Lipná (bis 1948 Lindov, ) ist ein Dorf und Ortsteil der Gemeinde Hazlov in Tschechien. mini|Ansicht von Lipná
Geografie Der Ort liegt in einem Tal eineinhalb Kilometer westlich des Ortskerns von Hazlov an den Ausläufern des Fichtelgebirges (tschechisch Smrčiny). Er wird vom Schladabach (tschechisch Slatinný potok) durchflossen.
Geschichte Die älteste Erwähnung Lindaus („Lindow“), wie auch des Nachbarortes Hirschfeld (tschechisch Polná), findet sich in einem Schenkungsbrief vom 15. Mai 1307. Hierin verzichtete ein Heinrich von Wildstein aus dem Geschlecht Nothaft auf einen Teil der ihm zustehenden Abgaben des Ortes zugunsten des Deutschen Ordenshauses zu Eger „als frommes Almosen“.
Als Teil des Egerlandes wurde Lindau am 4. Oktober 1322 von Kaiser Ludwig den Bayern an den böhmischen König Johann verpfändet. Im Steuerbuch der Stadt Eger von 1392 wurde der Ort mit einer Abgabe von "5 Schock 24 Groschen", mithin 324 Groschen, verzeichnet. Das "Musterungsbuch der egerländischen Bauernschaft vom Jahre 1395" nennt für den Ort neun wehrfähige Bauern. Aus dem Jahr 1415 ist ein Schiedsspruch des Egerer Rates erhalten, mit dem ein Streit zwischen dem Besitzer der Burg Liebenstein, Erhardt Rudusch, einem Niklaus Jur auf Haslau und den Einwohnern von Lindau über den Betrieb eines Zinnwerks, die Fischereirechte sowie den Viehtrieb geschlichtet wurde.
Innerhalb des Egerlandes gelangte Lindau zur Herrschaft Liebenstein, die seit 1426 einem Zweig der Familie Zedtwitz gehörte. Anders als die Zedtwitz in der benachbarten Herrschaft Asch beugten sich die Zedtwitz auf Liebenstein der Rekatholisierung während und nach dem Dreißigjährigen Krieg und stellten auch ihre Zugehörigkeit zum Egerland bzw. dem Königreich Böhmen nicht in Frage.
Im 18. Jahrhundert sind mehrere Granitsteinbrüche am Ort bezeugt.
Mit der Aufhebung der Patrimonialherrschaft im Kaisertum Österreich 1848 gehörte Lindau zunächst zum Kreis Eger, wurde dann aber zusammen mit einigen anderen Orten dem Bezirk Asch angegliedert.
Am 13. April 1945 wurde in der Gemarkung Lindau ein Personenzug von amerikanischen Tieffliegern angegriffen. Dabei starben 39 Menschen, etwa ebenso viele wurden verletzt.
Die ausschließlich deutsche Bevölkerung wurde in den Jahren 1945 und 1946 enteignet und vertrieben.
Nach dem Krieg zunächst als eigenständige Gemeinde geführt, war Lipná von 1950 bis 1963 ein Ortsteil der Gemeinde Polná. 1964 wurde es Hazlov angegliedert.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohnerzahl1869 2851880 2681890 2781900 2741910 271 Jahr Einwohnerzahl1921 2361930 2701950 811961 531970 46 Jahr Einwohnerzahl1980 191991 102001 152011 22 Bei der Volkszählung der Tschechoslowakischen Republik im Jahr 1921 lebten hier 236 Einwohner, die sich alle als Deutsche bezeichneten. 233 Einwohner gehörten der römisch-katholischen, drei der evangelischen Kirche an.
Sehenswürdigkeiten Bei Lipná, an der Straße nach Skalka, befindet sich in der Nähe des Eisenbahndammes ein etwa 85 cm hohes Sühnekreuz aus Granit. Es trägt eine weitgehend erhaltene Inschrift, überschrieben mit dem Christusmonogramm IHS, der Jahreszahl 1675 und erzählt, dass ein Vater seinen Sohn mit einem Messer erstochen habe.
Dieser Mord war tatsächlich in Akten der Stadt Eger dokumentiert worden. Ein Joh. Wagner hat das Ergebnis seiner Recherchen hierzu publiziert. Einem Eintrag in den Haslauer Kirchen-Matrikeln zufolge hat „… Michl Wagner in Rommerschreith [= Rommersreuth] sein selbst eigenes Söhnlein schmerzlich entleibet und umgebracht, …“. Das Alter des Jungen war „8 Jahr und 15 Wochen“. Die Gründe für diese Tat blieben unklar. Eine religiöse Wahnvorstellung scheint denkbar: „Den1. Augusti hat Michel Wagner zu Rommersreuth sein 8jähriges Söhnl Jobst genandt, auf den Wißmath, so man das steinig nennt, gegen Lindau, erbärmlich ermordet, den leib aufgeschnitten, das Eingeweyd und hertz herausgerissen, viel Bluth gesoffen, und seiner aussag nach die Seel gesuchet, …“ Der Mörder wurde am 7. Februar 1676 „... mit dem Schwerd gerichtet“.
Da das Errichten von Sühnekreuzen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht mehr üblich war, darf angenommen werden, dass die Inschrift auf einem bereits bestehenden Monument, zu dessen Errichtung der Anlass nicht bekannt ist, aufgebracht wurde.
Entlang der Straße in Richtung Polná befinden sich mehrere steinerne Denkmäler sowie eine kleine Nischenkapelle aus deutscher Zeit.
Wirtschaft Am nördlichen Ortsrand befindet sich ein Werk des Unternehmenshttps://www.betonserver.cz/lb-lipna LB, spol. s r.o. zum Abbau und zur Verarbeitung von Bruchstein. Im Übrigen ist Lipná landwirtschaftlich geprägt. Ein Drittel der Anwesen besteht aus Wochenend- bzw. Ferienhäusern.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil in Tschechien Kategorie:Ort im böhmischen Vogtland Kategorie:Hazlov Kategorie:Ehemalige Gemeinde in Tschechien Kategorie:Gemeindeauflösung 1948