alt=Künstlerische Darstellung der Bibliothek von Alexandria aus dem 19. Jahrhundert.|mini|247x247px|Darstellung der Bibliothek von Alexandria. Eine der frühsten Versionen der Wissensrepräsentation.

Informationswissenschaft untersucht Information und Wissen. Sie beschäftigt sich mit deren Präsentation und Repräsentation in (meist digitalen) Systemen und dem Suchen und Finden von relevantem Wissen.Wolfgang G. Stock: Information Retrieval. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 1. Außerdem werden die Eigenschaften und das Verhalten von Information, der Informationsfluss sowie die Möglichkeiten der Informationsverarbeitung in natürlichen und künstlichen Systemen erforscht.Harold Borko: Information Science: What Is It? In: American Documentation (pre-1986). 19, no. 1, Jan 1968, 3–4, S. 3. Für das Verständnis der Informationswissenschaft relevant ist die Bedeutung von Information als einem dynamischen Prozess (aktiv: informieren; passiv: informiert werden) und von Wissen als etwas Statischem, das in Dokumenten, digital oder als persönliches Wissen in den Köpfen von Menschen fixiert ist.Wolfgang G. Stock: Information Retrieval. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 4–5. Information ist damit der aktive Teil von Wissen, das in einer konkreten Situation benötigt wird.

Informationswissenschaft ist sowohl systematisch, thematisch als auch methodisch eng verbunden mit: der Archiv-, Bibliotheks-, und Dokumentationswissenschaft, der Publizistik-, Medien- und Kommunikationswissenschaft, der Kognitionspsychologie, der Sprachwissenschaft und Computerlinguistik, der Informatik (Wissenschaft der Verarbeitung von Information), der Wissenschaftsforschung, der Wirtschaftswissenschaften und entsprechenden spezielleren Ausprägungen der Wirtschafts- oder der Rechtsinformatik.Wolfgang G. Stock: Information Retrieval. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 7–9.Elmar Bund: Einführung in die Rechtsinformatik. Springer, Berlin/Heidelberg 1991, ISBN 3-642-76103-8, S. 5.Harold Borko: Information Science: What Is It? In: American Documentation (pre-1986). 19, no. 1, Jan 1968, 3–4, S. 3. Informationswissenschaft ist eng verbunden mit den Informationstechnologien und deren Fortschritt. Dennoch steht aus informationswissenschaftlicher Sicht der Nutzer (und damit der soziale Aspekt) im Mittelpunkt bei der Betrachtung der Schnittstelle von Mensch und System.Tefko Saracevic: Information Science. In: Journal of the American Society for Information Science. 50, no. 12, 1999, 1051–1063, S. 1052.

Geschichte Nach Yan (2011) entstand die Informationswissenschaft zwischen 1950 und 1980 in drei verschiedenen Bereichen: Computer- und Informationswissenschaft, Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Telekommunikations- und Informationswissenschaft. Jeder dieser „klassischen“ Bereiche der Informationswissenschaft hatte eigene Vorstellungen, was unter dem Begriff zu verstehen ist. Erst 1990 durch die steigende Aufmerksamkeit, die der Disziplin zukam, begannen sich die Bereiche miteinander zu verbinden. alt=Abbildung von Melvil Devey aus 1891|mini|224x224px|Melville Louis Kossuth (Melvil) Dewey (1851–1931) war ein amerikanischer Bibliothekar und Erfinder der Dewey-Dezimalklassifikation. Vor 1950 Informationswissenschaft ist mit knapp 50 Jahren eine relativ junge Disziplin. Dennoch machten sich Menschen bereits vorher Gedanken über das zielgerichtete Wiederauffinden von Informationen und die Repräsentation von Wissen.Wolfgang G. Stock: Information Retrieval. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 9–10. Besonders in den Bereichen Bibliothek, Archiv und Dokumentation gab es Forschungen mit dem Ziel, durch Erschließung Dokumente besser verfügbar zu machen.Rainer Kuhlen: Information – Informationswissenschaft. In: Rainer Kuhlen, Wolfgang Semar, Dietmar Strauch: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis. de Gruyter Saur, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 12. Ein Beispiel wäre die Dewey-Dezimalklassifikation, die Melvin Dewey 1876 entwickelte und 1895 von Paul Otlet und Henri La Fontaine zur Universellen Dezimalklassifikation weiterentwickelt wurde. Solche Klassifikationssysteme dienen dazu, Wissen zu ordnen und wieder auffindbar zu machen.Wolfgang G. Stock: Information Retrieval. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 10.

Der Begriff Informationswissenschaft wurde erst später verwendet. Er ersetzte allmählich in vielen Bereichen den Begriff Dokumentation. Unter Dokumentation versteht man „das Sammeln, Ordnen und Nutzbarmachen bzw. gezielte Wiederauffinden von Dokumenten aller Art ohne Rücksicht darauf, ob die dazugehörigen Schriftstücke verfügbar sind.“Rolf G. Henzler: Information und Dokumentation. Sammeln, Speichern und Wiedergewinnen von Fachinformation in Datenbanken. Berlin/Heidelberg 1992, S. 3.

1950–1974 Durch den Einsatz von Rechenmaschinen und später Computern als Wissensspeicher verschob sich die „bibliographische Sicht auf die Automatisierung der Inhaltserschließung“.Rainer Kuhlen: Information – Informationswissenschaft. In: Rainer Kuhlen, Wolfgang Semar, Dietmar Strauch: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis. de Gruyter Saur, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 12–13. Ab 1960 begann sich die Informationswissenschaft aus Ansätzen in den USA, Europa und der Sowjetunion zu entwickeln. Auch in der Bundesrepublik etablierte sich der Begriff Informationswissenschaft. Die DDR verwendete den aus der Sowjetunion geprägten Begriff Informatik.Sascha Ott: Information. Zur Genese und Anwendung eines Begriffs. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2004, ISBN 3-89669-459-6, S. 45.

mini|Ein Nachbau von Sputnik 1 im National Air and Space Museum in den Vereinigten Staaten. Der sogenannte „Sputnikschock“ war ein Ausschlagpunkt zum Ausbau des Informationswesens in den USA und später auch in der BRD. Am 4. Oktober 1957 startete die UdSSR den ersten künstlichen Erdsatelliten. Die USA brauchten 6 Monate und 30 Millionen Dollar, um die von ihm versendeten Signale zu decodieren. Danach stellte sich heraus, dass die UdSSR die Codes bereits auf Englisch veröffentlicht hatte und sechs amerikanische Bibliotheken diese von Anfang in Besitz hatten. Dies war einer der Gründe, warum 1963 in den USA der Weinberg-Report mit Vorschlägen zur Verbesserung der Informationsbereitstellung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit veröffentlicht wurde. Er wurde auch in Deutschland veröffentlicht, fand dort aber wenig Anklang, da die Empfehlungen eher als US-innerstaatlich angesehen wurden.

Dennoch begannen Dokumentation und Information auch in der BRD politisch immer mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Es wurden zahlreiche Schriften zur Informationsbereitstellung und -Vermittlung veröffentlicht, die u. a. für eine Leistungssteigerung in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung sorgen sollten.

Besonders die Bibliothekswissenschaftler adoptierten den Begriff „Information Science“. Um sich von den Computerwissenschaftlern abzugrenzen, begannen sie ihre Disziplin „Library and Information Science“ (Bibliotheks- und Informationswissenschaft) zu nennen.

1968 änderte das American Documentation Institute seinen Namen zu American Society for Information Science (Amerikanische Gesellschaft für Informationswissenschaft). Ab diesem Zeitpunkt begannen viele wissenschaftliche Bereiche den Begriff Dokumentation durch Informationswissenschaft zu ersetzen. Gründe für das steigende Interesse an dem Begriff Informationswissenschaft waren zum einen das Interesse an Informationstechnologie, der steigende theoretische Einfluss der Informationstheorie von Claude Elwood Shannon und das Interesse der Kognitionswissenschaft an der Verarbeitung von Information.

1975–2000 Der Fokus der Informationswissenschaft verschob sich weiter „von Bibliographie, Dokumentation und Wissensorganisation zu angewandter, ingenieurmäßiger Forschung unter dem Einfluss von Künstlicher Intelligenz und Informatik.“ Durch den schnellen wissenschaftlichen Fortschritt im Bereich der Informationstechnologien wurde die Forschung außerdem anwendungsbezogener.Rainer Kuhlen: Information – Informationswissenschaft. In: Rainer Kuhlen, Wolfgang Semar, Dietmar Strauch: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis. de Gruyter Saur, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 13.

2000–Gegenwart In den letzten Jahren begann sich besonders die theoretische Seite der Informationswissenschaft auf ihre sozialen (und geisteswissenschaftlichen) Ursprünge zurückzubesinnen – zum einen aufgrund der Kommunikations- und kognitiven Wissenschaften,Rainer Kuhlen: Information – Informationswissenschaft. In: Rainer Kuhlen, Wolfgang Semar, Dietmar Strauch: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis. de Gruyter Saur, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 13. zum anderen, weil sich die Gesellschaft mit einer großen Menge an Information und Wissen auseinandergesetzt sah. Daher sieht sich die Informationswissenschaft heutzutage mit vielen neuen sozialen, ökonomischen und rechtlichen Fragen konfrontiert.Rainer Kuhlen: Information – Informationswissenschaft. In: Rainer Kuhlen, Wolfgang Semar, Dietmar Strauch: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis. de Gruyter Saur, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 16.

Grundlagen Definitionen der Informationswissenschaft Es gibt keine allgemein gültige Definition von Informationswissenschaft. Gründe dafür sind, dass es sich um eine relativ junge Disziplin im Vergleich zu anderen handelt und sie stark mit anderen Disziplinen verbunden ist, die jeweils eigene Definitionen haben.Wolfgang G. Stock, Mechtild Stock: Handbook of Information Science. de Gruyter Saur, Berlin/Boston MA 2013, ISBN 978-3-11-023499-2, S. 3.

Trotz der unterschiedlichen Betrachtungsweisen geht es der Informationswissenschaft um den Informationsinhalt, der Repräsentation von Wissen.Wolfgang G. Stock: Information Retrieval. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 5. Informationswissenschaft schafft „Wissen, wie vorhandenes Wissen genutzt werden kann“.Rainer Kuhlen: Information – Informationswissenschaft. In: Rainer Kuhlen, Wolfgang Semar, Dietmar Strauch: Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis. de Gruyter Saur, Berlin/Boston 2013, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 4.

Dabei tendiert Informationswissenschaft zur Anwendungsbezogenheit und der Forschung zu Dienstleistungen und Produkten. Dennoch gibt es auch große theoretische Bereiche, die noch geklärt werden müssen.Wolfgang G. Stock: Information Retrieval. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58172-0, S. 6.

Informationswissenschaft zwischen den Disziplinen Die Forschungsgegenstände der Informationswissenschaft sind zugleich wichtige Aspekte aller etablierten Wissenschaften, nämlich Wissen und Information. Der Fokus dieser Wissenschaften liegt aber vorwiegend auf dem eigenen Wissen. Da Informationswissenschaft das Wissen und die Informationen erforscht, stand sie einerseits dazwischen, anderseits kommt ihr durch ihre relativ „neutrale“ Betrachtungsweise des Wissenstransfers eine Brückenfunktion zu.Gernot Wersig: Fokus Mensch: Bezugspunkte postmoderner Wissenschaft; Wissen, Kommunikation, Kultur. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-631-45719-7, S. 151–157.

Gernot Wersig beschreibt Informationswissenschaft unter Betonung des interdisziplinären Ansatzes als Triade von Wissen, Mensch und Informationstechnik: Informationswissenschaft ist demnach