit der Franziskaner der Saxonia kann auf einen Zeitraum zwischen 1232 und 1235 eingegrenzt werden.Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. 1995, S. 33. Sie fiel in die Amtszeit von Bischof Brunward (1192–1238). Das Grafenhaus und die Schweriner Bischöfe pflegten durchweg positive Kontakte zum Schweriner Franziskanerkonvent. Bischof Brunwards postulierter Nachfolger Dietrich wurde 1245 von Papst Innozenz IV. zum Konservator der Rechte der Franziskaner in seiner Diözese ernanntKarl Schmaltz: Kirchengeschichte Mecklenburgs. I 151., Bischof Wilhelm hatte 1247/49 einen Franziskaner als Beichtvater und Bischof Hermann I. von Schladen machte 1289 Bekanntschaft mit einer hochrangigen Gesandtschaft der Franziskaner in Schwerin.

Am 24. April 1236 informierte der Provinzialminister Johannes del Piano Carpini in einer in der Barfüßerkirche in Erfurt ausgestellten Urkunde seine in Christo geliebten Brüder in Schwerin darüber, dass die Schweriner Gräfin Audacia und ihre vier noch unverheirateten Töchtern im Todesfall um Beisetzung beim Schweriner Franziskanerkloster gebeten hätten und ebenfalls von den Brüdern dort die Beichte und die Sakramente empfangen möchten; der Schweriner Bischof Brunward sei einverstanden.MJB 27 (1862) Urkunden Nr. II. S. 155.; MUB I. (1863) Nr. 450.Anke Huschner, Stefan Schmieder: Schwerin: Kloster (Ordo Fratrum Minorum/Franziskaner). In: Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt, Wolfgang Eric Wagner: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II., Rostock 2016, S. 1065–1077, hier S. 1068f. Gräfin Audacia ist, ihren Beziehungen zu vielen Klöstern nach, als fromme, angesehene Frau und als die entscheidende fürstliche Protektorin des Schweriner Franziskanerkonvents zu sehen. Während ihrer Regentschaft wurde die Gründung vollzogen, und die Gräfin blieb dem Konvent während ihrer gesamten Lebenszeit eng verbunden. Als Audacia 1287 starb, wurde sie ihrem Rang gemäß im Chor der Schweriner Franziskanerkirche, an der Stelle des heutigen Kollegiengebäudes, beigesetzt.MJB 27 (1862) Friedrich Lisch: Audacia, Gemahlin des Grafen Heinrich I. von Schwerin. S. 131–153.

Die Franziskaner hatten durch ein unkompliziertes Verhältnis zwischen Adel und Orden keine Schwierigkeiten bei der Gründung ihrer Niederlassung in Schwerin. Noch Ende des 15. Jahrhunderts bezeichneten die Herzöge von Mecklenburg, die seit 1358 auch Grafen von Schwerin waren, den Schweriner Franziskanerkonvent als vnß Closter.

Zwischen dem Diözesan- und Domklerus einerseits und den Minderbrüdern des Franziskanerkonvents andererseits gab es konfliktfreie Beziehungen. 1271 trat der Schweriner Domherr Ulricus ins Kloster ein; er entsagte allen seinen Einkünften und Pfründen, um als einfacher Ordensmann zu leben.Dietrich Schröder: Papistisches Mecklenburg. I. 1741, S. 717.Anke Huschner, Stefan Schmieder: Schwerin: Kloster (Ordo Fratrum Minorum/Franziskaner). In: Wolfgang Huschner, Ernst Münch, Cornelia Neustadt, Wolfgang Eric Wagner: Mecklenburgisches Klosterbuch. Band II., Rostock 2016, S. 1065–1077, hier S. 1069. Über die Beziehungen der Franziskaner zu den Einwohnern der Stadt Schwerin sind durch den großen Stadtbrand von 1531 nur sehr wenige Nachrichten erhalten geblieben.Stadtarchiv Schwerin: Original-Stadtverlaßbuch, 1424–1597. (ungedruckt)

Das Schweriner Franziskanerkloster mit bis zu 20 Brüdern war die früheste Niederlassung eines Bettelordens in Mecklenburg und das einzige Kloster Anfang des 16. Jahrhunderts in Schwerin. Es gehörte zur Kustodie Lübeck der Ordensprovinz Saxonia.

Baulichkeiten mini|Rekonstruktion des mittelalterlichen Stadtplans von Schwerin aus dem 19. Jahrhundert mit dem Kloster In den noch vorhandenen Stadtplänen Schwerins, sowohl des 18. bis 20. Jahrhunderts als auch den mittelalterlichen Rekonstruktionszeichnungen, ist präzise der Standort des ehemaligen Franziskanerklosters verzeichnet.Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Band II. Schwerin 1898, ISBN 3-910179-06-1, S. 526, 527. Es war Sitz der einzigen Konventgemeinschaft der Stadt Schwerin.

Das verhältnismäßig kleine mittelalterliche Schwerin fungierte neben dem Sitz eines Bischofs gleichzeitig als Herrschaftszentrum ihres weltlichen Stadt- und Landesherren. Das Stadtbild wurde im Norden von der einzigen Kirche innerhalb der Befestigung der Stadt geprägt, der Bischofskirche, und im Süden von der gräflichen Burg mit der anschließenden Burgfreiheit.

Der Franziskanerkonvent lag am Stadtrand unmittelbar am heutigen Burgsee direkt vor dem Tor der gräflichen Burg. Aufgrund der zur Verfügung gestellten Gelder ging der Ausbau von Konventgebäuden zügig voran. 1236 wurde der Friedhof des Klosters erwähnt, 1271 wurden von einem Schweriner Domherren die Konventgebäude schon als monasteriumMUB I. (1863) Nr. 406. bezeichnet, spätestens 1280 muss der Chor der Kirche fertiggestellt gewesen sein. Die Kirche, ein äußerst schönes Bauwerk, soll 1287 vollendet worden sein. Man kann davon ausgehen, dass der Schweriner Franziskanerkonvent der älteste Gebäudekomplex in der späteren Neustadt war.Wilhelm Jesse: Geschichte der Stadt Schwerin. 1913, S. 45.

Mögen die Bodenverhältnisse, auf denen die Franziskaner ihre Gebäude errichteten, auch schlecht gewesen sein, so floss doch während des Mittelalters der gesamte Verkehr zur Burg des Grafen von Schwerin, später zum Schloss der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin, am Konvent vorbei. So ist zu vermuten, dass der Konvent mit seiner Kirche starke seelsorgliche Beziehungen zu den Landesherren und seinen Adligen pflegte. Das Kloster lag zwar an der städtischen Peripherie, doch der südliche Befestigungsring der Stadt schloss die Anlage nicht mit ein. Sicherheit und Schutz boten hier der Burgsee und der Schweriner See.

Nach Abbruch der Gewölbe der Klosterkirche 1554 und weiterer Gebäude 1556 bis 1557 wurde am dortigen Standort von 1825 bis 1834 das Kollegiengebäude errichtet, heute Sitz der Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern.Die Staatskanzlei Zahlen, Fakten, Geschichten. Der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.) Schwerin 2010, S. 2–7. 1824 wurde das sogenannte Wagen- und Marstallgebäude, ein einstöckiger Fachwerkbau, der auch als Heu- und Strohmagazin gedient hatte, entfernt. Bei diesen Abbrucharbeiten wurden auch die Fundamente des alten Franziskanerklosters sowie zahlreiche Skelette, nicht nur von Mönchen, Münzen und Bruchstücke von Grabsteinen des alten Klosterfriedhofs freigelegt. Die Skelette wurden im Juli 1825 auf dem Domfriedhof beigesetzt.Hans Heinrich Leopoldi: Die Franziskaner und ihr Kloster. 1960, S. 50. Gefunden wurden auch ein frühgotisches Kapitell und ein Weihwasserbecken aus gotländischen Kalkstein von 0,50 Metern Höhe und 61 cm Durchmesser. Diese Schale mit acht reliefierten, maßwerkbesetzten Arkaden verziert und kam zunächst in das Schloss Ludwigslust und 1946 in das Schweriner Schloss. Dort 1985 wieder aufgefunden, ist es nun im Schloss Güstrow ausgestellt.Kristins Hegner: Aus Mecklenburgs Kirchen und Klöstern. Der Mittelalterbestand des Staatlichen Museums Schwerin. Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0062-7, S. 46.

An die Lage des Klosters erinnert heute die Klosterstraße, die an das Grundstück der katholischen Propsteikirche St. Anna grenzt.

Wirtschaftsordnung und klösterliche Ordnung Die frühesten Zuwendungen an das Schweriner Franziskanerkloster lassen sich 1344 mit einer Messstiftung der Lübeckerin Adelheid Lurley belegen. Sie vermachte den Brüdern zehn Mark zur sorgfältigen Abhaltung der von ihrer Schwester und deren Ehemann Jacob gestifteten Messe. Am 15. April 1349 ließ die Lübecker Witwe Margaretha Hureley ihr Testament in Gegenwart des Schweriner Rates aufsetzen, indem sie den Franziskanern fünf Mark vererbte. 1352 erhielt der Franziskanerbruder Heinrich van der Treppen aus dem Testament seines Lübecker Neffen eine hohe Geldsumme.Regesten der Lübecker Bürgertestamente 2, Nr. 465, 37. So waren Individualbezüge einzelner Brüder im Schweriner Franziskanerkloster schon im 14. Jahrhundert durchaus üblich, was für eine großzügige Auslegung des Armutsgelübdes spricht. 1361 und 1372 erhielt der Konvent aus weiteren Lübecker Nachlässen Gelder zur ausdrücklichen Verteilung unter den Brüdern.

Für das 15. und 16. Jahrhundert finden sich Nachrichten zum Franziskanerkloster im Schweriner Stadtverlaßbuch, dem ältesten Schweriner Stadtbuch. Es hat den großen Stadtbrand von 1531 überdauert und beinhaltet Aufzeichnungen für den Zeitraum von 1424 bis 1597. So errichtete am 27. April 1425 eine Schweriner Bürgerin bei den Schweriner Franziskanern eine Seelgerätstiftung. Am 24. Juni 1426 kaufte Cord von Pegel zwei Renten zu Weißbrotstiftungen zugunsten der Schweriner Brüder enneme iesliken monnyke an syne hand. Im selben Jahr 1426 stiftete der Wismarer Bürger Heinrich Kozeow eine Ewige Frühmesse bei den Schweriner Franziskanern. Die Messe sollte das ganze Jahr hindurch täglich vor der Öffnung der Stadttore in Schwerin zelebriert werden. Guardian Heinrich Haveland und Vizeguardian Paul van Renten bezeugten für ihren Konvent diese Stiftung.Stadtarchiv Schwerin: Stadtverlaßbuch der Stadt Schwerin, 1424–1597.Originalurkunde XXXVIII. (ungedruckt)