mini|Rampenlicht beim Proszenium des Pariser Théâtre des Variétés: Jean Béraud 1888

Das Rampenlicht oder Fußlicht (auch Fußrampe oder einfach Rampe) war ein wichtiger Bestandteil der historischen Theaterbeleuchtung. Es besteht aus einer Anordnung von Leuchtmitteln am vorderen Bühnenrand, der sogenannten Rampe.Das Allgemeine Theater-Lexikon von 1846 definiert die Rampe als „Gestell“ für die Fußlichter: Robert Blum, Karl Herloßsohn, Hermann Marggraff: Allgemeines Theater-Lexikon oder Encyklopädie alles Wissenswerthen für Bühnenkünstler, Dilettanten und Theaterfreunde, Neue Ausgabe, Pierer und Heymann, Altenburg/Leipzig 1846, Bd. 6, S. 154 (Digitalisat).

Rampenlicht ist bis heute kein gerichtetes Scheinwerferlicht, sondern Flutlicht, auch wenn das englische Spotlight oft mit „Rampenlicht“ übersetzt wird. Obwohl es jahrhundertelang als „unnatürliche“ Notlösung beklagt wurde, weil die Mitte der Bühne nicht besser beleuchtet werden konnte, und obwohl es wegen der offenen Flammen eine Gefahr für die Darsteller war, hielt sich das Rampenlicht bis ins 20. Jahrhundert hinein. Heute hat es auch im Theater nur noch geringe Bedeutung. Im übertragenen Sinn der „öffentlichen Aufmerksamkeit“ ist der Ausdruck Rampenlicht nach wie vor gebräuchlich.

Im 19. Jahrhundert wetteiferten manche Theater mit ihrem Rampenlicht um die hellste Lichttechnik, was der Kunst und den Künstlern nicht immer zuträglich war und die Brandgefahr durch Vermehrung der Flammen und den Wechsel der Brennstoffe von Talg und Pflanzenölen über Petroleum und Camphin bis hin zu Stadtgas und Knallgas vergrößerte. Als es elektrische Scheinwerfer gab, war das Rampenlicht der bloßen Helligkeit wegen nicht mehr nötig. Aus Traditionsgründen und für besondere Effekte wird es da und dort noch verwendet. Unter anderem hielten sich sein dramatisches Potenzial (Schlagschatten auf den Gesichtern) im Melodram und seine erotische Komponente (hervorgehobene Beine) in Revue und Varieté, was auch die Lichtführung von Filmszenen beeinflusst hat.

Geschichte Von der Kerze zum Gaslicht Frühe Zeugnisse mini|Strolling Actresses Dressing in a Barn: William Hogarth 1738 Eine frühe Erwähnung des Rampenlichts als Bühnenbeleuchtung findet sich in Sebastiano Serlios Le premier livre d’architecture 1545.Sarah Stanton, Martin Banham (Hrsg.): The Cambridge Paperback Guide to Theatre. Cambridge Univ. Press, 1996, ISBN 0-521-44654-6, S. 349. Im 17. Jahrhundert diskutierten die Architekten Joseph Furttenbach (Architectura recreationis, 1640) und Nicola Sabbatini (Pratica di fabricar scene e macchine ne’ teatri, 1638) das Rampenlicht ausführlicher: Sabbatini meinte, dass es die Kostüme gut zur Geltung bringe, aber für die Darsteller hinderlich und unvorteilhaft sei. Es lasse sie „bleich und abgezehrt erscheinen, als ob sie das Fieber gehabt hätten“.Johannes Bemmann: Die Bühnenbeleuchtung vom geistlichen Spiel bis zur frühen Oper als Mittel künstlerischer Illusion. [Diss. im Selbstverlag], Leipzig 1933, S. 115. Das Rampenlicht konnte sich gegenüber einer gemeinsamen Beleuchtung von Zuschauerraum und Bühne mittels Kronleuchtern noch nicht allgemein durchsetzen.

Erst im 18. Jahrhundert wurde die gleichmäßige Beleuchtung von Bühne und Zuschauerraum während der Vorstellung aufgegeben und machte einer differenzierteren Bühnenbeleuchtung Platz, die aus einer Beleuchtung der Hinterbühne von den Gassen aus und dem Rampenlicht am vorderen Bühnenrand bestand. Dadurch wurde das Bühnengeschehen besser sichtbar als der Zuschauerraum. Auf William Hogarths Kupferstich Strolling Actresses Dressing in a Barn (1738) sind vorne links der Mitte eine Reihe von Kerzen mit Haltern zu sehen, die mit großer Wahrscheinlichkeit als Fußlichter dienten. Dies zeigt nach Ansicht des Historikers Carl Friedrich Baumann, dass auch wandernde Schauspieltruppen diese Art Beleuchtung verwendeten.Carl-Friedrich Baumann: Licht im Theater. Von der Argand-Lampe bis zum Glühlampen-Scheinwerfer. Steiner, Stuttgart 1988, ISBN 3-515-05248-8, S. 24.

Kontroversen Rampenlicht wurde unvermindert kritisiert, als es sich durchgesetzt hatte, doch es ließ sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts durch keine bessere Technik ersetzen. Die Ästhetik des Rampenlichts wurde selten begrüßt. Der Choreograph Jean Georges Noverre lehnte es mit den Worten ab, dass nichts verfehlter sei als eine Beleuchtung von unten nach oben.Jean Georges Noverre: Observations sur la construction d’une nouvelle Salle de l’Opéra, La Haye, Paris 1807, Bd. 2, S. 241. Johann Christian von Mannlich befand 1802, das Rampenlicht sei „sonderlich dem Frauenzimmer wegen des Schattens über der Brust und über der Nase sehr unvorteilhaft“.Johann Christian von Mannlich: Versuch über Gebräuche, Kleidung und Waffen der ältesten Völker bis auf Constantin den Großen nebst einigen Anmerkungen über die Schaubühne, Seidel, München 1802, S. 14, Anm. a). URL: http://archive.org/details/versuchubergebra00mann, abgerufen am 28. Juli 2013

Zu Gunsten des Rampenlichts wurde aus Gründen der Nützlichkeit argumentiert. So erklärte der Chemiker Antoine-Laurent de Lavoisier um 1766: „Man erhält so ein Mittel, dass die Zuschauer nicht mehr so schnell ermüden. Man spart sehr viel Brennstoff, was sehr viel ausmacht, wenn man nicht daran denkt, dass er außerdem unsere Schauspielsäle übel riechend und ungesund macht.“Antoine-Laurent Lavoisier: Œuvres, Bd. 3, Paris 1865, S. 96, zitiert nach Baumann (1988), Licht im Theater, S. 69.

Kerze und Öllampe mini|Ein kostümierter Lichtputzer kürzt die Dochte des Rampenlichts, vor 1800. Das Rampenlicht bestand zunächst aus einer Reihe von Kerzen am vorderen Bühnenrand auf der ganzen Breite der Bühne. Weil die aus Talg hergestellten Kerzen schon nach etwa zehn Minuten Brennzeit ein Drittel an Helligkeit verloren, wie Johann Gottfried Dingler ausführte, mussten sie während der Aufführung von Lichtputzern mit einer Dochtschere gewartet werden, welche oft zum Drama passende Kostüme trugen. Die Kerzen wurden manchmal durch eine erhöhte Begrenzung der Rampe gegenüber dem Publikum verborgen. Darstellerinnen mit langen Kleidern mussten sich in Acht nehmen, dem Feuer nicht zu nahe zu kommen.

Es gab das am Bühnenrand frei stehende und das in einem schmalen Graben vor der Bühne vertieft angebrachte Rampenlicht. Um eine Blendung der Zuschauer zu vermeiden und das auf die Bühne geworfene Licht zu verstärken, wurden einzelne Blenden pro Flamme oder eine durchlaufende Blende zwischen Flammen und Zuschauerraum angebracht.Friedrich Kranich: Bühnentechnik der Gegenwart, Bd. 2, Oldenbourg, München 1929, Anhang, Abb. 17. Die Blendung und Gefährdung der Darsteller wurden in Kauf genommen. Die Blenden dienten zugleich als Reflektoren, die oft zylinder- oder muschelförmig gestaltet waren. Bei manchen Theatern war das Rampenlicht in eine Versenkeinrichtung oder in Bodenklappen eingebaut, sodass es unter der Bühne gezündet werden und die Vorderbühne dann schlagartig erhellen oder verdunkeln konnte, was auch „Tagmaschine“ genannt wurde.Baumann (1988), Licht im Theater, S. 25.

Die Comédie-Française ersetzte die 48 Kerzen des Rampenlichts bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch 32 mehrdochtige Öllampen.Herbert A. Frenzel: Geschichte des Theaters. Daten und Dokumente 1470–1840. Kiepenheuer & Witsch, München 1979, S. 191. Dem Austausch der Lampen durch das hellere Gaslicht, das die Augen stärker ermüdete, konnten sich die Schauspieler an dieser Bühne nach Charles Nuitters Angaben bis weit ins 19. Jahrhundert hinein widersetzen.Charles Nuitter: Le nouvel Opéra, Hachette, Paris 1875, S. 216.

Argand-Lampe mini|Wanderschauspieler mit improvisiertem Rampenlicht: Honoré Daumier 1858. Die kaum mehr flackernde und durch verbesserte Sauerstoffzufuhr wesentlich hellere Argand-Lampe seit etwa 1800, die zunächst noch mit Pflanzenölen und späterhin mit Petroleum betrieben wurde, stellte eine deutliche Verbesserung dar. Erstmals wurde sie bereits 1784, kurz nach ihrer Erfindung, im Pariser Théâtre de l’Odéon eingesetzt. Ihre Lichtstärke übertraf die Kerze etwa um den Faktor 10. Das Rampenlicht der Pariser Oper bestand zeitweise aus einer Reihe von 52 Argand-Lampen, in der Königlichen Oper Berlin waren es 72.Wolfgang Greisenegger, Tadeusz Kreszowiak (Hrsg.): Schein werfen. Theater – Licht – Technik. Brandstätter, Wien 2008, ISBN 978-3-85033-218-7, S. 61. Dies blieb für manche Bühnen bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus die hauptsächliche Beleuchtung.

Der Dresdner Architekt Karl Moritz Haenel erwähnte 1846 farbiges Rampenlicht, das durch den Vorsatz von eingefärbten Glasplatten erreicht werde: Blaugrün für Mondschein, gelb und rot für Abend- und Morgensonne. Schwarze Schirme waren für die Argand-Lampen in Gebrauch, wenn Finsternis auf der Bühne herrschen sollte, und sie seien durch das gasbetriebene Rampenlicht entbehrlich geworden, weil dafür die Gaszufuhr gedrosselt werden konnte.Haenel: Über die Gasbeleuchtung im Theater, in: Romberg’s Zeitschrift für praktische Baukunst, 101 (1846), Nr. LXXV, Heft 3, S. 356. „Die Veränderung der Beleuchtung“, so führte das Allgemeine Theater-Lexikon aus, „geschieht am Besten durch den Souffleur“.Robert Blum, Karl Herloßsohn, Hermann Marggraff: Allgemeines Theater-Lexikon oder Encyklopädie alles Wissenswerthen für Bühnenkünstler, Dilettanten und Theaterfreunde, Neue Ausgabe, Pierer und Heymann, Altenburg/Leipzig 1846, Bd. 6, S. 154 (Digitalisat).

Gaslicht mini|Rampenlicht im Pariser Théâtre du Gymnase-Dramatique: Adolph Menzel 1856. mini|Gaslicht als Fußlicht in der Pariser Oper für das Nonnenballett aus Robert le diable: Edgar Degas 1876 Die Beleuchtung der Theater mit Ölgas und später mit dem aus Steinkohle gewonnenen Stadtgas setzte sich seit den 1810er-Jahren zunehmend durch. Das Londoner Drury Lane Theatre hatte in den 1820er-Jahren bereits gasbetriebenes Rampenlicht mit 80 Lampen.Baumann (1988), Licht im Theater, S. 83. Da die Gasbeleuchtung noch auf offenen Flammen beruhte, hatte sie einen geringen Wirkungsgrad, war also nicht besonders hell und trug erheblich zur Heizung bei, was für die Bühnendarsteller nicht unbedingt angenehm war. Auf einer Vorbühne in Paris wurde als Durchschnittstemperatur 37,5 °C gemessen,Baumann (1988), Licht im Theater, S. 98. und auch die Musiker im Orchestergraben wurden durch die Hitze beeinträchtigt. Durch die aufsteigende Heißluft waren die Schauspieler zudem einem ständigen Luftzug ausgesetzt.

Weil dem Gas Kohlenstoffpartikel beigemischt wurden, um die Flamme heller zu machen (sofern die brennbaren Verunreinigungen wie Naphthalin nicht ausreichten), beeinträchtigte der Ruß zusammen mit dem in großer Menge produzierten Kohlenstoffdioxid und dem giftigen Kohlenstoffmonoxid die Luftqualität im Theater. Da eine vollständige Entschwefelung nicht möglich war, verbreitete sich je nach Qualität des Gases aufgrund der Spuren von Schwefelwasserstoff ein Geruch von faulen Eiern.

Auf der anderen Seite war Gas ökonomischer als Öl, wenn man von einer vergleichbaren Lichtstärke ausging. Mit der neuen Technik wuchsen aber auch die Ansprüche, sodass sich höhere Beleuchtungskosten ergaben.Baumann (1988), Licht im Theater, S. 108. Die Lichtqualität des Gaslichts als Bühnenbeleuchtung wurde geschätzt, nicht zuletzt weil sich die Gaszufuhr und damit die Beleuchtungsstärke in gewissem Maß regeln ließen. Mit zahlreichen Experimenten, etwa mit nach unten gerichteten Flammen, indirekter Abstrahlung auf die Bühne und Abzugsvorrichtungen unter dem Bühnenboden, versuchten Architekten und Bühnentechniker, die Nachteile des gasbetriebenen Rampenlichts in den Griff zu bekommen. Der Physiker Jules Antoine Lissajous entwickelte 1861 eine solche Anlage für die Pariser Oper. Auch in der Mailänder Scala 1868 und in der Wiener Hofoper wurden Fußrampen mit Luftabzug eingebaut.Baumann (1988), Licht im Theater, S. 96–98