Die Unehelichen ist ein Sozialdrama des deutschen Filmregisseurs Gerhard Lamprecht aus dem Jahr 1926.
Geschichte Lamprecht realisierte den Film in seiner eigenen Firma, der Gerhard-Lamprecht-Film Produktion GmbH, für die National-Film A. G. in Berlin. Das Drehbuch hatte er zusammen mit Luise Heilborn-Körbitz nach amtlichem Material des „Vereins zum Schutze der Kinder gegen Ausnutzung und Mißhandlung“1875 in Deutschland gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in New York nach dem Bekanntwerden eines grausamen Falls von Vernachlässigung und Misshandlung eines Mädchens die „Society for the Prevention of Cruelty to Children“ gegründet, vgl. J. Hardt; S. O. Hoffmann: Kindheit im Wandel – Teil II: Moderne bis heute, S. 281, und Becker in ray 9/10: „In Die Unehelichen (1926) ließ Lamprecht alle vier Hauptrollen von Kindern spielen. Dem Drehbuch lag amtliches Material des „Vereins zum Schutz der Kinder vor Ausnutzung und Misshandlung“ zugrunde“. erstellt.
Mit Die Unehelichen setzte Lamprecht die 1925 mit Die Verrufenen begonnene Reihe seiner „Milljöh“-Filme fortvgl. Bender S. 90, Dahlke-Karl S. 131: „Die Unehelichen bildet mit Die Verrufenen und Menschen untereinander eine Trilogie, die Lamprechts Hinwendung zu sozialen Fragen bekundet und sein Herz für Kinder erweist.“, in denen er sich kritisch mit den prekären Lebensbedingungen im proletarischenvgl. dazu die Arbeit von Bender 2003, bes. auf den S. 79–83, 88, 90. Berlin beschäftigte.„Spannend sind die Milieubeobachtungen, die Aufnahmen in den Hinterhöfen und Eckkneipen, im Obdachlosenasyl und beim Lumpensammler, in den Wohnungen und Treppenhäusern, die Blicke der Kinder, der Arbeitslosen, der Kleinkriminellen“ schreibt H. H. Prinzler in seiner Einführung zu Die Verrufenen am 13. März 2008.
„Kinder, die ein Jahr zuvor in den ‚Verrufenen‘ noch Randfiguren waren, macht Lamprecht hier zu Haupthelden seines Films“.so Dahlke/Karl, S. 130. Darauf weist auch der Untertitel seines Films, Eine Kindertragödie, hin.
Produktion Hauptrollen waren wieder mit bereits bewährten Schauspielern wie Paul Bildt und Bernhard Goetzke, Käthe Haack, Margarete Kupfer und Lili Schoenborn besetzt; die Kinder waren Laiendarsteller und spielten sich selbst.vgl. hierzu Becker in ray 9/10: „In einem Presseartikel von 1926 – Titel: ‚Das Kind im Film‘ – erinnert der Regisseur daran, dass es gerade französische Filme waren, in denen man zuerst Kinder in entscheidenden Rollen auftreten sah […] Wenn man im Kinotheater mehr als eine bloße Unterhaltungsstätte sieht, so muss man anerkennen, dass diese französischen Filme einen großen Vorzug vor den amerikanischen haben, weil in ihnen die Kinder keine Kinohelden sind, sondern kleine Menschen, mit deren Schicksal man mitfühlt und mitleidet‘.“" Zu einiger Bekanntheit brachte es Fee Wachsmuth als Kinderdarstellerin; sie wurde auch in weiteren Filmen eingesetzt, z. B. 1928 in Mutter Krausens Fahrt ins Glück von Piel Jutzi. Dort heißt sie einfach „das Kind“.vgl. Becker in ray 9/10 und stummfilm.at
Die Filmbauten schuf Otto Moldenhauer, Karl Hasselmann fotografierte,„Der Kameramann Karl Hasselmann gehörte zum großen Kreis profilierter Bildgestalter im deutschen Film der zwanziger Jahre.“ (H. H. Prinzler, am 13. März 2008), s. a. Dahlke-Karl S. 342. und die Aufnahmeleitung hatte Ernst Körner.
Der Film, der im National-Atelier Berlin-Tempelhof entstand, wurde am 17. August 1926 der Zensur vorgelegt. Premiere war am 6. September 1926 in Berlin. Für die Uraufführung stellte Willy Schmidt-Gentner die Begleitmusik zusammen und dirigierte sie.vgl. Birett, S. 145 zu B 13 491, VIII 697. Das Werk hat eine Länge von 2132 Metern in 7 Akten.
In den Vereinigten Staaten wurde der Film zwei Jahre später, am 2. April 1928, in New York uraufgeführt; dort lief er unter dem Titel Children of No Importance.
Rezeption
Paul Gerhard Zeidler brachte noch im selben Jahr das Buch zum Film, einen „packenden Roman nach dem gleichnamigen Gerhard Lamprecht-Film“, im Orania-Verlag Berlin-Oranienburg auf den Markt.
Der Sozialpsychologe Siegfried Bernfeld widmete den Unehelichen 2012 ein Kapitel im vierten Band seiner Werke, der Arbeiten Bernfelds zur Heim- und Fürsorgeerziehung enthält.vgl. psychosozial-verlag
Wiederveröffentlichung Der Film wurde im November 2012 in der Edition Filmmuseum mit einer Musikbegleitung von Donald Sosin und einem 16-seitigen booklet mit Texten von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen auf DVD veröffentlicht,zusammen mit Lamprechts »Die Verrufenen (Der fünfte Stand)« als Doppel-DVD (Nr. 77), vgl. Edition Filmmuseum die Ausgabe wurde am 28. Januar 2013 von Hans Helmut Prinzler rezensiert.
Literatur Antti Alanen: filmdiary 7. Okt. 2013: DIE UNEHELICHEN Eine Kindertragödie Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen: 16-seitiges dreisprachiges booklet zur DVD in der Edition Filmmuseum Nr. 77 von 2012. Rolf Aurich: Mosaikarbeit. Gerhard Lamprecht und die Welt der Filmarchive. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Edition Text + Kritik, München 2013, ISBN 978-3-86916-226-3. Jörg Becker: Die besseren Darsteller (Kinder im Film), in: ray magazin 9/10 Nadine Bender: Das proletarische Berlin im Film der Weimarer Republik. Magister-Hausarbeit im Fach „Neuere deutsche Literatur und Medienwissenschaft“ beim Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften der Philipps-Universität Marburg, Marburg 2003. Siegfried Bernfeld: Sozialpädagogik. Werke, Band 4. Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse. Herausgegeben von Daniel Barth und Ulrich Herrmann. Psychosozial-Verlag, 2012, ISBN 978-3-8379-2075-8. Herbert Birett: Stummfilmmusik. Eine Materialsammlung. Deutsche Kinemathek Berlin, Berlin 1970. Sybille Buske: Fräulein Mutter und ihr Bastard: eine Geschichte der Unehelichkeit in Deutschland, 1900–1970 (= Band 5 von Moderne Zeit). Wallstein Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-750-0. Länge 400 Seiten. Hier: S. 92 u. 384. Ioana Craciun-Fischer, Universität Bukarest: Die Dekonstruktion des Bürgerlichen in den Stummfilmen der Weimarer Republik am Beispiel des Films „Asphalt“ (1929) von Joe May. Vortrag vor der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. am 12. September 2013. Günther Dahlke und Günter Karl (Hrsg.): Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933. Henschel Verlag, Berlin 1993. DW.DE (Deutsche Welle): Wiederentdeckt: Regisseur Gerhard Lamprecht Walter Gasper: „Berliner Milieufilme“ von Gerhard Lamprecht, bei artCore 28. Februar 2013 Michael Hanisch: Der Kalligraph. Der Regisseur und Filmhistoriker Gerhard Lamprecht, in: film-dienst 20/1997 Jochen Hardt und Sven Olaf Hoffmann: Kindheit im Wandel – Teil II: Moderne bis heute. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006 (= Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie. Ergebnisse aus Psychoanalyse, Psychologie und Familientherapie 55. Jahrgang. Herausgegeben von Ulrike Lehmkuhl, Berlin, und Annette Streeck-Fischer, Göttingen) Hans-Helmut Prinzler: Der ‘Zillefilm’ von Gerhard Lamprecht. Filmeinführung in der Akademie der Künste 13. März 2008. Hans Helmut Prinzler: Zwei Filme von Gerhard Lamprecht, Rezension vom 28. Januar 2013. Paul Gerhard Zeidler: Die Unehelichen. Erstausgabe; packender Roman nach dem gleichnamigen Gerhard Lamprecht-Film; Ausgabe 1. bis 5. Tausend; 173 Seiten, ca. 20 × 13 cm; Taschenbuch. Oranienburg, Orania-Verlag, 1926.
Weblinks
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Filmtitel 1926 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Stummfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Milieustudie (Film)