Just Cause 2 ist ein 2010 erschienenes Computerspiel aus dem Genre der Third-Person-Shooter und ist der Nachfolger des 2006 erschienenen Just Cause. Es wurde vom schwedischen Entwickler Avalanche Studios entwickelt und von Square Enix für die Plattformen Windows, Xbox 360 und PlayStation 3 veröffentlicht. Das Spiel kann darüber hinaus im Xbox-Digitalstore gekauft und auf Xbox-One- und Xbox-Series-Konsolen gespielt werden.
Ursprünglicher Publisher war das Unternehmen Eidos Interactive, das allerdings 2009 von Square Enix aufgekauft wurde.
Das Spiel hat bis auf die Hauptfigur, Rico Rodriguez, handlungstechnisch keine Verbindung zu seinem Vorgänger. Dennoch sind Handlung und Aufbau sehr ähnlich. Der Spieler wird auf die laut dem Entwickler 1024 km² große, fiktive und komplett frei erkundbare Pazifikinsel Panau entsandt, um für einen amerikanischen Geheimdienst den Diktator Pandak Panay auszuschalten. Dazu unterstützt er mehrere Rebellengruppen auf der Insel und sabotiert Militärbasen und Versorgungseinrichtungen.
Just Cause 2 wurde von der Fachpresse positiv aufgenommen. Die Online-Datenbank Metacritic, die Testberichte sammelt und auswertet, errechnete für die einzelnen Versionen Bewertungsdurchschnitte zwischen 81 und 85 von 100 Punkten. Tester lobten vor allem die große Spielwelt und die daraus resultierende große spielerische Freiheit. Kritisiert wurden Handlung, Dialoge sowie mangelnde Abwechslung bei den Missionen.
Bei Verkaufsstart belegte der Titel den ersten Platz in den britischen Verkaufscharts. Laut Angaben von Square Enix wurden bis September 2010 etwa 1,48 Millionen Einheiten verkauft.
Der Nachfolger Just Cause 3 ist am 1. Dezember 2015 für Windows, Xbox One und PlayStation 4 erschienen.
Handlung Die USA sind besorgt über den südostasiatischen Inselstaat Panau, da der amerikafreundliche Präsident Panaus ermordet worden ist und sich der außenpolitische Kurs der Insel unter dem neuen Machthaber Pandak Panay deutlich verändert hat. Daher hat der amerikanische Geheimdienst Agentur einen Agenten, Tom Sheldon, auf die Insel beordert, um die Zustände dort zu beobachten.
Zu diesem Agenten ist jedoch der Kontakt abgerissen. Die Agentur nimmt an, dass Sheldon die Seiten gewechselt hat. Daher entsendet sie einen weiteren Agenten, Rico Rodriguez, der Sheldon finden soll. Dieser hält sich aufgrund eines ausländerfeindlichen Kurses der Regierung auf der Insel versteckt.
Zusätzlich ruft jemand unter dem Codenamen Weißer Tiger zur Rebellion gegen den Präsidenten Panay auf. Um an Informationen über den Weißen Tiger zu gelangen, unterstützt Rico lokale Rebellenorganisationen, die sich bei der Machtübernahme des Präsidenten formiert haben. Es gibt insgesamt drei Rebellengruppen, die kommunistisch orientierten Reapers, die mafiösen Roaches und die nationalistischen Ular Boys. Rico unterstützt die Fraktionen, indem er ihnen bei Festungsübernahmen hilft und verschiedene Missionen für sie absolviert. Gleichzeitig erhält er Aufträge von der Agentur, die ebenfalls zur Schwächung des Regimes dienen.
Bei einem Einsatz in einem Tempel für eine der Rebellengruppen trifft Rico auf den Weißen Tiger, der sich als der gesuchte Agent Tom Sheldon zu erkennen gibt. Nach der gemeinsamen Flucht vor einem Großangriff der Regierungstruppen arbeiten beide zusammen, wobei Sheldon die Organisation von Waffenlieferungen übernimmt.
Im weiteren Verlauf des Spiels erfährt der Spieler, dass die Rebellengruppen jeweils von Japan, China oder Russland unterstützt werden. Alle diese Nationen haben es, ebenso wie Ricos Auftraggeber aus den USA, auf die Ölvorkommen im Meer von Panau abgesehen. Rico wird daher auf die Unterstützer aus den drei Staaten angesetzt, bei denen es sich vorwiegend um ehemalige hochrangige Militärs handelt. Es gelingt ihm, diese im Three-Kings-Hotel von Panau auszuschalten.
Schließlich macht er sich auf, Präsident Panay auszuschalten. Nachdem ein Attentat in dessen Anwesen fehlgeschlagen ist, greift Rico ihn in einem Atom-U-Boot an, welches sich als letzter Rückzugsort des Präsidenten herausstellt. Der Präsident feuert mit diesem vier Atomraketen ab, die auf Japan, China, Russland und die USA gerichtet sind. Rico gelingt es, die Raketen zu entschärfen, wobei der Präsident zu Tode kommt. Eine Rakete schlägt auf den Ölvorkommen der Insel auf, wodurch diese zerstört werden. Dadurch verlieren die vier Großmächte das Interesse an Panau.
Spielprinzip Allgemein Das Kernelement von Just Cause 2 ist die Einzelspieler-Kampagne. In dieser versucht der Spieler, die Regierung des Inselstaats Panau mit allen Mitteln zu destabilisieren. Dies geschieht größtenteils im freien Spiel durch Angriffe auf den über die ganze Insel verteilten Regierungsbesitz. Dazu zählen Kasernen, Propaganda-Fahrzeuge, Statuen des Präsidenten, Wassertürme oder Kraftwerke.
Im freien Spiel besitzt der Spieler keine festen Zielvorgaben, vielmehr kann er die Spielwelt auf eigene Faust erkunden. Dabei stehen ihm viele Möglichkeiten offen. Den Schwerpunkt stellt dabei die Sabotage der Regierungseinrichtungen dar. Weiterhin kann der Spieler lokale Rebellenorganisationen unterstützen. Abseits des Kampfes gegen die Regierung kann der Spieler Rennen, sowohl zu Luft, zu Lande als auch zu See bestreiten. Dafür erhält der Spieler Geld, mit dem er Ausrüstungsgegenstände erwerben kann. Die Rennen lassen sich beliebig oft wiederholen.
Die Handlung des Spiels wird in Form einer Kampagne erzählt. Diese besteht aus mehreren umfangreichen Missionen, die der Spieler nacheinander absolvieren kann. Durch Fortschritt in der Handlung schaltet der Spieler neue Ausrüstungsgegenstände frei. Ansonsten nimmt die Handlung eine eher untergeordnete Stellung im Spiel ein.
Seine Ausrüstung erhält der Spieler von einem Freund aus der Agentur. Bei ihm kann er Waffen und Fahrzeuge anfordern, sowie an einem beliebigen, bereits entdeckten Ort per Helikopter abgesetzt werden. Jedoch ist der Spieler nicht auf diese Ausrüstung angewiesen, er kann Waffen, Munition und Fahrzeuge auch in der Spielwelt finden oder stehlen.
Für das Springen und Bergsteigen stehen dem Spieler ein Enterhaken und ein Fallschirm zur Verfügung. Mit dem Enterhaken kann der Spieler sich außerdem an Häuserwänden oder Bäumen hochziehen. Er kann ihn aber auch gegen seine Gegner verwenden. So kann er Soldaten oder feindliche Fahrzeuge an Objekten wie Gebäuden anketten und sie damit behindern.
Das Spiel verwendet wie der Vorgänger eine ungewöhnliche Spielphysik, die stark actionbetont ist und die Spielfigur außergewöhnlich widerstandsfähig macht. So kann der Spieler beispielsweise auf fliegenden Flugzeugen stehen, mehrere Schusssalven überleben oder Stürze aus mehreren Metern weitgehend unbeschadet überstehen. Die Fahrzeuge besitzen ein detailliertes Schadensmodell. Sämtliche sichtbaren Fahrzeugteile sind zum Teil stark deformierbar.
Die PlayStation-3-Version des Spiels verfügt über eine Video-Funktion, mit der Spieler das Spielgeschehen aufzeichnen und anschließend entweder in der XrossMediaBar ansehen oder bei YouTube hochladen können.
Rebellen Auf Panau kann der Spieler in Kontakt mit drei Rebellengruppen treten. Zu Beginn des Spiels verfügen diese Gruppen jeweils über eine kleine Basis. Der Spieler tritt nacheinander mit den drei Gruppen in Kontakt und unterstützt sie dabei, Festungen der panauischen Armee zu erobern. Jede von den Rebellen kontrollierte Festung dient dem Spieler fortan als Stützpunkt, auf dem er Waffen und Fahrzeuge erhält. Außerdem entsenden die Rebellen regelmäßig Patrouillen, die Regierungstruppen in der Nähe der Basis angreifen. Weiterhin bieten sie dem Spieler regelmäßig Nebenmissionen an.
Chaos Der Fortschritt des Spielers in der Kampagne wird durch sogenannte Chaospunkte symbolisiert. Der Spieler sammelt diese Punkte, indem er Regierungseigentum zerstört oder Missionen für die Rebellenfraktionen absolviert. Dadurch wächst die Beunruhigung in der Bevölkerung und beim Militär Panaus, wodurch der Präsident geschwächt wird. Durch das Sammeln von Chaospunkten werden neue Waffen, Fahrzeuge und Missionen freigeschaltet. Auch nach Vollenden der Kampagne und nach der Freischaltung aller Schwarzmarktobjekte ist das Verursachen von Chaos noch sinnvoll, da die Zerstörung sämtlichen Regierungseigentums auf der Insel notwendig ist, um das Spiel zu 100 % abzuschließen.
Fahrzeuge mini|Auch Militärflugzeuge lassen sich in Just Cause 2 spielen Dem Spieler stehen eine Vielzahl von Fahrzeugen zur Verfügung. Es handelt sich bei allen Modellen um fiktive Modelle. Die im Spiel enthaltenen Fahrzeuge umfassen PKW, LKW, Motorräder, Flugzeuge, Hubschrauber und Boote. Der Spieler kann eine gewisse Auswahl von diesen über seinen Kontakt bei der Agentur kaufen. Diese Fahrzeuge kann der Spieler auch unter Verwendung von auf der Insel gefundenen Aufrüstungsgegenständen in Sachen Geschwindigkeit, Robustheit und Bewaffnung verbessern. Alternativ kann er Fahrzeuge auf der Insel entwenden. Versucht der Spieler, Fahrzeuge des Militärs zu entwenden, kommt es zu einem Feuergefecht.
Sammelbare Objekte In Just Cause 2 kann der Spieler bei der Erkundung der Insel eine Vielzahl von Objekten einsammeln. Beispielsweise gibt es diverse Kisten mit Ersatzteilen, mit denen der Spieler die Waffen und Fahrzeuge, die er von seinem Agenturkontakt angeboten bekommt, aufrüsten kann. Weiterhin gibt es Geldkassetten, die der Spieler zum Kaufen von Ausrüstung verwenden kann.
Weitere Bonusobjekte stammen von den drei Rebellengruppen. Jede von diesen besitzt ein spezielles Objekt, beispielsweise Drogenkoffer oder Schmuggelkisten, von denen jeweils 100 auf der Insel verlorengingen. Diese kann der Spieler einsammeln.
Die Entwickler von Just Cause 2 bauten einige versteckte Besonderheiten, sogenannte Easter Eggs in die Spielwelt ein, zum Beispiel Geheimdepots mit zahlreichen Waffen, einen Heißluftballon oder eine Seifenblasenpistole. Von Berichterstattern häufig aufgegriffen wurden Anspielungen auf die amerikanische Fernsehserie Lost, zu denen eine abgelegene Insel und eine Bodenklappe und ein abgestürztes Flugzeug auf dieser Insel zählen.
Entwicklung mini|Auf der E3 2009 wurde Just Cause 2 neben anderen Titeln wie Halo: Reach das erste Mal vorgestellt. Die Entwicklung von Just Cause 2 wurde ursprünglich unter der Regie von Eidos Interactive geführt. Erste Details über die Entwicklung wurden Anfang 2008 von Mitarbeitern von Avalanche preisgegeben. Der führende Designer Peter Johansson gab als Entwicklungsziele an, die Spielwelt belebter erscheinen zu lassen als im Vorgänger sowie Stunt- und Kampfszenen verbessern zu wollen. Die Entwicklung von Just Cause 2 sollte ursprünglich Ende 2008 fertiggestellt sein. Ebenso war im selben Jahr eine Vorführung des Titels auf der Spielemesse E3 in Los Angeles geplant. Allerdings verzögerte sich die Entwicklung, auch durch Personalabbau beim Entwickler Avalanche Studios. Das angekündigte Veröffentlichungsdatum verschob sich erst auf 2009 und schließlich auf Mitte 2010. Im Juni 2009 wurde der erste Trailer veröffentlicht, der einige Spielszenen zeigte. Auf der E3 2009 wurde das Spiel schließlich erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. In einem später im Internet veröffentlichten Interview stellte der Game Director Magnus Nedfors die Neuerungen von Just Cause 2 vor. Sowohl bei diesem Interview als auch in später veröffentlichten Demo-Videos spielte der Enterhaken der Hauptfigur eine wichtige Rolle. Dieser sei im Vergleich zum Vorgänger nun vielseitiger und einfacher zu verwenden. Als weitere Unterschiede zum Vorgänger wurden eine deutlich größere und vielfältiger gestaltete Spielwelt, sowie mehr Abwechslung im Spielprinzip genannt, zwei Punkte, die die Fachpresse bei Just Cause oft kritisierte. Eine weitere Besonderheit von Just Cause 2, die der Vorgänger ebenfalls besaß, aber die von Berichterstattern häufig aufgegriffen wurde, war die explosionslastige Spiel-Physik, zu der mehrere Videos von den Entwicklern und von Spielemagazinen veröffentlicht wurden.