mini|hochkant|James Buchanan Duke

James Buchanan Duke (* 23. Dezember 1856 in Durham, North Carolina; † 10. Oktober 1925 in New York City) war ein US-amerikanischer Industrieller und Gründer des Tabakkonzerns American Tobacco. Mit der Einführung der mechanischen Zigarettenproduktion trug er maßgeblich zur Entwicklung der modernen Zigarette bei und verhalf ihr zu weltweitem Erfolg. Damit verbunden war auch der weltweite Anstieg des Tabakkonsums mit seinen negativen gesundheitlichen Folgen. Weiterhin war J. B. Duke Mitbegründer der heutigen Duke Energy. 1924 gründete er das gemeinnützige Duke Endowment, das heute über ein Stiftungsvermögen von mehreren Milliarden US-Dollar verfügt und seit 1925 soziale Programme mit insgesamt über 3 Milliarden US-Dollar unterstützte. Einen Großteil davon erhielt die zu Ehren der Familie nach ihr benannte Duke University.

Leben und Wirken mini|links|hochkant|Statue von Washington Duke

Herkunft und Elternhaus James Buchanan Duke (von seinen Freunden „Buck“ genannt) wurde 1856 in North Carolina als Sohn von Washington und Artelia Roney Duke geboren.The History of the Duke Endowment. In: The Duke Endownment (siehe unter „Birth of James B. Duke“). Abgerufen am 21. Januar 2014. Er entstammte einer traditionsreichen Familie, die im Anbau von Tabak und dessen Weiterverarbeitung tätig war. Sein Vater, Washington Duke, führte in Orange County, North Carolina ein florierendes Tabakhandelsgeschäft.Wolfgang Drescher: Die erfolgreichsten Unternehmer A-K. Band 4, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-593-37819-1, S. 110–113. James Buchanan Duke war erst zwei Jahre alt, als seine Mutter Artelia und sein Bruder Sydney an Typhus starben. Von da an wurde er von seinem Vater und Verwandten aufgezogen.The History of the Duke Endowment. In: The Duke Endownment (siehe unter „Death of Artelia and Sydney Duke“). Abgerufen am 21. Januar 2014. Buck hatte auch eine ältere Schwester, Mary Elizabeth Duke und einen älteren Bruder, Benjamin Newton Duke (genannt „Ben“ Duke).Robert F. Durden: The Dukes of Durham, 1865–1929. Duke Univ. Press, Durham, N.C. 1987, S. 4.

Kindheit und Jugendjahre Als Washington Duke gegen Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs einberufen wurde, kamen Buck und seine Geschwister Ben und Mary zu ihren Großeltern mütterlicher Seite. James Buchanan besuchte hier die Harden’s und die Pisgah Church Schule. Als sein Vater nach Kriegsende zurückkehrte, stand die Familie vor einer nahezu zerstörten Farm. Es blieben kaum mehr Mittel zur Verfügung, und die Dukes konzentrierten sich auf den einzig übrig gebliebenen Vermögensgegenstand auf der Farm, die von plündernden Soldaten übersehenen Tabakblätter. Im Zuge des Baus der Eisenbahnstrecke und der Entwicklung von neuen Tabaksorten begann Washington mit dem Tabakhandel. Bei der harten Arbeit unterstützten die neun- und zehnjährigen Jungen Buck und Ben ihren Vater tatkräftig, ihre Schwester Mary erledigte vor allem die Haushaltspflichten. Ein primitiver Holzschuppen diente den Dukes als erste „Fabrik“. Hier verarbeiteten sie den Tabak, verpackten ihn in Jutesäckchen, die mit der Aufschrift Pro Bono Publico gekennzeichnet waren, und vermarkteten ihr Produkt erfolgreich im östlichen Teil des Bundesstaates.Edward L. Lach: Duke, James Buchanan. American National Biography Online, 2000. Abgerufen am 15. November 2013.Robert F. Durden: The Dukes of Durham, 1865–1929. Duke Univ. Press, Durham, N.C. 1987, S. 11–14. Allmählich wurde aus der Familienfarm ein industrieller Betrieb. 1866 produzierten die Dukes rund 6.800 kg (15.000 Pfund) Tabak und errichteten ein weiteres Fabrikgebäude, indem sie einen alten Stall notdürftig umfunktionierten.Sydney Nathans: The Quest for Progress: The Way We Lived in North Carolina, 1870-1920. The University of North Carolina Press, 1983, ISBN 0-8078-4104-8, S. 22–24.

Neben der harten Arbeit in der Tabakfabrik besuchten Ben und Buck eine Schule nahe Durham, die die einzige im Dorf war. 1871 schickte Washington Mary und Ben in die New Garden School in Greensboro, North Carolina, eine Privatschule, welche nach den Prinzipien der Quäker geführt wurde. Sie wurde 1837 gegründet und 1888 in das Guilford College umgewandelt.Quaker Heritage. In: In Guilford College. Abgerufen am 21. Januar 2014. 1872 kam auch Buck an die New Garden School, doch während er zuvor vor allem durch seine guten Schulleistungen und sein großes Interesse an der Zahlenlehre aufgefallen war, interessierte er sich wenig für Literaturwissenschaften und beendete die Schule, noch bevor das Semester halb vorbei war. Er besuchte später das Eastman Business College in Poughkeepsie, New York.

mini|Die erste Tabakfabrik der Dukes in Durham, North Carolina, 1883. Links das Haus der Familie Duke. Die Dukes produzierten weiter Rauchtabak unter dem Markennamen Pro Bono Publico. Damals war der Markt für Rauchtabak hart umkämpft und es gab nur beschränkte Absatzmöglichkeiten. Die W. T. Blackwell and Company war zu dieser Zeit mit ihrer Marke Bull Brand Tobacco einer der erfolgreichsten Tabakproduzenten des Landes und Vorreiter im Bereich des Brandings.Jordan Goodman: Tobacco in History. The cultures of dependence. Routledge, London, New York 1993. S. 99–103. Im Jahr 1873 errichtete W. Duke ein zweistöckiges Gebäude nahe den zwei anderen Fabrikbauten und die Dukes konnten in diesem Jahr etwa 56.700 kg (125.000 Pfund) Tabak herstellen. Mittlerweile hatte Washington auch ein paar junge, schwarze Arbeiter für die schwere Handarbeit eingestellt, die zuvor von Ben und Buck erledigt wurde. Die Stadt Durham entwickelte sich im Tabaksektor, durch die diversen Fabriken, Lagerhallen und die Bahnlinie, zu einem ernstzunehmenden Konkurrent für andere Standorte. Um gegenüber Blackwell konkurrenzfähiger zu werden, errichtete Washington 1874 eine dampfbetriebene Fabrik. Im Jahr 1878 wurde schließlich die W. Duke, Sons and Company gegründet.

Selbst wenn Buck als sehr guter Schüler galt, faszinierte ihn die Arbeitswelt immer mehr als das College und er kehrte schließlich in das Familienunternehmen zurück. Er beschäftigte sich intensiv mit allen Phasen des Tabakgeschäfts und zeigte schon bald Geschick bei Verhandlungen mit den Tabakanbauern. Obwohl er im College gute Schulleistungen erbrachte, erhielt er seine Ausbildung hauptsächlich durch die Arbeit im Familienkonzern, vom Anbau über die Ernte bis hin zur Vermarktung des fertigen Produkts.William E. King: James Buchanan Duke (1856-1925). In: Duke University Libraries. Abgerufen am 23. Januar 2014. So wurde James B. Duke zunehmend die treibende Kraft im Tabakgeschäft der Familie und verhalf gegen Ende des 19. Jahrhunderts der W. Duke, Sons and Company zu nationaler Bedeutung in der Tabakindustrie.Robert F. Durden: Duke, James Buchanan. In: NCpedia, 1986. Abgerufen am 25. Januar 2014.

Familie mini|hochkant|Doris Duke (rechts) mit ihrem ersten Ehemann 1940.

James Buchanan Duke war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe mit Lillian Fletcher McCredy dauerte von 1904 bis 1906 und blieb kinderlos. Kurz nach der Scheidung heiratete James 1907 seine zweite Frau Nanaline Holt Inman, eine Witwe aus Georgia. Ein paar Jahre später, im Jahr 1912, wurde Doris als das einzige Kind von James und Nanaline Duke geboren; bei der Geburt war James bereits 56 Jahre alt.The History of the Duke Endowment. In: The Duke Endownment (siehe unter „Doris Duke is Born“). Abgerufen am 24. Januar 2014. Er starb kurz vor Doris 13. Geburtstag und vermachte ihr die Hälfte seines Vermögens. Doris wurde häufig als „das reichste Mädchen der Welt“ bezeichnet und galt als extravagant und exzentrisch. Obwohl sie ein enormes Vermögen besaß, scheute sie sich nicht zu arbeiten, und ein erheblicher Teil ihres Vermögens floss in wohltätige Einrichtungen und Stiftungen. Doris Duke starb am 28. Oktober 1993 in Beverly Hills.Stephanie Mansfield: The Richest Girl in the World: The Extravagant Life and Fast Times of Doris Duke. G.P. Putnam’s Sons, New York 1992, ISBN 978-0-399-13672-6, S. 29.Susan Soper: Doris Duke: Money, Mansions and Men - Legends and Legacies. In: Legacy.com, 2013. Abgerufen am 31. Oktober 2013.

Karriere Firmenoberhaupt und Einstieg in die Zigarettenproduktion

James Buchanan Duke übernahm Anfang der 1880er Jahre zunehmend die Führung des Familienunternehmens W. Duke, Sons and Company und verwandelte das Tabakhandelsgeschäft von einem regionalen Unternehmen zu einem Global Player in der Tabakbranche. James war frustriert, dass er den von W. T. Blackwell dominierten Markt nicht spalten konnte, und traf eine wegweisende Entscheidung. Während unter Washington Duke vor allem Pfeifentabak produziert wurde, begann W. Duke, Sons and Company 1881 mit der Zigarettenproduktion. Damit stieg Duke in ein vielversprechendes Geschäft ein, denn die Zigarettenindustrie boomte zu dieser Zeit. Zwischen 1870 und 1880 hatte sich der Gesamtkonsum von Zigaretten in den USA von jährlich 14 Millionen auf 409 Millionen Einheiten erhöht und junge Fabrikarbeiterinnen rollten jeden Tag händisch in den Manufakturen mehrere Tausend Zigaretten.Jordan Goodman: Tobacco in History. The cultures of dependence. Routledge, London, New York 1993. S. 229–236. Rauchen wurde immer populärer und weil die Herstellung von Zigaretten in Handarbeit sehr viel Zeit in Anspruch nahm, waren alle Zigarettenfabriken daran interessiert, die Produktion zu mechanisieren.

Die Zigarettenindustrie hatte sich an anderen Standorten in den USA bereits etabliert, denn während die Tabakproduktion vor allem in Virginia und North Carolina stattfand, wurden Zigaretten in größeren Städten, wie z. B. New York City hergestellt. James konzentrierte sich besonders auf eine Marktnische im Tabakgeschäft, die fertig gerollte Zigarette.William Kremer: James Buchanan Duke: Father of the Modern Cigarette. In: BBC News Magazine, 2012. Abgerufen am 31. Oktober 2013. Für die Zigarettenproduktion stellte J. B. Duke 125 russische Immigranten ein, welche nach Durham zogen. Im Jahr 1881 produzierte die Firma 9,8 Millionen Zigaretten und die erste Zigarettenmarke hieß Duke of Durhams.Gene Borio: In: Tabacco BBS, 2001. Abgerufen am 11. November 2013.

Mechanisierung der Zigarettenproduktion Anfang der 1880er Jahre wurden verschiedene Maschinen zur Zigarettenherstellung entwickelt, die jedoch auf dem Markt keinen Erfolg hatten. Ab 1882 arbeitete James Duke mit dem jungen Mechaniker James A. Bonsack zusammen, der überzeugt war, die Zigarettenproduktion automatisieren zu können und hatte dazu 1881 eine Maschine patentieren lassen.

hochkant=1.3|mini|1881 von James A. Bonsack patentierte Maschine zum Rollen von Zigaretten. 1883 war die Maschine von Bonsack zum Mieten am Markt erhältlich. Während andere Produzenten, wie der Rivale Richmond oder die Allen & Ginter Company, es ablehnten, die Maschine zu verwenden, bestellte J. B. Duke zwei von Bonsacks Maschinen, da er Gefallen an der mechanischen Zigarettenherstellung gefunden hatte. Diese wurden im Jahr 1884 installiert. Der Ingenieur William T. O’Brian nahm noch einen Umbau an den Maschinen vor und schließlich waren die Geräte zum Einsatz bereit. Da James Duke Bonsack mit seiner ersten dauerhaften Bestellung innerhalb der amerikanischen Zigarettenindustrie versorgte, konnte er bei dieser Gelegenheit eine Reduktion der Lizenzgebühren und die exklusiven Rechte an der Maschine selbst aushandeln. Die Kontrolle über Bonsacks Maschinen und die erhöhte Produktivität ermöglichten nicht nur die führende Position in der Zigarettenindustrie, sondern auch eine Senkung der Produktionskosten. Sie fielen um mehr als 50 Prozent und reduzierten sich im Zuge der Weiterentwicklung der Maschinen weiter. Daraufhin zog James B. Duke nach New York und gründete dort eine weitere Fabrik, die sich als so erfolgreich erwies, dass sie innerhalb von fünf Jahren die Hälfte der landesweiten Zigarettenproduktion lieferte.