mini|Titelblatt des Erstdruckes mini|Maria Stuart nach einer Zeichnung von Arthur von Ramberg, Schiller-Galerie, 1859 mini|Königin Elisabeth nach einer Zeichnung von Arthur von Ramberg, 1859 mini|Burleigh nach einer Zeichnung von Arthur von Ramberg, 1859 mini|Leicester nach einer Zeichnung von Arthur von Ramberg, 1859 mini|Mortimer nach einer Zeichnung von Arthur von Ramberg, 1859

Maria Stuart ist ein klassisches Drama von Friedrich Schiller. Das Trauerspiel in fünf Akten wurde am 14. Juni 1800 im Weimarer Hoftheater uraufgeführt mit Friederike Vohs in der Titelrolle. Eine Buchausgabe erschien im April 1801.

Erste Stoffrecherchen und Pläne Schillers sind bereits 1783 nachweisbar, jedoch griff er erst 1799 den Stoff endgültig auf.

Inhalt Im Jahre 1568 wird Maria Stuart, Königin von Schottland, wegen des Verdachtes auf Beihilfe bei der Ermordung ihres Gatten aus dem Land verjagt und flieht nach England. Sie erhofft sich Schutz bei Elisabeth I., der englischen Königin. Die aber muss um ihre Krone fürchten, da Maria selbst Ansprüche darauf hat. Deshalb lässt Elisabeth sie gefangen nehmen und in einem Schloss internieren. Die Handlung des Stücks setzt 19 Jahre später, drei Tage vor Marias Hinrichtung, ein.

Betört von Maria Stuarts Schönheit, hatten immer wieder junge Männer Versuche unternommen, die Schottin zu befreien. Auch der junge Mortimer möchte die Eingekerkerte retten. Einen Auftrag der Königin zum Mord an Stuart nimmt er nur zum Schein an. Er weiht den Grafen von Leicester in seinen Plan ein, der selbst Maria liebt und zugleich auch Elisabeths Liebhaber ist. In seinem Dilemma arrangiert dieser ein Treffen der Königinnen, bei dem Maria das Herz ihrer Rivalin rühren soll.

Als dieses zustande kommt, versucht Elisabeth jedoch, die flehende Maria nur noch tiefer zu demütigen. Sie wirft ihr Heuchelei vor und beschuldigt sie, all ihre Männer ins Jenseits befördert zu haben. Stolz bezichtigt Maria sie ebenfalls der Scheinheiligkeit: Trotz ihres übertriebenen Tugendgebarens (als „jungfräuliche Königin“) könne Elisabeth ihre niedere Herkunft nicht verschleiern. Leicesters Versöhnungsversuch hat also die beiden Rivalinnen noch unversöhnlicher entzweit.

Ein Mordanschlag auf Elisabeth scheitert und Mortimer ersticht sich. Maria kann er nicht retten. Um ihren Thron zu sichern, will die Königin Maria töten. Da sie die Schuld für Marias Tod jedoch nicht übernehmen und nicht den Verlust ihres guten Rufes riskieren will, unterzeichnet sie zwar das Urteil, schiebt aber den Vollstreckungsbefehl anderen zu. Maria Stuart wird dennoch hingerichtet. Elisabeth verliert alle ihre Berater.

Handlung Erster Aufzug Schloss zu Fotheringhay (Marias Gefängnis)

Erster Auftritt Paulet dringt in das Zimmer der gefangenen Maria Stuart ein, um ihren Schmuck und Briefe zu beschlagnahmen, da diese seiner Meinung nach die Möglichkeit eröffnen, Verschwörer gegen die Herrschaft der protestantischen Elisabeth zu unterstützen. Hanna Kennedys Protest gegen diese schmähliche Behandlung der Geflohenen entgegnet er mit der Betonung der Gefährlichkeit der Königin, welche auch aus der Haft die „Fackel des Bürgerkrieges in das Reich zu schleudern“ (V. 65 f.) wisse und nun für ihre Sünden (vgl. V. 45, V. 62) geradestehen soll.

Zweiter Auftritt Maria erscheint und bittet Paulet, Elisabeth ein Schreiben zu geben, in dem sie um eine persönliche Audienz bittet, da sie sich nur der an „Geschlecht und Rang“ Ebenbürtigen öffnen könne. Außerdem möchte sie kirchlichen Beistand und ihr Testament aufsetzen, denn nachdem sie vor einem Monat verhört worden sei, erwarte sie nun eine schnelle Verurteilung oder gar Hinrichtung.

Dritter Auftritt Mortimer, Paulets Neffe, erscheint und lässt die reizvolle Maria auffällig unbeachtet. Paulet bemerkt zu Maria: „Lady, an dem ist eure Kunst verloren!“ (V. 261).

Vierter Auftritt Im Gespräch mit Kennedy offenbart Maria, dass heute der Jahrestag der Ermordung ihres Mannes sei, an der sie mitgewirkt habe. Kennedy bringt zur Entschuldigung vor, dass ihr Ehemann Darnley nur durch Maria König geworden sei, sich dann aber nicht ordnungsgemäß verhalten habe. Sie habe die Tat nur im Wahnsinn, verführt von Bothwell, getan, den sie dann vor dem Parlament freisprechen habe lassen und geheiratet habe. England klage sie aber nicht deshalb, sondern nur aus machtpolitischen Gründen an.

Fünfter Auftritt Mortimer erscheint bei Maria und schickt Kennedy weg, damit sie Wache vor der Tür hält.

Sechster Auftritt Mortimer bekennt Maria, auf seinen Reisen glühender Katholik geworden zu sein. Der Onkel Marias, ein Bischof in Frankreich, nahm ihn in die katholische Kirche auf, und hier sah er auch Marias Bild, lernte ihr Elend kennen und wurde von ihrem rechtmäßigen Anspruch auf Englands Thron überzeugt, worüber er sich dann noch selbst weiter eine Meinung gebildet habe.

Er bringt auch die Nachricht, dass Maria schuldig gesprochen worden sei und Elisabeth die Hinrichtung nur noch hinausschiebe, um den Eindruck zu erwecken, vom Parlament dazu genötigt worden zu sein. Maria kann nicht glauben, dass Elisabeth das Königtum so schänden könnte, doch Mortimer versucht, sie zu einem Fluchtplan zu überreden. Maria verweist ihn allerdings an Graf Leicester, was Mortimer sehr erstaunt, sei dieser doch der „blutigste Verfolger“ Marias. Sie gibt ihm ihr Bild an Leicester mit.

Siebenter Auftritt Burleigh erscheint, um den Richterspruch zu verkünden. Maria erkennt das Gericht nicht an, da die hochadligen Richter durch ihr Verhalten unter Heinrich VIII. kompromittiert seien. Außerdem hätten sie unter den letzten vier Regierungen den Glauben viermal geändert. Zudem seien Engländer und Schotten so lange zerstritten, dass sie nicht übereinander zu Gericht sitzen dürften, solange sie nicht unter einer Krone vereint seien, nämlich unter ihrer. Sie sei auf ein Gesetz hin zum Tod verurteilt, das man nur für sie geschaffen habe, und der Vorwurf der Verschwörung sei nicht bewiesen. Außerdem seien Verfahrensfehler gemacht worden, was Burleigh zugibt.

Letztlich wird klar, dass der Machtwille Elisabeths zu Marias Verurteilung geführt hat, nicht das Recht.

Achter Auftritt Burleigh betont die Gerechtigkeit des Urteils, sieht aber auch klar, dass alle Welt darin ein Willkürurteil Elisabeths vermuten werde, denn „das Richtschwert, womit der Mann sich ziert, verhaßt ist's in der Frauen Hand. Die Welt glaubt nicht an die Gerechtigkeit des Weibes, sobald ein Weib das Opfer wird“.

Burleigh lässt durchblicken, dass deshalb eine Hinrichtung kritisch sei und es Elisabeth lieber sehe, wenn Maria durch Paulet schleichend vergiftet werde. Doch Paulet macht klar, dass er nicht einmal das Eindringen von Mördern dulden, geschweige denn selbst morden würde.

Zweiter Aufzug Palast zu Westminster

Erster Auftritt Zwei Lords sprechen über die Heiratspläne Elisabeths mit dem französischen Thronfolger. Die Formulierung „keusche Festung der Schönheit“ steht hier als Metapher für Elisabeth, die bisher allen Heiratsplänen negativ gegenüberstand.

Zweiter Auftritt Die französischen Gesandten wollen eine Heiratszusage von der Königin, doch diese wartet noch und lamentiert darüber, dass das Volk sie zur Heirat zwinge, sie aber kein Interesse daran habe, sich einem Mann zu unterwerfen und ihre Freiheit aufzugeben.

Als sie dennoch den Franzosen einen Ring mitgibt, bitten diese um Marias Begnadigung, doch Elisabeth lehnt ab.

Dritter Auftritt Sie lässt ihre Berater rufen. Der Großschatzmeister Burleigh will die Königin überreden, Marias Hinrichtung zu befehlen, da Maria eine Gefahr für den Thron und die Freiheit Englands darstelle. Für ihn zählt nur die Staatsraison. Talbot dagegen rät zur Gnade, da ein Todesurteil einer Frau nicht angemessen und der Richterspruch nur ein Gefälligkeitsurteil gewesen sei. Sie unterliege nicht englischer Rechtsprechung; Elisabeth brauche sich nicht dem Wunsch des Volkes nach Marias Hinrichtung zu beugen. Maria sei schuldig, doch man müsse diese Schuld vor der Situation (Bürgerkrieg in Schottland) und ihrer Erziehung (in Frankreich) sehen, während Elisabeth im Elend gereift sei. Leicester warnt davor, aus Maria, von der keine Gefahr ausgehe, eine Märtyrerin zu machen. Vielmehr solle das Urteil vollstreckt werden, sobald ein neues Komplott von ihr ausgehe. Elisabeth hört sich die Argumente ihrer Berater an, legt sich aber nicht fest.

Vierter Auftritt Mortimer erscheint und berichtet der Königin von seiner Reise, seine Rolle wird immer zwielichtiger. Paulet übergibt Marias Bitte um eine Audienz. Elisabeth ist sichtlich über den Brief gerührt und ihr kommen die Tränen. Burleigh rät ab, aber Leicester und vor allem Talbot, der über diese Entwicklung mehr als erfreut ist, raten zu. Man erkennt, dass Burleigh eigene Ziele verfolgt.

Fünfter Auftritt Elisabeth schildert mit Mortimer allein noch einmal das Dilemma, mit Marias Tod zwar sicherer zu sein, aber vor der Welt in schlechtem Licht dazustehen. Sie bittet sehr indirekt und vorsichtig Mortimer um den Mord an Maria.

Sechster Auftritt In einem Monolog wird Mortimers tatsächliche Absicht offensichtlich: Er möchte Maria retten und hat den Mordauftrag gegen sie nur angenommen, um Zeit zu gewinnen. In Wahrheit hasst er Elisabeth und liebt stattdessen Maria.

Siebenter Auftritt Paulet spricht Mortimer direkt auf das Gespräch mit der Königin an und sagt ihm auf den Kopf zu, sie habe ihn zum Mord überreden wollen. Sie werde ihm aber danach die Tat in die Schuhe schieben. Darauf kommt Leicester und will mit Mortimer sprechen.

Achter Auftritt Leicester offenbart Mortimer seine Zuneigung für Maria. Er erzählt ihm, dass er sie eigentlich hätte heiraten sollen, sie aber dann verließ, weil er sich Hoffnungen auf Elisabeth machte, worauf Maria Darnley heiratete. Die angebahnte Ehe mit dem Dauphin verprellt nun Leicester und treibt ihn in Marias Arme zurück, die er nun angeblich liebt; gleichzeitig wird aber klar, dass sie ihm im Fall der Befreiung die Ehe versprochen hat. Als Mortimer ihm seine Befreiungspläne offenbart, macht Leicester aber einen gewaltigen Rückzieher, denn er denkt eher an eine diplomatische Befreiung. Mortimer will ihn zur gewaltsamen Aktion mit Hilfe seiner adligen Freunde überreden, selbst an eine Entführung der Königin denkt er.

Neunter Auftritt Vor Elisabeth jammert Leicester wegen deren Ehe mit dem Franzosen. Sie stellt dies als Staatsraison hin, doch will sie auch wissen, ob Maria wirklich so schön sei. Leicester versucht sie zu überreden, sich selbst davon zu überzeugen, da er glaubt, dann könne das Urteil nicht mehr vollstreckt werden (Burleigh: „Das Urteil kann nicht mehr vollzogen werden, wenn sich die Königin ihr genahet hat, denn Gnade bringt die königliche Nähe.“). Elisabeth gibt nach, um Leicester, den sie durch die Heirat mit dem Franzosen enttäuschen muss, einen Gefallen zu tun. Auf einer Jagd will sie im Park vor Marias Gefängnis sich mit dieser wie zufällig treffen.

Dritter Aufzug Park vor Marias Gefängnis

Erster und Zweiter Auftritt Maria bekommt unerwartet Ausgang (um das Treffen arrangieren zu können). Sie erfreut sich der unverhofften Freiheit im Park und genießt die Natur. Paulet eröffnet ihr die Aussicht, sie werde Elisabeth gleich sehen; Maria erblasst daraufhin.

Dritter Auftritt Talbot ist vorausgeeilt und ermahnt Maria, sich unterwürfig zu zeigen, doch diese hat alle guten Vorsätze vergessen und ist hasserfüllt.

Vierter Auftritt