Der Landratsbezirk Offenbach war ein Landratsbezirk in der Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen mit Sitz in Offenbach. 1823 gegründet ging er 1832 im Kreis Offenbach auf.

Geschichte Entstehung Im Zuge der Verwaltungsreform von 1820 bis 1823 im Großherzogtum wurden auch auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt und die Aufgaben der überkommenen Ämter in Landratsbezirken (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichten (zuständig für die Rechtsprechung) neu organisiert. Der Landratsbezirk Offenbach entstand dabei aus Gebieten die den Fürsten und Grafen von Isenburg gehörten und in denen sie einen Teil der Hoheitsrechte innehatten. Der Staat war hier nur begrenzt handlungsfähig. Während so in den Gebieten des Großherzogtums, in denen solche, dem staatlichen Gewaltmonopol entgegenstehenden, Rechte des Adels nicht existierten, die Reform 1821 durchgeführt werden konnte, dauerte es bis 1823, bevor der Landratsbezirk Offenbach entstand. Gebildet wurde er ausVerordnung Die neue Eintheilung des Fürstlich Isenburgischen Standesbezirks betreffend vom 23. Januar 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 6, 21. Januar 1823, S. 54. dem Amt Offenbach (Fürst von Isenburg-Birstein) und dem Amt DreieichenhainOhne Geinsheim, das aus dem Amt Dreieichenhain ausschied und dem Landratsbezirk Dornberg sowie dem Landgerichtsbezirk Groß-Gerau zugeteilt wurde. 1826, mit Wirkung vom 1. Januar 1827, wurden die Rechte in Geinsheim von Isenburg an den Staat abgetreten (Bekanntmachung, die Abtretung der Fürstlich Isenburgischen standesherrlichen Gerechtsame rücksichtlich der Justiz und Polizeigewalt betreffend vom 10. Dezember 1826. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 35, 27. Dezember 1826, S. 337). (Graf von Isenburg-Philippseich).

Der Bezirk bestand so aus fünf Orten der Grafschaft Isenburg-Birstein und aus den fünf der Grafschaft Isenburg-Philippseich.

Das durch die Trennung von Verwaltung und Rechtsprechung jetzt erforderliche Gericht erster Instanz in dem Bereich, der den Landratsbezirk Offenbach umfasste, wurde als Landgericht Offenbach eingerichtet.Verordnung Die neue Eintheilung des Fürstlich Isenburgischen Standesbezirks betreffend vom 23. Januar 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 6, 21. Januar 1823, S. 54.

Auflösung In der Gebietsreform 1832 wurden die Landratsbezirke aufgelöst und zu größeren Kreisen zusammengelegt.Art. 1 Edict, die Organisation der dem Ministerium des Innern und der Justiz untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 6. Juni 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 55 vom 4. Juli 1832, S. 365–376. Deren Zuschnitt wurde mit einer weiteren Verordnung festgelegt. Der Landratsbezirk Offenbach ging dabei gemeinsam mit dem Landratsbezirk Seligenstadt und Teilen des Landratsbezirks Langen in dem neuen Kreis Offenbach auf.Verordnung, die Bildung von Kreisen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 20. August 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 74, 5. September 1832, S. 561–563 (561).

Innere Organisation Der Landratsbezirk war in 9 Bürgermeistereien eingeteilt, die dem Landrat unterstanden. Dabei wurden mehrere kleinere Ortschaften häufig durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Seit 1822 konnten die Hessischen Gemeinden ihre Bürgermeister selbst wählen und es wurden keine Schultheiße mehr eingesetzt. Die Bürgermeistereien im Landratsbezirk Offenbach waren: Bürgel Götzenhain Hain mit Philippseich Münster Neu-Isenburg Offenbach mit dem Wildhof Offenthal Sprendlingen mit der Gehespitz Urberach

Parallele Fachverwaltungen Finanzen Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialen) gab es die Rentämter. Für den Bezirk war das Rentamt Seligenstadt zuständig.

Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war der Distrikteinnehmerei Offenbach zuständig, die alle Orte umfasste und zur Obereinehmerei Darmstadt gehörte.

Die Orte des Bezirks gehörten zu zwei Hauptzollämtern. Das Hauptzollamt Offenbach war zuständig für die Orte Offenbach, Bürgel und Wildhof. Während das Hauptzollamt Neuisenburg für die Orte Götzenhain, Hain, Münster, Neuisenburg, Offenthal, Philippseich, Sprendlingen, Urberach, Gehespitz und Neuhof zuständig war. Auf der Mainbrücke in Offenbach waren ein Grenznebenzollamt II. Classe und ein Anmeldungsposten stationiert.

Forst Die Orte des Landratsbezirks waren verschiedenen Forsten und Forstrevieren zugeteilt. Die Orte Münster und Urberach dem Forstrevier Messel des Forsts Darmstadt. Die Orte Bürgel und Offenbach dem Forstrevier Steinheim des Forsts Seligenstadt. Während die Orte Götzenhain, Hain, Neuisenburg, Offenthal, Philippseich und Sprendlingen zu keinem Forstrevier gehörten.

Kirche Die Kirchverwaltung im Bezirk bestand aus dem lutherischen Inspektorat Langen, dem die Pfarreien Götzenhain, Hain, Offenbach, Offenhal und Sprendlingen mit Neuisenburg angehörten. Dem reformirten Inspektorat Offenbach waren die Pfarreien Neuisenburg, die deutsch-reformierte Gemeinde Offenbach, die französisch-reformierte Gemeinde Offenbach, Philippseich mit Hain. Die katholische Pfarrei Bürgel unterstand dem Rodgauer Landkapitel und die Pfarrei Münster gehörte zum Dieburger Landkapitel, während die katholische Pfarrei Offenbach keinem Landkapitel zugeteilt war. Der Ort Urberach war eine Filiale der katholischen Pfarrei Oberroden. - »Die Kirchen und Schulsachen werden von dem Fürstl. Isenburgischen Consistorium zu Offenbach unmittelbar besorgt«.

Historische Beschreibung Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über den Landratsbezirk Offenbach:

Lage und Grenzen werden beschrieben als:

Die Natürliche Beschaffenheit als:

Die Bevölkerung als:

Die Naturprodukte als:

Gewerbe und Handel als:

Literatur Willi Görich: Verwaltungs-Einteilung 1821 [Karte] = Taf. 25a. In: Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Marburg 1960–1978. [de/subjects/idrec/sn/ga/id/45 Digitalisat] Ulrich Reuling: Verwaltungs-Einteilung 1821–1955. Mit einem Anhang über die Verwaltungsgebietsreform in Hessen 1968–1981. In: Fred Schwind (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Text- und Erläuterungsband. Thorbecke, Sigmaringen 1984. ISBN 3-921254-95-7 [downloads/ga/24-26b.pdf#zoom=50 Digitalisat] (PDF)

Anmerkungen

Einzelnachweise

Offenbach am Main Kategorie:Geschichte (Landkreis Offenbach) Offenbach Kategorie:Aufgelöst 1832