mini|Wappen der Adelsfamilie Hirnheim/Hürnheim nach dem Scheiblerschen Wappenbuch Johann Sebastian von Hirnheim, öfter auch Hürnheim (* ca. 1495; † 31. Mai 1555 in Speyer) war ein Adeliger und Richter am Reichskammergericht.
Herkunft Er entstammte dem schwäbischen Adelsgeschlecht von Hürnheim bzw. Hirnheim. Stammsitz ist Hürnheim mit der Burg Niederhaus, heute ein Teil der Gemeinde Ederheim im Landkreis Donau-Ries.
Johann Sebastian von Hirnheim wurde geboren als Sohn des Bero von Hirnheim und seiner Gattin Agnes von Ehingen, Tochter des Ritters Georg von Ehingen (1428–1508).Ottmar Friedrich Heinrich Schönhuth: Sammlung für Kunde deutscher Vorzeit in allen Beziehungen, Schwäbisch Hall, 1848, Seite 34 (Seite 2 des 3. Kapitels); Digitalscan
Sein Bruder Eberhard II. von Hirnheim († 1560) war Fürstbischof von Eichstätt, der Bruder Georg († 1537) Dekan der Fürstpropstei Ellwangen.
An die väterlichen Großeltern Eberhard von Hirnheim und Anna von Hohenrechberg erinnert ein kostbares Epitaph in der Gruftkapelle der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Hochaltingen, einem Ortsteil von Fremdingen bei Donauwörth.
Leben und Wirken Der Adelige begann sein Jurastudium 1508 an der Universität Ingolstadt und immatrikulierte sich, zusammen mit seinen beiden geistlichen Brüdern, 1514 an der Universität Bologna, wo er sich nachweislich noch 1516 aufhielt. Das Studium schloss er mit der Graduierung zum Doctor iuris utriusque.
Nach dem Sieg über Herzog Ulrich fungierte Hirnheim 1520 als Vertreter Augsburgs bei der Übergabe des Herzogtums Württemberg, durch den Schwäbischen Bund, an Kaiser Karl V.
Bald danach präsentierte ihn der Schwäbische Reichskreis als Assessor (Richter) für das Reichskammergericht. Hierzu leistete er am 20. November 1521 zu Nürnberg den Amtseid. 1522 wurde er in gleicher Eigenschaft Vertreter der Kurpfalz am Reichskammergericht und gehörte 32 Jahre lang, bis zu seinem Tod, dem höchsten Richtergremium des Reiches an.
Als Beauftragten des Reichsregiments entsandte man Hirnheim 1528 zu Kurfürst Johann von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen, um mit ihnen wegen ihrer Kriegsrüstungen gegen die Hochstifte Mainz und Würzburg zu verhandeln.Matthias Miller, Karin Zimmermann: Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 304-495), Otto Harrassowitz Verlag, 2007, Seite 604, ISBN 3447052295; Digitalscan
Johann Sebastian von Hirnheim war mit Maria Antonia Jakobäa von Neuhausen († 18. August 1582) verheiratet, mit der er mehrere Kinder hatte. Eine Tochter heiratete in das Adelsgeschlecht von Wallbrunn ein. Maria Antonia Jakobäa von Neuhausen war in erster Ehe mit Balthasar, Kämmerer von Worms, genannt von Kropsburg, verheiratet, der 1528 verstorben war. Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten. Neue Folge, Bd. 9: Familien vom Mittel- und Oberrhein und aus Burgund. Marburg 1986. Ohne ISBN, Tafel 55. miniatur|Ehem. Kreuzgang an der Südseite des Speyerer Domes. Er diente bis 1689 als Grablege der Kathedrale; die Ölbergkapelle in der Mitte steht noch.
Der Jurist starb am 31. Mai 1555 in Speyer und wurde im Kreuzgang des Speyerer Domes bestattet, der beim Stadtbrand von 1689 unterging und eine Ruine blieb; 1820 trug man auch die Reste ab.
Hirnheim ist mit einem Jahrgedächtnis im jüngeren Seelbuch des Speyerer Domes eingetragen.
Da er ein Freund und Kollege des Speyerer Richters Wilhelm Werner von Zimmern war, berichtet auch die Zimmerische Chronik über ihn. Dort heißt es:
Literatur Konrad von Busch und Franz Xaver Glasschröder: Chorregel und jüngeres Seelbuch des alten Speyerer Domkapitels, Speyer 1923, Seiten 283 und 284 Steffen Wunderlich: Das Protokollbuch von Mathias Alber: zur Praxis des Reichskammergerichts im frühen 16. Jahrhundert, Band 1, Seiten 272–274, Böhlau Verlag, Köln, 2011, ISBN 3412207748; Digitalscan Johann Samuel Ersch: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, Brockhaus Verlag Leipzig, 1831, Zweite Sektion, 8. Teil, Seite 386; Digitalscan
Einzelnachweise
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