Die V- und W-Klasse war eine Schiffsklasse von insgesamt 67 Flottenzerstörern der Royal Navy, die ab 1917 in Dienst gestellt wurden. Sie setzte sich aus sechs Untergruppen zusammen. Diese als Flottillenführer entwickelten Boote waren die letzten Flottenzerstörer, die im Rahmen des britischen Kriegsbauprogramms des Ersten Weltkriegs geliefert wurden. Die Boote gehörten damals zu den stärksten und fortschrittlichsten Zerstörern der Welt und nach ihrem Muster entstanden alle zukünftigen britischen Zerstörer.

Die meisten wurden noch im Ersten Weltkrieg fertiggestellt. Zwischen den Kriegen waren die Boote der V- und W-Klasse der Kern der britischen Zerstörerflottillen, bis sie in den 1930er-Jahren durch Neubauten ersetzt und der Reserve zugewiesen wurden. Die Mehrzahl der Schiffe war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs noch vorhanden. Seit 1938 modernisierte die Royal Navy auch ältere Einheiten im Rahmen ihres Aufrüstungsprogramms. So entwickelte sie die Geleitboote des WAIR-Typs schon vor dem Krieg, zu denen dann noch Kriegsumbauten als Long range escort und Short range escort kamen. So leisteten die alten Boote in der für die alliierten Kriegsanstrengungen sehr wichtigen Geleitzugsicherung einen wichtigen Kriegsbeitrag und ermöglichten den Einsatz modernerer Einheiten im Rahmen der Flotte.

Entwurfs- und Baugeschichte Im April 1916 wurden fünf Flottillenführer der V-Klasse nach einem Admiralitäts-Entwurf bestellt, die mit den neuen Flottenzerstörern der S-Klasse eingesetzt werden sollten. Sie waren eine Weiterentwicklung der bisherigen Bauten. Sie entsprachen in der Größe weitgehend den zuletzt gelieferten Flottillenführern der Parker-Klasse, von denen sie die am Bug sich überschießend angeordneten Geschütze übernahmen. Von den Zerstörern der Yarrow M-Klasse wurden die drei Kessel und die zwei Schornsteine übernommen, was die nutzbare Decksfläche vergrößerte. Von den Flottenzerstörern der R-Klasse wurde der Antrieb mit Getriebeturbinen auf zwei Wellen übernommen. Die neuen Boote hatten einen relativ dünnen und hohen vorderen und einen dickeren, kurzen hinteren Schornstein. Neu an den Booten war die Feuerleitanlage und die Umsetzung des Geschützes zwischen den Schornsteinen auf ein Schutzdeck am Heck, so dass an beiden Schiffsenden je zwei Kanonen zur Verfügung standen, die relativ unbehindert dieselben Ziele beschießen konnten. Die fünf als Flottillenführer gebauten Boote hatten eine große Brücke und einen hohen Fockmast. Der weit hinten stehende Hauptmast war niedrig und spannte die Antennen.

Je zwei Boote wurden bei Cammell Laird in Birkenhead (Valentine, Valhalla) und William Denny in Dumbarton (Valkyrie, Valorous) gebaut. Die bei Cammell Laird gebauten Boote hatten Parsons-Turbinen; Valkyrie, Valorous und die von J. Samuel White gebaute Vampire hatten Brown-Curtis-Turbinen. Als einziges Boot dieser Unterklasse war die Vampire mit White-Forster-Kesseln ausgestattet und war Testboot für die neuen Dreifach-Torpedosätze.

V-Leader Bauwerft Stapellauf in Dienst Umbauvor 39 a. D. Endschicksal HMS Valkyrie (D61) Denny Bros. 12.03.1917 16.06.1917 (1936) 8.1936 zum Abbruch HMS Valentine (L69) Cammell Laird 24.03.1917 27.06.1917 WAIR 15. Mai 1940 vor Terneuzen gesunken HMAS Vampire (D68) White 21.05.1917 22.09.1917 11.11.1933 => RAN 9.04.1942 vor Ceylon versenkt HMS Valhalla (D44) Cammell Laird2 22.05.1917 31.07.1917 (1931) 12.1931 zum Abbruch HMS Valorous (L00) Denny2 5.08.1917 21.08.1917 WAIR 3.1947 zum Abbruch

Die V-Klasse Die 23 Boote der V-Klasse nach dem Admiralitätsentwurf (und zwei nach einem Thornycroft-Entwurf, s. u.) wurden im Juli 1916 bestellt, da man Hinweise darauf hatte, dass die Deutschen demnächst neue, stärkere Zerstörer in Dienst stellen würden. Die Aufträge wurden an zehn Werften vergeben, von denen William Denny und J. Samuel White auch schon am Bau der V-Flotillenführer-Boote beteiligt waren. Neun der Boote wurden so gebaut, dass sie innerhalb von 24 Stunden zu Minenlegern umgerüstet werden konnten. Diese hatten Minenpforten im Heck. Bei der Umrüstung gaben sie beide Torpedosätze und das untere Heckgeschütz an Land und konnten 60 Minen übernehmen, die durch Vorhänge geschützt wurden. Bei den möglichen Minenlegern handelte es sich um die bei J. Brown & Co. in Clydebank gebauten Vanoc und Vanquisher, die von Doxford gebaute Velox, die Denny-Boote Vehement und Venturous, die bei Swan Hunter gebauten Vimiera und Vittoria, Hawthorn Leslie’s Versatile und die Vortigern von White.

Bei den Maschinenanlagen hatten beide White-Boote wieder White-Forster-Kessel und die Doxford-Boote sowie Vimiera und Violent von Swan Hunter Parsons-Turbinen.

Die anfangs wie die Vorgänger mit zwei Zwillingstorpedosätzen ausgerüsteten Boote erhielten 1921 einen vorderen Drillingstorpedosatz. Ab 1923 begann auch der Austausch der hinteren Sätze außer bei Vanoc, Velox, Versatile, Vimy und Vortigern.

Im Ersten Weltkrieg ging die Vehement als einziges Boot der V- und W-Klasse durch einen Minentreffer verloren; 1919 waren dann in der Ostsee noch die Verluste von Verulam und Vittoria zu beklagen. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs waren noch 16 Boote vorhanden, von denen fünf zu schnellen Geleitbooten umgebaut wurden.

Name Bauwerft Stapellauf in Dienst Umbau vor 39 a. D. Endschicksal HMS Vanoc (H33) J. Brown 14.06.1917 15.08.1917 Longrange Escort 7.1945 zum Abbruch HMS Vimiera (L29) Swan Hunter 22.06.1917 19.09.1917 WAIR 9.01.1942 nach Minentreffer gesunken HMS Vehement (H2A) Denny3 6.07.1917 10.1917 (1918†) 1.08.1918 nach Minentreffer gesunken HMS Vanquisher (D54) J. Brown2 18.08.1917 2.10.1917 Longrange Escort 03.1947 zum Abbruch HMS Verdun (L93) Hawthorn 21.08.1917 16.10.1917 WAIR 03.1946 zum Abbruch HMS Violent (D57) Swan Hunter2 1.09.1917 12.1917 (1937) 8.03.1937 zum Abbruch HMS Vega (L41) Doxford 1.09.1917 14.12.1917 WAIR 1946 zum Abbruch HMAS Vendetta (D69) Fairfield 3.09.1917 4.10.1917 10.1933 =>RAN 2.07.1948 vor Sydney versenkt HMS Vectis (D51) J.S. White2 4.09.1917 5.12.1917 (1936) 25.08.1936 zum Abbruch HMS Venturous (D87) Denny4 21.09.1917 29.11.1917 (1936)24.08.1936 zum Abbruch HMS Verulam (F19) Hawthorn L.2 3.10.1917 5.12.1917 (1919†) 4.09.1919 vor Seiskari gesunken HMS Vortigern (D37) J.S. White3 15.10.1917 25.01.1918 15.03.1942 durch S-Boot versenkt HMS Venetia (D53) Fairfield 2 29.10.1917 19.12.1917 19.10.1940 nach Minentreffer gesunken HMS Vittoria (F96) Swan Hunter3 29.10.1917 9.03.1918 (1919†) 1.09.1919 vor Seiskari versenkt HMS Versatile (D32) Hawthorn L3 31.10.1917 11.02.1918 Longrange Escort 1946 zum Abbruch HMS Vivacious (D36) Yarrow 3.11.1917 29.12.1917 Shortrange Esc. 3.1947 zum Abbruch HMS Velox (D34) Doxford2 17.11.1917 14.03.1918 Longrange Escort 2.1947 zum Abbruch HMS Vesper (D55) Stephen 15.12.1917 20.02.1918 Longrange Escort 3.1947 zum Abbruch HMS Vancouver (G04)1. April 1928 HMS Vimy (D33) Beardmore 28.12.1917 9.03.1918 Longrange Escort 3.1947 zum Abbruch HMS Vivien (L33) Yarrow2 16.02.1918 28.05.1918 WAIR 2.1947 zum Abbruch HMS Vidette (D48) Stephen2 28.02.1918 18.04.1918 Longrange Escort 3.1947 zum Abbruch HMS Vanessa (D29) Beardmore2 16.03.1918 27.04.1918 Longrange Escort 3.1947 zum Abbruch HMS Vanity (L38) Beardmore3 3.05.1918 21.06.1918 WAIR 3.1947 zum Abbruch

Die W-Klasse Die 21 Boote der W-Klasse nach dem Admiralitätsentwurf wurden alle im Dezember 1916 bestellt. Gebaut wurden 19, da die bei Yarrow erteilten Aufträge in Bestellungen für Boote der S-Klasse (Tomahawk, Torch) umgewandelt wurden. Die Schiffe hatten nur einen wesentlichen Unterschied zur V-Klasse: es standen jetzt genügend Drillings-Torpedorohrsätze zur Verfügung um die Boote auszurüsten. Auch war der Hauptmast der W-Boote meist höher als bei den V-Booten. Wie bei der V-Klasse gingen wieder zwei Aufträge an Thornycroft, die nach dem Werksentwurf gefertigt wurden (siehe unten).

Name Bauwerft Stapellauf in Dienst Umbauvor 39 a. D. Endschicksal HMS Wakeful (H88) J. Brown3 6.10.1917 16.11.1917 29. Mai 1940 vor Nieuwpoort versenkt HMS Watchman (D26) J. Brown4 2.11.1917 26.01.1918 LongrangeEscort 7.1947 zum Abbruch HMS Walker (D27) Denny5 29.11.1917 12.02.1918 LongrangeEscort 3.1946 zum Abbruch HMS Whirlwind (D30) Swan Hunter4 15.12.1917 15.03.1918 15. Juli 1940 versenkt HMS Winchelsea (D46) White4 15.12.1917 20.04.1918 LongrangeEscort 3.1947 zum Abbruch HMS Walrus (D24) Fairfield3 27.12.1917 8.03.1918 (1938) 12. Februar 1938 gestrandet HMS Warwick (D25) Hawthorn L.4 28.12.1917 18.03.1918 LongrangeEscort 20. Februar 1944 durch U-Boot versenkt HMS Winchester (L55) White5 1.02.1918 24.05.1918 WAIR 3.1946 zum Abbruch HMS Walpole (D41) Doxford3 12.02.1918 7.08.1918 ShortRangeEsc. 1.1945 Totalschaden HMS Westcott (D47) Denny6 14.02.1918 2.04.1918 ShortRangeEsc. 1.1946 zum Abbruch HMS Westminster (L40) Scotts 25.02.1918 18.04.1918 WAIR 3.1947 zum Abbruch HMS Wrestler (D35) Swan Hunter5 25.02.1918 15.05.1918 LongrangeEscort 6. Juni 1944 Totalschaden HMS Wessex (L41) Hawthorn L.5 12.03.1918 11.05.1918 WAIR 24. Mai 1940 vor Calais versenkt HMS Wolfhound (L56) Fairfield4 14.03.1918 27.04.1918 WAIR 2.1948 zum Abbruch HMAS Waterhen (D22) Palmers 26.03.1918 17.04.1918 11.1933 => RAN 30. Juni 1941 vor Libyen versenkt HMS Whitley (L23) Doxford4 13.04.1918 23.09.1918 WAIR 19. Mai 1940 vor Ostende versenkt HMAS Voyager (D31) Stephen3 8.05.1918 24.06.1918 11.1933 => RAN23. September 1942 vor Timor versenkt HMS Wryneck (L04) Palmers2 13.05.1918 11.11.1918 WAIR 27. April 1941 vor Kreta versenkt HMS Windsor (D42) Scotts2 21.06.1918 28.08.1918 ShortRangeEsc. 3.1947 zum Abbruch verkauft

Die modifizierte W-Klasse 1918 wurden noch zwei Serien der W-Klasse nach dem Admiralitätsentwurf im Januar und April 1918 bestellt, die 14 und 38 Neubauten umfassten. Allerdings wurden von jeder Serie nur je sieben Boote tatsächlich fertiggestellt, von denen insgesamt fünf einen mit V beginnenden Namen trugen. Die nicht fertiggestellten Aufträge wurden zwar teilweise noch begonnen, aber wegen des Kriegsendes noch 1918 wieder storniert. Diese als modifizierte W-Klasse bezeichneten Boote erhielten abweichend von den vorangehenden Bauten die neue 120-mm-L/45-Mk.I-Kanone. Diese Bewaffnung ähnlich der der Standard-Nachkriegsbauten führte später zum Verzicht auf Umbauten nach der WAIR-Variante.

Die Boote des 2. Auftrages hatten abweichend von allen anderen Boote der V- und W-Klasse einen dickeren vorderen Schornstein und dahinter einen dünnen, da bei diesen Booten der größere Kesselraum mit zwei Kesseln ausgestattet war und dahinter im zweiten Kesselraum nur ein Kessel stand. Durch diese Änderung verloren diese sieben Boote das bis dahin typische Aussehen der Klasse mit einem langen, sehr dünnen Schornstein vorn und anschließend einem dickeren, kurzen Schornstein. Die Veränderung der Kesselräume ließ später einen Umbau zu Longrange Escorts gemäß der Standardpläne nicht zu.