Hochbend (eigentlich: der Hochbend) ist ein kleines ländliches Außengebiet am südlichen Rand der zum Kreis Viersen gehörenden Stadt Tönisvorst im Westen des deutschen Landes Nordrhein-Westfalen. (4. Auflage, herausgegeben 1989 vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen (jetzt: Bezirksregierung Köln), abgerufen am 11. November 2013)(Herausgegeben vom Land Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 23. März 2019) Hochbend besteht aus nur wenigen Häusern und Einzelgehöften, dank des dort ansässigen Heilpädagogischen Zentrums Krefeld – Kreis Viersen sowie des Restaurantbetriebs Landhaus Hochbend ist die Ansiedlung in der Umgebung trotz ihrer geringen Größe relativ bekannt.Homepage der Heilpädagogisches Zentrum Krefeld – Kreis Viersen gGmbH (abgerufen am 11. November 2013)Carmen Granderath: (Online-Artikel der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein, Krefeld, 2010, abgerufen am 11. November 2013) Eine frühere Bezeichnung war um 1800 auch Hoogenbend. (Nachdruck herausgegeben 1971 vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn-Bad Godesberg (jetzt: Bezirksregierung Köln), abgerufen am 11. November 2013) Hochbend hat die Postleitzahl 47918, die für das gesamte Tönisvorster Stadtgebiet einheitlich ist.Deutsche Post: Postleitzahlensuche (Onlinedienst der Deutsche Post AG, abgerufen am 11. November 2013)

Geschichte mini|Der Feldweg „Hohe Straße“ ist ein uralter Fahrweg und stammt vermutlich aus römischer Zeit.mini|Hochbend etwa von seiner nordwestlichen Ecke aus gesehen:In der Bildmitte ist zwischen zwei Viehweiden der hier stark verlandete und mit Gras bewachsene Votzhöfer Graben gerade noch erkennbar.

Hochbend zur Römerzeit Hochbend wird an seinem westlichen Rand von einem unbefestigten Feldweg begrenzt, der den Namen „Hohe Straße“ trägt. (Herausgegeben 2013 vom Land Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 11. November 2013) Mehrere archäologische Fundstellen der Umgebung lassen vermuten, dass es sich dabei um einen Verkehrsweg aus römischer Zeit handelt, der von Neuss über Kaarst und Alt-Willich ins Kehn und weiter nach Kempen führte.Hans Kaiser: Territorienbildung in den ehemals kurkölnischen Ämtern Kempen, Oedt und Linn(, Kempen (Niederrhein), 1979, ISBN 978-3-931242-04-6)

Hochbend vom Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts Durch Hochbend verläuft in Ost-West-Richtung der Votzhöfer Graben.(Online-Anwendung des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 11. November 2013) Dieser hier inzwischen weitgehend verlandete Wassergraben trennte Hochbend seit dem Mittelalter bis Ende 1969 in zwei verwaltungsmäßig ständig voneinander geschiedene Bereiche.Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins, Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie, Band 4(Verlag Pomp, Bottrop und Essen 1999, 5. Auflage 2004, ISBN 3-89355-200-6, abgerufen am 11. November 2013) Der Votzhöfer Graben ist hier Überbleibsel einer Landwehr. Etwas östlich von Hochbend am Nordrand der Golfplatzanlage Renneshof und der Holterhöfe sowie im daran anschließenden Forstwald sind Reste der ursprünglichen Erdwälle noch gut bis sehr gut erhalten.Helmut Sallmann: (PDF; 1,3 MB)(Online-Artikel des , abgerufen am 11. November 2013)

Mitte des 14. Jahrhunderts gehörten die Ländereien nördlich von Hochbend zum Amt Kempen, einem Verwaltungsbezirk des damaligen Kurfürstentums Köln. Das Gebiet südlich von Hochbend gehörte jedoch zum Amt Linn, einer Exklave der früheren Grafschaft Kleve. Der seit 1370 als Kölnischer Kurfürst und Erzbischof amtierende Friedrich III. sah das Gebiet seines Amtes Kempen durch die Grafschaft Kleve bedroht und veranlasste nach seinem Regierungsantritt den Bau der Landwehr als Grenzbefestigung zwischen dem kölnischen Amt Kempen und dem klevischen Amt Linn.Gabriele M. Knoll (Westdeutsche Zeitung): (Internetartikel von WZ Newsline, Düsseldorf, vom 12. September 2011, abgerufen am 11. November 2013) Dabei soll sich diese Landwehr ursprünglich von Linn bis an die Niers bei Süchteln erstreckt haben.

Die ganze Baumaßnahme erwies sich schon nach wenigen Jahren als überflüssig. Bereits im Jahr 1392 verkaufte der klevische Graf Adolf I. dem seinerzeit immer noch amtierenden Kölner Kurfürsten Friedrich III. das Amt Linn für 70 000 Rheinische Gulden. Die so aufwendig befestigte kölnisch-klevische Staatsgrenze wurde so (nach heutigen Maßstäben) zu einer Art Kreisgrenze zwischen zwei kurkölnischen Amtsbezirken. Der nördliche Teil von Hochbend lag fortan im Amt Kempen und gehörte dort zur Großen Honnschaft, einem Gebiet, aus dem sich im Wesentlichen die spätere Gemeinde Vorst entwickelte. Der südliche Teil lag im Amt Linn und gehörte dort zum Bereich Darderhöfe in der Kraphauser Honnschaft, die sich ungefähr über die heutigen nördlichen Rand- und Außengebiete des Willicher Stadtteils Anrath erstreckte. Beide Teile, der Hochbender Norden im Amt Kempen und der Süden im Amt Linn, gehörten ab 1392 zum Kurfürstentum Köln. An dieser Konstellation änderte sich jahrhundertelang recht wenig, bis 1794 französische Revolutionstruppen das Kurfürstentum Köln und andere linksrheinische Gebiete besetzten.W. Hilgemann, M. Hergt, H. Kinder: (Herausgeber: Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 15. Auflage 1980, ISBN 3-423-03002-X, abgerufen am 11. November 2013)

mini|Hochbend zur Franzosenzeit ca. 1802.mini|Hochbend ca. 1844 auf einer alten preußischen Karte.

Hochbend von der Franzosenzeit bis Ende des 19. Jahrhunderts Vier Jahre nach der militärischen Besetzung führte die französische Obrigkeit ab dem Jahr 1798 mehrere Verwaltungsreformen durch. Aus der Großen Honnschaft des Amtes Kempen mit dem nördlichen Hochbend wurde zunächst die Commune de Vorst („Gemeinde Vorst“) im Kanton Kempen, die Kraphauser Honschaft des Amtes Linn mit dem südlichen Hochbend gehörte fortan zur Commune de Willich („Gemeinde Willich“) im Kanton Neersen. Beide Kantone, Kempen und Neersen, gehörten zum Arrondissement Krefeld im Roer-Département. Aus der Grenze zwischen zwei kurkölnischen Ämtern war jetzt eine französische Kantonsgrenze geworden, die den nördlichen Bereich des Hochbend vom südlichen schied.Das Roer-Departement 1808 (privater Internetauftritt von Reinhard Steger, Olpe, abgerufen am 11. November 2013) Die hier beteiligten Gemeinden Vorst und Willich wurden schließlich im Oktober des Jahres 1800 zu sog. Mairies („Bürgermeistereien“) aufgewertet.

Nach dem Ende der Franzosenzeit kam das Gebiet 1814/15 unter preußische Verwaltung. Die Mairies Vorst und Willich wurden in „Bürgermeistereien“ umbenannt, die französischen Kantone aufgelöst und ab 1816 durch – im Allgemeinen größere – preußische Landkreise ersetzt. Vorst gehörte ab 1816 zum Kreis Kempen, der um einiges größer war als der gleichnamige Kanton, Willich wurde dem neu geschaffenen Kreis Krefeld zugeschlagen. Die preußische Kreisgrenze verlief, wie schon zuvor die kölnische Amts- und die französische Kantonsgrenze, im Hochbend entlang des Votzhöfer Grabens und teilte das Gebiet wie bisher in zwei verwaltungsmäßig unterschiedliche Bereiche.

Ende der 1840er Jahre begann die Ruhrort-Crefeld-Kreis Gladbacher Eisenbahn-Gesellschaft mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Ruhrort nach Mönchengladbach, der am südlichen Rand des Hochbend vorbeiführende Streckenabschnitt Homberg–Krefeld–Viersen wurde am 15. Oktober 1849 in Betrieb genommen. Eine Haltestelle gab es bei Hochbend aber vorerst nicht.Thomas Barthels, Armin Möller und Klaus Barthels: (Internet-Präsentation von Thomas Barthels, Mönchengladbach, abgerufen am 11. November 2013)

Hochbend seit 1900 Im Jahr 1908 kam es zur Eröffnung der Walderholungsstätte Hochbend, eine Art Kurbetrieb, der in erster Linie für Erholungssuchende aus dem nahen Krefeld gedacht war.Martin Joliet, Michael Körner: 100 JAHRE WALDERHOLUNGSSTÄTTE HOCHBEND(Festschrift zum 100 jährigen Bestehen der Walderholungsstätte Hochbend, Tönisvorst-Hochbend 2008, abgerufen am 11. November 2008)Jürgen Karsten (Rheinische Post): Tönisvorst: Leicht, locker, lesbar(Internetartikel von RP Online, Düsseldorf, vom 5. September 2008, abgerufen am 11. November 2013) Die Walderholungsstätte war dabei zunächst für ambulante Erholungsaufenthalte geplant, das heißt, die Erholungssuchenden sollten überwiegend zuhause schlafen und jeweils morgens in Hochbend an- bzw. abends wieder abreisen. Aus diesem Grund wurde im Jahr 1909 in Hochbend ein Eisenbahnhaltepunkt eingerichtet, um den Tagesurlaubern das erforderliche Pendeln zu ermöglichen.Werner Dohmen (Westdeutsche Zeitung): Anno 1935: Schönster Bahnhof(Internetartikel von WZ Newsline, Düsseldorf, vom 12. Oktober 2012, abgerufen am 11. November 2013)Willi Schöfer, Peter Korall (Westdeutsche Zeitung): Westbahnhof St.Tönis: Mit dem Zug schnell in den Wald(Internetartikel von WZ Newsline, Düsseldorf, vom 17. Januar 2013, abgerufen am 11. November 2013) Im Jahr 1914 kam es zu einem Gebietstausch zwischen den Gemeinden Willich und Anrath, dabei wurde das Gebiet der Darderhöfe, wozu auch der südliche Teil des Hochbends zählte, von Willich an die Gemeinde Anrath abgetreten. Da die Gemeinde Anrath damals ebenso wie Willich zum Kreis Krefeld gehörte, änderte sich die Kreiszugehörigkeit des südlichen Hochbends jedoch dabei nicht. (Infoflyer, herausgegeben 2007 vom Projektteam Wekeln der Stadt Willich, abgerufen am 11. November 2013)Hans Kaiser (Rheinische Post): Stadt Willich: Am seidenen Faden(Internetartikel von RP Online, Düsseldorf, vom 14. September 2010, abgerufen am 11. November 2013)

1923 stellte die Walderholungsstätte den Kurbetrieb für Erwachsene wieder ein und wurde stattdessen zu einem reinen Kindererholungsheim ausgebaut, in dem die Kinder auch übernachten konnten. Im Jahr 1929 wurde der Kreis Kempen vergrößert durch eine Anzahl weiterer Gemeinden, von denen die meisten zum damals aufgelösten Kreis Krefeld gehört hatten. Das vergrößerte Kreisgebiet erhielt daher den Namen Kreis Kempen-Krefeld. Unter den hinzugekommenen Gemeinden war seinerzeit auch Anrath mit dem südlichen Teil des Hochbend, so dass von da an ganz Hochbend im selben Landkreis lag, hier aber weiterhin zwischen zwei Gemeinden, nämlich Anrath und Vorst, aufgeteilt war. Das zusammenhängende Areal der Kindererholungsstätte einschließlich des zugehörigen Waldstücks erstreckte sich dabei über Flurstücke beider Gemeinden.

1962 wurde der Eisenbahnhaltepunkt Hochbend aufgehoben, (Homepage von Christian Kotschi, abgerufen am 11. November 2013) 1968 wurde die Walderholungsstätte geschlossen. 1969 beschlossen das Arbeits- und Sozialministerium des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landschaftsverband Rheinland die Umwandlung der leerstehenden Walderholungsstätte in ein heilpädagogisches Zentrum für geistig und körperlich behinderte Kinder. Zum 1. Januar 1970 wurden die an Hochbend beteiligten Gemeinden, Anrath und Vorst, beide eingemeindet. Anrath wurde in die Stadt Willich eingegliedert, Vorst nach Tönisvorst.Rudolf H. Müller (Oberkreisdirektor des Landkreises Kempen-Krefeld): Der Bericht 1968, erschienen im Heimatbuch des Kreises Kempen-Krefeld 1969(jetzt: , , abgerufen am 11. November 2013) Bei dieser Gelegenheit wurden an vielen Stellen die alten Gemeindegrenzen begradigt. Anders als die frühere Vorst-Anrather Gemeindegrenze verlief die Grenze zwischen Tönisvorst und Willich nun nicht mehr entlang des Votzhöfer Grabens quer durch Hochbend, sondern entlang der Eisenbahntrasse am südlichen Rand davon. Seit 1970 gehört nun ganz Hochbend einheitlich zu Tönisvorst, womit die jahrhundertelange Aufspaltung zwischen zwei übergeordneten Verwaltungsstrukturen ein Ende fand. (5. Auflage 1975, herausgegeben vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn-Bad Godesberg (jetzt: Bezirksregierung Köln), aufgerufen am 11. November 2013)