mini|Andrew Mountbatten-Windsor (2013)

Andrew Albert Christian Edward Mountbatten-Windsor (* 19. Februar 1960 im Buckingham Palace, London), vormals Prince Andrew, Duke of York, ist ein Bruder des britischen Königs Charles III. Er ist das dritte Kind und der zweite Sohn von Königin Elisabeth II. und Prinz Philip. Er steht an achter Stelle der britischen Thronfolge. Er diente in der Royal Navy und nahm 1982 am Falklandkrieg teil. Später war er als britischer Handelsbeauftragter tätig.

Wegen Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wurde im Mai 2020 entschieden, dass er das Königshaus nicht mehr vertrete. Im Januar 2022 gab er alle Schirmherrschaften und militärischen Ehrentitel ab. Im April 2022 entzog ihm der Stadtrat von York die 1987 verliehene Ehrenbürgerschaft. Im November 2025 entzog ihm König Charles die meisten seiner Ehrenzeichen und Titel einschließlich des Prinzentitels. Im Februar 2026 zog er aus der Royal Lodge auf dem Gelände des Windsor Great Park aus.

Leben Kindheit und Jugend Andrew war – seit der Geburt von Prinzessin Beatrice von Großbritannien und Irland – das erste Kind, das von einem amtierenden britischen Monarchen purpurgeboren wurde. Seine älteren Geschwister Charles und Anne wurden vor der Thronbesteigung ihrer Mutter geboren; er hat noch einen vier Jahre jüngeren Bruder, Edward. Andrew wurde nach seinem Großvater väterlicherseits, Prinz Andreas von Griechenland, benannt. Seit seiner Geburt trug er den Titel His Royal Highness The Prince Andrew.

Bis zur Geburt von Prinz William 1982 stand er hinter seinem Bruder Charles an zweiter Stelle der britischen Thronfolge. Seine Mutter Elisabeth II. hatte am 8. Februar 1960, also wenige Tage vor Andrews Geburt, festgelegt, dass der Nachname Mountbatten-Windsor von allen ihren Nachkommen getragen werde, wenn sie nicht die Titel His bzw. Her Royal Highness oder Prince bzw. Princess tragen, oder – sofern sie weiblich sind – heiraten und dabei den Namen ihres Mannes annehmen.

Andrew wurde zunächst von Hauslehrern erzogen und besuchte dann die Heatherdown Preparatory School in der Nähe von Ascot in Berkshire. 1973 wechselte er zur Privatschule Gordonstoun in Morayshire in Schottland, die schon sein Vater und sein Bruder Charles besucht hatten. Nach seinem Abschluss 1979 entschied Andrew sich gegen ein Universitätsstudium und trat in die Royal Navy ein.

Militärlaufbahn Andrew absolvierte in der Royal Navy eine Ausbildung zum Sea-King-Hubschrauberpiloten und nahm als solcher 1982 an Bord des Flugzeugträgers Invincible an Kampfhandlungen des Falklandkrieges teil. Die Regierung Thatcher wollte Andrew (damals Nummer zwei in der Thronfolge) zunächst von dem Schiff abziehen und ihn mit anderen Aufgaben betrauen, weil sie den Tod eines Sohnes der Königin fürchtete. Diese bestand jedoch darauf, dass Andrew an Bord der Invincible blieb.

Nach dem Krieg setzte Andrew seine Ausbildung auf anderen Hubschraubermodellen fort. 1984 wurde er zum Lieutenant befördert; seine Mutter ernannte ihn zu ihrem persönlichen Adjutanten (Aide-de-camp). In den nachfolgenden Jahren tat er Dienst als Kampfpilot und Kommandant eines Minensuchbootes. Zum Abschluss seiner militärischen Karriere war er im Verteidigungsministerium tätig. Andrew beendete 2001 seinen aktiven Dienst in der Royal Navy im Rang eines Commanders. Als Reserveoffizier wurde er 2005 Honorary Captain. An seinem 50. Geburtstag wurde er 2010 zum Rear-Admiral und genau fünf Jahre später zum Vice-Admiral befördert.

Er erhielt zahlreiche militärische Ehrentitel und royale Schirmherrschaften, darunter Colonel der Grenadier Guards, Colonel-in-Chief des Small Arms School Corps, Royal Colonel des Royal Regiment of Scotland, Honorary Air Commodore des Royal-Air-Force-Stützpunktes Lossiemouth, Commodore-in-Chief des Fleet Air Arm und Admiral des Sea Cadet Corps. Mitte Januar 2022 entzog Königin Elisabeth II. ihrem wegen Missbrauchsvorwürfen in den USA verklagten Sohn Andrew alle diese militärischen Ehrentitel und royalen Schirmherrschaften.Queen entzieht Prinz Andrew alle militärischen Titel. In: tagesspiegel.de. 14. Januar 2022, abgerufen am 14. Januar 2022.

Ehe, Familie und Scheidung mini|Andrew Mountbatten-Windsor und Sarah Ferguson nach ihrer Trauung (1986) mini|Andrew und seine Tochter Eugenie fahren in der Kutschenprozession bei Trooping the Colour (2012)

Am 23. Juli 1986 heiratete er in der Westminster Abbey Sarah Ferguson, die zweite Tochter des Majors Ronald Ferguson. Anlässlich seiner Hochzeit verlieh die Königin ihm die Titel Duke of York, Earl of Inverness und Baron Killyleagh; diese waren zuletzt von seinem Urgroßvater mütterlicherseits, König Georg V., und seinem Großvater mütterlicherseits, König Georg VI., getragen worden.

Andrew und Sarah haben zwei Kinder sowie fünf Enkelkinder: Beatrice Elizabeth Mary, Mrs. Mapelli Mozzi (* 8. August 1988) ⚭ 2020 Edoardo Mapelli Mozzi (* 1983) Sienna Elizabeth Mapelli Mozzi (* 18. September 2021) Athena Elizabeth Rose Mapelli Mozzi (* 22. Januar 2025) Eugenie Victoria Helena, Mrs. Brooksbank (* 23. März 1990) ⚭ 2018 Jack Brooksbank (* 1986) August Philip Hawke Brooksbank (* 9. Februar 2021) Ernest George Ronnie Brooksbank (* 30. Mai 2023) Adelaide Elizabeth Annina Brooksbank (* 3. August 2026)

1992 veröffentlichten britische Boulevardzeitungen Bilder, auf denen Sarah Ferguson und ihr Finanzberater John Bryan in verfänglichen Situationen zu sehen sind. Am 19. März 1992 erklärten Andrew und Sarah ihre Absicht, sich zu trennen. Die Scheidung folgte im Mai 1996. Sarah verlor das Prädikat Her Royal Highness und behielt den Höflichkeitstitel Duchess of York.

Aufgaben und Interessen Andrew wurde 1981, an seinem 21. Geburtstag, ein Staatsrat. Von 2015 bis 2019 war er Kanzler der University of Huddersfield.Prince Andrew gives Vulcan salute to Patrick Stewart at university ceremony. In: theguardian.com. 13. Juli 2015, abgerufen am 9. Juli 2020 (englisch).

Andrew ist für sein Golfspiel bekannt. Er war Captain des Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews und Schirmherr von mehr als 20 anderen Golfclubs. Von 2000 bis 2006 war er Präsident der Football Association, des englischen Fußballverbandes.

Britischer Handelsbeauftragter mini|Andrew Mountbatten-Windsor und Stefan Schostok, Oberbürgermeister von Hannover (2014)

Von 2001 bis 2011 war Andrew im Handels- und Industrieministerium als Sonderbeauftragter des Vereinigten Königreichs für internationalen Handel und Investitionen tätig. Dieses Amt hatte er von seinem Onkel 2. Grades Edward, 2. Duke of Kent übernommen.

Während er in offizieller Mission unterwegs war, unterstützte Andrew die Banque Havilland, die private luxemburgische Bank des Immobilien-Tycoons David Rowland, der nicht nur sein langjähriger Freund, sondern auch ein enger Vertrauter des vormaligen Premierministers David Cameron und der größte Einzelspender der britischen Konservativen war. Nach der Veröffentlichung mehrerer kritischer Artikel, die Rowland den Ruf eines Steuerflüchtlings einbrachten, konnte er den Posten als deren Schatzmeister 2010 nicht antreten. Andrew ermöglichte es der Rowland-Familie, offizielle Termine dazu zu nutzen, wohlhabende Kunden für die eigene Bank zu gewinnen. Darüber hinaus gewährte er ihnen Einsicht in geheime Regierungsdokumente.Tom Harper: Andrew ‘passed government memos to friend’. In: thetimes.co.uk. 1. Dezember 2019, abgerufen am 26. Juli 2020 (englisch).The Prince Andrew Papers: Duke of York passed a Treasury document about the Icelandic financial crisis to business tycoon whose family had just bought part of a collapsed Icelandic bank. In: dailymail.co.uk. 1. Dezember 2019, abgerufen am 28. Juli 2020 (englisch). Das von Andrew mit den Rowlands gegründete Unternehmen Inverness Asset Management, mit Bezug auf seinen Titel Earl of Inverness, wurde im karibischen Steuerparadies British Virgin Islands angesiedelt mit dem Ziel, das durch die royalen Kontakte gesammelte Geld steuerfrei in einem Offshore-Fund zu verstecken.Robert Mendick: Prince Andrew in new ‘cash for favours’ row. In: telegraph.co.uk. 12. März 2011, abgerufen am 5. August 2020 (englisch).Victoria Ward: Duke of York ‘exploited trade role for business deals’. In: telegraph.co.uk. 2. Dezember 2019, abgerufen am 10. Oktober 2022 (englisch).

Andrew wurde in diesem Amt wegen des Stils seines Auftretens und zahlreicher Kontakte zu umstrittenen Personen kritisiert, unter anderen Saif al-Islam al-Gaddafi, Sohn des libyschen Staatschefs, und Timur Qulybajew, Schwiegersohn des Präsidenten von Kasachstan, der Andrew seine Residenz Sunninghill Park zu einem deutlich überhöhten Preis abkaufte.Prince Andrew: Envoy career plagued with controversy. In: bbc.com. 21. Juli 2011, abgerufen am 7. November 2025 (englisch). Daraufhin wurde Andrew im Jahre 2011 von der Funktion als Sonderbeauftragter für internationalen Handel und Investitionen entbunden.

Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe und Rücktritt von öffentlichen Funktionen Beziehung zum Sexualstraftäter Epstein Andrew pflegte eine lange Freundschaft zu dem US-Investmentbanker und später verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Er hatte ihn über die Britin Ghislaine Maxwell kennengelernt, eine Tochter des Zeitungstycoons Robert Maxwell. Zwei Monate nach Erlass eines Haftbefehls gegen Epstein weilte dieser zusammen mit Ghislaine Maxwell und Harvey Weinstein als Andrews persönlicher Gast in Windsor anlässlich einer Party zu Prinzessin Beatrices 18. Geburtstag; eine Woche später wurde er festgenommen. Epstein und Maxwell waren mehrfach Gäste auf den königlichen Residenzen.Prince Andrew hosted Epstein, Maxwell and Weinstein at Royal Lodge. BBC News vom 27. Oktober 2025, abgerufen am 7. November 2025.

Nachdem Epstein von etwa vierzig Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde, bekannte er sich 2008 in einem Gerichtsprozesses in Miami im Rahmen einer Verständigung in einem dieser Fälle schuldig, eine Minderjährige zur Prostitution verleitet zu haben, daraufhin wurde er zu 18 Monaten Haft verurteilt. Eine der Zeuginnen belastete Andrew damit, dass er sie in London und New York bei Sexpartys missbraucht und auf Epsteins Anwesen auf seiner Privatinsel Little Saint James in der Karibik an einer Orgie mit mehreren Minderjährigen teilgenommen habe. Epstein habe der Minderjährigen gesagt, dass sie mit dem Prinzen machen solle, was immer er verlange, und ihm im Anschluss die Details zu berichten habe. Epsteins Absicht war, Erpressungsinformationen zu erhalten.Paul Lewis, Jon Swain: Jeffrey Epstein: inside the decade of scandal entangling Prince Andrew. In: theguardian.com. 10. Januar 2015, abgerufen am 18. Februar 2026 (englisch). Der Spiegel berichtete dazu: „Schon damals machten Gerüchte über Pool-Partys mit Minderjährigen die Runde.“ Chris Bryant, Abgeordneter der Labour Party, nannte Andrew eine „nationale Schande“. Das Königshaus und Andrew stritten die Vorwürfe ab.

Im August 2019 wurde ein Video veröffentlicht, das Andrew am 6. Dezember 2010 in Epsteins Stadtvilla Herbert N. Straus House in der Upper East Side in New York zeigt, wo er sechs Tage verbrachte.Caroline Graham: Exclusive: Prince Andrew is pictured inside paedophile Jeffrey Epstein’s £63million mansion of depravity nine years ago… so how did he miss signs of the billionaire’s sexual deviance? In: dailymail.co.uk. 17. August 2019, abgerufen am 15. September 2022 (englisch).Hayley Dixon: Duke of York pictured inside mansion of convicted paedophile Jeffrey Epstein. In: telegraph.co.uk. 18. August 2019, abgerufen am 5. Juli 2020 (englisch). Der Buckingham-Palast teilte damals mit: „Seine Königliche Hoheit verurteilt die Ausbeutung eines jeden Menschen, und die Unterstellung, er würde solches Verhalten dulden, daran teilnehmen oder dazu animieren, ist abscheulich.“

Erste Ermittlungen gegen Andrew