Die Liste von Eisenbahnunfällen in der Schweiz enthält eine chronologische Auflistung von Unfällen bei den Schweizer Eisenbahnen, bei denen der Verlust von Menschenleben zu beklagen war, erheblicher Schaden verursacht wurde oder die aus anderen Gründen erwähnenswert sind.Nur in Einzelfällen sind Unfälle aufgeführt, bei denen Menschen beim Überqueren der Bahngeleise ums Leben kamen oder bei Bau- oder Unterhaltsarbeiten verunfallten. Wenn nicht besonders erwähnt, handelte es sich um Züge der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).
mini|Anzahl der Eisenbahnverkehrsopfer in der Schweiz. Nicht berücksichtigt sind die Strassenverkehrsteilnehmer bei Unfällen auf Bahnübergängen. Die Eisenbahn gilt im Vergleich zum Strassenverkehr als sehr sicher, doch auch hier lassen sich Unfälle nicht ausschliessen. Mit dem Aufkommen von Reisezugwagen in Ganzstahlbauweise seit den 1920er-Jahren sind die Passagiere bei Zusammenstössen wesentlich besser geschützt als in den Wagen mit Holzaufbauten. Zugsicherungen wie Integra-Signum wurden ab 1933 eingeführt, um Kollisionen ganz zu vermeiden.
Eisenbahnunfälle können beträchtliche Schäden anrichten. Trotz der menschlichen Tragik zeigten die Unfälle oft Sicherheitsmängel auf, die entscheidende Weiterentwicklungen der Zugsicherung auslösten. Ergebnisse der Unfalluntersuchungen können – für Ereignisse des Jahres 2002 und später – auf der Website der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) eingesehen werden.
19. Jahrhundert Bis 1880 mini|Am 30. November 1876 verunfallte Lokomotive mit Walzenantrieb System Wetli in Wädenswil mini|Zusammenstoss beim Wenden eines Zuges in Seebach am 8. Januar 1885
Maienfeld, – Zusammenstoss Am 18. Juli 1858 stiessen auf der erst am 1. Juli 1858 eröffneten Bahnstrecke Chur–Rheineck im Bahnhof Maienfeld zwei Züge mit je etwa 800 Passagieren zusammen. Ein Kondukteur wurde verletzt. Colombier, – Auffahrt auf abgestellten Güterzug Am 22. März 1871 stiess infolge falscher Weichenstellung im Bahnhof Colombier der Franco-Suisse (FS), ein Militärextrazug mit Militärangehörigen, die zu der internierten Bourbaki-Armee gehörten, mit einem abgestellten Güterzug zusammen, der aus 22 Kohlewagen und einem Gepäckwagen bestand. Ein Zugführer sowie 22 Internierte starben, 72 Personen wurden verletzt.Zugführer und 22 Internierte tot, 72 Verletzte: In: 24 Tote inkl. Zugführer: In: Dies war der bis dahin schwerste Eisenbahnunfall in der Schweiz.→ Abschnitt Eisenbahnunfall vom 22. März 1871 im Artikel Colombier NE Palézieux, – Zusammenstoss Am 7. Juli 1876 waren nach einem Zusammenstoss bei der Suisse-Occidentale (SO) in Palézieux vier Tote und drei Verletzte zu beklagen. Wädenswil, – Bremsversagen bei Versuchsfahrt Am 30. November 1876 geriet bei einer Versuchsfahrt von Schindellegi nach Wädenswil eine Lokomotive der Wädenswil-Einsiedeln-Bahn (WE) mit dem Zahnradsystem Wetli ausser Kontrolle. Zwei Angestellte starben, mehrere wurden schwer verletzt. Das System Wetli wurde danach nicht mehr weiter verfolgt.→ Abschnitt Das Unglück im Artikel Wädenswil-Einsiedeln-Bahn Vonwil, – Entgleisung Am 31. Dezember 1879 entgleiste in Vonwil bei St. Gallen ein aus Winterthur kommender Zug der Vereinigten Schweizerbahnen (VSB). Die beiden Lokomotiven kamen links und rechts des Bahngleises zu liegen, die Wagen schoben sich ineinander. Das Unglück forderte zwei Todesopfer und mehrere, teils schwer Verletzte.
1881–1890 mini|Trümmer des Unfalls vom 20. Dezember 1885 bei der Arth-Rigi-Bahn mini|Entgleister Personenzug Payerne–Yverdon bei Cheyres
Seebach, – Auffahrunfall nach überfahrenem Signal Am 8. Januar 1885 fuhr bei der Nordostbahn (NOB) ein Zug Winterthur–Zürich nach dem Überfahren eines geschlossenen Signals auf einen aus Wettingen kommenden Zug auf. Der Zug aus Wettingen wurde von der Station Seebach rückwärts über die auf offener Strecke liegende Abzweigung geschoben, um nachher vorwärts in Richtung Zürich weiterzufahren. Der Unfall forderte sieben Verletzte und grossen Sachschaden. Goldau, – Entgleisung nach Achsbruch Am 20. Oktober 1885 stürzte nach einem Achsbruch ein Zug der Arth-Rigi-Bahn (ARB) unterhalb der Station Kräbel über die Bahnböschung. Der Lokführer verlor dabei sein Leben, neun Personen wurden verletzt.→ Abschnitt Unfall der H 1/2 4 und Umbau im Artikel ARB H 1/2 Cheyres, – Zug fuhr in Felsschutt Am 21. Januar 1888 lösten sich bei Cheyres grössere Felsmassen und überschütteten das Gleis der Suisse–Occidentale–Simplon (SOS) zwei bis drei Meter hoch. Ein mit etwa 40 Reisenden besetzter Personenzug Payerne–Yverdon fuhr in den Schuttkegel, wobei die beiden Lokomotiven entgleisten. Der Heizer der Vorspannlokomotive kam dabei ums Leben, der andere Heizer und der Führer der Vorspannlokomotive wurden erheblich verletzt. Wassen, – Lawinenunfall Nach ausgiebigen Schneefällen brach am 15. Februar 1888 über Wassen eine Lawine los, die sechs Bahnarbeiter der Gotthardbahn-Gesellschaft (GB) verschüttete. Fünf davon wurden getötet. Die Eisenbahner waren in der mittleren Entschigtal-Galerie mit Schneeräumungsarbeiten beschäftigt.
1891–1900 mini|Das Eisenbahnunglück von Münchenstein war eine Katastrophe internationaler Bekanntheit.
Münchenstein, – Einsturz der Eisenbahnbrücke Am 14. Juni 1891 brach unter einem aus Basel kommenden Extrazug der Jura-Simplon-Bahn (JS) die von Gustave Eiffel erbaute Eisenbahnbrücke über die Birs unterhalb des Dorfes Münchenstein zusammen. 73 Passagiere kamen dabei ums Leben, 171 wurden verletzt. Ein Soldat starb an den Verletzungen, die er sich bei den Aufräumarbeiten zuzog. Das Unglück führte zu einer strengeren Aufsicht über die Eisenbahnen. Die Eisenbahnbrücken wurden systematisch untersucht und erste Baunormen geschaffen. Der Unfall ist die bis heute (Stand 2021) schwerste Eisenbahnkatastrophe der Schweiz.«Grauenhaft klang das Schreien, Ächzen und Stöhnen der Verwundeten» In: Neue Zürcher Zeitung vom 8. Juni 2020Stefan Haenni: Eiffels Schuld - Das grösste Eisenbahnunglück der Schweiz. Gmeiner Verlag, Messkirch 2023, ISBN 978-3-8392-0477-1.
Zollikofen, – Auffahrunfall durch ungenügende Bremsung Am 17. August 1891 prallte bei der Jura-Simplon-Bahn (JS) in Zollikofen der Schnellzug Bern–Paris auf einen vor dem geschlossenen Einfahrsignal wartenden Extrazug. Durch den Aufprall wurden 14 Reisende des Extrazuges getötet und 122 verletzt. Der Unfall wurde durch Fehler verschiedener Betriebsstellen verursacht. Dem Schnellzug wurde die Fahrt in einen belegten Zugfolgeabschnitt freigegeben. Durch die ausgeschaltete Druckluftbremse verminderte sich zudem die Bremswirkung.
Luzern, – Personenzug überfuhr Bauarbeiter Am Pfingstmontag, 30. Mai 1898 wurde eine Gruppe von mit Gleisarbeiten beschäftigten Bahnangestellten der Centralbahn (SCB) am südlichen Ausgang des Gütschtunnels bei Luzern von einem Personenzug der Nordostbahn (NOB) überfahren. Sieben Bahnarbeiter wurden sofort getötet, vier schwer verletzt. Aarau, – Zusammenstoss wegen verspäteter Bremsung Am 4. Juni 1899 fuhr der Nachtschnellzug Zürich–Genf der Nordostbahn (NOB) im Bahnhof Aarau über den vorgeschriebenen Haltepunkt hinaus und stiess dabei in zwei stehende Lokomotiven der Centralbahn (SCB). Der Unfall forderte zwei Tote und drei Schwerletzte.
20. Jahrhundert 1901–1910 Basel-St. Johann, – Entgleisung wegen überhöhter Geschwindigkeit Am 25. Juli 1901 verliess mit leichter Verspätung ein Personenzug Basel über die Bahnstrecke Strasbourg–Basel in Richtung Straßburg. Im Bereich des Bahnhofs Basel St. Johann bestand, verursacht durch eine Baustelle, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 45 km/h. Der Lokomotivführer, bemüht, die Verspätung einzuholen, überschritt diese so erheblich, dass der Zug entgleiste. Ein Reisender und der Schaffner des Zuges starben, als der Gepäckwagen und zwei Wagen 2. Klasse schwer beschädigt wurden.Jean-Georges Trouillet: Les Chemins de fer Impériaux d'Alsace-Lorraine – Reichs-Eisenbahnen in Elsass-Lothringen. Éditions Drei Exen Verlag, Husseren-les-Châteaux 2018. ISBN 978-2-9565934-0-9, S. 336. Palézieux, – Zusammenstoss nach unklarer Absprache Am 21. Juni 1903 wurden die neu gegründeten Bundesbahnen (SBB) das erste Mal von einem Unfall betroffen. Ein Schnellzug Bern–Genf prallte in Palézieux mit 60 km/h bei Dunkelheit und Nebel auf eine stehende Rangierlokomotive. Der hinter der Schlepptenderlokomotive eingereihte Gepäckwagen wurde vom nachfolgenden Erst-/Zweitklasswagen emporgehoben. Die Rangierlokomotive stürzte über die Böschung. Sechs Reisende wurden getötet, acht Reisende und ein Bahnangestellter verletzt. Der Unfall wurde durch mangelhafte Verständigung des Bahnpersonals verursacht. Au ZH, – Fahrt in stehende Güterwagen Am 16. März 1909 fuhr in Au ZH der Schnellzug Sargans–Zürich wegen falscher Weichenstellung in einige auf dem Schuppengeleise stehende Güterwagen. Zwei in einem Güterwagen arbeitende Personen starben, zwei wurden verletzt.
1911–1920 mini|Eisenbahnunfall in Dietikon am 17. August 1915 mini|Eisenbahnunfall in Davos am 29. April 1917 Dietikon, – Kollision durch zu früh geöffnetes Signal Am 17. August 1915 fuhr ein Schnellzug in Dietikon in einen rangierenden Personenzug, weil das Einfahrsignal zu früh geöffnet worden war. Sieben Personen wurden getötet, 26 weitere zum Teil schwer verletzt.
Bern Ausserholligen, – Entgleisung Am 28. Juni 1916 entgleiste in der Station Ausserholligen der Bahnstrecke Bern Fischermätteli–Schwarzenburg ein Personenwagen der Bern-Schwarzenburg-Bahn und stürzte um; ein Reisender starb, 20 wurden verletzt. Davos, – Lawinenunfall Am 29. April 1917 wurde zwischen Davos Wolfgang und Davos Platz ein Personenzug der Rhätischen Bahn (RhB) von einer rund 200 Meter breiten Lawine erfasst. Der Lokomotivführer versuchte durch Beschleunigen den Schneemassen zu entrinnen, aber der Schneedruck der Lawine zerriss beim hinteren Zugteil die Bremsleitung und löste eine Schnellbremsung aus. Die hinteren zwei Wagen wurden verschüttet. Feuerwehr und internierte deutsche Soldaten schaufelten den Zug wieder frei, doch zehn Passagiere konnten nur noch tot geborgen werden. Brig, – Entgleisung Am 5. September 1919 entgleiste eine Fb 5/7 der BLS in Brig und prallte in ein Stellwerk. Grund war eine Bremsstörung auf der BLS-Südrampe. mini|Von Lawine verschütteter Schneeräumzug bei Bernina Hospiz am 16. März 1920 Bernina, – Lawinenunfall Am 16. März 1920 wurde bei Bernina Hospiz ein Schneeschleuderzug der Berninabahn (BB), bestehend aus einer Dampfschneeschleuder, den beiden Triebwagen BCe 4/4 1 und BCFe 4/4 23 und einem Postwagen, von einer Lawine erfasst. Die Lawine riss die Schneeschleuder und den ersten Triebwagen mit, während der zweite Triebwagen vom Druck der Schneemassen umstürzte. Acht Bahnangestellte kamen ums Leben. Die Mannschaft der Schneeschleuder erlitt tödliche Verbrennungen vom ausströmenden Heissdampf.1934 wurde zum Schutz gegen Lawinen die Trasse zwischen Bernina Lagalp und Arlas auf die andere Hangseite verlegt.
1921–1930 mini|Eisenbahnunfall in Willisau am 20. März 1923 mini|Ce 6/8 II 14256 nach Transformatorexplosion in Lavorgo am 2. April 1923 Willisau, – Fahrt über Prellbock Am 20. März 1923 fuhr in Willisau ein Richtung Wolhusen ausfahrender Personenzug der Huttwil-Wolhusen-Bahn (HWB) wegen falscher Weichenstellung auf ein Industriegeleise, überfuhr den Prellbock und stürzte die Böschung hinunter. Der Lokomotivführer fand den Tod, neun Passagiere wurden verletzt. Lavorgo, – Transformatorexplosion Am 2. April 1923 explodierte in Lavorgo der Transformator der Ce 6/8 II 14256. Das sich im Transformator gebildete Ölgas gelangte durch eine undichte Stelle in den Maschinenraum. Beim Betätigen des Stufenschalters kam es zur Explosion, die den Führergehilfen das Leben kostete. Der Lokomotivführer wurde verletzt. Trotz des grossen Schadens wurde die Krokodillokomotive wieder hergerichtet. Wabern, – Entgleisung