Marolta (lombardisch ebenso) ist eine Ortschaft in der 2004 gebildeten politischen Gemeinde Acquarossa im Schweizer Kanton Tessin. Zuvor bildete sie eine eigenständige Gemeinde.
Geographie Das Dorf liegt im mittleren Bleniotal auf 793 m ü. M., am Osthang des Pizzo Molare, 18 Kilometer nördlich von Biasca. Die Gemeinde umfasste das gleichnamige Dorf auf einer Terrasse am rechten Hang des mittleren Bleniotals sowie einen Teil der Siedlung Traversa.
Geschichte Marolta findet sich erstmals im Jahre 1205 als Malouta urkundlich erwähnt. Die Herkunft des Namens ist unsicher.
mini|links|Casa dei Pagani von Westen mini|Gemeindestand vor der Fusion am 4. April 2004 Im Mittelalter gehörte es mit Castro und Ponto Valentino zur Nachbarschaft (vicinia) und zum Abgabebezirk (rodaria) Consiglio. Die Abtei San Pietro in Ciel d’Oro von Pavia hatte dort zu Ende des 12. Jahrhunderts Grundbesitz. Oberhalb des Dorfes liegen die Reste einer Casa dei PaganiCasa dei Pagani, einer Höhlenburg aus dem 9.–11. Jahrhundert, die als Wacht-, Signalhaus (Hochwacht) oder Fluchtburg gedient haben könnte.
Im 16. Jahrhundert wurde Marolta eidgenössisch. Die Gemeingüter der alten Nachbarschaft wurden 1895 aufgeteilt; seit 1897 bildet Marolta eine selbständige Ortsbürgergemeinde. Nach der Abtrennung von Castro 1909 wurde Marolta eine selbstständige Pfarrei. Die 1402 den Heiligen Bartholomäus und Gotthard geweihte Kirche erfuhr 1674 eine Neugestaltung.
Die Emigration vieler Einwohner in europäische Länder und die übrige Schweiz, wo sie sich als Kastanienröster, Kellner oder Hausangestellte verdingten, brachte Marolta zwar Einkünfte, sorgte aber gleichzeitig ab Beginn des 19. Jahrhunderts für eine konstante Bevölkerungsabnahme. In den letzten Jahrzehnten nahm die Zahl der Zweitwohnungen zu. Die Güterzusammenlegung wurde 1945 eingeleitet, 1946 folgte die Eröffnung einer Fahrstrasse. 2000 stellte die Landwirtschaft noch ein Drittel der Arbeitsplätze in Marolta.
Am 4. April 2004 fusionierte die damalige Gemeinde mit Castro, Corzoneso, Dongio, Largario, Leontica, Lottigna, Ponto Valentino und Prugiasco zur neuen Gemeinde Acquarossa. Marolta bildet aber nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.Patriziato di Marolta (italienisch) auf ti.ch/di/sel/patriziati
Bevölkerung
Verkehr Marolta ist über die 1,4 Kilometer lange Via Giuseppe Martinoli mit Traversa an der Strasse Acquarossa–Ponto Valentino–Aquila verbunden. In Traversa befindet sich eine Haltestelle der Buslinie 62.134 Acquarossa–Ponto Valentino der Autolinee Bleniesi.Offizielles Kursbuch, Fahrplanjahr 2025. In: öv-info.ch
Sehenswürdigkeiten
mini|Casa Romagnolo, erbaut von Hauptmann Francesco Romagnolo Pfarrkirche Santi Bartolomeo e Gottardo 1402 erstmals erwähntSimona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 103. Oratorium Santa Maria Assunta im Ortsteil Traversa, 1663 Casa Romagnolo (18. Jahrhundert) Die Casa Romagnolo wurde zwischen 1683 und 1688 von Hauptmann Francesco Romagnolo, Richter des Kreises Castro, erbaut. Vermutlich wurden die Freskes auf der Ost-, West- und teilweise der Hauptfassade 1745 (Datum auf den Kaminen) von Carlo Biucchi gemalt. Der lustige Charakter der Brüder Biucchi aus Castro zeigt sich in den beiden Figuren. Der Nackte sagt: «Ich habe immer gekämpft und immer gewonnen, schaut wie ich gemalt bin.» Der andere, wie ein reicher Ritter gekleidete Mann, sagt: «Ich habe immer gekämpft und immer verloren, schaut wie ich verschieden bin.» Casa Vescovi Schalenstein im Ortsteil Migiodico (1167 m ü. M.)Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 36.
Persönlichkeiten mini|Strassenschild in Marolta Francesco Romagnolo (* um 1640 in Marolta; † nach 1688 ebenda), Hauptmann, Richter des Kreises Castro, wohnhaft in Marolta Familie Martinoli Giovan Battista Martinoli (* 10. Juni 1821 in Marolta; † 16. Mai 1889 in Dongio), Primarlehrer in Faido, Journalist der Zeitung Il Credente Cattolico, Pfarrer von Tesserete und Ludiano, Generalvikar des Bistums LuganoAlberto Lepori, Fabrizio Panzera (Hrsg.): Giovan Battista Martinoli. In: Uomini nostri. Trenta biografie di uomini politici. Armando Dadò Editore, Locarno 1989, S. 22. Sebastiano Martinoli (* 7. Februar 1872 in Dongio; † 21. Februar 1938 in Luzern), Politiker, Staatsanwalt und Richter Giuseppe Martinoli (* 28. Februar 1903 in Marolta; † 7. Dezember 1994 in Lugano), Priester, Bischof des Bistums Lugano Achille Ferrari (* 6. Juli 1886 in Marolta; † 14. Januar 1943 in Minusio), Dozent für Physik und Naturwissenschaften (italienisch) auf stsn.ch/chi-siamo/storia-della-stsn
Literatur Piero Bianconi: Marolta. In: Arte in Blenio. Guida della valle. S.A. Grassi & Co. Bellinzona-Lugano 1944.
Virgilio Gilardoni: Marolta. In: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande, Bellinzona 1967, S. 410. Simona Martinoli u. a.: Marolta. In: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 85, 89, 90, 103. Celestino Trezzini: Marolta. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 5: Maillard – Saint Didier. Attinger, Neuenburg 1929, S. 31 (Digitalisat).
Weblinks
Amt für Statistik des Kantons Tessin: Acquarossa (italienisch) Acquarossa-Marolta: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin Le Case dei Pagani in Valle di Blenio (Video) (italienisch) auf lanostrastoria.ch
Einzelnachweise
Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 571 f.
Kategorie:Geographie (Acquarossa) Kategorie:Ort im Kanton Tessin Kategorie:Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz Acquarossa Kategorie:Ersterwähnung 1205 Kategorie:Gemeindeauflösung 2004