Hannsjoachim Wolfgang Koch (* 1933 in München; † unbekanntReport of Council, Session 1998–1999. In: Transactions of the Royal Historical Society 9 (1999), S. 353–361 und 363–372, hier: S. 359 f.) war ein britischer Historiker deutscher Herkunft. Sein Vorname schreibt sich Hannsjoachim mit Doppel-n, in vielen Katalogen und Bibliografien finden sich jedoch auch Schreibweisen mit einfachem n (Hansjoachim) oder mit Bindestrich (Hans-Joachim).
Leben Koch erwarb 1965 einen BA in History und American Studies an der Keele University bei Newcastle-under-Lyme. Danach war er Lecturer in History an der University of York. Koch lehrte sowohl an britischen als auch an deutschen Universitäten,Verlagsangaben, vgl. Michael H. Kater: Die unbewältigte Jugendbewegung. Zu neuen Büchern von Rudolf Kneip, Werner Kindt und Hansjoachim W. Koch. [Sammelrezension]. In: Archiv für Sozialgeschichte Bd. 17 (1977), S. 559–566, hier: S. 564. so war er etwa ab 1970 Gastdozent an der Hochschule für Politik München. In den 1980er Jahren erwarb der am Yorker Department of History tätige Koch einen DPhil.Vgl. List of Fellows of the Royal Historical Society. In: Transactions of the Royal Historical Society 31 (1981), S. 244–287, hier: 266; List of Fellows of the Royal Historical Society. In: Transactions of the Royal Historical Society 37 (1987), S. 187–240, hier: S. 214. Bis zu seinem Tode war er Fellow der Royal Historical Society. Koch war verheiratet und Vater von zwei Kindern.The Academic Who’s who 1973–1974: University Teachers in the British Isles in Arts, Education and Social Sciences. A. & C. Black, Löndon 1973, ISBN 0-7136-1340-8, S. 260.
Rezeption Wenig hilfreich sei die sprachlich bisweilen holprige Studie Der Sozialdarwinismus (1973) für die „weitere Erforschung“ des Themas, bemerkte der Historiker Winfried Baumgart.Winfried Baumgart: Der Sozialdarwinismus. Seine Genese Und Sein Einfluß Auf Das Imperialistische Denken von Hannsjoachim W. Koch. In: Historische Zeitschrift 219 (1974) 2, S. 431 f. Die Wissenschaftshistorikerin Brigitte Hoppe resümierte: „Trotz Auswertung von Fachliteratur in allgemeinen Feststellungen steckenbleibender, wenig gelungener Versuch“.Brigitte Hoppe: Die Evolutionstheorie im deutschen Sprachgebiet. Zur wissenschaftlichen, epistemologischen und wissenschaftshistorischen Auseinandersetzung im vergangenen Jahrzehnt. In: History and Philosophy of the Life Sciences 7 (1985) 1, S. 121–147, hier S. 140.
Nach dem Historiker Wolfgang Wippermann handelt es sich bei Koch um einen „revisionistische[n] Historiker“. So versuchte er in seiner 1988 veröffentlichten Arbeit über den Volksgerichtshof, „Freisler als einen integren und pflichtbewußten Beamten zu feiern“.Wolfgang Wippermann: Umstrittene Vergangenheit. Fakten und Kontroversen zum Nationalsozialismus (= Antifa-Edition). Elefanten-Press, Berlin 1998, ISBN 3-88520-717-6, S. 68. Hans-Ulrich Wehler bezeichnet Koch im Zusammenhang mit dem vorgelegten Buch als „rechtsradikalen Autor“.Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. [1700–1990]. Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten, 1914–1949. 2. durchgesehene Auflage, Beck, München 2003, ISBN 3-406-32264-6, S. 1134.
Das Werk zur Geschichte der Hitlerjugend (1975) ist laut Wippermann als „apologetisch“ einzustufen.Wolfgang Wippermann: Umstrittene Vergangenheit. Fakten und Kontroversen zum Nationalsozialismus (= Antifa-Edition). Elefanten-Press, Berlin 1998, S. 172, Fn. 62. Für Michael H. Kater hat Koch „populärschriftstellerische Intentionen“ und wolle den „interessierten Laien“ ansprechen. Kater kritisierte Kochs ZitierweiseMichael H. Kater: Die unbewältigte Jugendbewegung. Zu neuen Büchern von Rudolf Kneip, Werner Kindt und Hansjoachim W. Koch. [Sammelrezension]. In: Archiv für Sozialgeschichte Bd. 17 (1977), S. 559–566, hier S. 564. und QuellenanalyseMichael H. Kater: Die unbewältigte Jugendbewegung. Zu neuen Büchern von Rudolf Kneip, Werner Kindt und Hansjoachim W. Koch. [Sammelrezension]. In: Archiv für Sozialgeschichte Bd. 17 (1977), S. 559–566, hier S. 565.. Auch gebe es „sachliche Fehler“. Letztlich mangele es der Arbeit an einschlägigen Forschungsansätzen.Michael H. Kater: Die unbewältigte Jugendbewegung. Zu neuen Büchern von Rudolf Kneip, Werner Kindt und Hansjoachim W. Koch. [Sammelrezension]. In: Archiv für Sozialgeschichte Bd. 17 (1977), S. 559–566, hier S. 566. Ebenfalls als populärwissenschaftlich stuft der Historiker Markus Köster die Schrift ein.Markus Köster: Jugend, Wohlfahrtsstaat und Gesellschaft im Wandel. Westfalen zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik (= Forschungen zur Regionalgeschichte. Bd. 30). Schöningh, Paderborn 1999, ISBN 3-506-79602-X, S. 250, Fn. 6. Gelieferte „Informationen und Bewertungen“ zur frühen HJ seien „wenig überzeugend“, wie der Judaist Heinz Schreckenberg feststellte.Heinz Schreckenberg: Erziehung, Lebenswelt und Kriegseinsatz der deutschen Jugend unter Hitler. Anmerkungen zur Literatur (= Geschichte der Jugend. Bd. 25). Lit Verlag, Münster u. a. 2001, ISBN 3-8258-4433-1, S. 244. Wehler sieht die Schrift „aus der rechtsradikalen Ecke“ geschrieben.Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. [1700–1990]. Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten, 1914–1949. 2. durchgesehene Auflage, Beck, München 2003, ISBN 3-406-32264-6, S. 1059, Fn. 15.
Der Historiker Heinz Hürten sieht das Werk Der Deutsche Bürgerkrieg (1978) als keinen großen Erkenntnisgewinn. Zudem gebe es „sachliche Irrtümer“ und formale „Nachlässigkeiten“.Heinz Hürten: Der Deutsche Bürgerkrieg. Eine Geschichte der deutschen und österreichischen Freikorps 1918–1923 von Hannsjoachim W. Koch. In: Historische Zeitschrift 235 (1982) 3, S. 735 f. Laut dem Historiker Boris Barth stelle Koch „die Ereignisgeschichte korrekt dar“, tendiere jedoch „zu starken Apologien“.Boris Barth: Europa nach dem Großen Krieg. Die Krise der Demokratie in der Zwischenkriegszeit, 1918–1938. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-593-50521-3, S. 301, Fn. 23. Wehler bewertet das Werk als „unverhohlen apologetisch“.Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. [1700–1990]. Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten, 1914–1949. 2. durchgesehene Auflage, Beck, München 2003, ISBN 3-406-32264-6, S. 1027, Fn. 3. Laut Wolfgang Niess ging es Koch bei dem Buch um eine „Ehrenrettung der Freikorps“, die man nicht in die Vorgeschichte des Nationalsozialismus einordnen dürfe.Wolfgang Niess: Die Revolution von 1918/19 in der deutschen Geschichtsschreibung. Deutungen von der Weimarer Republik bis ins 21. Jahrhundert. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-11-028546-8, S. 279 f.
Schriften (Auswahl) Der Sozialdarwinismus. Seine Genese und sein Einfluss auf das imperialistische Denken (= Beck’sche schwarze Reihe. Bd. 97). Beck, München 1973, ISBN 3-406-02497-1. Geschichte der Hitlerjugend. Ihre Ursprünge und ihre Entwicklung, 1922–1945. Vom Verfasser autorisierte Übersetzung [The Hitler youth] durch Helmut Kossodo und Ulrich Riemerschmidt, Schulz, Percha am Starnberger See 1975, ISBN 3-7962-0070-2. Der deutsche Bürgerkrieg. Eine Geschichte der deutschen und österreichischen Freikorps 1918–1923. Aus dem Englischen von Klaus Oelhaf und Ulrich Riemerschmidt, Ullstein, Berlin u. a. 1978, ISBN 3-550-07379-8. (Ed. Antaios, Dresden 2002, ISBN 3-935063-12-1.) Geschichte Preussens. Aus dem Englischen [A history of Prussia] von Joachim Heimannsberg und Ulrich Riemerschmidt, List, München 1980, ISBN 3-471-77951-5. History of warfare. Gallery Books, New York 1987, ISBN 0-8317-4492-8 (englisch). Volksgerichtshof. Politische Justiz im 3. Reich. Teilübersetzung aus dem Englischen von E. Malsch, Universitas, München 1988, ISBN 3-8004-1152-0. Deutsche Nationalgeschichte – warum? Ein kritischer Essay (= Türmer-Taschenbuch. No. 18). Türmer-Verlag, Berg 1990, . Die Befreiungskriege, 1807–1815. Napoleon gegen Deutschland und Europa. Verlagsgesellschaft Berg, Berg am Starnberger See 1998, ISBN 3-86118-075-8. Illustrierte Geschichte der Kriegszüge im Mittelalter („Medieval Warfare“, 1978). Bechtermünz Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-8289-0321-5. Die deutschen Armeen im 19. und 20. Jahrhundert. Übersetzung aus dem Englischen durch Sigrun Augstein, Vorwinkel, Berg/Starnberger See 1999, ISBN 3-921655-99-4.
Literatur The Academic Who’s who 1973–1974: University Teachers in the British Isles in Arts, Education and Social Sciences. A. & C. Black, Löndon 1973, ISBN 0-7136-1340-8, S. 260.
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Einzelnachweise
Kategorie:Neuzeithistoriker Kategorie:Mitglied der Royal Historical Society Kategorie:Brite Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann