Ojārs Vācietis (* 13. November 1933 in Trapene bei Valka, Lettland; † 28. November 1983 in Riga) war ein lettischer Dichter. Er war seit 1977 Volksdichter der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik.

Leben und Werk Ojārs Vācietis wurde in dem Dorf Trapene auf einem Bauernhof namens Dumpji im Jahr 1933 in eine Landarbeiterfamilie geboren.Edith Zuzena-Metuzala (Hrsg.): Lettische Lyrik. Maximilian Dietrich Verlag, Memmingen 1983, ISBN 3-87164-108-1, S. 183. Er besuchte die Grundschule von Trapene und danach die Mittelschule in Gaujiena. Von 1952 bis 1957 studierte Vācietis lettische Literatur und Sprache in Riga an der Lettischen Staatlichen Universität. Von 1958 an war er Mitarbeiter der Zeitschriften Literatūra un māksla, Liesma, Bērnība und Draugs. Ein Jahr lang war er Redakteur im Filmstudio Rīga. Vācietis war mit der Dichterin Ludmila Azarova verheiratet, ihr gemeinsamer Sohn heißt Žanis.Jānis Peters, Weil auch der Igel nachts arbeitet. Porträt aus der Feder eines Freundes (Juli 1978), in: Stilleben mit Schlange, Baum und Kind. Gedichte, deutsche Fassung von Welta Ehlert, Verlag Volk und Welt, Berlin 1979, S. 101–109. Vācietis starb am 28. November 1983 in Riga und wurde auf dem Friedhof von Carnikava begraben. Fünf Jahre nach seinem Tod wurden die ehemaligen Wohnräume seiner Familie in Riga in der nach Ojārs Vācietis benannten Straße als Museum zugänglich gemacht (Ojāra Vācieša iela 19). In dem 200 Jahre alten Haus befand sich zuvor die Gastwirtschaft „Jeruzaleme“.Ojārs Vācietis Gedächtnismuseum, abgerufen am 26. November 2022.

Das Gedicht Pionieru druva war die erste Veröffentlichung von Vācietis. Es erschien 1950Klappentext des Bandes Stilleben mit Schlange, Baum und Kind. Gedichte, Verlag Volk und Welt, Berlin 1979. in der Zeitschrift des Bezirks Ape, Sarkanā Ausma. Vācietis’ Poesie der 1950er Jahre wird als unruhig und direkt bezeichnet; das machte ihn in Lettland zum populärsten Dichter dieser Zeit. Bedeutsam sind seine Gedichte der 1960er Jahre, in denen er über die offizielle Ideologie der UdSSR polemisiert. Bis 1978 folgen weitere 16 Bände mit Werken in lettischer Sprache.

Vācietis übersetzte Bulgakows Roman Der Meister und Margarita ins Lettische,Eintrag zu Ojārs Vācietis im Memoriālo muzeju apvienība (Association of Memorial Museums) eine Ausgabe erschien 2005.Eintrag bei WorldCat

Jānis Peters schreibt in seinem biografischen Essay von 1978, Ojārs Vācietis sehe die Welt aus einem Blickwinkel, der den meisten befremdlich erscheine. Er sei ein Mensch von schlichter Ungewöhnlichkeit, der für sein Arbeiten „die kühlen Fluten der Askese“ brauche. In seiner Lyrik schlügen sich die Rhythmen seiner biologischen Uhr unmittelbar nieder, der Uhr eines Künstlers, der am liebsten nachts arbeitet. Vielleicht, so fragt der Freund des Autors, stecke für Vācietis in der Normenfeindlichkeit jenes Glücksgefühl, das er zum Leben brauche. Vor allem inspiriert von den Menschen und der Gegend am Stadtrand von Riga habe der Dichter für seine Werke eine aufreizende und suggestive Welt geschaffen, deren Wandelbarkeit widersprüchlich und überraschend farbig sei.

Werke in deutscher Übersetzung Stilleben mit Schlange, Baum und Kind. Gedichte.Stilleben mit Schlange, Baum und Kind enthält Gedichte aus den Jahren 1966 bis 1976. Im Band enthalten ist ein biografischer Essay zum Autor, von Jānis Peters, datiert Juli 1978, deutsche Fassung von Welta Ehlert, S. 101–109. Nachgedichtet von Annemarie Bostroem und Heinz Kahlau. Die Interlinearübersetzung aus dem Lettischen besorgte Welta Ehlert. Verlag Volk und Welt, Berlin 1979. „Rumbula“ (1964, Gedicht),Rumbula im Web Deutsch von Matthias Knoll.

Werke im lettischen Original Lyrik Tālu ceļu vējš. Dzejoļi (1956) Ugunīs. Dzeja (1958) Krāces apiet nav laika (1960) viņu adrese – taiga. Piezīmes par ceļu un ceļā (1966) elpa. Dzejoļi 1960-1964 (1966, Staatspreis der LSSR) Dzegužlaiks. dzejoļi (1968) Aiz simtās slāpes. Dzejoļi (1969) Melnās ogas. Dzejoļi (1971) visāda garuma stundas. Dzejoļi (1974) Gamma (1976) Antracīts. Dzejoļi (1978) Zibens pareizrakstība. Dzejoļi (1980) Si minors (1982)

Essays Ar pūces spalvu (1983)

Werke für Kinder Dziesmas par … (Lieder über …, 1965) Sasiesim astes (Binden wir die Schwänze zusammen, 1967) Punktiņš, punktiņš, komatiņš (Pünktchen, Pünktchen, Kommalein, 1971) Kabata (Die Tasche, 1976) Astoņi kustoņi (Acht Viecher, 1984, postum) Sveču grāmata (Das Kerzenbuch, 1988, postum)

Ojārs-Vācietis-Literaturpreis Die Gemeinde Carnikava verleiht in Zusammenarbeit mit dem Ojārs-Vācietis-Museum in jedem Herbst den Ojārs-Vācietis-Literaturpreis.

Bekannte Preisträger: 1984: Jānis Peters, Imants Ziedonis 1988: Vizma Belševica, Leons Briedis 1989: Māra Zālīte 1993: Guntars Godiņš, Imants Ziedonis 2003: Inese Zandere 2004: Inga Gaile 2005: Andra Manfelde 2006: Pēteris Brūveris 2007: Imants Auziņš 2008: Ronalds Briedis 2009: Edvīns Raups 2010: Leons Briedis, Jānis Rokpelnis 2011: Anna Auziņa 2012: Inga Gaile 2013: Amanda Aizpuriete

Literatur Jānis Peters: Weil auch der Igel nachts arbeitet. Porträt aus der Feder eines Freundes (Juli 1978), in: Stilleben mit Schlange, Baum und Kind. Gedichte, deutsche Fassung von Welta Ehlert, Verlag Volk und Welt, Berlin 1979, S. 101–109.

Weblinks

ausführliche Biografie und Bibliografie auf den Museumsseiten (lett.) Gedichte in deutscher Sprache

Einzelnachweise

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