Der Landratsbezirk Reinheim war ein Landratsbezirk im Großherzogtum Hessen in der Provinz Starkenburg mit Sitz in Reinheim. 1821 gegründet ging er 1832 in dem Kreis Dieburg auf.
Geschichte Entstehung Im Zuge der Verwaltungsreform von 1821 im Großherzogtum wurden auch auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt und die Aufgaben der überkommenen Ämter in Landratsbezirken (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichtsbezirken (zuständig für die Rechtsprechung) neu organisiert. Der Landratsbezirk Reinheim entstand dabei aus: dem Amt Lichtenberg, dem Amt Reinheim, den Orten Niederramstadt, Traisa, Obertraisa und Waschenbach aus dem Amt Pfungstadt, dem Ort GeorgenhausenGeorgshausen war ursprünglich ein Patrimonialgericht der Herren von Haxthausen, die ihre diesbezüglichen Rechte aber an den Staat abgetreten hatten (Wagner, S. 82). und dem Patrimonialgericht Fränkisch-Crumbach.
Der Bezirk bestand aus 36 althessischen (Obergrafschaft Katzenelnbogen), zwei ehemals zwischen Hessen und der Kurpfalz gemeinschaftlichen Orten, einem standesherrlichen und sechs ritterschaftlichen Orten.Wagner, S. 197.
Die Aufgaben der Rechtsprechung erster Instanz, die die nun aufgelösten Ämtern wahrgenommen hatten, wurden dem ebenfalls neu gegründeten Landgericht Lichtenberg übertragen.
Weitere Entwicklung 1824 wurden die Orte Beedenkirchen und Wurzelbach dem Landratsbezirk Bensheim zugeteilt.Verordnung Zuteilung der Gemeinden Beedenkirchen und Wuzelbach zu dem Landrathsbezirke Bensheim und dem Landgerichte Zwingenberg vom 11. Oktober 1824. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 57, 30. Oktober 1824, S. 633 f.
1827 wurden die patrimonialherrlichen Aufgaben vom Staat an den Grafen von Erbach-Erbach abgetreten.
Auflösung In der Gebietsreform 1832 wurden die Landratsbezirke aufgelöst und zu größeren Kreisen zusammengelegt.Art. 1 Edict, die Organisation der dem Ministerium des Innern und der Justiz untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 6. Juni 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 55, 4. Juli 1832, S. 365–376. Deren Zuschnitt wurde kurz darauf mit einer weiteren Verordnung festgelegt. Der Landratsbezirk Reinheim ging dabei zusammen mit dem Landratsbezirk Dieburg im neuen Kreis Dieburg auf.Verordnung, die Bildung von Kreisen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 20. August 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 74, 5. September 1832, S. 561–563 (562).
Interne Organisation Bürgermeistereien Der Landratsbezirk Reinheim war in 19 Bürgermeistereien eingeteilt, die dem Landrat unterstanden. Dabei wurden häufig mehrere kleinere Ortschaften durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Entsprechend der Gemeindeverordnung vom 30. Juni 1821 standen den Gemeinden ein gewählter Ortsvorstand vor, der sich aus Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderat zusammensetzte. Schultheißen wurden nicht mehr eingesetzt.
Brandau mit Allertshofen und Hoxhohl, Brensbach, Ernsthofen mit Herchenrode, Klein-Bieberau und Webern, Frankenhausen mit Neutsch und Ober-Modau, Fränkisch-Crumbach mit Teilen von Bierbach, Eberbach, Erlau, Güttersbach und Michelbach, Groß-Bieberau Gundernhausen Lichtenberg mit Niedern- und Obernhausen, Neunkirchen mit Billings, Litzelbach, Meßbach, Nonrod und Steinau, Nieder-Modau, Nieder-Ramstadt mit Traisa und Waschenbach, Ober-Ramstadt, Reinheim mit Ueberau, Rodau mit Aßbach, Rohrbach mit Hahn und Wembach, Roßdorf, Spachbrücken, Wersau mit Teilen von Bierbach und Zeilhardt mit Georgenhausen.
Landräte 1831–1832 Franz Adolf Steppes
Parallele Fachverwaltungen Finanzen Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialen) gab es die Rentämter. Für den Bezirk war das Rentamt Lichtenberg zuständig.
Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war der Steuerbezirk Reinheim zuständig, der alle Orte umfasste und zur Obereinnehmerei Umstadt gehörte. Der Steuerbezirk Reinheim war wiederum in drei Distrikteinnehmereien gegliedert die aus: 1. Großbieberau mit Aßbach, Bierbach, Billings, Brensbach, Fränkisch-Crumbach mit Zubehör, Lichtenberg, Litzelbach, Meßbach, Neunkirchen, Niedernhausen, Nonrod, Obernhausen, Rodau, Steinau und Werfau; 2. Oberramstadt mit Allertshofen, Brandau, Ernsthofen, Frankenhausen, Hahn, Herchenrode, Hoxhohl, Kleinbieberau, Niederramstadt, Niedermodau, Neutsch, Obermodau, Rohrbach, Traisa, Waschenbach, Wembach und Webern; sowie 3. Reinheim mit Georgenhausen, Gundernhausen, Roßdorf, Spachbrücken, Ueberau, und Zeilhardt; bestanden.
Der Orte des Bezirks gehörte zum Hauptzollamt Neuisenburg.
Forst Die Orte des Landratsbezirks gehörten zum Forst Reinheim und dort zu den folgenden vier Forstrevieren: 1. Ernsthofen mit Allertshofen, Aßbach, Brandau, Herchenrode, Hoxhohl, Kleinbieberau, Litzelbach, Neunkirchen, Neutsch, Obermodau, Rohrbach, Steinau und Webern; 2. Lichtenberg mit Bierbach, Billings, Brensbach, Fränkisch-Crumbach mit Zubehör, Großbieberau, Meßbach, Niedernhausen, Nonrod, Obernhausen, Reinheim, Rodau, Ueberau, und Wersau; 3. Niederramstadt mit Frankenhausen, Hahn, Niedermodau, Oberramstadt, Traisa, Waschenbach und Wembach; 4. Roßdorf mit Georgenhausen, Gundernhausen, Spachbrücken, Zeilhardt und Kleinzimmern (aus dem Landratsbezirk Dieburg).
Kirche Die Kirchverwaltung im Bezirk bestand aus lutherischen Inspektorat Reinheim mit den folgenden 13 Pfarreien: 1. Fränkisch-Crumbach mit Teilen von Bierbach, Teilen von Eberbach, Erlau, Guttersbach, Michelbach und Kirchbeerfurt (aus dem Landratsbezirk Erbach); 2. Georgenhausen mit Zeithardt; 3. Großbieberau mit Billings, Lichtenberg, Meßbach, Niedernhausen, Nonrod, Obernhausen, Rodau, und Steinau; 4. Gundernhausen; 5. Neunkirchen mit Allertshofen, Brandau, Herchenrode, Holhohl, Litzelbach und Neuisch; 6. Niedermodau mit Aßbach, Ernsthofen, Kleinbieberau, Obermodau, Rohrbach und Webern; 7. Niederramstadt mit Traisa und Waschenbach; 8. Oberramstadt; 9. Reinheim mit Ueberau; 10. Rohrbach mit Hahn und Wembach; 11. Roßdorf mit den Häusern Einsiedel, Leimenhaus und Scheffthum (aus dem Landratsbezirk Darmstadt); 12. Spachbrücken mit Habitzheim (aus dem Landratsbezirk Breuberg); 13. Wersau mit Bierbach. Die Pfarrei in Brensbach bildete mit mehreren Pfarreien aus dem Landratsbezirk Erbach das Inspektorat Brensbach.
Historische Beschreibung Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über den Landratsbezirk Reinheim:
Lage und Grenzen werden beschrieben als:
Die Natürliche Beschaffenheit als:
Die Bevölkerung als:
Die Naturprodukte als:
Gewerbe und Handel als:
Anmerkungen
Literatur Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen. Band 1: Provinz Starkenburg. Leske, Darmstadt 1829. () Günter Keim: Ein Rückblick auf 150 Jahre Kreisgeschichte im Dieburger Land. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1982, Heft 4, S. 127–143.
Einzelnachweise
Reinheim Kategorie:Geschichte (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Reinheim Reinheim Kategorie:Aufgelöst 1832