mini|Römisch-katholische Kirche St. Peter und Paul mini|Das Eingangsportal mini|Haupt- und Seitenaltäre von Josef Eberle (1839–1903) mini|Die Kirchendecke mini|Detail von der Kirchendecke
Die Kirche St. Peter und Paul ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Winterthur. Die 1868 eröffnete Kirche, ist die erste katholische Kirche im Kanton Zürich, die nach der Reformation erbaut wurde. Als älteste katholische Kirche in Winterthur gilt sie als katholische Mutterpfarrei der Stadt. Die Kirche St. Peter und Paul steht in der Nähe des Bahnhofs Winterthur im Quartier Neuwiesen.
Geschichte Vorgeschichte Die älteste Kirche des frühmittelalterlichen Winterthurs war ein Vorgängerbau der heutigen Stadtkirche St. Laurentius. Es handelte sich um einen hölzernen Saalbau aus dem 7./8. Jahrhundert. Damals war die Kirche eine Filiale der Pfarrei von Oberwinterthur. 1180 erfolgte die Ablösung der Pfarrei für das Stadt-Rechteck. 1482 wurde die Pfarrei in Oberwinterthur ausgekauft und die obere und untere Vorstadt sowie Mühlen eingepfarrt. Das Patronat lag zunächst bei den Gründern, den Grafen von Kiburg, es wurde 1264 an die Habsburger vererbt, danach 1467 an die Zürcher verpfändet.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 267. Nach der Reformation im Jahr 1524 wurde die Kirche für reformierte Gottesdienste verwendet, wobei die Kirche während des Bildersturms völlig ausgeräumt wurde. Die Ausübung des katholischen Kults war für fast 300 Jahre im Kanton Zürich verboten. Das Toleranzedikt des Zürcher Regierungsrats vom 10. September 1807 erlaubte erstmals wieder eine katholische Gemeinde in Zürich.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Zürich 1989, S. 192. Im September 1813 appellierten fünfzig in Winterthur wohnende Katholiken an die Toleranz der Stadtväter und baten den Stadtrat in einer Petition, die Kapelle St. Georg für katholische Gottesdienste benützen zu dürfen. Der Stadtrat zeigte sich dem Vorstoss gewogen, aber der Kleine Rat des Kantons Zürich lehnte das Begehren ab. Der Kleine Rat erkannte weder das Bedürfnis noch erachtete er die Winterthurer Katholiken in der Lage, einen Geistlichen zu entlohnen. Der wahre Grund für die Ablehnung war wohl die Furcht, dass im Kanton Zürich fortan katholische Priester verstärkt aktiv gewesen wären. Als durch die einsetzende Industrialisierung die Zahl der Katholiken in Winterthur weiter angestiegen war, unternahmen diese im Sommer 1840 einen zweiten Versuch, der aber diesmal an der Haltung der reformierten Kirchenbehörde von Winterthur scheiterte, welche sich gegen den Simultangebrauch der Kirche St. Georg verwahrte.Peter Niederhäuser, Flurina Pescatore: St. Peter und Paul. Die Mutterkirche von Katholisch-Winterthur. S. 7–8. Der Churer Weihbischof Haller initiierte um 1856 ein Initiativkomitee für einen dritten Vorstoss, was am 27. März 1860 mittels einer weiteren Petition geschah. Diese forderte den Stadtrat von Winterthur auf, die Ausübung des katholischen Kults in Winterthur zu erlauben. Angeführt wurden in der Petition die steigende Anzahl katholischer Bewohner der Stadt, aber auch die bereits erfolgte Sammlung von Geld sowie der Hinweis auf die künftige Bedeutung von Winterthur als eidgenössischem Waffenplatz, wo sich zunehmend auch katholische Soldaten aufhalten würden. Als am 22. April 1862 der Kantonsrat von Zürich die Aufhebung des Klosters Rheinau beschloss, verband der Kanton die Aufhebung des Klosters mit der Notwendigkeit, das Klostervermögen einer neuen, gesetzlich geregelten Nutzung zuzuführen. Dies führte zur Ausarbeitung eines katholischen Kirchengesetzes.Peter Niederhäuser, Flurina Pescatore: St. Peter und Paul. Die Mutterkirche von Katholisch-Winterthur. S. 8–9. Das sog. Erste zürcherische Kirchengesetz im Jahr 1863 anerkannte schliesslich die katholischen Kirchgemeinden neben Zürich auch in Winterthur, Dietikon und Rheinau (die letzten beiden waren traditionell katholisch geprägte Orte). In diesen vier Orten erhielten die katholischen Gemeinden vom Staat Geld, wie das im Kanton Zürich sonst nur die reformierten Kirchgemeinden erhielten. In den anderen Orten mussten sich die neu entstehenden Pfarreien privat finanzieren, was sie auf der rechtlichen Grundlage des Vereinsrechts machten, zum Beispiel mit Hilfe von Fördervereinigungen wie dem Piusverein (gegr. 1857) und der Katholischen Gesellschaft für inländische Mission (gegr. 1863). In den 1860er Jahren entstanden auf diese Weise in kurzer Folge etliche Seelsorgestationen und spätere Pfarreien im Kanton Zürich: Männedorf (1864), Gattikon-Thalwil/Langnau (1864), Horgen (1865), Pilgersteg-Rüti/Wald (1866), Wald und Bubikon (1873), Uster (1876), Langnau (1877), Rüti (1878), Wädenswil (1881), Bülach (1882), Wetzikon (1890), Bauma (1894), Adliswil (1894), Pfungen (1895), Dübendorf (1897) und Küsnacht (1901). So kam es, dass um 1900 im Kanton Zürich bereits 20 katholische Pfarreien existierten, unter anderem auch die in Bülach.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 4–5.
Am 10. August 1862, dem Gedenktag des mittelalterlichen Stadtpatrons St. Laurentius, fand in Winterthur erstmals seit der Reformation wieder ein offizieller katholischer Gottesdienst statt. Dieser wurde im Betsaal der alten Stadtkanzlei abgehalten. Am 13. Dezember 1863 – also bereits ein Jahr vor der Ausformulierung des staatlichen Kirchengesetzes im Kanton Zürich – fand dann die Gründungsversammlung der katholischen Kirchgemeinde von Winterthur statt. Das Gründungsprotokoll gibt einen Einblick in die sozialen, rechtlichen und finanziellen Verhältnisse der Katholiken von Winterthur in jener Zeit: Von den 114 namentlich aufgeführten Katholiken lebten 84 in der Stadt Winterthur, davon besassen lediglich 12 das Bürgerrecht, die Übrigen waren Niedergelassene. Rund ein Drittel dieser Niedergelassenen waren Ausländer, vor allem aus Süddeutschland und aus Vorarlberg. Die meisten Katholiken lebten erst kurze Zeit in der Stadt Winterthur. Der erste grosse Wachstumsschub der Stadt beruhte auf der Zuwanderung einfacher, ungebildeter und zu einem guten Teil auch katholischer Arbeiter. Im Gegensatz dazu besassen die wenigen Katholiken, die in Winterthur ansässig waren, über ein stattliches Vermögen und standen von Anfang an der Kirchgemeinde vor. Die Konstituierung der katholischen Kirchgemeinde Winterthur und der Bau der Kirche St. Peter und Paul können somit als Werk einer schmalen katholischen Oberschicht betrachtet werden.Peter Niederhäuser, Flurina Pescatore: St. Peter und Paul. Die Mutterkirche von Katholisch-Winterthur. S. 10–11.
Da der Stadtrat von Winterthur den Wunsch hatte, dem neu entstehenden Stadtquartier hinter dem Bahnhof einen angemessenen Mittelpunkt zu geben, unterstützte er den Bau der katholischen Kirche durch die Abgabe einer zentral gelegenen, grossen Landparzelle. So wurde im Sommer 1862 eine rund 42‘000 Quadratmeter grosse Fläche im neuen Quartier auf der Neuwiese ausgeschieden und im Frühjahr 1864 an die katholische Kirchengemeinde überschrieben. Dadurch erhielt die katholische Kirchgemeinde einen repräsentativen Standort für den Bau ihrer ersten Kirche in Winterthur. Als einziges öffentliches Gebäude im neuen Quartier nahm die Kirche eine Vorrangstellung ein, welche durch die darum liegende Platzanlage noch unterstrichen wurde. Ein stadträtliches Servitut bestimmte, dass das Land um die Kirche weder für einen Friedhof noch für die Errichtung weiterer Gebäude zweckentfremdet werden durfte. Zudem wurde unmittelbar vor der Kirche ein öffentlicher Brunnen errichtet, was in Zeiten vor den Wasserleitungen bis in die einzelnen Wohnungen ein wesentliches Gestaltungselement im neuen Quartier darstellte. Im Jahr 1868 konnte die Kirche St. Peter und Paul als architektonischer Mittelpunkt des Quartiers wenigstens im Rohbau fertig gestellt werden.Peter Niederhäuser, Flurina Pescatore: St. Peter und Paul. Die Mutterkirche von Katholisch-Winterthur. S. 12–14. Im Jahr 1883 wurde dann der Innenausbau des Gotteshauses in Angriff genommen. Im Jahr 1897 weihte der Bischof von Chur, Johannes Fidelis Battaglia, die Kirche St. Peter und Paul ein. Weitere Bauten, die zur Kirche St. Peter und Paul gehören, waren das 1874 erbaute Pfarrhaus sowie das 1892 erworbene Vereinshaus Neuwiesenhof an der Wartstrasse. Heute gehören zum Ensemble der Kirche St. Peter und Paul neben dem Pfarrhaus an der Tellstrasse 7, das Haus an der Tellstrasse 11a mit Krypta, Sozialdienst und Spitex sowie das an Stelle des ehemaligen Laboratorium errichtete Pfarreiheim an der Laboratoriumsstrasse 5.Website der Pfarrei. Abgerufen am 17. November 2013.
Eine Besonderheit der heute sieben katholischen Pfarreien in der Stadt Winterthur ist, dass sie zusammen eine einzige Kirchgemeinde bilden. Dies hat zur Folge, dass mit 23'622 Mitgliedern (Stand 2021) die Stadt Winterthur die grösste katholische Kirchgemeinde des Kantons Zürich und des Bistums Chur besitzt.Katholische Kirche im Kanton Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2021. S. 106.
Zur Namensgebung Im 19. Jahrhundert waren die Katholiken im reformierten Kanton Zürich eine Minderheit. Der Kulturkampf war Zeichen eines Misstrauens der reformierten Bevölkerung gegenüber den zuwandernden Katholiken. Als Antwort darauf entstand im 19. Jahrhundert der Ultramontanismus, der dem Zugehörigkeitsgefühl der Katholiken zu Papst und Vatikan in Rom Ausdruck verlieh. Im Zuge dieser Haltung wurden in dieser Zeit einige neu erbaute Kirchen den Hl. Petrus und Paulus geweiht, u. a. auch die älteste katholische Kirche der Stadt Zürich, St. Peter und Paul (erbaut 1874), und als erste katholische Kirche von Winterthur seit der Reformation St. Peter und Paul im Quartier Neuwiesen.
Baugeschichte