In einer Münzstätte Weimar wurden wahrscheinlich bereits ab etwa 1165 Brakteaten der Grafen von Orlamünde geprägt.Wolfgang Steguweit: Geschichte der Münzstätte Gotha ..., S. 18. Im 14. und 15. Jahrhundert bis zur Gründung einer Thüringer Landesmünzstätte in Weimar hatte die Stadt eine städtische Münzstätte, in der zeitweilig Hohlpfennige geschlagen wurden. Günther Röblitz: Die Gepräge der Münzstätte Weimar, S. 112 Nachdem das Münzrecht der Stadt nicht mehr erneuert worden war, ließ Herzog Wilhelm III. von Thüringen (1445–1482) Münzen der Groschenwährung nicht nur in den Münzstätten Gotha, Saalfeld, Jena und Freiberg (hier sicher nur sehr kurzfristig) prägen, sondern auch von etwa 1448 bis 1465 in seiner Weimarer Landesmünzstätte.Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen ..., S. 90 u. 164–170. Im Jahr 1619 wurde die Weimarer Münze von Herzog Johann Ernst I. von Sachsen-Weimar (1594–1626) neu errichtet. Bis 1691 produzierte sie mit Unterbrechungen und Ortslageänderung für den Herzog von Sachsen-Weimar und von 1672 bis 1678 für den Herzog von Sachsen-Jena Münzen der Talerzeit.Zentraler Fachausschuss Numismatik Berlin: Historische Münzstätten auf dem Territorium der DDR, Teil 1, Numismatische Hefte Nr. 22, Berlin 1986, S. 28.
Geschichte Brakteatenzeit mini|150px|Grafschaft Orlamünde, Hermann II. (1206–1248), Brakteat, Weimar, Orlamünde oder Magdala. (Bahrfeldt: Der Brakteatenfund von Milde im Archiv für Brakteatenkunde, IV. Band 1898–1906, S. 11)
Die ersten zwischen Numismatikern und Historikern noch umstrittenen Nachweise einer Münzstätte Weimar sind Brakteaten des Markgrafen von Brandenburg und Grafen von Orlamünde Albrecht I. (der Bär) (um 1134/1157–1170), der Grafen von Orlamünde: Hermann I. (1156–1176), Siegfried III. (1176–1206),mcsearch.info: Grafschaft Orlamünde, Siegfried III. (1176–1206?), Brakteat, Weimar. (Slg. Löbbecke 833, Fd. Seega 349, Fd. Erfurt 151) Hermann II. (1206–1247),mcsearch.info: Grafschaft Orlamünde, Hermann II. (1206–1248), Brakteat, Weimar, Orlamünde oder Magdala. (Bahrfeldt: Der Brakteatenfund von Milde im Archiv für Brakteatenkunde, IV. Band 1898–1906, S. 11) Hermann IV. († 1319) und Friedrich I. († 1365).Hubert Erzmann: Zur Geschichte der Münzstätten in Weimar, S. 12.
Nach POSERN-KLETT sind die ersten schriftlichen Quellen einer Münzstätte in Weimar aus dem Jahr 1274 und 1292:
Zwar mögen schon die älteren Besitzer, die Grafen von Weimar dort eine eigene Münzstätte gehabt haben, aber erst von den Grafen von Orlamünde wissen wir, dass sie im dreizehnten Jahrhunderte dort Münzen prägen ließen. In einem Capellendorfer Kloster-Briefe vom Jahre 1274 werden nämlich „decem solidi denariorum monete Vinariensis“, und in einer späteren Urkunde desselben Klosters vom Jahre 1292 „quantuor solidi Madilanensium vel Vimarensium denariorum“, und so im vierzehnten Jahrhunderte Weimarische Pfennige in Urkunden noch öfters erwähnt.Carl Friedrich von Posern-Klett: Sachsens Münzen im Mittelalter / 1. Teil: Münzstätten und Münzen der Städte und geistlichen Stifter, Leipzig, 1846, S. 211/212 (Weimar).
In Gegensatz dazu deuten Historiker die Erwähnung des Ortes Weimar in den beiden Klosterbriefen „decem solidi denariorum monete Vinariensis“ (zehn Schillinge Weimarer Geldes) und „quantuor solidi Madilanensium vel Vimarensium denariorum“ (vier Schillinge wie sie in Magdala oder Weimar gelten) als Münzen, „wie sie in Weimar gültig sind“.Hubert Erzmann: Zur Geschichte der Münzstätten in Weimar, S. 12 (Quelle 3: Tille, Die Anfänge der Stadt Weimar und die Grafen von Orlamünde, S. 64–68)
Groschenzeit Die Landeshauptmünzstätte der Wettiner befand sich seit dem 13. Jahrhundert in Freiberg. Daneben errichteten die meißnisch-sächsischen Landesfürsten für die Herstellung ihrer silbernen Groschenwährung Ende des 14. und im 15. Jahrhundert weitere Münzstätten in Sangerhausen, Zwickau, Gotha, Leipzig, Weimar, Colditz, Wittenberg und Langensalza, die zum Teil nur zeitweise in Betrieb waren. Paul Arnold: Die Genealogie der meißnisch-sächsischen Landesfürsten. In: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. (Hrsg.): „Dresdner numismatische Hefte“, Nr. 1/1996. S. 10.
Im Zeitraum von 1331 bis 1400 sind die Wettiner in den Besitz der thüringischen Städte Jena (1331), Weimar (1372), Langensalza (1379 teilweise, 1400 ganz) und Saalfeld (1389) gekommen.Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen ..., S. 55 (Quelle 255: W. Hävernick)
mini|120px|Hohlpfennig, 15. Jahrhundert, städtische Münzstätte Weimar. (Friedensb. 213)
Der erste eindeutige Nachweis einer Münzstätte Weimar ist durch eine Urkunde des Landgrafen Balthasar von Thüringen (1349/79–1406), datiert 13. September 1398 in Stadtilm, erbracht. Darin weist er seinen Münzmeister in Langensalza an, Münzen nach einem vorgegebenen Münzfuß zu prägen. Mit dem Zusatz am Ende der Urkunde: „Glicherwiß had der Munzmeister zcu Wymar ey brieff uber die muncze ij a festo martini. Datum anno festo dicto“ ist eine Weimarer Münzstätte erwähnt.Hubert Erzmann: Zur Geschichte der Münzstätten in Weimar, S. 12 (Quelle 4: Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Cop. 2, Bl. 236) Geprägt wurden 1398 Hohlpfennige mit einem Rauhgewicht von 0,256 g und einem Feingewicht von 0,105 g.Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen ..., S. 55. Die Münzstätte war unter Herzog Balthasar und Friedrich dem Friedfertigen von Thüringen (1406–1440) an die Stadt Weimar verpachtet. Günther Röblitz: Die Gepräge der Münzstätte Weimar. In: Rudolf Feustel (Hrsg.): Alt-Thüringen ...,: S. 111.mcsearch.info: Hohlpfennig, 15. Jahrhundert, städtische Münzstätte Weimar. (Friedensb. 213)
Weitere Nachweise der Münzstätte sind: Hubert Erzmann: Zur Geschichte der Münzstätten in Weimar, S. 12 (Quelle 5; 6: Reg U pag 17 AA III, Nr. 7 und Reg U pag 20 AA III, Nr. 7)
eine Urkunde Herzog Wilhelms III. von Thüringen vom 19. November 1450. Darin wird der Münzmeister Lucas Kochmann in Jena angewiesen, eine herzogliche Groschen- und Pfennigmünze wieder einzurichten und „alde groschen und Pfennige zu slahen als wir die vor bisher zu Sangerhausen und Wymar haben slahin lassen“
drei weitere Urkunden über die Tätigkeit der Münzmeister Hans und Heinrich Martersteck sowie Hans Erhardt, die zwischen 1458 und 1468 in der Münzstätte Weimar tätig waren.
KRUG nennt jedoch die Münzstätte Gotha und den Zeitraum von etwa 1413 bis 1436 für die Tätigkeit des Münzmeisters Hans Martersteck.Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen ..., S. 61; 73 u. 87 Heinrich Martersteck stimmt zeitlich etwa mit dem von KRUG angegebenen Münzmeister in Weimar, Heinz Martersteck, überein.Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen ..., S. 90 Münzmeister Hans Erhard legt KRUG ebenfalls nach Gotha.Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen ..., S. 87 In Weimar geprägte Groschenmünzen sind Neuen Schockgroschen Wilhelms III., mit einem W vor dem steigenden Löwen sowie mit Münzzeichen kleine 5-blättrige Röschen, vermutlich um 1462 geschlagen (KRUG Nr. 1326). Neue Schock- oder 6-Hellergroschen zeigen das im Vierpass stehende Blumenkreuz, belegt mit dem Pfahlschild, auf der Gegenseite den nach links steigenden Meißner Löwen. Sie wurden auch in den Münzstätten Freiberg, Gotha, Jena, Saalfeld, Colditz (hier auch als Margarethengroschen bezeichnet), Leipzig, Zwickau und Sangerhausen geschlagen. Die von KRUG angegebenen Hohlpfennige (Nr. 1328–1331) sind der Münzstätte Weimarer nicht sicher zugeordnet. Ebenfalls als unsicher nennt KRUG die Münzstätte Weimar bei den ab 1457 und ab 1462 geschlagenen Hohlhellern (KRUG Nr. 1332; 1333; 1335; 1336). mini|Kurfürst Friedrich II. mit seinem Bruder Herzog Wilhelm III. von Thüringen (1440–1464), Schildgroschen o. J. (ab 1451 geprägt), Münzstätte Saalfeld (KRUG 1060), nach RÖBLITZ Münzstätte Weimar.
Nach RÖBLITZ sind Pfahlschildgroschen (Schildgroschen) und Neue Schockgroschen sowie Landsberger Hohlpfennige, die KRUG nach Saalfeld legt (Münzmeisterzeichen zwei Fische), mit größter Wahrscheinlichkeit nicht in Saalfeld, sondern in Weimar geprägt (KRUG Nr. 1059–1062, 1246–1251, 1285–1299 und 1303). Günther Röblitz: Die Gepräge der Münzstätte Weimar, S. 113mcsearch.info: Kurfürst Friedrich II. mit seinem Bruder Herzog Wilhelm III. von Thüringen (1440–1464), Schildgroschen o. J. (ab 1451 geprägt), Münzstätte Saalfeld (KRUG 1060), nach RÖBLITZ Münzstätte Weimar
Herzog Wilhelm III. hatte sich 1445 von seinem Bruder Kurfürst Friedrich II. (1428–1464) getrennt und die selbständige Regentschaft in Thüringen übernommen. Danach kam es zum Streit zwischen den Brüdern bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Der sogenannte Sächsische Bruderkrieg wurden um 1450 zwar beendet, jedoch erst nach dem Tod Friedrichs änderte sich Wilhelms Einstellung. Ab 1465 prägte er wieder in Gemeinschaft mit seinen Vettern in allen Münzstätten. Seit dieser Zeit wird seine Weimarer Münze geschlossen worden sein.
Talerzeit Im Jahr 1619 wurde die Münzstätte Weimarer von Herzog Johann Ernst I. neu errichtet. Bis 1691 prägte die Münze mit Unterbrechungen für den Herzog von Sachsen-Weimar und von 1672 bis 1678 für den Herzog von Sachsen-Jena Münzen der Talerzeit.
Kipper- und Wipperzeit mini|Herzogtum Sachsen-Weimar, Johann Ernst und seine sechs Brüder (1619–1622), Kipper-Dreibätzner 1619, CVL-Weimar. (Bornemann 1 Var., Slg. Kraaz, Slg. Kernbach 2475, Koppe/Seitz 13)
In der Zeit der Geldverfälschung, der Kipper- und Wipperzeit, hatte Thüringen von 1621 bis 1623 etwa 50 Kippermünzstätten. Im Herzogtum Sachsen-Weimar befanden sich die Kippermünzstätten Berka a. d. Ilm, Burgau, Gebstedt, Ichtershausen, Königsberg i. Fr., Reinhardtsbrunn, Rothenstein, Saalborn und Weimar.Wolfgang Steguweit: Geschichte der Münzstätte Gotha ..., S. 48 Die 1619 an der Ilm zwischen der Schloss- und der KegelbrückeHubert Erzmann: Zur Geschichte der Münzstätten in Weimar, S. 13 errichtete Münzstätte Weimar prägte von 1619 bis 1622 für Herzog Johann Ernst I. von Sachsen-Weimar und seinen Brüdern die heute zum Teil seltenen Kippermünzen. Bekannt sind folgende Weimarer Nominale (unvollständig):
Gulden zu 60 Kreuzer, Mmz. GA, Münzmeister Gabriel Andreae und Münzzeichen W. Otto F. Müller: Sammlung Otto Merseburger umfassend Münzen und Medaillen von Sachsen, Verkaufskatalog, Leipzig 1894, Nr. 3819 Sechsbätzner (= 24 Kreuzer = doppelter Schreckenberger), Mmz. CVL, Münzmeister Cyriax (Cyriacus, Cyriakus) von Lehr, ab 1620 mit Mmz. GA, auch ohne Mmz. Dreibätzner Mmz. CVL, ab 1620 mit Mmz. GA mcsearch.info: Herzogtum Sachsen-Weimar, Johann Ernst und seine sechs Brüder (1619–1622), Kipper-Dreibätzner 1619, CVL-Weimar. (Bornemann 1 Var., Slg. Kraaz, Slg. Kernbach 2475, Koppe/Seitz 13) 2 Pfennig, Münzzeichen W 1 Pfennig, Münzzeichen W
Siehe auch: Kippertaler und Kippermünzstätten (Kursachsen)
In einem Schreiben der fürstlichen Kammer in Köthen aus dem Jahr 1626 ist ersichtlich, dass der Wert des Münzgebäudes im April 1620 einschließlich der technischen Ausstattung 1 620 fl 12 gl 2 pf betrug.Hubert Erzmann: Zur Geschichte der Münzstätten in Weimar, S. 15, (Quelle 38, A 11811)
Die Münzstätte von 1622 bis 1691 mini|hochkant=1.4|Herzogtum Sachsen-Weimar, Johann Ernst und seine fünf Brüder (1622–1626), Reichstaler („Pallastaler“) 1623, Weimar
mini|hochkant=1.4|Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar, halber Magistertaler von 1654, zum Gedenken an die Übernahme des Rektorats der Universität Jena durch den Prinzen Bernhard
mini|Herzogtum Sachsen-Weimar, Wilhelm (1640–1662), Groschen 1656, Weimar, auf den Tod seines Sohnes Friedrich.
mini|Herzogtum Sachsen-Weimar, Johann Ernst (1662–1683), Groschen 1665, Weimar, auf die Beisetzung seiner bereits 1664 verstorbenen Mutter Eleonore.