Heinz Leo Fischer, auch Heinz-Leo Fischer, (* 19. November 1902 in Wien; † 4. November 1977 in München) war ein österreichischer Theaterschauspieler, Filmschauspieler, Theaterregisseur, Hörspielsprecher und Synchronsprecher.

Leben Ausbildung und Theater Fischer wuchs in Wien in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach Abschluss der Realschule arbeitete er, um sich etwas Geld zu verdienen, als Statist am Wiener Volkstheater. 1921/22 spielte er bei der Wanderbühne des Österreichischen Volksbildungsamtes. Ohne je eine Schauspielausbildung absolviert zu haben, erhielt er sein erstes Engagement am Wiener Akademietheater. 1923 wurde er an das Theater in der Josefstadt verpflichtet. In der Spielzeit 1924/25 war er am Stadttheater Aussig engagiert, wo er u. a. den Dauphin Karl in Die heilige Johanna von George Bernard Shaw spielte. In der Spielzeit 1925/26 trat er am Neuen Deutschen Theater und an der „Kleinen Bühne“ in Prag auf. In der Spielzeit 1926/27 folgte ein Engagement als jugendlicher Liebhaber an den Wiener Kammerspielen.Heinz Leo Fischer. In: Deutsches Bühnenjahrbuch 1927. Eintrag unter Wien VII (= Wiener Kammerspiele). Seite 573/574. Gleichzeitig gastierte er in dieser Zeit auch mehrfach an der Wiener Renaissancebühne. Ab November 1926 spielte er an den Wiener Kammerspielen den verliebten Pagen Howard in Marcel Achards Schauspiel Marlborough zieht in den Krieg. Ab April 1927 stand er in den Wiener Kammerspielen u. a. gemeinsam mit Peter Lorre und Eva Fiebig in der Revue Alles verkehrt auf der Bühne. Im Mai 1927 war er als „Der Attaché“ in dem Schauspiel Duell der Liebe von Lili Hatvany mit Leopoldine Konstantin in der Hauptrolle zu sehen. Ab Juni 1927 übernahm er die Rolle des Kapitänleutnants Laspigo in Luigi Pirandellos Schauspiel Die Nackten kleiden und, an der Seite von Harald Paulsen in der Hauptrolle, die Rolle des stotternden Bankbeamten und Buchsachverständigen George Boyd in der amerikanischen Screwball-Komödie Zwölf Mädel lernen heiraten von Alice Duer Miller und Robert Milton. In Wien lernte er den Schauspieler und späteren Regisseur Paul Verhoeven kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Zur Spielzeit 1927/28Albert-Theater. In: Dresdner Nachrichten vom 30. August 1927. Seite 3. wechselte er an das, seit 1923 von Hermine Körner als Intendantin geleitete, Albert-Theater in Dresden, wo er Paul Verhoeven wiedertraf. Fischer wurde als „erster jugendlicher Held und Liebhaber“ engagiert und debütierte dort im September 1927 erfolgreich als Mortimer in Maria Stuart.Felix Zimmermann: Eröffnung des Albert-Theaters. Aufführungskritik. In: Dresdner Nachrichten vom 5. September 1927. Seite 3/4. Im Oktober 1927 übernahm er, an der Seite von Melanie Horeschovsky, die Titelrolle in Liliom, für die er ebenfalls gute Kritiken erhielt.Max Adler: „Liliom“. Aufführungskritik. In: Sächsische Staatszeitung vom 15. Oktober 1927. Seite 3.Carl Baum: „Liliom“. Aufführungskritik. In: Sächsische Dorfzeitung und Elbgaupresse vom 15. Oktober 1927. Seite 12. Im November 1927 folgte der junge Schalanter in Ludwig Anzengrubers Volksstück Das vierte Gebot, bei dem er „fast alleine die gute Wiener Anzengruber-Tradition verkörpert[e] und insbesondere in der Gefängnisszene ... erschütternde Momente hat[te].“„Das vierte Gebot“. Aufführungskritik. In: Sächsische Staatszeitung vom 10. November 1927. Seite 2. Ab November 1927 spielte er, neben Hermine Körner als Porzia, den Bassanio in Der Kaufmann von Venedig.Felix Zimmermann: „Der Kaufmann von Venedig“ im Albert-Theater. Aufführungskritik. In: Dresdner Nachrichten vom 28. November 1927. Seite 3. In der Spielzeit 1927/28 war er außerdem in der „schwierigen und hintergründigen“ Rolle des „gerissenen“ Polizeiarztes Lomond in der Erstaufführung von Edgar Wallace’ Theaterstück Der Hexer zu sehen.„Der Hexer“. Aufführungskritik. In: Sächsische Staatszeitung vom 14. Januar 1928. Seite 2.„Der Hexer“. Aufführungskritik. In: Dresdner Neueste Nachrichten vom 15. Januar 1928. Seite 3/4. Ab April 1928 spielte er den Titelrolle in Hermine Körners Peer Gynt-Inszenierung, in der er eine „bewundernswerte“ physische Leistung bot und, „zwingend“, der Figur eine „seelische Formung, die jeder Lebensphase gerecht ward“, verlieh.„Peer Gynt“. Aufführungskritik. In: Dresdner Nachrichten vom 8. April 1928. Seite 5.Carl Baum: „Peer Gynt“. Aufführungskritik. In: Sächsische Dorfzeitung und Elbgaupresse vom 14. April 1928. Seite 10. Im Mai 1928 spielte er, an der Seite von Albert Bassermann (Wallenstein) und Hermine Körner (Gräfin Terzky), den Max Piccolomini in Wallensteins Tod.Carl Baum: Albert Bassermann. Aufführungskritik zu Wallensteins Tod. In: Sächsische Dorfzeitung und Elbgaupresse vom 23. Mai 1928. Seite 7. Zur Eröffnung der Spielzeit 1928/29 übernahm er, an der Seite von Hermine Körner in der Titelrolle, den Orest in Iphigenie auf Tauris.Felix Zimmermann: Goethe „Iphigenie“ im Albert-Theater. Aufführungskritik. In: Dresdner Nachrichten vom 3. September 1928. Seite 3. Ab Oktober 1928 folgte die Rolle des jungen Friedrich Schiller in Heinrich Laubes Schauspiel Die Karlsschüler.Carl Baum: „Die Karlsschüler“. Aufführungskritik. In: Sächsische Dorfzeitung und Elbgaupresse vom 23. Mai 1928. Seite 2. Ende Oktober 1928 spielte er, an der Seite von Marion Regler als Gast in der Titelrolle, den Dauphin Karl, den er „mit bemerkenswerter Zurückhaltung gab“, in Die heilige Johanna von George Bernard Shaw.Carl Baum: „Die heilige Johanna“. Aufführungskritik. In: Sächsische Dorfzeitung und Elbgaupresse vom 1. November 1928. Seite 2.Franz Zickler: Marion Regler im Dresdner Alberttheater. Aufführungskritik. In: Sächsische Volkszeitung vom 3. November 1928. Seite 3. Ab Dezember 1928 übernahm er, an der Seite von Hermine Körner als Magda von Schwartze, die Rolle des „salbungslos ehrliche[n]“ Pfarrers Heffterdingk in der Wiederaufführung des Schauspiels Heimat von Hermann Sudermann.Felix Zimmermann: Sudermann-Feier im Alberttheater. Aufführungskritik. In: Dresdner Nachrichten vom 5. Dezember 1928. Seite 3. 1929/30 lebte er ohne festes Engagement in Essen. Im November 1929 trat er, im Rahmen einer Gastspielreise von Hermine Körner, als Bolingbroke in Das Glas Wasser und als „Anatol“ am Stadttheater Gießen auf.Gießener Stadttheater. Gastspiel Hermine Körner. Aufführungskritiken. In: Gießener Anzeiger vom 9. November 1929. Seite 5. Im Januar 1930 gastierte Fischer an der Seite von Hermine Körner, „gewandt und geschmeidig in der Diktion“ und mit „unverkennbar Körnersche[r] Färbung“, als Bolingbroke in Das Glas Wasser am Düsseldorfer Schauspielhaus.Hermine Körner gastiert mit großem Erfolg im Schauspielhaus. Aufführungskritik. In: Düsseldorfer Stadt-Anzeiger vom 31. Januar 1930. Seite 12. Ab 1930/31 trat Fischer auch, meist bei Gastspielreisen von Hermine Körner, auch mit ersten eigenen Regiearbeiten hervor. Ende 1931 gastierte er im Rahmen einer Schnitzler-Feier gemeinsam mit Hermine Körner mit dem Einakter „Weihnachtseinkaufe“ aus dem Anatol-Zyklus im Schauspielhaus Leipzig, wobei er dem „leichtsinningen Melancholiker“ Anatol „viel charmantes Oesterreichertum [sic!], vornehme Haltung und den elegischen Ton“ verlieh. In der Spielzeit 1931/32 wirkte er bei Gastspielen von Hermine Körner, die diese am Schauspielhaus Leipzig und am Volkswohltheater Dresden gab, als Schauspieler mit und übernahm jeweils auch die Spielleitung.Hermine Körner im Schauspielhaus. Aufführungskritik. In: Nachrichten für Naunhof und Umgegend vom 30. Oktober 1931. Seite 2.Hermine Körners Erfolge in Leipzig. Aufführungskritik. In: Sächsische Volkszeitung vom 8. November 1931. Seite 7.Volkswohlabende. In: Dresdner Nachrichten vom 17. Januar 1932. Seite 6.Körner-Gastspiele im Dresdner Volkswohltheater. In: Sächsische Volkszeitung vom 17. Januar 1932. Seite 8. Im Februar 1932 spielte er am Volkswohltheater Dresden, an der Seite von Hermine Körner, den Pfarrer Heffterdingk in Hermann Sudermanns Schauspiel Heimat.Fritz Zimmermann: Hermine Körner im Volkswohltheater. Aufführungskritik. In: Dresdner Nachrichten vom 4. Februar 1932. Seite 4. Im März 1932 trat er beim Volkswohltheater Dresden als Titelheld im Urfaust auf.Goethes „Urfaust“ im Volkswohltheater. Aufführungskritik. In: Dresdner Nachrichten vom 22. März 1932. Seite 4/5.

Es folgten anschließend kurze Bühnenengagements, u. a. in der Spielzeit 1932/33 als Schauspieler und Regisseur am Schauspielhaus Leipzig,Hugo Löbmann: Hermine Körner in Leipzig. Aufführungskritik. In: Sächsische Volkszeitung vom 26. Oktober 1932. Seite 6. und an der „Komödie“ in Berlin. Im April 1933 gastierte er mit dem Ensemble der „Komödie Berlin“, an der Seite von Hermine Körner, Paul Wegener und Hedwig Wangel, als Student Erhard in Henrik Ibsens Schauspiel John Gabriel Borkman am Operettentheater Duisburg und am Stadttheater Bielefeld.F.B. Gastspiel Hermine Körner, Hedwig Wangel, Paul Wegener. Aufführungskritik. In: Rhein- und Ruhrzeitung vom 7. April 1933. Seite 13.C.L.H. John Gabriel Borkmann. Aufführungskritik. In: Westfälische Zeitung vom 15. April 1933. Seite 2. Im Mai 1933 gastierte er mit dieser Produktion am Stadttheater Halle.Walter Britting: Stadttheater: „John Gabriel Borkman“. Aufführungskritik. In: Hallische Nachrichten vom 4. Mai 1933. Seite 2.L.N.: Berlins Prominente gastieren im Stadttheater Halle. Aufführungskritik. In: Saale-Zeitung vom 4. Mai 1933. Seite 2. Ende Mai 1933 gastierte Fischer mit dieser Produktion auch am Raimundtheater in Wien, wo Fritz Rosenfeld, der Rezensent der Arbeiter-Zeitung, seine schauspielerische Leistung jedoch als „ganz unzureichend“ bewertete.