Obervolkach ist ein Gemeindeteil der Stadt Volkach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Obervolkach hat eine Fläche von 6,226 km². Sie ist in 1148 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5423,33 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Stettenmühle.

Obervolkach war bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit Volkach am 1. Januar 1978 eine selbstständige Gemeinde. Bereits im 6. Jahrhundert waren die Orte verbunden und lagen als „oberes“ und „unteres“ Volkach auf derselben Gemarkung. Erst ab dem 9. Jahrhundert entwickelten sich Obervolkach und Volkach unabhängig voneinander.

Die geografische Lage des Dorfes am Mainzufluss Volkachbach prägte auch die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig. In der Vergangenheit waren zeitweise drei Mühlen ansässig. Durch die Lage am Fluss ist Obervolkach in zwei Teile geteilt, die zu unterschiedlichen Zeiten besiedelt wurden. Auf der östlichen Seite steht die Pfarrkirche St. Nikolaus, nordwestlich liegt der Friedhof mit einer Kapelle. Eine alte Brücke bildet die Verbindung.

Geografische Lage Geografie und naturräumliche Lage Obervolkach liegt im Nordosten des Volkacher Gemeindegebiets. Nördlich schließt sich der Landkreis Schweinfurt an, die Gemeinde Kolitzheim mit dem Gemeindeteil Zeilitzheim liegt Obervolkach am nächsten. Im Nordosten beginnt die Gemarkung des Volkacher Gemeindeteils Krautheim, die Einöden Wenzelsmühle und Ziegelhütte erstrecken sich kurz hinter Obervolkach. Südöstlich schließt Rimbach an die Obervolkacher Gemarkung an, während im Südwesten und Westen die Stadt Volkach liegt. Gaibach befindet sich im Nordwesten von Obervolkach.

Nächstgelegene größere Städte sind Kitzingen mit einer Distanz von etwa 16 Kilometern und Schweinfurt, das ungefähr 19 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 25 Kilometer entfernte Würzburg.

Naturräumlich liegt die Obervolkacher Gemarkung im Steigerwaldvorland von Neuses, das zum Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorland innerhalb der Mainfränkischen Platten gezählt wird.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 8. Januar 2019.

Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Deutschlands zählt. Dies erklärt auch den Weinbau im Ort. Obervolkach liegt im Norden des Mainfränkischen Beckens zwischen den Bächen Volkach und Schwarzach. Der Main selbst berührt die Obervolkacher Gemarkung nicht, sondern fließt in einiger Entfernung im Westen vorbei. Die beiden Bäche Weidachbach und Volkach fließen in Obervolkach zusammen. Der Rimbach mündet dort in den Weidachbach.

Dorfgliederung mini|hochkant|Der Volkachbach in Obervolkach (Juli 2016) Obervolkach liegt zentral in der Gemarkung am Volkachbach. Der ältere Dorfteil mit dem Ortsfriedhof liegt im Nordwesten. Ein Neubaugebiet wurde in den 1980er-Jahren ausgewiesen. Im Osten entstand später die Pfarrkirche. Auf dieser Seite befinden sich auch die Gemeindewasen und eine Kläranlage. In den sechziger Jahren wurde ein Wohngebiet, die sogenannte Siedlung, ausgewiesen.Katholisches Pfarramt Obervolkach (Hrsg.): Obervolkach. S. 6.

Die beiden Dorfteile sind mit zwei Brücken verbunden. Außerhalb der geschlossenen Bebauung befindet sich im äußersten Südosten der Gemarkung der Sportplatz der Gemeinde. Im Norden erheben sich die Reste des Burgstalls Stettenburg. Der Nordwesten wird von der Einöde Stettenmühle eingenommen. Dort befindet sich auch der einzige Aussiedlerhof auf der Gemarkung, der Buchhof. Die Fischzuchtanlagen sind im äußersten Nordwesten beheimatet.

Nur wenige benannte Fluren befinden sich auf der Gemarkung. Insbesondere die für den Weinbau elementaren Erhebungen sind erfasst. Der Norden wird vom Stettenberg mit der oben beschriebenen Ruine ausgefüllt. Weiter nördlich beginnt das Forstgebiet Stöckach. Im Nordosten erhebt sich der Weinberg, im Süden der Wolfsberg. Das Tännig im Süden ist ein weiteres Waldgebiet um Obervolkach. Die Flur Sambühl befindet sich im Westen.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte (bis 906) Das Gebiet um Obervolkach war bereits in der Zeit des Paläolithikums besiedelt. Für das Dorf selbst wurden allerdings keine Funde gemacht, jedoch entdeckte man im unmittelbaren Umfeld Obervolkachs eine Siedlung der Linearbandkeramik und des Mittelneolithikums. An anderer Stelle lokalisierte man eine Siedlung, die auf die Latènezeit datiert. Damals überlagerten die zugezogenen Kelten in der Region die ursprüngliche Bevölkerung.

Um 50 vor Christus stießen elbgermanisch-alamannische Völker in das Gebiet um Obervolkach vor. In dieser Periode, der älteren germanischen Landnahme, begann wohl die Besiedlung des Dorfes. Hierauf weist die Endung -ach im Namen hin. Zusammen mit dem Kern des späteren Volkach lag Obervolkach auf einer gemeinsamen Mark, wenn auch die Orte unterschiedliche Siedlungskerne aufweisen. In Obervolkach besiedelte man zunächst die Westseite des Volkachbachs.

Mit dem Vordringen der Franken im 6. nachchristlichen Jahrhundert wurde die Christianisierung der Mainschleife forciert. Die Eroberer brachten auch erste Verwaltungsstrukturen nach Obervolkach. Gemeinsam mit der Schwestersiedlung bildete das Dorf eine der Urzellen der germanischen Raumerschließung und war als Teil des Volkfeldes dem Königshof Prosselsheim zugeordnet. Der König begann bereits bald, dieses geschlossene Land an loyale Herrschaften zu übergeben.Egert, Gerhard: Obervolkach. S. 20.

Die Grafen von Castell (bis vor 1443) mini|hochkant|Die Urkunde von 906

Erstmals genannt wurde Obervolkach im Jahr 906. In einer Urkunde bestätigte Ludwig das Kind die Schenkungen seines Vaters Arnulf von Kärnten. „Folchaa superior et inferior“, das untere und das obere Volkach, waren 889, zusammen mit vielen anderen Orten der Umgebung an die Abtei Fulda gekommen. Inzwischen hatten sich also zwei Orte aus den ursprünglichen Schwestersiedlungen gebildet. Das untere Volkach stieg in der Folgezeit zu einem befestigten Handelsplatz auf und legte bald den Namenszusatz ab.

Nur kurze Zeit blieb das Dorf Teil des Gebiets der Bonifatiusabtei. Im Schatten des Klosters und des aufsteigenden Hochstifts Würzburg etablierten sich die Grafen von Castell als Dorfherren an der Mainschleife. Obervolkach kam wohl vor dem Jahr 1100 an die aufstrebenden Grafen, es existieren allerdings keinerlei Urkunden über diesen Vorgang. Im Jahr 1257 wurde allerdings der Casteller Dienstmann „Conrad de superiori Volka“ (Conrad vom oberen Volkach) erwähnt.Gengler, Nikolaus: Kurze Geschichte von Obervolkach. S. 3.

Ein Jahr später tauchte „villa Obernvolca“ (Dorf Obervolkach) im Teilungsvertrag der Grafen Hermann I. und Heinrich II. zu Castell auf. Neben den Grafen zu Castell als Dorfherren waren noch andere Herren in Obervolkach begütert. Im Jahr 1258 wurde das Markuskloster in Würzburg genannt, 1306 und 1307 erschienen erstmals die Johanniter. Daneben etablierten sich das Hochstift Würzburg und das Zisterzienserkloster Ebrach im Dorf.

Kirchlich war Obervolkach wie seine Schwestersiedlung zunächst Teil der Urpfarrei, die ihren Sitz auf der Vogelsburg hatte. Nach dem Niedergang dieser Befestigungsanlage wurde die Kirche auf den Volkacher Kirchberg verlegt, auf dem sich heute die Kirche Maria im Weingarten befindet. Obervolkach gelang es noch vor dem Jahr 1443, eine eigene Pfarrei im Dorf zu etablieren, die entsprechenden Urkunden verbrannten allerdings und mussten im 15. Jahrhundert erneuert werden.Katholisches Pfarramt Obervolkach (Hrsg.): Obervolkach. S. 13.

Wechselnde Herrschaften (bis vor 1590) mini|links|hochkant|Das Friedhofsportal von 1606 (Juni 2013)

In der Folgezeit verfiel die Herrschaft der Casteller Grafen, auch durch die obengenannte Teilung, und das Hochstift Würzburg und die Grafen von Henneberg teilten sich die Dorfherrschaft über Obervolkach. Gleichzeitig nahm die Aufsplitterung der Güter und Gefälle im Ort weiter zu. So werden die Fuchs von Dornheim, die Hessler von Heßberg, die Wenkheim, die Berlichingen, die Schaumberg, die Seckendorff, die Crailsheim und die Zollner von der Hallburg als im Dorf begütert genannt.Egert, Gerhard: Obervolkach. S. 21.

Bedingt durch die vielen Grundherren etablierte sich nach 1517 schnell die lutherische Lehre in Obervolkach. Allerdings waren zunächst nur kleine Teile der Bevölkerung dem neuen Bekenntnis zugetan. Drückend wurden die Abgaben an die unterschiedlichen Herren empfunden. 1525 schlossen sich im Deutschen Bauernkrieg einige Obervolkacher dem Volkacher Bauernhaufen an, der die Kartause in Astheim und das Karmelitenkloster auf der Vogelsburg plünderte.

Im Jahr 1542 gelang es Bischof Konrad III. von Bibra, die Dorfherrschaft unter seiner Hand zu vereinen. Obervolkach wurde Teil des fürstbischöflichen Amtes Volkach. Der Einfluss der protestantischen Henneberger wirkte allerdings noch lange nach. Noch 1583 war der Obervolkacher Schultheiß lutherisch, auch einige Geistliche der Pfarrei lebten nicht zölibatär. Die Gegenreformation wurde unter Magister Johann Hoffet forciert, sodass Obervolkach bis 1590 wieder rein katholisch war.Feuerbach, Ute: Die evangelische Gemeinde. S. 262.

Im Hochstift Würzburg (bis 1803) Noch 1614 versuchte der Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn mit der Renovierung der Dorfkirche und der Etablierung einer Schule die alte Religion zu stärken. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Amtsstadt Volkach im Jahr 1631 von den protestantischen Schweden besetzt. Das benachbarte Dorf Obervolkach hatte ebenso unter den neuen Herren zu leiden. Zu dieser Zeit entstand im Dorf die Erzählung vom Ritt des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf über die Volkachbrücke.

Die Schweden brachten Krankheiten nach Mainfranken mit, die vielen Durchzüge und Einquartierungen taten ihr Übriges. Im Jahr 1632 hatte Obervolkach 57 Tote, in den Folgejahren 1633 und 1634 waren noch 20 und 38 Tote zu beklagen. Mit der Rückeroberung Würzburgs durch die Truppen der Katholischen Liga endete am 14. Oktober 1634 die schwedische Herrschaft. Bis 1648 hatte Obervolkach noch unter Durchzügen fremder Soldaten zu leiden.

Aus der Folgezeit fließen die Informationen über das Dorf recht langsam. Obervolkach war ein Teil des Hochstifts und die Bevölkerung wurde zur Volksfrömmigkeit angehalten. Ins 18. Jahrhundert datiert der Bau vieler noch erhaltener Baudenkmäler und Bildstöcke in und um das Dorf. Erst die Auflösung des Hochstifts Würzburg im Februar 1803 brachte eine große Veränderung für die Obervolkacher Einwohner.

In Bayern (bis heute) mini|hochkant|Das alte Torhaus der Ortsbefestigung, 1921 abgerissen Mit der durch Napoleon eingeleiteten Säkularisation wurden die geistlichen Fürstentümer aufgelöst und ihre Gebiete größeren Staaten einverleibt. Zunächst kam das Hochstift Würzburg mit dem Dorf Obervolkach an Kurpfalz-Bayern, ehe es 1806 dem neu etablierten Großherzogtum Würzburg zugesprochen wurde. Erst nach der Auflösung dieses Staatsgebildes wurde Obervolkach endgültig königlich-bayerische Ruralgemeinde.

In der Zwischenzeit hatte das Dorf in den Koalitionskriegen zwischen 1806 und 1810 weiterhin unter Durchzügen und Einquartierungen zu leiden. Auch an den Einigungskriegen waren Obervolkacher beteiligt. Insgesamt wurden 20 Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg eingezogen, sieben Männer aus dem Dorf kehrten nicht mehr zurück. 1892 errichtete man im Dorf eine Schwesternstation. Die Töchter des Allerheiligsten Erlösers waren für die Kindererziehung ins Dorf geholt worden (siehe auch Schwesternstation).

Im Ersten Weltkrieg starben insgesamt 24 Obervolkacher bei den Kampfhandlungen. Nach dem Krieg begann man, die letzten Reste der Ortsbefestigung um das Dorf abzureißen, zuletzt verschwand das alte Torhaus im Jahr 1921. Die nationalsozialistische Diktatur begann in Obervolkach am 17. April 1933 mit der Einweihung des sogenannten Hitlersteines im Gemeindeforst. Während des Zweiten Weltkriegs starben 45 Männer aus dem Dorf.Gengler, Nikolaus: Kurze Geschichte von Obervolkach. S. 5.