Esther Srul (* Datum und Ort unbekannt; † 15. September 1942 in Kowel, Wolhynien) war eine jüdische Bewohnerin des Ortes Kowel, die zusammen mit den anderen Juden des Ortes im September 1942 in der örtlichen Synagoge eingesperrt und von der deutschen Wehrmacht ermordet wurde.

Eine Inschrift in jiddischer Sprache als letzte Botschaft Esther Sruls wurde auf der Wand der Synagoge in Kowel gefunden.Lettere di condannati a morte della Resistenza Europea | Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europäischen Widerstand, herausgegeben von Piero Malvezzi und Giovanni Pirelli, Vorwort von Thomas Mann – Steinberg-Verlag Zürich 1955, S. 463 (auch: Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1962)

Kowel, eine Stadt in der ukrainischen Region Wolhynien, hatte eine große jüdische Gemeinde. Am 28. Juni 1941 wurde Wolhynien im Zuge des Unternehmens Barbarossa von der deutschen Wehrmacht besetzt. Im September 1942 wurden diejenigen der 17.000 jüdischen Einwohner von Kowel (50 Prozent der Bewohner), die von der deutschen Wehrmacht noch nicht massakriert worden waren, von den Deutschen festgenommen und in die Synagoge eingesperrt. Die Gefangenen wurden gruppenweise aus der Synagoge gelassen und erschossen. Die Synagoge wurde in Flammen gesteckt. Nur eine Frau überlebte; sie wurde wahnsinnig. In den Trümmern der Synagoge fand man Botschaften wie die von Esther Srul in jiddischer Sprache. Einige Inschriften an den Wänden waren mit Blut geschrieben.

Die Inschrift von Esther Srul auf der Wand der Synagoge lautet:

Der italienische Komponist Luigi Nono wählte aus dem Sammelband für den Text seines 1956 geschriebenen Chorwerkes Il canto sospeso zehn Abschiedsbriefe und letzte Botschaften von Frauen, Männern und Jugendlichen, die von der deutschen Wehrmacht und den Nationalsozialisten ermordet wurden,Das Nonoprojekt, Bundeszentrale für politische Bildung darunter auch die Inschrift von Esther Srul.Basis des Textes der Komposition Nonos sind ferner die in dem Sammelband veröffentlichten Abschiedsbriefe von Anton Popov (Bulgarien), Andreas Likourinos (Griechenland), Eleftherios Kiossès (Griechenland), Konstantinos Sirbas (Griechenland), Chaim (Galizien) (Polen), Irina Malozon (UdSSR), Ljubow Grigorjewna Schewzowa (UdSSR), Eusebio Giambone (Italien) und Elli Voigt (Deutschland). ()

Übersetzungen der Inschrift von Esther Srul finden sich in mehreren Sprachen auf dem interaktiven italienischen Portal Canzoni contro la guerra.Lettere. In: antiwarsongs.org.

Weblinks Website der Fondazione L'Unione Europea Berlin Canzoni contro la guerra Alle Ausgaben von Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europäischen Widerstand bei Worldcat Eintrag zum Nonoprojekt in der Datenbank „Erinnerungsorte“ der Bundeszentrale für politische Bildung Länderprofil Historie Polen 1939–1945

Literatur Piero Malvezzi, Giovanni Pirelli (Hrsg.): Lettere di condannati a morte della resistenza europea – Briefe von zum Tode Verurteilten aus dem europäischen Widerstand, mit einem Vorwort von Thomas Mann, Verlag Giulio Einaudi, Turin 1954 (Erstausgabe) Jean Lartéguy: Les jeunes du monde devant la guerre: documents. Gallimard, Paris 1955, ISBN 978-2-07-023750-0, S. 195, 200 Audio-CD Luigi Nono ‚Il canto sospeso’, Berliner Philharmoniker, Dirigent: Claudio Abbado, Sprecher: Susanne Lothar und Bruno Ganz – Sony Classical 1993 (Dokumentation Beiheft) DVD Luigi Nono Il canto sospeso Sonderedition EU 2013 für deutsche Schulen im Ausland – Patronat: Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen © Fondazione L’Unione Europea Berlin ISBN 978-3-943933-00-0

Einzelnachweise

Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Geboren im 19. oder 20. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Frau