miniatur|Lage im Nordosten Thailands Isan (Thai: , Aussprache: , auch Isaan geschrieben; aus Pali ईशान्य īsānya oder Sanskrit ईशान्य īśānya „Nordosten“; offiziell „Nordostregion“, ) bildet den nordöstlichen Teil Thailands. Es liegt auf der Khorat-Hochebene und wird im Norden und Osten vom Mekong begrenzt, im Süden von Kambodscha. Im Westen trennen das Phetchabun-Gebirge, die Berge des Dong Phaya Yen und die Sankamphaeng-Kette den Isan von Nord- und Zentralthailand.

Im Isan ist die Landwirtschaft der vorherrschende Wirtschaftssektor, aber wegen der ungünstigen Umstände bleibt der Ertrag hinter dem anderer Landesteile zurück. Der Isan ist die ärmste Region in Thailand, hat aber in den letzten Jahren stark aufgeholt. (englisch, aufgerufen am 4. Dezember 2011; PDF-Datei; 245 kB)

In der Region wird hauptsächlich (etwa 15 Millionen Sprecher) Isan gesprochen, das der laotischen und der thailändischen Sprache sehr ähnelt. Die offizielle Landessprache Thai ist ebenfalls weit verbreitet. Die einheimische Sprache im Süden des Isan (Surin) ist Khmer Surin, ein nördlicher Dialekt der Khmer-Sprache. Die meisten Einwohner sind Lao bzw. Isan, dennoch war die Integration des Isan in den modernen thailändischen Staat durch die gemeinsamen ethnischen Wurzeln der Lao, Thai und Isan weitgehend erfolgreich.

Bekannte Aspekte der regionalen Kultur umfassen „Mor Lam“-Musik, Muay-Thai-Boxen und Klebreisgerichte mit Chili, die mit den Fingern gegessen werden.

Geographie mini|Übersichtskarte des Isan mit Lage der Städte, Bergketten und Flüsse. mini|hochkant|Infolge der Abholzungen innerhalb des Isan können die Grenzen zu Laos und Kambodscha ausgemacht werden.

Der Isan umfasst eine Fläche von etwa 160.000 Quadratkilometern und ist grob deckungsgleich mit der Khorat-Hochebene, die von den Phetchabun-Bergen im Westen in Richtung Mekong abfällt. Die Hochebene besteht aus zwei Hauptebenen: der südlich gelegenen Ebene von Khorat (Nakhon Ratchasima), die von den Flüssen Mae Nam Chi und Mae Nam Mun durchzogen wird, und der nördlichen Sakon Nakhon-Ebene mit den Flüssen Mae Nam Loei und Songkhram. Die beiden Ebenen werden getrennt durch den Phu-Phan-Höhenzug. Der Boden ist überwiegend sandig mit einigen Salzablagerungen. Der Mekong bildet im Norden und Osten des Isan die Grenze zwischen Thailand und Laos, während der Süden der Region an Kambodscha grenzt.

Der bedeutendste thailändische Quellfluss des Mekong, der Mae Nam Mun, entspringt im Khao-Yai-Nationalpark bei Nakhon Ratchasima und fließt ostwärts, um in der Provinz Ubon Ratchathani in den Mekong zu münden. Der andere Hauptfluss der Region, der Mae Nam Chi, durchfließt Zentral-Isan, bevor er sich nach Süden wendet und in Si Sa Ket den Mun trifft. Auch die kleineren Flüsse Mae Nam Loei und Mae Nam Songkhram fließen dem Mekong zu, ersterer in Nordrichtung durch die Provinz Loei, letzterer östlich durch die Provinzen Udon Thani, Sakon Nakhon, Nakhon Phanom und Nong Khai.

Klima Das Klima im Isan ist tropisch. Im trockenen Sommer von März bis Mai steigen die Temperaturen auf 40 Grad. Von Juni bis Oktober ist Regenzeit mit viel Niederschlag und hoher Luftfeuchtigkeit. Im Winter von November bis Februar wird es nachts kühl und tagsüber noch 20 °C bis über 30 °C warm.Die Bedeutung des Isan

Die mittleren Niederschläge reichen von 2000 mm in manchen Gegenden bis zu 1270 mm in den südwestlichen Provinzen Nakhon Ratchasima, Buri Ram, Maha Sarakham, Khon Kaen und Chaiyaphum.

Die Durchschnittstemperatur liegt zwischen 30,2 °C und 19 °C. Die höchste jemals gemessene Temperatur war 43,8 °C in der Provinz Udon Thani, die niedrigste 0,1 °C in Loei.

Geschichte Frühgeschichte mini|Phanom Rung – ein Zeugnis aus der Khmer-Zeit Isan besitzt eine Anzahl bedeutender bronzezeitlicher Fundstellen von Höhlenmalereien, Artefakten und Hinweisen auf frühen Reisanbau. Bronzewerkzeuge wie die in Ban Chiang gefundenen, sind möglicherweise älter als vergleichbare aus Mesopotamien.

In der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausend n. Chr. gehörte die Region zum Einflussgebiet indisierter Staaten wie Chenla und Canasapura, parallel mit der verwandten Dvaravati-Kultur in Zentralthailand. Aus dieser Zeit stammen z. B. die Fundstätten Mueang Sema und Mueang Fa Daet sowie die baugeschichtlich ältesten Teile des Wat Phra That Phanom. Vom 9. bis 13. Jahrhundert standen weite Teile des heutigen Isan unter dem Einfluss des Khmer-Reichs von Angkor. Dieses ließ unter anderem die bedeutenden Tempelanlagen in Phimai und Phanom Rung zurück.

Besiedelung durch Lao Nach dem Zerfall des Reichs der Khmer ab dem 13. Jahrhundert war die Khorat-Hochebene ein Puffergebiet zwischen dem siamesischen Königreich Ayutthaya im heutigen Zentralthailand und Lan Xang, einem Netzwerk von Lao-Staaten im Flusstal des Mekong. Es war in dieser Zeit abgesehen von der Umgebung von Nakhon Ratchasima (Khorat) selbst, das bereits ab 1657 zu Ayutthaya gehörte, und kleinen Außenposten der Lao kaum besiedelt.Grabowsky: The Isan up to its Integration into the Siamese State. In: Regions and National Integration in Thailand. 1995, S. 111–112, 115. Nach dem Tod König Sulinyavongsas 1694 zerfiel Lan Xang. Infolge der ausbrechenden Thronfolgestreitigkeiten wanderten mehrfach Lao-Aristokraten aus den Königreichen Luang Prabang und Vientiane mitsamt ihren Untertanen aus und ließen sich auf dem Khorat-Plateau nieder, wo sie neue Gemeinwesen (Müang) gründeten. Im Jahr 1778 mussten die drei aus dem zerbrochenen Lan Xang hervorgegangenen Lao-Königreiche Luang Prabang, Vientiane und Champasak das siamesische Königreich Thonburi (Vorläufer des heutigen thailändischen Staats mit der Hauptstadt Bangkok) als Suzerän anerkennen und dessen König Vasallentreue schwören.Grabowsky: The Isan up to its Integration into the Siamese State. In: Regions and National Integration in Thailand. 1995, S. 114–115.

Siam nutzte die Uneinigkeit unter den laotischen Fürstentümern, um die Müang auf der Khorat-Ebene unter seine direkte Kontrolle zu bringen. Das wurde dadurch erleichtert, dass die einzelnen Kleinstaaten und ihre jeweiligen Herrscherfamilien weitgehend voneinander unabhängig waren und keine gemeinsame Herrschaftsstruktur oder einen machtvollen gemeinsamen Anführer hatten.Breazeale, Kennon. Thai provincial minority elites. Aspects of their expansion on the eastern borders in the nineteenth century. In: Proceedings of the Seventh Conference of the International Association of Historians of Asia. Chulalongkorn University Press, Bangkok 1979, S. 1667–1691, auf S. 1669. Nach der erfolglosen Rebellion des Lao-Königs Anuvong von Vientiane 1827/28 verlor Vientiane seine Autonomie und die Siamesen deportierten über 100.000 Lao Wiang auf die westliche Seite des Mekong, also das heutige Zentral- und Nordostthailand, um größere Kontrolle zu haben und weitere Aufstände zu verhindern.Grabowsky: The Isan up to its Integration into the Siamese State. In: Regions and National Integration in Thailand. 1995, S. 122. Die Kontrolle der Zentralregierung über das Gebiet des heutigen Isan blieb allerdings bis Ende des 19. Jahrhunderts lückenhaft.

Integration in den thailändischen Staat Im Jahr 1893 musste Siam nach dem Pak-Nam-Zwischenfall und einem kurzen französisch-siamesischen Krieg die östlich des Mekong gelegenen Länder der Lao an Frankreich abtreten. Der Mekong, der bis dahin die wichtigste Verbindungsader des Laogebiets war, wurde nun zum Grenzfluss zwischen einem siamesisch und einem französisch kontrollierten TeilGrabowsky: The Isan up to its Integration into the Siamese State. In: Regions and National Integration in Thailand. 1995, S. 124. (aus letzterem wurde nach dem Ende der Kolonialherrschaft der heutige Staat Laos). Ungefähr zur gleichen Zeit begann der siamesische König Rama V. (Chulalongkorn), die Randgebiete seiner Herrschaft in den siamesischen Staat zu integrieren und im Rahmen des Thesaphiban-Systems direkt der Zentralregierung zu unterstellen. Um die eigenständige ethnische Identität zu verdecken und nicht weitere Gebietsansprüche des französischen Kolonialreichs und seines Protektorats Laos zu rechtfertigen, vermied die siamesische Regierung zunehmend, ihre Untertanen als Lao zu bezeichnen und prägte stattdessen die Bezeichnung Isan (Pali für „Nordosten“) für die von ethnischen Lao besiedelten Gebiete auf der Khorat-Hochebene. Zunächst wurde ab 1900 mit Isan eines der Monthon (große Verwaltungseinheiten aus je mehreren Provinzen) bezeichnet, das zuvor Lao Kao geheißen hatte. Vom Namen einer Verwaltungseinheit breitete sich die Bezeichnung ‚Isan‘ zu einer allgemeinen, geographischen Bedeutung aus. Ab etwa 1922 wurde sie dann im heutigen Sinne für die gesamte Nordostregion verwendet.Grabowsky: The Isan up to its Integration into the Siamese State. In: Regions and National Integration in Thailand. 1995, S. 107.

Die Einführung der Zentralverwaltung brachte radikale Veränderungen in den gesellschaftlichen Hierarchien und politisch-wirtschaftlichen Beziehungen im Isan. Dies war möglicherweise der Auslöser für die Aufstände unter Führung von sogenannten phu mi bun („heiligen Männern“) in den Jahren 1901/02. Eine ganz ähnliche Revolte gab es zur selben Zeit auch auf der anderen Seite des Mekong, im französischen Protektorat Laos. Verbreitet von reisenden Mo-Lam-Sängern, kursierte ein millenarischerPaitoon Mikusol: Administrative Reforms and National Integration. The Case of the Northeast. In: Regions and National Integration in Thailand. 1995, S. 150. bzw. messianischerWalter Skrobanek: Buddhistische Politik in Thailand. Steiner, Wiesbaden 1976, S. 82. Glaube an bevorstehende apokalyptische Veränderungen und das Erscheinen eines gottgesandten „gerechten Königs“. Nun traten dutzende von Männern auf, die in Anspruch nahmen, der angekündigte Erlöser zu sein und Anhänger um sich scharten. Die Aufstände wurden von den Regierungstruppen niedergeschlagen.Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 136–138.

Im 20. Jahrhundert wurde im Rahmen der „Thaiisierung“ die Eingliederung des Isan als integraler Teil Thailands verfolgt, wobei die Lao-Wurzeln der Bevölkerung verleugnet wurden. Ab 1939 wurde die Verwendung der Laotischen Sprache und des entsprechenden Alphabets von offizieller Seite zurückgedrängt, in Schulen wurde nach Anweisung der Zentralregierung nur noch das thailändische Alphabet gelehrt. Die Verwendung lokaler Sprachen prangerte die ultranationalistische Regierung von Plaek Phibunsongkhram als rückständig, wenn nicht gar verräterisch, an. Die kulturellen Reformen wurden im Isan nur widerwillig akzeptiert sowie bis heute unterscheiden sich Sprache, Musik, Kleidung und Essen vom Rest des Landes.

Zeitgeschichte