L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi oder Elpidia (HWV A1) ist ein Pasticcio (Dramma per musica) in drei Akten, das am 11. Mai 1725 im King’s Theatre am Haymarket in London uraufgeführt wurde. Es ist im Händel-Werke-Verzeichnis gelistet, doch ist nicht gesichert, ob Georg Friedrich Händel mit dem Arrangement des Werks überhaupt etwas zu tun hatte. Die Musik ist größtenteils von Leonardo Vinci.
Entstehung mini|270px|Nach Ansicht mancher Forscher (z. B. Warren Treadgold) stellt dieses zeitgenössische Mosaik aus Ravenna Belisar dar. Die Zuordnung ist aber unsicher.
Händel-Forscher wie Bernd Baselt und Reinhard Strohm nahmen ursprünglich an, L’Elpidia sei das erste von Händel zusammengestellte Pasticcio gewesen, und dass er selber, wie bei seinen späteren Pasticci, zusätzlich zur Musik anderer Autoren Rezitative und eventuell zwei Duette hinzu komponiert habe.John H. Roberts: Handel and Vinci’s ‘Didone abbandonata’: Revisions and Borrowings. In: Music & Letters, Vol.&n68, Nr.&n2, Oxford University Press (1987), S. 141.Reinhard Strohm: Handel’s pasticci. In: Essays on Handel and Italian Opera. Cambridge University Press, 1985, Reprint 2008: ISBN 978-0-521-26428-0, S. 167 ff.Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Instrumentalmusik, Pasticci und Fragmente. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 3. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986, ISBN 3-7618-0716-3, S. 345. Diese Ansicht wurde jedoch durch einige Briefe des ehemaligen Londoner Theatermanagers Owen Swiney in Frage gestellt, die 1989 durch Elizabeth Gibson veröffentlicht wurden.Elizabeth Gibson: The Royal Academy of Music, 1719–1728: The Institution and Its Directors. Garland Publishing, New York/London 1989, ISBN 0-8240-2342-0. Swiney wirkte zu dieser Zeit in Italien als eine Art Agent und Berater für die Royal Academy und hatte das Pasticcio offensichtlich bei dem neapolitanischen Komponisten Leonardo Vinci, von dem der Löwenanteil der Musik stammt, in Auftrag gegeben und auch dafür bezahlt.John H. Roberts: L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi. In: Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 211 f.Reinhard Strohm: L’Elpidia (HWV A1), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 363.
Elpidia war das erste Pasticcio der Royal Academy und erlebte seine Uraufführung – möglicherweise unter Händels Leitung – am 11. Mai 1725 im King’s Theatre, in der folgenden Besetzung: Belisario – Giuseppe Maria Boschi (Bass) Olindo – Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (Altkastrat) Ormonte (Arminio) – Andrea Pacini (Altkastrat) Elpidia – Francesca Cuzzoni (Sopran) Vitige – Francesco Borosini (Tenor) Rosmilda – Benedetta Sorosina (Mezzosopran)
Die Oper war ziemlich erfolgreich und lief bis zum Ende der Saison am 19. Juni an insgesamt 12 Abenden.Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Instrumentalmusik, Pasticci und Fragmente. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 3. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986, ISBN 3-7618-0716-3, S. 346.
Das Werk wurde außerdem zu Beginn der folgenden Spielzeit zwischen dem 30. November und dem 14. Dezember 1725 für insgesamt fünf Aufführungen wiederaufgenommen, mit einer veränderten Besetzung: Die Rollen von Pacini, Borosini und Sorosina wurden nun von Antonio Baldi, Luigi Antinori und Anna Vicenza Dotti übernommen, wobei eine Reihe von Arien ersetzt wurden.
Libretto Das Libretto ist eine Überarbeitung von Apostolo Zenos I rivali generosi, das zuerst 1697 in Venedig mit Musik von Marc’Antonio Ziani aufgeführt worden war.
Die Libretti von Venedig 1697 und London 1725 wurden in einer modernen Ausgabe von Lorenzo Bianconi 1992 veröffentlicht.Lorenzo Bianconi: I: Da Vincer se stesso è la maggior vittoria (1707) a L’Elpidia, overo Li rivali generosi (1725). In: I libretti italiani di Georg Friedrich Händel e le loro fonti. Leo S. Olschki Verlag, Florenz 1992.John H. Roberts: L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi. In: Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 212
Musik Hauptquellen für die Musik zu Elpidia sind die Direktionspartitur („Handexemplar“) sowie ein zeitgenössischer Druck von John Walsh, der die Ouvertüre und neunzehn Gesänge veröffentlichte.
Als Komponisten nennt das Londoner Libretto vom Frühling 1725: . In der Tat fand Reinhard Strohm heraus, dass die meisten Arien des Pasticcios aus drei Opern stammen, die alle im Karneval 1724/25 am Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig aufgeführt wurden: Leonardo Vincis Ifigenia in Tauride (sechs Arien und der Schlusschor) und La Rosmira fedele (sieben Arien) sowie Giuseppe Maria Orlandinis erster Berenice-Oper (drei Arien). Die Sinfonia ist zumindest teilweise aus Vincis Eraclea (Neapel 1724) entnommen.Siehe die Tabelle der Musiknummern in: Reinhard Strohm: L’Elpidia (HWV A1), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 359–360 (Tabelle) sowie 361 (die Zahlen der Arien im Text sind nicht ganz korrekt). Auch der Stil der Rezitative deutet laut John H. Roberts auf Vinci als Komponisten hin, der vermutlich auch zwei Duette und drei Accompagnato-Rezitative neu komponierte.
Die Partitur, die Swiney aus Venedig schickte, wurde jedoch für die Londoner Aufführungen noch verändert und ergänzt – ob Händel an diesen Bearbeitungen beteiligt war, lässt sich nicht klar nachweisen. Beispielsweise wurde eine der Arien aus Orlandinis Berenice für den Altkastraten Pacini durch ein Stück aus Capellis Venceslao ersetzt. Andere Arien werden in einem erhaltenen Exemplar des Librettos Domenico Sarro und Francesco Peli zugeschrieben.Siehe die Tabelle der Musiknummern in: Reinhard Strohm: L’Elpidia (HWV A1), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 359–360. Für den Bassisten Giuseppe Maria Boschi wurden nachträglich drei Arien eingeschoben, von denen zwei aus Antonio Lottis Teofane (Dresden 1719) stammen.Reinhard Strohm: Handel’s pasticci. In: Essays on Handel and Italian Opera. Cambridge University Press, 1985, Reprint 2008: ISBN 978-0-521-26428-0, S. 168.
Für die Wiederaufnahme der Elpidia im Herbst 1725 wurden einige Arien durch andere von Sarro, Orlandini, Geminiano Giacomelli u. a. ersetzt, aber da kein gedrucktes Libretto dieser Saison vorliegt, ist die Musik für diese Aufführungen nicht genau bekannt.
Orchester Zwei Oboen, zwei Trompeten, Streicher, Basso continuo (Violoncello, Erzlaute oder Theorbe, 2 CembaliEs ist bekannt, dass in Händels (wie in italienischen) Opernaufführungen zwei Cembali und „Erzlaute“ verwendet wurden. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 34–35.).
Literatur Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Instrumentalmusik, Pasticci und Fragmente. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 3. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986, ISBN 3-7618-0716-3. John H. Roberts: L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi. In: Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 211 f. (englisch). Reinhard Strohm: Handel’s pasticci. In: Essays on Handel and Italian Opera. Cambridge University Press, 1985, Reprint 2008, ISBN 978-0-521-26428-0, S. 167 ff. (englisch). Reinhard Strohm: L’Elpidia (HWV A1), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 359–364 Apostolo Zeno: L’Elpidia, overo li rivali generosi. Drama per musica. Da rappresentarsi nel Regio Teatro di Hay-Market, per la Reale Accademia di Musica. Reprint des Librettos von 1725: Gale Ecco, Print Editions, Hampshire 2010, ISBN 978-1-170-97569-5. Steffen Voss: Pasticci: Elpidia, ovvero li rivali generosi. In: Hans Joachim Marx (Hrsg.): Das Händel-Handbuch in 6 Bänden: Das Händel-Lexikon. Band 6. Laaber-Verlag, Laaber 2011, ISBN 978-3-89007-552-5, S. 558.
Weblinks
weitere Angaben zu Elpidia auf handelforever.com weitere Angaben zu Elpidia auf gfhandel.org
Einzelnachweise
Kategorie:Operntitel Kategorie:Oper aus dem 18. Jahrhundert Kategorie:Oper in italienischer Sprache Kategorie:Opera seria Kategorie:Georg Friedrich Händel Kategorie:Musik 1725 Kategorie:Pasticcio Kategorie:Antikenrezeption