Die Jakowlew Jak-40 (, NATO-Codename Codling) ist ein dreistrahliges Kurzstreckenverkehrsflugzeug aus sowjetischer Produktion. Sie wurde Anfang der 1960er-Jahre entworfen, um die Zubringerdienste insbesondere von der Iljuschin Il-14 zu übernehmen. Sie kann eine zwei- bis dreiköpfige Besatzung und bis zu 32 Passagiere transportieren.
Um von unbefestigten Flugplätzen wie etwa Graslandeplätzen und Behelfspisten aus starten zu können, erhielt der neue Typ niedrig belastete Tragflächen und zur Sicherheit drei statt nur zwei Triebwerke.
Die ausfahrbare Fluggasttreppe im Heck und das bordeigene Hilfstriebwerk zur Klimatisierung der Kabine und zum Anlassen der drei Triebwerke machen die Jak-40 unabhängig von Bodengeräten an Flugplätzen.
Geschichte mini|Jak-40 auf dem kirgisischen Flughafen Osch (Aufnahme von 1974) Etwa ein Jahr nach Beginn der Entwicklung fand am 21. Oktober 1966 durch Arseni Kolossow der Erstflug des ersten der insgesamt fünf Prototypen statt. Die erste öffentliche Präsentation fand am 8. Juli 1967 in Domodedowo statt.Karl-Heinz Eyermann, Wolfgang Sellenthin: Die Luftparaden der UdSSR. Zentralvorstand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, 1967. S. 40 Am 30. September 1968 wurde die Jak-40 in den Liniendienst der Aeroflot eingeführt.
Die Jak-40 wurde zu einem der meistgebauten Passagierflugzeuge der Sowjetunion. Sie wurde vielfach exportiert, es gelangen sogar Verkäufe in den Westen. Der größte „West-Kunde“ war die deutsche General Air.Helmut Kreuzer: JETTLINER, VON DER COMET ZUM AIRBUS A 321, Air Gallery Verlag, Ratingen (1991) ISBN 3-9802101-4-6 Drei weitere wurden an die italienische Aertirrena vermietet.
Bis zum Auslaufen der Produktion im Jahre 1976 wurden über 1000 Jak-40 gebaut.Achim Figgen u. a.: Verkehrsflugzeuge, Bechtermünz Verlag, Augsburg (2000) ISBN 3-8289-5351-4 Sie wird noch bei einigen mittelasiatischen Fluggesellschaften der ehemaligen Sowjetunion sowie bei einigen Luftwaffen des ehemaligen Ostblocks eingesetzt.
Obwohl die Produktion schon ausgelaufen ist, bietet Jakowlew zusammen mit Skorost die Umrüstung zur Jak-40TL an. Dabei werden die drei Iwtschenko-Triebwerke durch zwei Mantelstromtriebwerke vom Hersteller Textron-Lycoming (LF 507-1N je 31,14 kN Schub) ersetzt, die eine höhere Reisefluggeschwindigkeit zulassen und zudem ein besseres Leistungsvermögen sowie deutlich niedrigere Betriebskosten aufweisen.
Konstruktion Die Jak-40 ist ein freitragender Tiefdecker mit einziehbarem Fahrwerk in Ganzmetall-Halbschalenbauweise. Sie besteht mit Ausnahme zweier aus Stahl gefertigter Baueinheiten zum größten Teil aus Duraluminium. Die Passagierkabine befindet sich im ausgeführten Rumpfmittelteil mit zylindrischem Querschnitt und ist über eine einklappbare Treppe im Heck zugänglich. Die frühe Ausführung bietet Platz für 24 Fluggäste auf acht Dreierstuhlreihen mit Einzelsitzen auf der linken und Doppelsitzen auf der rechten Seite. In der Touristenklasse kann die Sitzanzahl auf maximal 31 erhöht werden. Für den Transport von Fracht sind die Stuhlreihen an die Bordseiten klappbar gestaltet, so dass der freigewordene Raum Platz für 2500 kg Ladung bietet. Links und rechts vor den Triebwerken befinden sich zwei Notausstiege, durch die die Fluggäste im Ernstfall über die Tragflächen evakuiert werden können. Der Einstieg für die Besatzung befindet sich auf der Backbordseite der Führerkabine, die mit einem Doppelsteuer ausgerüstet ist. Die drei Triebwerke sind im Heck angeordnet und gewährleisten durch ihren großen Bodenabstand auch den Betrieb von unbefestigten Pisten, da dadurch das Risiko des Einsaugens von auf der Startbahn liegenden Fremdkörpern minimiert wird. Die Jak-40 verfügt über eine zusätzliche Gasturbine AI-9 im Heck, mit der die Triebwerke unabhängig von üblicherweise dafür benötigten Bodenfahrzeugen angelassen werden können, was dem Betrieb auf weniger gut ausgestatteten Inlandflugplätzen in den Zeiten der Sowjetunion entgegenkam. Hinter dem mittleren Triebwerk befindet sich das T-Leitwerk.
Die ungepfeilten Tragflächen der Jak-40 bestehen aus dem Hauptholm, dem Nasenkasten sowie Rippen und Gurten, die mit einer Beplankung unterschiedlicher Dicke verkleidet sind. Die beiden Flügelkästen zwischen den Querrudern dienen als Kraftstoffbehälter, die zusammen 3800 l fassen. Das Bugradfahrwerk ist für den Einsatz auf unbefestigten Plätzen mit einem langen Federweg versehen. Es besteht aus den beiden einzelnen Haupträdern mit den Maßen 1120 × 450 mm und dem Bugrad mit 720 × 310 mm. Der geringe Reifendruck von 3,5 bis 4 kp/cm² dient ebenfalls der Nutzung unbefestigter Bahnen.E. G. Adler: Das Kurzstrecken-Verkehrsflugzeug Jak-40. In: Aerosport, Nr. 1/1968. Deutscher Militärverlag, Berlin, S. 57–61.
Zwischenfälle mini|Dreiseitenriss mini|Cockpit
Die genauen Unfallzahlen sowjetischer Flugzeugtypen sind im Vergleich zu westlichen Typen schwer zu ermitteln. Es sind keine gesicherten Informationen über Unfälle vor der Wendezeit vorhanden. Ein unvollständiger Vergleich ist jedoch über die Webseiten des Aviation Safety Network möglich. Demnach kam es vom Erstflug 1966 bis November 2025 mit Jakowlew Jak-40 zu 92 Totalschäden. Bei 50 davon kamen insgesamt 870 Menschen ums Leben.Liste von Unfällen mit Yakovlev Yak-40, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 23. Dezember 2025. Auszüge:
Am 4. Mai 1972 verunglückte eine Jak-40 der sowjetischen Aeroflot (Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-87778) beim Landeanflug auf Bratsk. Als Ursache wurden die Witterungsbedingungen angegeben, von denen die Besatzung überrascht wurde. Keiner der 18 Insassen überlebte das Unglück (siehe auch Aeroflot-Flug W-608).
Am 28. Februar 1973 stürzte eine Jakowlew Jak-40 der Aeroflot (CCCP-87602) kurz nach dem Start vom Flughafen Semipalatinsk ab. Die Absturzursache konnte nie vollständig geklärt werden. Alle 32 Insassen, drei Besatzungsmitglieder und 29 Passagiere, kamen ums Leben (siehe auch Aeroflot-Flug X-167).Unfallbericht Jak-40 CCCP-87602, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 24. Januar 2022.
Am 19. Februar 1975 wurde eine Jak-40 der deutschen General Air (D-BOBD) bei der Landung in Saarbrücken seitlich von der Landebahn weggesteuert, um ein Überrollen des Landebahnendes in einen steilen Abhang zu verhindern. Die mit 16 Passagieren und 2 Piloten besetzte Maschine durchbrach einen Zaun und kollidierte mit Bäumen. Außer dem schwerverletzten Flugkapitän kamen keine Personen zu Schaden. Das Flugzeug wurde als Totalschaden abgeschrieben.Unfallbericht Jak-40FG D-BOBD, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 20. Dezember 2016.
Am 19. März 1976 wurde eine Jak-40 der Syrian Arab Airlines (YK-AQC) auf dem Flughafen Beirut (Libanon) während des Einsteigevorgangs von der Granate einer Panzerfaust getroffen. Der schon an Bord befindliche libanesische Ministerpräsident Raschid Karami überlebte ebenso wie alle anderen Insassen die Explosion und das ausgebrochene Feuer. Das Flugzeug wurde zerstört.
Am 9. September 1976 kollidierte eine Jakowlew Jak-40 der Aeroflot (СССР-87772) mit einer Antonow An-24 derselben Gesellschaft (СССР-46518) über dem Schwarzen Meer in der Nähe von Anapa. Alle 70 Insassen beider Maschinen starben (siehe auch Flugzeugkollision von Anapa).Unfallbericht Jak-40 CCCP-87772, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 16. März 2020.Unfallbericht AN-24 CCCP-46518, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 16. März 2020.
Am 30. März 1977 kam es auf dem Flughafen Schdanow (nach 1989 Mariupol) zu einem Unfall, als die Piloten einer Jakowlew Jak-40 der sowjetischen Aeroflot (CCCP-87738) aus Dnepropetrowsk in aufsteigendem Nebel bei der Landung die Orientierung verloren. Beim Durchstarten kollidierte das Flugzeug 1,5 Kilometer vom Flughafen entfernt in einer Höhe von nur 6 Metern über dem Boden mit einem neun Meter hohen Mast, geriet in Seitenlage, stürzte auf ein Feld und fing Feuer. Durch diesen CFIT (Controlled flight into terrain) wurden 8 Insassen getötet, außerdem 20 verletzt.
Am 7. Oktober 1978 stürzte eine Jak-40 der Aeroflot (СССР-87437) kurz nach dem Start in Swerdlowsk ab. Alle 38 Insassen starben. Wesentliche Ursache war ein Triebwerksausfall verbunden mit Fehlern der Besatzung (siehe auch Aeroflot-Flug 1080).
Am 8. Juni 1980 wurde eine Jakowlew Jak-40 der TAAG Angola Airlines (D2-TYC) nahe Matala vermutlich von einer Mikojan-Gurewitsch MiG-19 abgeschossen. Alle 19 Insassen starben.
Am 17. Mai 1986 flogen die Piloten einer Jakowlew Jak-40 der sowjetischen Aeroflot (CCCP-87928) während eines Testfluges verbotene Kunstflugmanöver, darunter eine Fassrolle. Dabei wurden die strukturellen Belastungsgrenzen der Maschine überschritten, woraufhin diese in der Luft zerbrach und 19 Kilometer nordwestlich vom Flughafen Chanty-Mansijsk zu Boden stürzte. Bei dem Unfall kamen alle fünf Insassen ums Leben.
Am 16. Januar 1987 verunglückte eine Jakowlew Jak-40 der Aeroflot (СССР-87618) kurz nach dem Start in Taschkent. Alle 9 Insassen starben (siehe auch Aeroflot-Flug U-505).
Am 1. August 1990 wurde eine aus Jerewan (Armenien) kommende Jak-40 der Aeroflot (CCCP-87453) während des Anflugs auf den Flughafen Stepanakert (Aserbaidschanische SSR) bei schlechter Sicht gegen einen Berg geflogen. Keiner der 46 Insassen überlebte diesen CFIT (Controlled flight into terrain).Unfallbericht Jak-40 CCCP-87453, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 1. April 2020.
Am 7. November 1991 verunglückte eine Jakowlew Jak-40 der russischen Aeroflot (CCCP-87526), unterwegs von Elista, im Landeanflug, als sie 23 km westnordwestlich des Flughafens Machatschkala in einen Hügel geflogen wurde. Die Besatzung war sich ihrer Position nicht bewusst und ließ das Flugzeug über einem bergigen Gebiet in 550 Metern Höhe mit dem Berg Kukurtbash kollidieren. Anscheinend befanden sich von den 47 Passagieren 13 ohne Papiere an Bord des mit 32 Passagiersitzen ausgestatteten Flugzeugs. Außerdem wurde das maximale Startgewicht um 260 kg überschritten. Durch diesen CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 51 Insassen getötet, die vier Besatzungsmitglieder und 47 Passagiere. Dies war der zweitschwerste Unfall einer Jak-40, gemessen an der Zahl der getöteten Insassen.Unfallbericht Jak-40 CCCP-87526, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 25. Januar 2025.
Am 14. November 1992 kam eine Jakowlew Jak-40 der Vietnam Airlines (VN-A449) im Landeanflug auf den Flughafen Nha Trang bei schlechter Sicht vom Kurs ab, unterschritt die Mindestflughöhe und wurde in einen Bergrücken geflogen. Als Rettungskräfte die Unfallstelle acht Tage nach dem Unfall erreichten, konnte noch eine niederländische Passagierin gerettet werden. Die restlichen 30 Insassen kamen bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) ums Leben (siehe auch Vietnam-Airlines-Flug 474).Unfallbericht Jak-40 VN-A449, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 3. April 2020.
mini|Eine mit der im August 1993 verunglückten baugleiche Jak-40 der Tajikistan Airlines