mini|hochkant=2|Gebiet des Königreichs der Inseln gegen Ende des 11. Jahrhunderts (hellrot)

Das Königreich der Inseln (auch Königreich von Man und den Inseln) war ein Herrschaftsgebiet im Nordatlantik, das etwa vom 9. Jahrhundert bis Ende des 13. Jahrhunderts bestand und die Hebriden, die Insel Man sowie Teile von Argyll umfasste. Im Alt-Nordischen wurde das Gebiet in Abgrenzung zu den Orkney und Shetland umfassenden Norðreyjar (Nördliche Inseln) als Suðreyjar (Südliche Inseln) bezeichnet.Suðreyjar im Store Norske Lexikon – abgerufen am 24. November 2013 Aus dieser altnordischen Bezeichnung Suðreyjar gingen im Laufe des Mittelalters der lateinische Name Sodor und die englische Bezeichnung Sudreys hervor. In einigen späteren Quellen werden die Inseln auch als Kingdom of Mann and the Isles bezeichnet.

Das Königreich bestand zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert nicht durchgängig als eine Einheit. Die Könige der Inseln herrschten phasenweise unabhängig über die Inseln, die meiste Zeit jedoch standen sie selbst unter der Oberherrschaft norwegischer, irischer, englischer oder schottischer Herrscher. Zeitweise beanspruchten sowohl schottische als auch norwegische Herrscher die Inseln für sich.

Die Geschichte des Königreichs der Inseln beginnt mit dem Einfluss der norwegischen Wikinger im späten 8. Jahrhundert, aber bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts bleibt die Quellenlage zu den jeweiligen Königen der Inseln spärlich und widersprüchlich. Kennzeichnend für diese Zeit sind kriegerische Auseinandersetzungen mit den Herrschern in Irland und Versuche norwegischer Herrscher, Einfluss über die Inseln sicherzustellen. Um 1100 erschien eine mächtige neue Dynastie, die ihren Anfang auf Somerled MacGillebrigte zurückführt. Nach dessen Tod 1164 wurde das Königreich in zwei Teile geteilt, über das Somerleds Nachkommen, die Dynastien der MacDonalds, der MacDougalls und der MacRuaries herrschten. Mit dem Vertrag von Perth, 1266, zwischen Schottland und Norwegen wurde das Königreich der Inseln Teil des Königreichs Schottland. Historiker machen ein eindeutiges Ende des Königreichs der Inseln mit dem Datum 1336 fest, in dem ein Nachkomme Somerleds, John of Islay, erstmals den Titel dominus Insularum oder „Herr der Inseln“ (statt „König der Inseln“) verwendet.R. Andrew McDonald: The Kingdom of the Isles: Scotland's Western Seaboard, c.1100 - c.1330. Tuckwell Press, East Linton 1997, ISBN 1-898410-85-2, S. 2.

Geografische Lage Zum Königreich der Inseln wurden zunächst die Hebriden gezählt, die parallel zur Westküste Schottlands liegen und etwa 500 Inseln unterschiedlicher Größe umfassen, von denen die kleineren nicht bewohnt sind. Die zwanzig bis dreißig größten Inseln bilden zwei Hauptgruppen, die inneren und die äußeren Hebriden. Die äußeren Hebriden liegen etwa 60 Kilometer westlich des schottischen Festlands und umfassen unter anderem die Inseln Lewis, Harris, Berneray, die Uists, Benbecula und Barra. Die inneren Hebriden liegen näher zum Festland und werden in der Regel in drei Gruppen unterteilt: die Insel Skye mit benachbarten Inseln, die Gruppe um die Insel Mull, einschließlich der Inseln Staffa und Iona, und die Gruppe um Islay. Das Königreich der Inseln umfasste ferner die Inseln im Firth of Clyde und die Insel Man und konnte seinen Einfluss auch auf die Küste von Argyll ausweiten.R. Andrew McDonald: The Kingdom of the Isles: Scotland's Western Seaboard, c.1100 - c.1330. Tuckwell Press, East Linton 1997, ISBN 1-898410-85-2, S. 10–11.

Orkney und Shetland sind mehr als 180 Kilometer von den Hebriden entfernt und zählten nicht zum Königreich der Inseln, sondern blieben direkt unter norwegischer Herrschaft.

Geschichte Frühe Geschichte und erste Wikingereinfälle Historische Quellen, die sich auf die Einwohner der Inseln im Nordwesten des heutigen Schottlands beziehen, sind bis ins achte Jahrhundert spärlich oder nicht vorhanden. Historiker gehen davon aus, dass Einwohner der Inseln Pikten waren, weil die Eingeborenen in Schottlands Norden Pikten waren, jedoch ist dies laut dem Historiker Alex Woolf keineswegs sicher. Archäologische Ausgrabungen auf Orkney lieferten Skulpturen und Kunst zutage, die typisch für das piktische Festland waren, was dafür spricht, dass Orkney piktisch war. Ähnliche Belege fehlen jedoch für Skye und die äußeren Hebriden bis auf einige Funde, die auf eine sporadische Verbindung zum piktischen Kernland hinweisen, aber nicht ausreichen, um eine größere Integration der Inseln in piktische Herrschaftsbereiche zu belegen. Woolf geht davon aus, dass bis 850 die Region auf und um die Hebriden keine Könige oder hochentwickelte Stammesfürstentümer hatten, weil dies den Chronisten von Iona nicht entgangen wäre.Alex Woolf: From Pictland to Alba 789-1070. Edinburgh University Press, Edinburgh 2007, ISBN 978-0-7486-1234-5, S. 12–13.

Die Präsenz eines Klosters auf der Insel Iona ist zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert gut belegt.

Im achten Jahrhundert berichten vor allem englische Quellen wie die Angelsächsische Chronik von den ersten Einfällen dänischer und norwegischer Wikinger in Britannien, als erstes der Überfall und die Plünderung des Klosters Lindisfarne 793 an der Nordostküste Englands. Irische Annalen berichten von Überfällen auf Skye 795 und auf Iona 795, und wieder 802 und 806. Nach dem Überfall 806 entschied ein Teil der Mönche auf Iona, nach Kells zu fliehen, aber ein Teil der Mönche blieb offenbar zurück, denn 845, 878 und 986 folgten weitere Plünderungen.R. Andrew McDonald: The Kingdom of the Isles: Scotland's Western Seaboard, c.1100 - c.1330. Tuckwell Press, East Linton 1997, ISBN 1-898410-85-2, S. 26.

Es blieb nicht bei Plünderungen, sondern die Wikinger setzten sich schließlich fest und siedelten auf den Inseln. Speziell für die Insel Man ist ein skandinavischer Einfluss durch umfangreiche archäologische Funde belegt und durch Ortsnamenforschung abgesichert.D.M. Hadley: The Vikings in England: Settlement, society and culture. Manchester University Press, Manchester 2006, ISBN 978-0-7190-5982-7, S. 276–277. Siedlungen haben möglicherweise schon um 800 begonnen und Migration setzte sich in Wellen fort bis ans Ende des 9. Jahrhunderts, als die Grafschaft Orkney durch die Nordmänner gegründet wurde. Wie umfassend die Besiedlung der Hebriden durch die Wikinger war, ist jedoch weniger gut belegt als auf Man, Orkney oder Shetland. Wikingergräber sind von der Insel Man, Lewis, Tiree, Colonsay, Oronsay und Islay bekannt. Ortsnamen, die auf das Altnordische zurückgehen, sind belegt, aber weit weniger flächendeckend als auf Orkney oder Shetland. Immerhin war der skandinavische Einfluss auf den Inseln im Westen Schottlands so groß, dass im 9. Jahrhundert ein neuer Name für sie in den Quellen auftaucht: Innse Gall, die „Inseln der Fremden“, wobei die Fremden die Skandinavier gewesen sein dürften.R. Andrew McDonald: The Kingdom of the Isles: Scotland's Western Seaboard, c.1100 - c.1330. Tuckwell Press, East Linton 1997, ISBN 1-898410-85-2, S. 27–28. Im 12. Jahrhundert war die Region in Sprache und Kultur sowohl gälisch wie auch norwegisch geprägt, wobei sich die beiden Sprachen gemischt hatten. Dazu unterstand die Region seit dem frühen 12. Jahrhundert kirchlich einer eigenen Diözese, dem Bistum Sodor und Man. Von den Inseln bestanden sowohl wirtschaftlich wie politisch Kontakte zu den angrenzenden schottischen Gebieten, aber auch nach Wales und besonders nach Ulster und Connacht in Nordirland.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 70.

Erste Herrscher und Könige der Inseln Ab dem späten 9. Jahrhundert tauchen die ersten Namen von Einzelpersonen auf, die den Namen Herr oder König der Inseln tragen, für viele dieser Herrscher sind die historischen Quellen jedoch spärlich oder unzuverlässig. Zu den ersten Personen mit diesem Titel zählt Godfrey MacFergus oder Gofraid mac Fergusa, der Herrscher von Airgialla in Nordirland und legendärer Vorfahr des Clans MacDonald von den Hebriden. Er starb 851 und wurde von irischen Chronisten als toiseach Innse Gall (Herr der Hebriden) bezeichnet. Der Historiker Alex Woolf hält jedoch die Bezeichnung von Gofraid als Herrscher der Inseln für Propaganda des Clan MacDonald aus dem 14. Jahrhundert.Alex Woolf: From Pictland to Alba 789-1070. Edinburgh University Press, Edinburgh 2007, ISBN 978-0-7486-1234-5, S. 299.

Eine der ersten Personen, die unter dem Titel rí Innse Gall (König der Hebriden) dokumentiert ist, ist Godfrey oder Gofraid mac Arailt. Er taucht in walisischen Quellen auf, die berichten, dass er Anglesey und Dyfed in Wales verwüstet habe. Irische Quellen vermerken seinen Tod 989 und bezeichnen ihn als König der Hebriden, wobei sein Einflussbereich die Hebriden und die Insel Man umfasst haben dürfte. Nach dem Tod von Godfrey und seinem Bruder Maccus scheinen die Grafen von Orkney, die Könige von Alba, Dublin und Leinster um den Einfluss auf den Inseln gerungen zu haben. 1072 berichten die irischen Annals of Tigernach den Tod von Diarmait mac Maíl na mBó, der als König der Hebriden, Dublin und Leinster bezeichnet wird.R. Andrew McDonald: The Kingdom of the Isles: Scotland's Western Seaboard, c.1100 - c.1330. Tuckwell Press, East Linton 1997, ISBN 1-898410-85-2, S. 30–31.

Ein Einschnitt in die Historie der Inseln ist die Eroberung der Insel Man durch Godred Corvan 1079, womit eine Dynastie skandinavischer Herkunft an die Macht kam. Godred gelang es, Dublin und einen größeren Teil von Leinster auch zu unterwerfen. 1094 wurde er aus Irland verjagt und starb 1095 auf Islay. Bemerkenswert ist, dass es Godred gelang, ein Inselkönigreich zu etablieren, das die westlichen Inseln Schottlands umfasste. Godreds Enkelin Ragnhild heiratete später Somerled von Argyll und begründete damit eine Dynastie von Seekönigen auf den Hebriden.R. Andrew McDonald: The Kingdom of the Isles: Scotland's Western Seaboard, c.1100 - c.1330. Tuckwell Press, East Linton 1997, ISBN 1-898410-85-2, S. 33–34.

Zwischen 1095 und 1114 stritten nordische und irische Kräfte sowie Herrscher der Insel Man um die Vorherrschaft um die Inseln. 1098 gerieten die Inseln für kurze Zeit unter direkte norwegische Vorherrschaft, als König Magnus III. von Norwegen zuerst Orkney eroberte und dort seinen Sohn als Earl einsetzte und anschließend plündernd durch die Hebriden südwärts zog. Auf der Insel Man nahm er Lagman, den Sohn Godreds, gefangen und übernahm wahrscheinlich die Oberhoheit über die Inseln. Trotz eines Vertrags 1098 zwischen Magnus und König Edgar von Schottland, der formal die Kontrolle über die Hebriden an die Norweger übergab, konnten die Norweger die Oberhoheit nicht halten, da sie im 12. Jahrhundert durch Bürgerkriege geschwächt kaum in der Lage waren, auf den Inseln Präsenz zu zeigen. Nach Magnus Tod 1103 gelang es Lagman, die Herrschaft über die Inseln wieder an sich zu ziehen. Ab 1115 kam Olaf, der Bruder Langmans, an die Macht, der 40 Jahre über die Inseln herrschte.R. Andrew McDonald: The Kingdom of the Isles: Scotland's Western Seaboard, c.1100 - c.1330. Tuckwell Press, East Linton 1997, ISBN 1-898410-85-2, S. 33–39.

Somerled und seine Nachkommen