Das Gymnasium Bremervörde ist ein Gymnasium in Bremervörde im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen. Es ist Bestandteil des Schulzentrums Bremervörde-Engeo.

Geographische Lage Das Gymnasium befindet sich in der ehemaligen Ortschaft und dem heutigen Bremervörder Stadtteil Engeo im Norden des Landkreises Rotenburg (Wümme) im Elbe-Weser-Dreieck.

Der Schulbezirk umfasst die Stadt Bremervörde, die Samtgemeinde Geestequelle, die Gemeinde Gnarrenburg sowie innerhalb der Samtgemeinde Selsingen die Gemeinden Deinstedt, Farven und Sandbostel.

Geschichte mini|Luftaufnahme des Bremervörder Schulzentrums an der Gnarrenburger Straße/Ecke Birkenweg aus dem Jahr 1966 mini|Blick auf den Eingang des früheren Gymnasialgebäudes mini|Lage des Gymnasiums im Schulzentrum Bremervörde-Engeo

Gründung und Schulgebäude Ludwig-Jahn-Straße (1961–1963) Bis zur Gründung des Gymnasiums mussten Schüler aus der Region Bremervörde, die einen höheren Schulabschluss erreichen wollten, in der Regel eines der beiden Gymnasien in Stade oder ab 1955 das St.-Viti-Gymnasium in Zeven besuchen.

Am 20. Januar 1958 beantragte der Rat der Stadt Bremervörde die Einrichtung eines eigenen Gymnasiums, das damals auch als Oberschule bezeichnet wurde. Die niedersächsische Landesregierung genehmigte die Einrichtung am 23. Juli 1959 zunächst als sogenanntes Progymnasium ohne eigene Oberstufe. Bei ausreichender Schülerzahl wurde der Ausbau zu einer Vollanstalt mit Abitur in Aussicht gestellt.

Am 24. August 1959 beschloss der Rat der Stadt den Neubau eines Schulzentrums auf dem ehemaligen Ausstellungsgelände an der Gnarrenburger Straße/Ecke Birkenweg in Bremervörde-Engeo. Dieses sollte sowohl vom künftigen Gymnasium als auch von der Realschule, die damals als Mittelschule bezeichnet wurde, genutzt werden.

Am 14. April 1961 wurde das Gymnasium Bremervörde in Errichtung mit einer Feierstunde in der Aula der Landwirtschaftsschule in der Bahnhofstraße eröffnet.

Der Schulbetrieb begann am 1. April 1961 mit zwei Klassen, einer Sexta mit 29 Schülern und einer Quarta mit 35 Schülern. Der Unterricht fand zunächst gemeinsam mit Klassen der damaligen Volksschule im heutigen Schulgebäude der Außenstelle der Grundschule Bremervörde an der Ludwig-Jahn-Straße statt.

Schulzentrum an der Gnarrenburger Straße (1963–1975) Die Grundsteinlegung für das neue Schulzentrum an der Gnarrenburger Straße erfolgte am 28. August 1961. Der erste Schultag im Neubau war am 18. April 1963; die Einweihung fand am 12. Juni 1963 statt.

Bis zur Einweihung der Sporthalle an der Gnarrenburger Straße im September 1964 fand der Sportunterricht entweder in der Turnhalle an der Ludwig-Jahn-Straße oder, sofern dort kein Schweine- oder Ferkelmarkt abgehalten wurde, in der Markthalle an der Marktstraße statt.

Am 7. und 8. Juni 1967 wurde die erste Reifeprüfung am Gymnasium Bremervörde durchgeführt. Alle 18 Abiturienten bestanden die Prüfung.

Am 1. Januar 1970 übernahm der Landkreis Bremervörde die Trägerschaft des Gymnasiums von der Stadt Bremervörde und beschloss den Neubau eines Gymnasiums und einer Sporthalle am heutigen Standort an der Tetjus-Tügel-Straße. Die Grundsteinlegung erfolgte im Herbst 1974.

Etwa zeitgleich wurden am Schulgebäude an der Gnarrenburger Straße Baumängel festgestellt. Ab Dezember 1974 wurde rund ein Drittel des Raumbestandes baupolizeilich gesperrt. Teile des Gebäudes, darunter der vierstöckige sogenannte Turm, wurden 1977 abgerissen. Wegen des Raummangels fand der Unterricht zeitweise im Wechsel zwischen Vormittags- und Nachmittagsunterricht statt.

Schulgebäude Tetjus-Tügel-Straße (1975–2022) Das neue Schulgebäude an der Tetjus-Tügel-Straße wurde nach den Herbstferien 1975 bezogen, obwohl der Bau zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig fertiggestellt war.

Seit dem 1. Februar 1976 ist das Gymnasium Bremervörde Ausbildungsschule des Studienseminars Stade für das Lehramt an Gymnasien. Studienreferendare erhalten dort seitdem ihre schulpraktische Ausbildung.

Seit der Fusion der früheren Landkreise Bremervörde und Rotenburg (Wümme) am 1. August 1977 ist der Landkreis Rotenburg (Wümme) Schulträger des Gymnasiums.

Im August 1978 wurde in Bremervörde die Orientierungsstufe eingeführt. Das Gymnasium umfasste dadurch im Schuljahr 1978/79 nur noch die Jahrgänge 6 bis 13 und ab dem Schuljahr 1979/80 die Jahrgänge 7 bis 13.

In den 1980er Jahren befand sich am Gymnasium Bremervörde das Regionale Computerzentrum für die Lehrerfortbildung im Fach Informatik.

Nach der Abschaffung der Orientierungsstufe zum Ende des Schuljahres 2003/04 wurden dem Gymnasium die Jahrgänge 5 und 6 wieder hinzugefügt. Um den zusätzlichen Raumbedarf zu decken, entstanden oberhalb der Umkleideräume der Sporthalle zusätzliche Unterrichtsräume. Dieser Bereich wurde als T-Deck bezeichnet.

Neubau und Campusentwicklung (2020–2026) Am 8. Oktober 2020 stimmte der Kreisausschuss des Landkreises Rotenburg (Wümme) dem Entwurf für einen Neubau des Gymnasiums und der Berufsbildenden Schulen in Bremervörde zu. Das zunächst mit rund 75 Millionen Euro veranschlagte Gesamtprojekt wurde in mehreren Bauabschnitten umgesetzt.

Als Totalunternehmer wurde die Goldbeck GmbH beauftragt. Der Entwurf stammte vom Braunschweiger Architekturbüro Dohle + Lohse.

Die vorbereitenden Arbeiten begannen Anfang 2021; der Baustart für das Gymnasialgebäude erfolgte im Juni 2021. Der Neubau wurde in der zweiten Jahreshälfte 2022 bezogen und am 15. November 2022 feierlich eingeweiht.

Vor dem Unterrichtsbeginn im Neubau wurde im Rahmen eines Tages der offenen Tür vom früheren Schulgebäude Abschied genommen. Der reguläre Unterricht dort endete am 14. Oktober 2022. Anschließend wurde das seit 1975 genutzte Gebäude zurückgebaut.

Die zuvor als T-Deck bezeichneten Räume oberhalb der Sporthalle wurden umgebaut und modernisiert. Sie ersetzten die Fachräume des früheren V-Decks und werden seither als M-Deck für den Musikunterricht genutzt.

Im zweiten Bauabschnitt entstanden das neue Gebäude der Berufsbildenden Schulen und eine von Gymnasium und BBS gemeinsam genutzte Markthalle. Am 18. November 2024 begann der Unterricht in den neuen Räumen der BBS; zugleich wurde die Markthalle freigegeben. Die beiden Schulgebäude und die Markthalle bilden eine Bildungsstätte für rund 1900 Schüler. Der Landkreis bezifferte die Gesamtinvestition zu diesem Zeitpunkt auf rund 94 Millionen Euro.

Nach dem Rückbau der früheren BBS-Gebäude wurden im dritten Bauabschnitt die gemeinsamen Außen-, Sport- und Verkehrsflächen neu gestaltet. Der barrierefrei erschlossene Außenbereich umfasst unter anderem Kletter- und Spielgeräte, Ballspielfelder, einen Sportplatz mit Laufbahn, eine Weitsprunganlage, einen Kugelstoßbereich und eine als „Joggermeile“ bezeichnete Laufstrecke. Zudem entstanden mehr als 600 Fahrradstellplätze und Parkplätze für rund 300 Fahrzeuge.

Mit der Fertigstellung der Außenanlagen im Frühjahr 2026 wurde der dritte und letzte Bauabschnitt abgeschlossen. Nach Angaben des Landkreises handelte es sich um das bis dahin umfangreichste Bauvorhaben in dessen Geschichte. Insgesamt wurden mehr als 94 Millionen Euro investiert.

Schülerzahlen Schuljahr Jahrgangsstufen Schülerzahl1961/622 (Jahrgänge 5 und 7)641971/729 (Jahrgänge 5–13)4091972/739 (Jahrgänge 5–13)5111973/749 (Jahrgänge 5–13)6001974/759 (Jahrgänge 5–13)6621975/769 (Jahrgänge 5–13)6921976/779 (Jahrgänge 5–13)7701977/789 (Jahrgänge 5–13)8741978/798 (Jahrgänge 6–13)7781979/807 (Jahrgänge 7–13)6921980/817 (Jahrgänge 7–13)7571981/827 (Jahrgänge 7–13)7541982/837 (Jahrgänge 7–13)7541983/847 (Jahrgänge 7–13)7121984/857 (Jahrgänge 7–13)6831985/867 (Jahrgänge 7–13)6401991/927 (Jahrgänge 7–13)5551992/937 (Jahrgänge 7–13)5701993/947 (Jahrgänge 7–13)5401994/957 (Jahrgänge 7–13)5351995/967 (Jahrgänge 7–13)5131996/977 (Jahrgänge 7–13)4761997/987 (Jahrgänge 7–13)4811998/997 (Jahrgänge 7–13)4781999/20007 (Jahrgänge 7–13)5052000/017 (Jahrgänge 7–13)5282001/027 (Jahrgänge 7–13)5442002/037 (Jahrgänge 7–13)5412003/047 (Jahrgänge 7–13)5982004/059 (Jahrgänge 5–13)9272005/069 (Jahrgänge 5–13)10022012/138 (Jahrgänge 5–12)8412014/158 (Jahrgänge 5–12)etwa 7502019/208 (Jahrgänge 5–12)6382020/219 (Jahrgänge 5–13)7382022/239 (Jahrgänge 5–13)6662024/259 (Jahrgänge 5–13)704

Schulgebäude und Sporthalle mini|Blick von oben auf den Neubau des Gymnasiums Bremervörde

Das im Herbst 2022 bezogene Schulgebäude verfügt über mehr als 9000 Quadratmeter Geschossfläche für schulische Zwecke. Es ist unter anderem mit einer Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 99,9 Kilowatt, digitaler Präsentationstechnik und WLAN in den Unterrichtsräumen ausgestattet. Nach der ursprünglichen Planung sollten rund 80 Prozent des vor Ort erzeugten Stroms unmittelbar innerhalb des Schulkomplexes genutzt werden.

Zum Raumkonzept gehören Klassen- und Fachräume, Differenzierungsräume sowie ein „Raum der Stille“.

Die Etagen und Gebäudeteile werden intern als Decks bezeichnet:

Etage beziehungsweise Gebäudeteil BezeichnungErdgeschossA-Deck1. ObergeschossB-Deck2. ObergeschossC-DeckRäume oberhalb der SporthalleM-Deck

Im A-Deck befinden sich unter anderem die Verwaltung sowie Unterrichtsräume der Sekundarstufe II, der Kunstunterricht und das Fach Darstellendes Spiel. Im B-Deck liegen naturwissenschaftliche Fachräume, das Lehrerzimmer und Klassenräume der Jahrgänge 5 bis 7. Im C-Deck befinden sich unter anderem die Fachräume für Physik und Informatik sowie Klassenräume der Jahrgänge 8 bis 10. Das M-Deck oberhalb der Umkleideräume der Sporthalle wird vorwiegend für den Musikunterricht genutzt.

Seit der Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts steht die von Gymnasium und Berufsbildenden Schulen gemeinsam genutzte Markthalle zur Verfügung. Für größere Veranstaltungen nutzt das Gymnasium daneben die Campus-Mensa.

Sporthalle Die Sporthalle an der Tetjus-Tügel-Straße wurde 1974 errichtet und 2004 um einen Sanitär- und Umkleidetrakt erweitert. Im Jahr 2026 bestanden unter anderem Korrosions- und Feuchtigkeitsschäden, Schäden am Hallenboden und an der Decke sowie Brandschutzmängel. Auch die ausfahrbare Tribüne galt als sanierungsbedürftig. Eine unmittelbare Einsturzgefahr oder bevorstehende Schließung bestand nach Angaben der Kreisverwaltung nicht.

Der Finanzausschuss des Landkreises sprach sich im Mai 2026 grundsätzlich für einen Ersatzneubau statt einer umfassenden Sanierung aus. Für einen Neubau wurden Kosten von rund 12,25 Millionen Euro veranschlagt, etwa 800.000 Euro mehr als für eine Sanierung. Ein Baubeschluss und ein verbindlicher Baubeginn lagen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.

Schulprofil und Angebote

Musikalisches Profil Das Gymnasium bietet seit dem Schuljahr 2006/07 eine Bläserklasse für die Jahrgänge 5 und 6 an. Im Rahmen des Musikunterrichts erlernen die Schüler ein Holz- oder Blechblasinstrument beziehungsweise Schlagzeug und musizieren als Klassenorchester. Der Instrumentalunterricht wird in Kooperation mit der Kreismusikschule Rotenburg durchgeführt.

Nach Abschluss der Bläserklasse bestehen weitere Möglichkeiten zum gemeinsamen Musizieren, unter anderem im Jugendorchester, im Chor, in der Schulband und in weiteren musikalischen Arbeitsgemeinschaften.

MINT-Unterricht In den Jahrgangsstufen 5 und 6 bietet das Gymnasium einen besonderen MINT-Unterricht an. Dieser besteht aus zwei Wochenstunden Biologie und zwei weiteren Wochenstunden, in denen Inhalte der übrigen Naturwissenschaften und der Informatik fächerübergreifend vermittelt werden. Schwerpunkte sind experimentelles Arbeiten und der Erwerb grundlegender Kompetenzen im Umgang mit Informationstechnik.

Bilingualer Unterricht Ab Jahrgang 7 können Schüler eine bilinguale Klasse besuchen. Der englischsprachige Unterricht beginnt in Biologie oder Geschichte. Das betreffende Fach erhält im ersten Jahr eine zusätzliche Wochenstunde. Ab Jahrgang 8 kommt das jeweils zweite bilinguale Fach hinzu. Beide Fächer werden bis zum Ende der Jahrgangsstufe 10 weitergeführt.

Fächerangebot