Manjaro [] (abgeleitet von Kilimandscharo) ist eine auf Arch Linux (eine Auswahl aufeinander abgestimmter Software) basierende Linux-Distribution, die in Österreich, Frankreich und Deutschland entwickelt wird. Es ist in erster Linie ein freies Betriebssystem für Personal Computer, welches auf Benutzerfreundlichkeit ausgerichtet ist. Wie seine Basis, Arch Linux, nutzt es ein Rolling-Release-Modell.

Besonderheiten Durch sein eigenes Installationsprogramm und eine grafische Oberfläche zur Paketverwaltung senkt es die Einstiegshürde und macht die Distribution einem breiteren Anwenderkreis zugänglich.

Die Entwickler bieten verschiedene Editionen an, welche sich durch die installierte Desktop-Umgebung und dazugehörige Programme unterscheiden. Als Standard-Oberflächen werden Xfce, KDE und Gnome bereitgestellt, jedoch stehen als Projekte der Manjaro-Benutzer auch Editionen mit Cinnamon, Enlightenment, LXDE, MATE, Openbox, dem Deepin Desktop Environment oder die minimale Net-Edition (ohne vorinstallierten Display-Manager) als Installations-Medium (DVD-Image) zum Herunterladen zur Verfügung. Manjaro verwendet eigene Paket-Repositorien, die dazu dienen, stabile Versionen der Arch-Linux-Repositorien anzubieten. Die Pakete durchlaufen dabei den „unstable“- und „testing“-Zweig, bevor diese als stabile Version veröffentlicht werden. Als Anwender hat man jederzeit die Möglichkeit, zwischen den drei verschiedenen Zweigen umzuschalten. Der Anwender kann somit selbst entscheiden, wie wichtig ihm Aktualität oder Stabilität ist.

Das Installationsprogramm Calamares bietet sowohl automatische als auch manuelle Festplattenpartitionierung, sowie eine Hardwareerkennung, z. B. für Grafikkarten, und kann benötigte Treiber automatisch installieren. Ein installiertes Manjaro-Linux wird über Rolling Releases allein mit dem Paketmanager ohne Neuinstallation oder Systemupgrade aktuell gehalten.Liane M. Dubowy. Kein Gramm zu viel. In c’t – Magazin für Computertechnik, 24/2013, S. 168. Zitat: „Näher an Arch Linux [als Chakra Linux] sind Manjaro und Antergos, die ebenfalls einen Installationsassistenten, eine Desktop-Oberfläche und grafische Werkzeuge bereithalten, dabei aber dieselbe Paketbasis wie Arch Linux nutzen.“ Manjaro bietet mit Octopi (Qt) und Pamac (GTK) eigene Frontends für den Arch-Linux-Paketmanager Pacman – entsprechend konfiguriert können mit diesen auch Pakete aus dem Arch User Repository (AUR) installiert werden.Neue Arch-Linux-Abkömmlinge In: c’t – Magazin für Computertechnik, 20/2013, ISSN 0724-8679, S. 52, Autor: Oliver Dietrich

Eine weitere Innovation in Manjaro 18.1 ist die integrierte Unterstützung für Flatpak- und Snap-Pakete. Zu diesem Zweck steht den Anwendern das grafische Paketverwaltungswerkzeug „bauh“ (früher „fpakman“ genannt) zur Verfügung.

Für den init-Prozess der Systeminitialisierung des Betriebssystems wird das Programm systemd verwendet.Karsten Günther: Kleine Tücken: Anwenderfreundliche Arch-Linux-Variante Manjaro. In: LinuxUser () 14. Jg. (2013) H. 6, S. 8–9

Verbreitung Für 2016 zählt SourceForge im Durchschnitt monatlich etwa 130.000 Downloads der Release-Images. Manjaro war auf den Coverdiscs der Ausgaben 167 und 172 der englischen Zeitschrift Linux Format enthalten. Auf DistroWatch befand sich Manjaro auf Platz eins der populärsten Linux-Distributionen des Jahres 2018.

Kritik In einem Blogeintrag kritisiert Keith Curtis, dass für geringe Änderungen am Code die Arch-Repositorien dupliziert werden, und schlägt vor, den Nutzern solle ermöglicht werden, die Arch-Repositorien zu nutzen, um einen Lock-in-Effekt zu vermeiden. Ebenso könnten die eigenen Wikiseiten im Arch-Wiki Platz finden. Allan McRae, der u. a. pacman für Arch Linux pflegt, lobt die seit Ende 2014 zügigere Aktualisierungsstrategie bei Sicherheitslücken, nachdem er diese zuvor als stark unzureichend kritisiert hatte. Unter den Nutzern wurde Kritik geäußert, nachdem die Entwickler LibreOffice gegen das kommerzielle FreeOffice ersetzten.

Geschichte Manjaro wurde erstmals am 10. Juli 2011 in experimenteller Form mit der Desktop-Umgebung Xfce veröffentlicht.

Am 20. August 2012 erschien die erste öffentliche Betaversion 0.8.0, die laut eigenen Angaben nach zwei Tagen schon mehr als 29.000 Mal heruntergeladen wurde. Neben der Einführung des eigens entwickelten Hardware-Erkennungstools, das die Installation von Grafikkartentreibern erleichtern soll, wurden mit dieser Version erste Editionen mit alternativen Desktop-Umgebungen wie Gnome, Cinnamon oder KDE Plasma bereitgestellt.

Ab der Version 0.8.3 wurde optional Openbox als Fenstermanager und MATE als Desktop-Umgebung angeboten.Manjaro Linux mit Mate-Desktop. In: Heise online. Abgerufen am 5. Januar 2021.

Während der Entwicklung von Manjaro Ende August 2015 entschieden sich die Entwickler, für das Versionsschema auf Jahres- und Monatsbezeichnungen anstelle von Zahlen zu wechseln. Somit war die Version 0.9.0 (Codename „Bellatrix“) die erste Version, die am 27. September 2015 als Version 15.09 veröffentlicht wurde. Ab dieser Version wurde unter anderem erstmals der grafische Installationsassistent Calamares eingeführt.Linux-Distribution Manjaro 15.09 Bellatrix veröffentlicht. In: Heise online. Abgerufen am 5. Januar 2021.

Am 8. September 2020 gab Entwickler und Mitgründer Philip Müller bekannt, dass das Team hinter Manjaro ab sofort unter der Rechtsform GmbH & Co. KG firmieren würde. Grund dafür sind nach eigenen Angaben die immer größer werdende Zahl an Anwendern und der damit verbundene Entwicklungsaufwand. Zudem könne man sich offiziell mit potentiellen Vertragspartnern zusammenschließen, neue Mitarbeiter fest anstellen und die Marke Manjaro als solches schützen.Raus aus den Kinderschuhen: Linux-Distribution Manjaro künftig als GmbH. In: Heise online. Abgerufen am 5. Januar 2021.

Seit dem 17. September 2020 kann eine Variante des PinePhones mit Manjaro als Betriebssystem in zwei unterschiedlichen Editionen vorbestellt werden.

Veröffentlichungstabelle Ab Version 0.8.0 hat jede Version einen eigenen Codenamen. Die Codenamen folgen dem Alphabet, ihr Ursprung ist jedoch nicht immer eindeutig zuordenbar, auch wenn einige Namen von Himmelskörpern abgeleitet sind.

Version Codename Veröffentlichung Kernel Anmerkung 2011-07-10 Ascella 2012-08-20 3.4.9 LTS 2012-09-21 3.4.x LTS 2012-11-10 2012-12-24 2013-02-25 3.7.x 2013-04-13 3.8.5 2013-06-02 3.9.x 2013-08-26 3.4.59 LTS 2013-11-24 3.10.20 LTS 2014-02-23 3.10.30 LTS 2014-06-09 3.12.20 LTS 2014-12-01 2015-02-06 2015-06-14 Bellatrix 2015-09-27 4.1.8 Neben vielen weiteren Änderungen: Neuer graphischer Installer Calamares 1.1.3 und im Live-System Thus 0.9.0 Capella 2015-12-22 Daniella 2016-06-06 4.4.12 LTS 2016-06-11 4.4.13 LTS Ellada 2016-08-31 Fringilla 2016-10-31 4.4.48 Gellivara 2017-03-07 4.9 LTS erste offizielle Version mit der Desktop-Umgebung Gnome und letzte Version für 32-Bit-x86 (IA-32) ab i686 Hakoila 2017-12-31 4.14 LTS Offizielle Versionen sind XFCE, KDE, Gnome & NET Erstmals auch vorinstalliert auf einem Notebook, dem Spitfire Station X. Illyria 2018-10-28 4.19 LTS 2019-03-12 Juhraya 2019-09-12 4.19.69 LTS bei der Installation kann zwischen LibreOffice und FreeOffice unterschieden werden. Des Weiteren werden FlatPak- und Snap-Pakete unterstützt. Kyria 2020-02-25 5.4 Xfce-Desktop in Version 4.14, Desktop-Theme Matcha-Sea; KDE-Destop in 5.17, Desktop-Theme Breath2-Theme; Gnome-Desktop in Version 3.34, nun mit Gnome-Layout-Switcher, viele Details verbessert (z. B. Dialoge); neues Tool für Installation von Flatpaks, Snaps und Appimages. Lysia 2020-04-26 5.4.35 LTS 2020-06-06 5.7 Arc Themes Update, 5.7 kernel, Firefox update, upstream updates inklusive Haskell und Python by Arch Mikah 2020-09-11 5.8 Nibia 2020-12-03 5.9 Ornara 2021-03-23 5.10Xfce-Desktop in Version 4.16, KDE-Destop in 5.21, Gnome-Desktop in Version 3.38. Pahvo 2021-08-17 5.13Gnome 40, Plasma 5.22 Qonos 2021-12-22 5.15 LTSGnome 41.1, Plasma 5.23 Ruah 2022-06-17 5.15 LTSGnome 42.2, Plasma 5.24 Sikaris 2022-12-24 6.1 LTSXFCE 4.18, Plasma 5.26 Talos 2023-04-22 6.1 LTSGnome 43, Plasma 5.27 LTS Uranos 2023-09-05 6.5Gnome 44, Plasma 5.27 LTS Vulcan 2023-12-16 6.6 LTSGnome 45 Wynsdey 2024-05-14 6.9Gnome 46, KDE Plasma 6 Xahea 2024-10-01 6.10KDE Plasma 6.1 Yonada 2024-12-08 6.12 LTSGnome 47.2, KDE Plasma 6.2 Zetar 2025-04-15 6.12 LTSGnome 48 Anh-Linh 2026-01-04 6.18 LTSGnome 49, KDE Plasma 6.5 Bian-May 2026-08-12 7.1.8Gnome 50, KDE Plasma 6.7

Editionen

Offizielle Editionen Manjaro XFCE Manjaro Xfce wird mit der Desktop-Umgebung Xfce und dem Manjaro-eigenen dunklen Theme ausgeliefert.

Manjaro KDE Manjaro KDE wird mit der Desktop-Umgebung KDE Plasma 6 und mit verschiedenen Manjaro-eigenen Themes ausgeliefert. Manjaro Gnome Manjaro Gnome wird mit der Desktop-Umgebung Gnome Shell und zusätzlichen Themes ausgeliefert.

Manjaro NET Manjaro NET ist die Konsolen-basierte Net-Installation, mit der entweder Manjaros offizielle oder die Community-Editionen installiert wird. Auch zusätzlich zu installierende Pakete kann der Anwender vorab auswählen. Alle Pakete werden während der Installation in ihren neuesten Versionen heruntergeladen.

Community-Editionen

Es existieren eine Reihe von Community-Editionen:

Budgie Edition Cinnamon Edition Enlightenment Edition Fluxbox Edition i3 Edition LXDE/LXqt Edition MATE Edition OpenBox Edition OpenRC Edition (Entwicklung eingestellt) PekWM Edition Sway Edition

Des Weiteren wird mit Manjaro ARM und Manjaro Phosh (Smartphone) an ARM-basierten Betriebssystemen gearbeitet.

Derivate Netrunner Rolling Netrunner Rolling ist eine von dem deutschen Softwareunternehmen Blue Systems vertriebene Distribution. Seit 2014 stehen Snapshots zur Installation bereit. Am 13. Oktober 2019 gaben die Macher dieses Projekt bekannt, dieses nicht mehr weiter zu verfolgen, sondern direkt an Manjaro mitzuarbeiten.

Sonar GNU/Linux Das Sonar GNU/Linux Projekt verfolgt das Ziel, eine barrierefreie Distribution bereitzustellen; dabei werden die beiden Desktops Gnome und Mate unterstützt. Die erste Version wurde im Februar 2015 veröffentlicht, die aktuelle und letzte Version wurde 2016 veröffentlicht.

Siehe auch Liste von Linux-Distributionen

Literatur Linux Manjaro: Praxiswissen für einen umfassenden Einstieg Introducing Linux Distros - Seite 332 (englisch)

Weblinks

Offizielle Webpräsenz Offizielles Forum mit einem Abschnitt für deutschsprachige Anwender Deutsches Manjaro-Forum

Interview mit Projektleiter Philip Müller, GnuLinuxNews-Podcasts, 2021

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Arch-basierte Linux-Distribution Kategorie:Software 2011