Die gemeinnützige Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe ist eine selbständige Stiftung privaten Rechts, die im Kreis Lippe Projekte in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie Kultur und Ehrenamt fördert. Sie wurde am 19. Juli 2001 gegründet. Sitz der Stiftung ist Detmold.

Die Stiftung verwaltet neben eigenem Vermögen zehn unselbständige Treuhandstiftungen und sieben Stiftungsfonds. Mit Stand 31. Dezember 2025 verfügt sie über ein Stiftungskapital von rund 21,7 Millionen Euro. Dies setzt sich zusammen aus 6,8 Millionen Euro Stiftungskapital, einem zinslosen Darlehen des Kreises Lippe über 12,8 Millionen Euro und Rücklagen über 2,4 Millionen Euro. Im Jahr 2025 sind rund 85.300 Euro für Projekte zugesagt worden, damit hat die Stiftung seit Gründung über 7,96 Millionen Euro Fördergelder für die Erfüllung ihrer gemeinnützigen Zwecke investiert.

Geschichte Der Kreis Lippe war neben den Landkreisen Holzminden, Hameln-Pyrmont und Schaumburg Gesellschafter der Elektrizitätswerk Wesertal mit einem Geschäftsanteil von 46 %. Nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Neuregulierung des Energiewirtschaftsrechts waren grundlegende Neuausrichtungen in dieser Branche erkennbar. Durch die zunehmende Internationalisierung waren die regionalen Energieversorgungsunternehmen zudem gezwungen, sich am Markt neu zu orientieren, um zum Beispiel durch strategische Partnerschaften ihre Position am Markt langfristig zu sichern.

Vor diesem Hintergrund hatten sich die vier ehemaligen Wesertalgesellschafter darauf verständigt, zur Aufnahme eines strategischen Partners Geschäftsanteile abzugeben, und zwar in einer Bandbreite zwischen 50 und 100 %. Mit dem Kauf- und Privatisierungsvertrag vom 9. September 1999 haben deshalb der Kreis Lippe und die übrigen kommunalen Gesellschafter ihre Geschäftsanteile an der Elektrizitätswerke Wesertal GmbH an die Fortum AG aus Finnland verkauft.

Auf Initiative des damaligen Landrats Friedel Heuwinkel sollte der Kapitalstamm der Verkaufserlöse nicht nur für eine Entschuldung des Kreishaushaltes oder zur Finanzierung laufender Verwaltungsaufgaben eingesetzt werden. Ziel der weiteren finanzpolitischen Überlegungen und Entscheidungen des Kreises Lippe war es vielmehr, einen Teil des Verkaufserlöses in seiner Substanz dauerhaft zu erhalten und das Kapital langfristig im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten der kommunalen Haushaltswirtschaft anzulegen.

Die Verkaufserlöse in Höhe von insgesamt 172,6 Millionen Euro wurden in den folgenden Jahren daher zu verschiedenen Zwecken eingesetzt: Neben der Unterstützung der Städte und Gemeinden im Rahmen ihrer Haushaltswirtschaft (Zuweisungen und Haushaltsausgleich 52,1 Millionen Euro), der Finanzierung von Investitionen des Kreises Lippe und seiner Beteiligungen (31 Millionen Euro) wurde auch eine Teilentschuldung (38,3 Millionen Euro) aus den Erlösen vorgenommen. Je weitere 12,8 Millionen Euro wurden an die Klinikum Lippe GmbH zur Finanzierung von Pensionsaufwendungen und eben an die Stiftung Standortsicherung ausgeliehen, 4 Millionen Euro dem Stiftungskapital der Stiftung zugeführt und rund 21 Millionen Euro werden weiterhin direkt vom Kreis Lippe verwaltet.

Mittelpunkt der Überlegungen war eine beabsichtigte Strukturförderung in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft in der Region Lippe, die mittel- und langfristig zu einer Stärkung des Standortes und damit auch zu einer Entlastung der kommunalen Haushalte führen soll. Leitidee war dabei die Überzeugung, dass in der Wirtschaftsförderung zunehmend Handlungsfelder an Bedeutung gewinnen, die an weiche Standortfaktoren wie Innovation, Technologietransfer, regionale Vernetzung und Kooperation sowie dem regionalen Bekanntheitsgrad und Image anknüpfen und deshalb dazu beitragen können, die Attraktivität und damit den Kreis Lippe als Wirtschaftsstandort zu verbessern. Als mögliche Form zur Umsetzung dieser Ideen stellte sich die örtliche oder kommunale Stiftung als der erfolgversprechendste Weg heraus.

Unter dem Namen „Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe“ wurde die Stiftung am 19. Juli 2001 als eine örtliche selbständige Stiftung im Sinne des § 2 Abs. 3 StiftG NW mit Sitz in Detmold gegründet.

Zweck Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Zweck der Stiftung ist die Förderung der Bildung (Aus-, Weiter- und Fortbildung), die Förderung der Wissenschaft und Forschung in ihrer Praxisorientierung, die Förderung der Kultur zur Standortförderung und -entwicklung im Kreis Lippe, soweit die Fördermaßnahmen zugleich im Rahmen der Aufgaben des Kreises Lippe liegen und die Förderung des Ehrenamts.

Der Stiftungszweck soll insbesondere verwirklicht werden durch die Förderung der beruflichen Aus-, Weiter- und Fortbildung, die Förderung des Dialogs und Erfahrungsaustauschs zwischen Forschung, Schule und Wirtschaft durch eine gezielte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, durch Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Schulungsmaßnahmen, die Unterstützung von Forschungsvorhaben und die Unterstützung und Durchführung von „Pilotprojekten“ zur beispielhaften Umsetzung und Erprobung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis, wobei die dadurch gewonnenen Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sind sowie die Förderung kultureller Einrichtungen oder Veranstaltungen von überörtlicher Bedeutung und Wirkung.

Zweck der Stiftung ist auch die Beschaffung und Zuwendung finanzieller Mittel zur Förderung der Zwecke an andere geeignete steuerbegünstigte Körperschaften oder Körperschaften des öffentlichen Rechts gemäß § 58 Nr. 1 AO.

Die Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe wurde zudem mit dem Ziel gegründet, in ihrer Organisation, Arbeitsweise und Öffentlichkeitsarbeit im Sinne einer Public-Private-Partnership zusätzliches stifterisches Engagement zu initiierten und zu bündeln. Aus diesem Grund setzt sie sich auch für die Errichtung unselbständiger Stiftungen (Treuhandstiftungen) und Stiftungsfonds ein, die innerhalb ihres in der Satzung festgelegten Zweckrahmens liegen und bietet deren treuhänderische Verwaltung an.

Förderschwerpunkte Der Bereich Bildung stellt den Schwerpunkt der Förderung der Stiftung Standortsicherung dar. Gefördert werden hier Projekte und Maßnahmen mit den Themen Ausbildung, Sprachförderung, MINT-Bildung und Familienbildung. Zielgruppen sind dabei Migranten, Schulabbrecher, Eliten und Förderschüler. Bildungsprojekte und -initiativen, die die Stiftung bereits gefördert hat oder noch fördert sind u. a. Lernen vor Ort, das familY-Programm von buddY e.V., BINGO – Berufsoffensive für Ingenieurinnen und Ingenieure in OWL und den Verein Chance Ausbildung Lippe e.V.

Im Bereich der Förderung von Wissenschaft und Forschung stehen bei der Stiftung die Kooperationen zwischen lippischen Hochschulen und Unternehmen sowie der lippischen Hochschulen untereinander im Fokus. Wissenstransfer und die Unterstützung der Durchführung von Leuchtturmprojekten stehen hier ebenfalls im Mittelpunkt. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung mehrere Stiftungslehrstühle an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe und der Hochschule für Musik Detmold gefördert bzw. (teil)finanziert.

Leuchtturmprojekte bzw. herausragende Veranstaltungen sind ebenfalls Bestandteil der Förderschwerpunkte im Bereich Kultur. Dazu kommen Projekte im Bereich der kulturellen Bildung und der musikalischen Förderung. Förderbeispiele sind hier die finanzielle Unterstützung des Baus des Musikkindergartens der Hochschule für Musik Detmold in Detmold 2012, die Förderung der NRW-Theatertage 2017 in Detmold vom 19. bis 28. Mai 2017 sowie die Förderung der Ausstellung "Denk:Mal" 2026 im Lippischen Landesmuseum anlässlich des 150. Geburtstages des Hermannsdenkmals, welche zugleich das 1.000. Förderprojekt der Stiftungsfamilie markierte.

Organe Geschäftsführung/Geschäftsstelle Die Stiftung verfügt über eine hauptamtliche Geschäftsführung. Sie führt die laufenden Geschäfte der Stiftung und ist im Innenverhältnis an die Weisungen des Stiftungsrats gebunden. Seit 2002 bekleidet dieses Amt die promovierte Betriebswirtschaftlerin Angelika Heinrike Heil. Sie sitzt in der Geschäftsstelle der Stiftung in unmittelbarer Nähe des Kreishauses in Detmold. Zur Geschäftsstelle gehören außerdem zwei weitere hauptamtliche Mitarbeiterinnen.

Stiftungsrat Der Stiftungsrat entscheidet über die Grundsätze der Stiftungsarbeit und berät und überwacht die Geschäftsführung. Er vertritt die Stiftung gerichtlich und außergerichtlich und handelt durch zwei Stiftungsratsmitglieder gemeinsam, darunter der Vorsitzende oder der stellvertretende Vorsitzende. Mitglieder sind aktuell (Stand: 12/2025):Stiftung Standortsicherung: Gremien, abgerufen am 13. März 2026

Meinolf Haase, Landrat (Vorsitzender) Kerstin Vieregge (CDU) Bettina-Sophie Meier (SPD) Andreas Wilde (SPD) Felix Hampe (AfD) Peter Lohmann (B‘90/Grüne) Markus Korporal (Die Linke) Ralf Ochsenfahrt (FDP-Freie Wähler) Andreas Epp (Aufbruch C) Paul Kuhlemann (Die Gruppe) Albert Hüser, zugleich Vorsitzender des Kuratoriums

Kuratorium Zu den Aufgaben des Kuratoriums gehören die Beratung und Unterstützung der Geschäftsführung und des Stiftungsrats, insbesondere durch Vorschläge und Stellungnahmen zu Fördermaßnahmen der Stiftung sowie die Repräsentation des Anliegens der Stiftung in der Öffentlichkeit. Mitglieder sind aktuell (Stand 2022):

Albert Hüser (Vorsitzender) Klaus Drücker, Sparkasse Lemgo (stellv. Vorsitzender) Rainer Giesdorf, Medien Centrum Giesdorf Thomas Grosse, Hochschule für Musik Detmold Jürgen Krahl, Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe Maren Lampe, Elektro Lampe GmbH / Elektro Drücker GmbH, SDL GmbH & Co. KG Franziska Louis, Louis Internet Michael G. Schnittger, ehem. Rektor Grundschule Heiligenkirchen Kai Vogelsänger, Vogelsänger Studios Günter Vogt, ehem. VerbundVolksbank OWL Simone Weder, Weder GmbH

Treuhandstiftungen Karl Fischer-Stiftung für Ausbildungsförderung Die gemeinnützige „Karl Fischer-Stiftung für Ausbildungsförderung“ fördert die Bildung und Erziehung junger Menschen in Lippe. Stifterin Käthe Fischer († 14. März 2013) hat sie im Jahr 2003 gegründet. Sie ist die erste Treuhandstiftung in der Verwaltung der Stiftung Standortsicherung. Im Besonderen unterstützt sie die Arbeit im Westfälischen Kinderdorf Lipperland in Barntrup. Seit der Gründung hat die Karl Fischer-Stiftung durch die Finanzierung von wichtigen Anschaffungen die Ausbildung im Kinderdorf ermöglicht und die Bereiche Küche, Tischlerei, Garten-/Landschaftsbau und Malerei erweitert.

Stiftung „Für Lippe“ Die gemeinnützige Stiftung „Für Lippe“ entwickelt und fördert bürgerschaftliches Engagement für und in Lippe. Der ehemalige „Verein der Freunde und Förderer des Lipperlandes – Für Lippe e.V.“ wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2005 in eine unselbständige Stiftung überführt. Sie engagiert sich für die regionale Kultur, Traditionen und ihre Zukunft. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Förderung der beruflichen Qualifizierung von Jugendlichen unter dem Motto „Der Jugend eine Chance“. Damit trägt die Stiftung dem ehemaligen Vereinszweck Rechnung.

Zum Gemeinwohl der Region Lippe und der hier lebenden Menschen werden insbesondere Projekte in den Bereichen Bildung und Erziehung sowie Kunst und Kultur gefördert. Auch Aktivitäten im öffentlichen Gesundheitswesen, in der Jugendhilfe und Kriminalprävention, zu mildtätigen Zwecken und in der Wissenschaft und Forschung können gefördert werden.

Meyer-Sickendiek-Stiftung für Ausbildung und Erziehung