mini|10–30 Mikrometer kleine Kunststoffkügelchen aus Polyethylen in einer Zahnpasta mini|Mikroplastik und andere Müllpartikel aus Sedimenten mitteleuropäischer Flüsse
Als Mikroplastik werden nach einer Definition der National Oceanic and Atmospheric Administration von 2008 kleine Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser unter 5 mm (5000 Mikrometer) bezeichnet; auch das deutsche Umweltbundesamt beruft sich auf diese Definition in Anlehnung an die technische aus den Kriterien des EU-Ecolabel für Wasch- und Reinigungsmittel.
Mikroplastik ist in zahlreichen Umweltkompartimenten und Organismen – bis hin zu verschiedenen menschlichen Geweben und Organen – nachgewiesen, zugleich bleibt eine belastbare gesundheitliche Risikobewertung für Menschen schwierig.
Noch kleinere Kunststoffpartikel in der Größe von 1 bis maximal 1000 nm (1 Mikrometer) werden als Nanoplastik,
Dabei kann zwischen den zu Gebrauchszwecken produzierten Mikroplastikpartikeln, z. B. in Kosmetika, Zahnpasta oder Babywindeln, und solchen unterschieden werden, die durch den Zerfall von Kunststoffprodukten während oder nach dem Gebrauch entstehen (Plastikmüll). Allerdings verursachen Kunststoffpartikel beiderlei Herkunft Probleme in der Umwelt, insbesondere, weil sie schwer abbaubar sind und eine ähnliche Dichte wie Wasser aufweisen: Im Januar 2015 z. B. warnte das deutsche Umweltbundesamt vor „Risiken für Umwelt und Gewässer durch die Verwendung von Plastikpartikeln in Hautcremes, Peelings, Duschgels und Shampoos“.Gewässer entlasten: Mögliche Maßnahmen gegen Mikroschadstoffe. Umweltbundesamt, 4. März 2015.Mikroplastik schädigt Umwelt. In: Badische Zeitung (online), 29. Januar 2015, abgerufen am 11. Dezember 2015. Aufgrund mangelnder Datenlage kann eine solide und valide Einschätzung der gesundheitlichen Risiken für Menschen bislang nicht getroffen werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stellte in der Mitteilung vom 2. Dezember 2025 eine Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und wissenschaftlichem Kenntnisstand fest. Derzeit gäbe es keine belastbaren Hinweise auf eine gesundheitliche Gefährdung für den Menschen. Die Hinweise auf Risiken für kleinere Organismen haben sich jedoch verdichtet (→ Bedeutung für die Umwelt).
Nach einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik von 2018 werden in Deutschland jährlich insgesamt rund 446.000 Tonnen Kunststoff in die Umwelt freigesetzt; dabei machen mit etwa 330.000 t die Plastikpartikel unter 5 mm rund das Dreifache der übrigen Plastikteile (über 5 mm, Makroplastik) aus. Den größten Anteil Mikroplastik an Land, rund ein Drittel, liefert dabei der Abrieb von Autoreifen.Fraunhofer identifiziert Quellen von Mikroplastik, Forschung & Lehre, 2018. In den Meeren wird der größte Anteil von Mikroplastik durch die Fischerei verursacht, etwa durch zurückbleibende und abgeworfene Schleppnetze und Reusen. Eine Studie aus dem Jahr 2023 belegte erstmals Spuren von Mikroplastik auch in menschlichen Herzen.
Entstehung, Herkunft, Verwendung Hergestelltes und durch Abrieb in der Technosphäre entstehendes Mikroplastik
Nach einer Studie der IUCN von 2017 werden nur zwei Prozent des als solches in die Ozeane eingetragenen Mikroplastiks durch Aktivitäten auf See verursacht, der überwiegende Teil (98 %) durch Aktivitäten an Land. Der größte Teil dieser Partikel stammt aus dem Waschen von synthetischen Textilien (35 %) und aus dem Abrieb von Reifen von Kraftfahrzeugen (28 %). Weiterhin folgen Feinstaub aus Städten (24 %), Abtrag von Straßenmarkierungen (7 %), Reste aus Schiffsbeschichtungen (3,7 %), Rückstände aus Kosmetikprodukten (2 %) sowie Plastikpellets (0,3 %).; PDF Im Fall von Straßenmarkierungen ergab eine kürzlich durchgeführte Studie, dass Markierungen durch eine Schicht aus Glasperlen geschützt sind und ihr Anteil nur 0,1 bis 4,3 g/Person/Jahr ausmacht, was bedeuten würde, dass ihr Beitrag nur etwa 0,7 % beträgt. In die Meere gelangen diese Kunststoffe hauptsächlich über Straßenabflüsse (66 %), Abwasserbehandlungssysteme (25 %) und durch Windübertragung (7 %). Die Hauptquelle für Mikroplastik in Flüssen und Seen sind Reifenabriebe.dpa: In: Die Zeit, 22. Februar 2017, abgerufen am 4. Februar 2017 Die Reifenhersteller gehen nach eigenen Studien davon aus, dass Reifenabriebspartikel keine signifikanten toxischen Wirkungen auf die Umwelt haben.Nina Chmielewski: Hessischer Rundfunk, 26. Oktober 2016, abgerufen am 5. März 2017 Anderen Studien zufolge ist der Reifenabrieb Quelle für Gummi, Ruß und Oxide von Schwermetallen wie Zink, Blei, Chrom, Kupfer und Nickel.Patricia Göbel, Carsten Dierkes, Wilhelm G. Coldewey: Storm water runoff concentration matrix for urban areas, Journal of Contaminant Hydrology, Volume 91, Issues 1–2, 1. April 2007, Seiten 26–42, hier Seite 29 Nach einer Abschätzung der Empa stammen in der Schweiz 93 Prozent des in die Umwelt freigesetzten Mikroplastiks aus dem Reifenverschleiß.
Laut niedersächsischer Landesregierung sind die drei größten Quellen für den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt der Gummiabrieb von Reifen, gefolgt von Verlusten bei Produktion und Transport sowie an dritter Stelle Überreste von Kunstrasenplätzen. Die Landesregierung stützt sich dabei auf Werte des Fraunhofer-Instituts für Umwelttechnik.Landesregierung bestätigt: Umweltrisiko Kunstrasen In: neuepresse.de, 21. Januar 2018, abgerufen am 22. März 2018. Im Kunstrasen eines Fußballplatzes können 40 bis 100 Tonnen an Einstreumaterial eingearbeitet sein. Am gängigsten ist dabei ein Produkt in Form kleiner Kügelchen auf der Basis von Altreifen. Nach in Schweden und Norwegen vorgenommenen Untersuchungen werden jährlich fünf bis zehn Prozent des Füllmaterials herausgelöst und müssen wieder ersetzt werden. Allein in Schweden sind das bis zu 4.000 Tonnen jedes Jahr, die im Meer landen. Der dortige Anteil infolge Autoverkehrs – vorwiegend durch Reifenabrieb – wird auf 13.500 Tonnen geschätzt. Demgegenüber steht Mikroplastik aus Hygiene- und Kosmetikartikeln mit jährlich 66 Tonnen.Umweltprobleme durch Kunstrasen: Vom Bolzplatz in den Ozean In: taz.de, 5. Februar 2017, abgerufen am 22. März 2018. In Norwegen werden Kunstrasenanlagen mittlerweile als zweitgrößter landbasierter Mikroplastik-Verursacher eingeordnet – hinter Autoreifen aus Kunststoff. Rund 1600 entsprechende Sporteinrichtungen gibt es dort, die bis zu 3.000 Tonnen Mikroplastik pro Jahr abgeben, letztlich ins Meer.Umweltprobleme durch Kunstrasen: Vom Bolzplatz in den Ozean In: heise.de, 6. Februar 2018, abgerufen am 22. März 2018. Einer Veröffentlichung der norwegischen Umweltbehörde aus dem Jahr 2014 zufolge stammen 54 Prozent des Mikroplastiks in den Meeren vom Abrieb von Autoreifen.Peter Sundt, Per-Erik Schulze, Frode Syversen: , 2014; Table 8-1 “Summary of emission estimates for Norwegian sources to microplastic pollution” (S. 88).
Bereits 2011 berichtete das Fachjournal Environmental Science & Technology von einer Untersuchung an Stränden, bei der auf allen Kontinenten Mikroplastik gefunden wurde; darunter wohl auch Fasern von Kleidungsstücken aus synthetischen Materialien (z. B. Fleece): Im Abwasser von Waschmaschinen finden sich bis zu 1900 Faserteilchen pro Waschgang.SECURVITAL – Das Magazin, 4/012, S. 5: Textilien – Fleece im Meer (24. November 2012)Mark Anthony Browne, Phillip Crump, Stewart J. Niven, Emma Teuten, Andrew Tonkin, Tamara Galloway, Richard Thompson: Accumulation of Microplastic on Shorelines Worldwide: Sources and Sinks, Environmental Science & Technology 2011, 45(21), 9175–9179; doi:10.1021/es201811s. Eine Untersuchung des österreichischen Umweltbundesamts von Polyesterblusen ergab, hochgerechnet auf die österreichischen Haushalte, dass dort durch die Kleidung rund 126 Tonnen Mikroplastik ins Abwasser gelangt. Weltweit sind es schätzungsweise rund eine halbe Million Tonnen. 2020 zeigte sich in einer Untersuchung, dass beim Trocknen von Textilien in Wäschetrocknern Mikroplastik über die Abluft in die Umwelt abgegeben wird. Mikroplastik von Kunstfaserkleidern gelangt nicht nur beim Waschen selbst, sondern hauptsächlich beim Tragen (etwa 3 mal mehr als beim Waschen) in die Umwelt.Francesca De Falco, Mariacristina Cocca, Maurizio Avella, Richard C. Thompson: Microfiber Release to Water, Via Laundering, and to Air, via Everyday Use: A Comparison between Polyester Clothing with Differing Textile Parameters. In: Environmental Science & Technology. 2020, doi:10.1021/acs.est.9b06892. Die künstlichen Fasern von Outdoor-Bekleidung lassen sich in erheblichen Mengen in der Natur nachweisen und sind in manchen Gebieten, wie im Eis des Forni-Gletschers, als Hauptursache der Verschmutzung bekannt. Mikroplastik kann auch ein Bestandteil von Waschmitteln sein. In fester Form wurde es u. a. bei Waschmitteln von Ariel, Lenor, Sunil nachgewiesen.
Mikro-Kunststoffpartikel sind auch Bestandteil z. B. von Zahnpasta, Duschgel, Lippenstift oder einem Peelingmittel. Die Hersteller fügen sie Produkten hinzu, damit die Anwender einen mechanischen Reinigungseffekt erzielen.deutschlandfunk.de, Wissenschaft im Brennpunkt, 7. April 2013, Anja Krieger: Die Entmüllung der Meere (12. Dezember 2013).
Manche Produkte enthalten bis zu zehn Prozent Mikroplastik. Nach Angaben des deutschen Umweltbundesamts von 2015 werden Kosmetika in Deutschland circa 500 Tonnen Mikroplastik pro Jahr zugesetzt. Colgate-Palmolive gab Mitte 2014 an, seine Zahnpasten enthielten keine Plastikpartikel mehr.taz.de: Kosmetik löst das Problem nicht. In: Taz. 3. Juli 2014 (7. Juli 2014) Unilever, L’Oréal (die Marke The Body Shop) sowie Johnson & Johnson wollten bis 2015 aus der Verwendung von Mikroplastik aussteigen, Procter & Gamble wollte 2017 folgen.. In: daserste.de, 15. November 2017, abgerufen am 8. Januar 2018. Eine BUND-Veröffentlichung vom Juli 2017 listete immer noch mehrere hundert Mikroplastik-Kosmetikprodukte auf dem deutschen Markt auf, darunter nach wie vor Produkte der oben genannten Firmen.
In einer Untersuchung der Umweltagentur des dänischen Ministeriums für Umwelt und Ernährung zu Vorkommen, Auswirkungen und Quellen von Mikroplastik wurde 2015 überschlagen, dass dort die jährlichen Emissionen von Mikroplastik circa 5.500 bis 13.900 Tonnen betragen. Rund ein Zehntel davon stellen Partikel der Primärproduktion, 460 bis 1700 Tonnen. Die restlichen neun Zehntel, 5.000 bis 12.200 Tonnen, sind erst durch Abrieb oder Gebrauch entstandene Plastikmüll-Partikel unter 5 mm (insbesondere von Reifen, 4400–6600 t, und Textilien, 200–1000 t). Allerdings ist in dieser Aufstellung noch nicht das durch Zerfall größerer Kunststoffteile aus Makroplastik in der Umwelt sekundär entstehende Mikroplastik enthalten.Carsten Lassen, Steffen Foss Hansen, Kerstin Magnusson, Fredrik Norén, Nanna Isabella Bloch Hartmann, Pernille Rehne Jensen, Torkel Gissel Nielsen, Anna Brinch: Microplastics Occurrence, effects and sources of releases to the environment in Denmark (Mikroplastik-Vorkommen, -Auswirkungen und -Quellen der Freisetzung in die Umwelt in Dänemark). Danish Environmental Protection Agency, Environmental project Nr. 1793, 2015, ISBN 978-87-93352-80-3, S. 142 (englisch).
Des Weiteren gibt es noch viele andere Ursachen, welche Mikroplastik in die Umwelt freigegeben. Zum Beispiel entsteht beim Abschleifen von Brillengläsern aus Kunststoff Mikroplastik, welches üblicherweise direkt mit dem Abwasser entsorgt wird.Kai Peuckert: Mikroplastik im Blick: Das Problem mit Brillengläsern aus Kunststoff. In: ndr.de, 27. Januar 2022, abgerufen am 30. Januar 2022.