Das Deutsche Jugendrotkreuz (kurz JRK) vertritt den Verband Deutsches Rotes Kreuz in jugendrelevanten Fragen, z. B. in den Jugendringen und ist daher nicht nur Gemeinschaft, sondern auch Jugendverband des DRK. Durch diese gesonderte Stellung innerhalb des DRK kam es in manchen Bundesländern zu Unstimmigkeiten zwischen den Gemeinschaften, da einzelne eine eigene, vom Jugendrotkreuz nahezu unabhängige Jugendarbeit forcierten (Bereitschaftsjugend, Wasserwachtjugend). Diese weichen insofern vom JRK ab, als sie Jugendlichen neben den sonstigen Aktivitäten im JRK vor allem fachspezifische Ausbildung wie zum Beispiel Schwimm- und Rettungsschwimmtraining sowie Ausbildung in Natur- und Gewässerschutz bieten oder zum Einsatz in den Fachdiensten der Bereitschaften vorbereiten.
Ziele der Jugendrotkreuz-Arbeit sind: soziales Engagement Einsatz für Gesundheit und Umwelt Handeln für Frieden und Völkerverständigung und politische und gesellschaftliche Mitverantwortung
Das reguläre Mitgliedsalter liegt zwischen 6 und 27 Jahren. Leitungskräfte und für bestimmte Aufgaben erforderliche Fachkräfte können über das Alter von 27 Jahren hinaus Angehörige des JRK bleiben.
Das JRK ist auf allen Verbandsebenen durch eigene demokratisch gewählte Leitungskräfte in den Vorständen bzw. Präsidien des DRK vertreten. Auf Bundesebene hat das Jugendrotkreuz vier Organe: Die JRK-Bundeskonferenz als oberstes Aufsichts- und Beschlussorgan des JRK auf Bundesebene, in der strategische Grundsatzentscheidungen getroffen werden (bestehend aus den Delegierten der 19 Landesverbände (72) und jeweils einem JRK-Landesleiter pro Landesverband sowie der JRK-Bundesleitung). Die ehrenamtliche JRK-Bundesleitung, die diese Entscheidungen konkretisiert und die laufende Arbeit steuert und überwacht. Die hauptamtliche Bundesgeschäftsstelle mit dem JRK-Bundesreferenten an der Spitze. Der JRK-Länderrat dient der Koordination der Arbeit der Landesverbände untereinander und mit dem Bundesverband. Der JRK-Bundesleiter vertritt das Jugendrotkreuz als Mitglied im Präsidium des DRK.
Die Geschichte des Deutschen Jugendrotkreuzes Entstehung Am 27. Mai 1925 wurde das Deutsche Jugendrotkreuz in Berlin durch den DRK-Hauptvorstand gegründet. Vorbilder waren das Jugendrotkreuz in den USA, in Kanada und in einigen europäischen Staaten. Die Jugendrotkreuzarbeit fand damals vorwiegend in Schulen statt. Schon seit 1922/23 beschäftigte sich Walther Georg Hartmann mit ersten Vorschlägen zur Gründung eines Jugendrotkreuzes in Deutschland. Unterstützung erhielt er hierbei durch DRK-Präsident Joachim von Winterfeldt-Menkin und DRK-Generalsekretär Paul Draudt. Zunächst wurden jedoch Gründungswünsche durch die Hauptversammlung des DRK abgelehnt.
Das Leitwort des JRK war „Ich diene!“, die Maximen lauteten: Dienst an der Gesundheit Dienst am Nächsten Dienst an der Völkerverständigung Diese Maximen hatten in den Jahren 1925 bis 1971 durchgehende Geltung.
Der Aufbau des JRK schritt rasant voran. Dies belegen u. a. die folgenden Mitgliederzahlen:Gerd Cichlinski: Entstehung, Entwicklung und Ziele des Jugendrotkreuzes in Deutschland. Koblenz 1978 Zeitpunkt Gruppen Mitglieder November 1926 ca. 50 ca. 1000 April 1929 109 keine Angaben 1. April 1931 826 21.834 1. April 1932 978 25.881 1. September 1932 1.136 30.270
Zeit des Nationalsozialismus In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Jugendrotkreuz durch die Hitlerjugend verdrängt. Zunächst wähnten sich die Rotkreuz-Vertreter vor den Machthabern der Nationalsozialisten in Sicherheit. Die lobende Erwähnung des Jugendrotkreuzes durch Reichsinnenminister Wilhelm Frick, die gute Reputation der Zeitschrift Deutsche Jugend und die Verankerung der JRK-Arbeit in der neuen DRK-Satzung von 1933Satzung des Deutschen Roten Kreuzes, § 2 Abs. 2 Nr. 9, errichtet am 29. November 1933. In: Blätter des Deutschen Roten Kreuzes, 1933, S. 533 ff. waren durchaus positive Anhaltspunkte dafür. Aber, wie Walther Georg Hartmann schreibt, müsse nun auch der Stil und Geist der neuen Zeitzitiert nach: Morgenbrod/Merkenich: Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur 1933-1945. Paderborn 2008, S. 106 in die JRK-Arbeit eingebracht werden. Mit dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach kam es sehr bald zu Problemen, als es um die vermeintliche Abwerbung von BDM-Kräften durch das DRK ging. Folglich kam es zu Verhandlungen zwischen der Reichsjugendführung und dem Roten Kreuz. Sie wurden – zu Lasten einer eigenen Jugendarbeit im Roten Kreuz – 1935 abgeschlossen. Nach dieser Vereinbarung wurde zukünftig „der gesamte jugendliche Nachwuchs des Deutschen Roten Kreuzes ausschließlich durch die H.J. sichergestellt. Damit erübrigt sich die Weiterführung eigener Jugendgruppen des Deutschen Roten Kreuzes.“Deutsches Rotes Kreuz: Blätter des Deutschen Roten Kreuzes, Heft 4/1935, S. 534 f. Zunächst durfte das JRK seine Zeitschrift Deutsche Jugend weiter herausgeben. Doch als auch die Zeitung im Jahr 1936 eingestellt werden musste, blieb dem JRK nur noch der sogenannte Schulbriefwechsel. Jugendrotkreuz-Arbeit im früheren Sinne existierte folglich in dieser Zeit nicht mehr.siehe auch: Morgenbrod/Merkenich: Das Ende des Jugendrotkreuzes. In: Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur 1933-1945. Paderborn 2008, S. 105–111
Schulbriefwechsel
Der Schulbriefwechselsiehe auch: Richtlinien für den Schulbriefwechsel. In: Dr. Jürgen Axer: Wir – das Jugendrotkreuz 1925-1985. Bonn 1985, S. 57 f. wurde auch nach 1935 weiterhin vom DRK durchgeführt, wie zum Beispiel der Jahresbericht 1937/39 des DRK ausweist. Dort sind folgende Einsendungen und Ausgänge von Schulbriefwechseln dokumentiert:
Eingang Ausgang 1936/37 203 140 1937/38 227 130 Der Bericht vermerkt weiter, dass die meisten eingehenden Sendungen vom Japanischen und vom Amerikanischen Roten Kreuz kamen; der Anteil der Eingänge von japanischen Schulen ging jedoch im Berichtszeitraum um 50 Prozent zurück. Der Austausch wurde nach Angaben des DRK mit 19 verschiedenen Ländern, verteilt auf sämtliche Erdteile, durchgeführt.Deutsches Rotes Kreuz: Jahresbericht des Deutschen Roten Kreuzes 1937/39. Berlin 1939, S. 79 f.
Wiederaufbau Ab dem Jahr 1947 wurde das Jugendrotkreuz – zunächst in der Amerikanischen Besatzungszone (Bayern, Hessen, Württemberg-Baden und Bremen) – wieder aufgebaut. Der erste Gründungsbeschluss erfolgte in Bayern am 18. Oktober 1947.
Erste zonenübergreifende Aufbaubemühungen wurden auf einer Tagung des interimistischen Jugendrotkreuz-Arbeitsausschusses in Virnsberg am 2. Juni 1949 gefasst. Durch den Arbeitsausschuss wurde großer Wert auf die Einrichtung eines allgemeinen JRK-Informationsdienstes gelegt, der ab 1952 in die Zeitschrift Jugendrotkreuz und Erzieher mündete.
Für die Nachkriegszeit war entscheidend, dass sich eine organisatorische Änderung ergab: waren es bisher Schüler bzw. Schulgemeinschaften, die das Jugendrotkreuz ausmachten, sollte es nunmehr daneben außerschulische JRK-Gruppen mit Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren geben.
Die Aufbauarbeit schritt im Bundesgebiet rasant voran, wie folgende Zahlen verdeutlichen: Zeitpunkt Schüler Schulgem. Jugendliche JRK-Gruppen Ende 1949 115.475 2.808 24.442 767 Mitte 1951 238.099 4.683 26.504 930Deutsches Rotes Kreuz: Rotkreuz-Werk 1945-1951. Bonn 1952, S. 50 März 1952 238.267 4.558 26.299 915Jugendrotkreuz und Erzieher, Nr. 3, März 1952 März 1953 332.388 6.409 30.111 1.118Jugendrotkreuz und Erzieher, Nr. 3, März 1953 Dezember 1958 356.752 unbek. 24.779 1.395Jugfendrotkreuz und Erzieher, Nr. 11, November 1959 1959 438.293 413.398 unbek. 24.895 1959 437.293 412.141 unbek. 25.846 1960 423.898 386.908 unbek. 25.846 1961 423.898 386.908 unbek. 29.249 1962 450.250 411.472 unbek. 30.659Kurier - Mitteilungsblatt des DRK-Landesverbandes Hamburg, Heft 12, Dezember 1963, Seite 14.
In Westdeutschland übernahm Frau Ruth Auffermann am 11. Juni 1950 den Vorsitz des JRK-Arbeitsausschusses. Die Sachbearbeitung lag in den Händen von Herrn Götz Fehr. Frau Auffermann bestätigt auf einer gemeinsamen Tagung im Jahr 1951: „Der Aufbau des JRK in den meisten Landesverbänden kann als abgeschlossen gelten. Wir müssen uns aber nun darüber einig werden, wie das Werk gemeinsam und bei gegenseitiger Unterstützung weitergeführt werden soll.“Dr. Jürgen Axer: Wir – das Jugendrotkreuz 1925-1985; 1985, S. 59 ff.
Schon zehn Jahre (1959) nach der Neugründung war das Deutsche Jugendrotkreuz in vielen Bereichen tätig. Hier nur ein paar Zahlen aus einem Bericht der mit dem Titel „Der Jugend macht das Helfen Freude“ überschrieben ist. 24.779 persönliche Mitglieder in 1.395 Gruppen; 2.155 Leiter von JRK-Gruppen 10.472 Klassen mit 356.725 Schülern als kooperativen Mitgliedern; 8.435 Vertrauenslehrer 359 Mimtrupps 98 Alte-Leute-Clubs im Jahr 1958 wurden 74.162 Schüler in Erster Hilfe ausgebildet; an 930 Schulen bestand ein Schulsanitätsdienst 38.939 Geschenkschachteln wurden bepackt und 75 Näh- und 149 Werkstuben des JRK waren vorhanden.Götz Fehr: Der Jugend macht das Helfen Freude. In: Jugendrotkreuz und Erzieher, Nr. 11, November 1959. Bonn 1959
In den 1950er Jahren begannen die JRK-Jahreswettbewerbe, die von der Kreisebene über den Regierungsbezirk und Bundesland bis auf Bundesebene stattfanden. Die fünfköpfigen JRK-Gruppen hatten sich Aufgaben aus der Ersten Hilfe als Einzelpersonen und in der Gruppe in Theorie und Praxis zu stellen. Weitere Themen waren u. a. Realistische Notfalldarstellung, Wissen zum IRK und DRK, sowie Gesundheitserziehung und staatspolitische Bildung.
Jugendrotkreuz im DRK der DDR mini|Bundesarchiv Bild 183-48500-0001, Turn- und Sporttreffen 1957 in Leipzig, Wettbewerb des DRK der DDR Beim DRK der DDR wurde am 15. Februar 1954 für die 14- bis 18-jährigen Mitglieder des Roten Kreuzes ein 40-stündiges Vorläufiges Ausbildungsprogramm für die Sanitätsbereitschaften der Jugend herausgegeben. Die Hauptzielsetzungen des Jugendrotkreuzes wurden durch den Vorsitzenden des Zentralausschusses beim ersten Treffen der Rotkreuz-Jugend Ende 1955 in Leipzig wie folgt benannt: Mitarbeit des JRK bei der Verbesserung des Gesundheitsdienstes, soziale Hilfsprogramme und ein Programm der Festigung der Völkerfreundschaft.Dr. Werner Ludwig: Rotes Kreuz: Ursprung und Wandlung. Dresden 1958, S. 247 ff.
Ab dem Jahr 1957 wurde die Ausbildung für die Mitglieder des Jugendrotkreuzes des DRK der DDR nach den Grundausbildungsprogrammen der Erwachsenen durchgeführt. Eine Vereinbarung zwischen dem DRK der DDR und der Freien Deutschen Jugend regelte ab 1957 die Zusammenarbeit der beiden Jugendorganisationen. Im Januar 1957 wurde ein Sekretär der FDJ als Mitglied des Präsidiums des DRK der DDR gewählt; ab Juli 1957 wurde das Referat Jugendrotkreuz „aus der Operativabteilung herausgelöst und zur Erhöhung der Wirkungsmöglichkeiten als selbstständiges Referat direkt dem Generalsekretär des DRK der DDR unterstellt“. Ein zentrales Jugendaktiv, ab 1958 Fachkommission für Jugendfragen, wurde errichtet.Werner Ludwig: Rotes Kreuz : Ursprung und Wandlung. Dresden 1958, S. 126 ff., 242 ff.
Für die Pionierorganisation Ernst Thälmann führte das Rote Kreuz ein 30-stündiges Ausbildungsprogramm für die Arbeitskreise der „Jungen Sanitäter“ innerhalb der Pionierorganisationen durchVerfügungen und Mitteilungen des Ministeriums für Volksbildung, Heft 28, 1958, S. 224Deutsches Rotes Kreuz der DDR, Präsidium: Programm für die Tätigkeit von Arbeitsgemeinschaften „Junge Sanitäter“. Dresden 1985.
In Wilthen konstituierte sich am 3. Februar 1990 durch 27 Jugendliche aus allen Bezirksverbänden ein Arbeitsausschuss zur Vorbereitung der Gründung eines Jugendrotkreuzes im DRK der DDR. Die VIII. Präsidiumstagung des DRK der DDR unterstützte die Bildung einer eigenständigen Jugendstruktur im DRK der DDR als „einen parteiunabhängigen Verband, der allen Kindern und Jugendlichen offenstehen sollte.“Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.): Der Zukunft zugewandt: Die Vereinigung der beiden deutschen Rotkreuzgesellschaften. Bonn 2000. S. 89 ff.