Die Samtgemeinde Holtriem ist neben Esens eine von zwei Samtgemeinden im Landkreis Wittmund und eine von sechs in Ostfriesland im nordwestlichen Niedersachsen. Die Samtgemeinde liegt nahe der Nordseeküste, ohne jedoch direkt an diese anzugrenzen. Holtriem zählt zur historischen Region Harlingerland. Der Name deutet auf ehemals vorhandene Wälder hin: Holt bedeutet im Plattdeutschen Holz, Riem bezeichnet einen Landstrich. Der Baumbestand ist mittlerweile fast ausnahmslos gerodet worden. Wie weite Teile Ostfrieslands ist Holtriem sehr waldarm.

Die Samtgemeinde gilt als strukturschwach mit einem hohen Auspendleranteil, vor allem in die umliegenden Städte wie Aurich. Der Großteil der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Tourismus spielt eine gewisse Rolle, wobei besonders das Ewige Meer, mit 89,2 Hektar Wasserfläche der größte Hochmoorsee Deutschlands, und der Holtriem-Wanderweg von Bedeutung sind. Die einzig nennenswerten Industriebetriebe sind zwei Ziegeleien, in denen der überregional bekannte Wittmunder Klinker hergestellt wird. mini|323x323px|Das Rathaus der Samtgemeinde Holtriem in Westerholt (Oktober 2008). Historische Bedeutung haben die Goldschalen von Terheide, ein Fund aus der jüngeren Bronzezeit sowie der Runensolidus von Schweindorf, einer der wenigen Funde aus der Völkerwanderungszeit in Ostfriesland. Zum kulturellen Erbe der Samtgemeinde zählen auch einige historische Kirchen.

Geografie Lage und Ausdehnung { "type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q523512" } Die Samtgemeinde Holtriem liegt in Ostfriesland und ist die westlichste Kommune des Landkreises Wittmund. Der Hauptort Westerholt liegt etwa auf halber Strecke zwischen der südlich gelegenen Stadt Aurich und der nahen Nordseeküste. Aurich liegt etwa 13 Kilometer südlich. Weitere Städte in der Umgebung sind Esens im Nordosten und Norden im Westen. Historisch zählt Holtriem zur ostfriesischen Teilregion Harlingerland. Die Samtgemeinde wird im Norden, Westen und Süden von Kommunen des Landkreises Aurich begrenzt. Die Grenze zum Landkreis Aurich hat eine Länge von 29,5 Kilometern.Karl-Heinz de Wall: Landkreis Wittmund, Selbstverlag des Landkreises Friesland, Jever 1977, o. ISBN, S. 248.

Die Samtgemeinde hat eine Fläche von 82,95 km², die größte Ausdehnung in Ost-West-Richtung beträgt 11,7 km, die in Nord-Süd-Richtung 9,5 km. Mit knapp 83 Quadratkilometern ist Holtriem die nach Fläche achtzehntgrößte Gemeinde Ostfrieslands, nach Einwohnern liegt Holtriem hingegen nur auf Rang 22. Mit einer Bevölkerungsdichte von rund 108 Einwohnern pro Quadratkilometer ist die Samtgemeinde daher selbst im ostfrieslandweiten Vergleich nur unterdurchschnittlich stark besiedelt, der Vergleichswert für die Region beträgt 148 Ew/km². Ostfriesland hingegen ist im Vergleich zum Bundesland Niedersachsen (168) und zur Bundesrepublik (229) bereits unterdurchschnittlich stark bevölkert. Unter den vier Festlandsgemeinden des Landkreises Wittmund ist Holtriem sowohl nach Einwohnerzahl wie auch nach Fläche die kleinste.

Geologie, Böden und Hydrologie Die Samtgemeinde hat Anteil an allen drei Landschaftsformen, die Ostfriesland prägen: Marsch, Moor und Geest. Dabei macht sich eine ausgeprägte Nord-Süd-Teilung bemerkbar: Während das nördlich Gemeindegebiet aus Geest mit einem vorgelagerten schmalen Marschstreifen besteht, liegt der Süden ausnahmslos im Moor. Geologisch wird das Gemeindegebiet also wie ganz Ostfriesland oberflächlich von Sedimenten des Pleistozäns und des Holozäns gebildet. Pleistozäne Ablagerungen sind in den Geestgegenden zu finden. Teils werden die Geestsedimente von holozänen Moorböden überlagert. Die Böden der ostfriesischen Geest entstehen zumeist aus Decksanden und Geschiebelehm.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland, Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 24. Diese entstanden während des Drenthe-Stadiums der Saale-Kaltzeit.

Nördlich von Westerholt befinden sich Ausläufer der Seemarsch, an die sich ein schmaler Streifen Brackmarsch anschließt. Der zentrale Teil des Samtgemeindegebiets um Westerholt und Schweindorf besteht aus Podsolböden auf Orterde oder Ortstein in trockenerer Lage. Diese Böden erlaubten nur geringe landwirtschaftliche Erträge. Durch Plaggendüngung, die bis zum Auftreten des Kunstdüngers am Ende des 19. Jahrhunderts jahrhundertelang vorgenommen wurde, gibt es besonders in der Umgebung der alten Geestdörfer auch anthropogene Plaggeneschböden. Durch den ständigen Neubodenauftrag liegt der Esch, in Ostfriesland (die) Gaste genannt, heute höher als die Dorfkerne. Südöstlich davon, in der Gemeinde Blomberg, befinden sich ausgedehnte Podsolböden in feuchterer Lage, oftmals auch Anmoor. Der Großteil des südlichen Gemeindegebietes hingegen besteht aus Hochmooren, die ein Teil des ausgedehnten Hochmoorgebietes nordwestlich der Stadt Aurich sind und sich neben Aurich und Holtriem auch auf das Gebiet der Gemeinde Großheide erstrecken. An dieses Hochmoorgebiet schließt sich nördlich noch stark humoser Boden auf ehemaligen Abtorfungsflächen an.

Samtgemeindegliederung Die Samtgemeinde Holtriem besteht aus acht Mitgliedsgemeinden, die jedoch über weitere Ortschaften und Wohnplätze verfügen. Nachfolgend aufgelistet sind die Mitgliedsgemeinden, deren Fläche und Einwohnerzahl sowie die weiteren Ortsteile (Stand: ).

Mitgliedsgemeinde Einwohner Fläche (km²) zugehörige Ortsteile Blomberg 12,8 Altgaude, Nordmoor, Schoo, Südmoor Eversmeer 11,56 Goldmoor, Kruserei Nenndorf 6,86 Barger, Finkenburg, Hahnekamp, Kölker, Metzenburg, Nenndorfeld, Neustadt, Unlande Neuschoo 14,47 Leegmoor, Lüttstede, Lütjensfehn, Negenmeerten Ochtersum 10,82 Barkholt, Ostochtersum, Westochtersum Schweindorf 5,44 Schweindorferfeld, Wester-Ys, Lüchtendorf Utarp 6,37 Lederne Lampe, Narp, Narperfeld, Schlei Westerholt 14,63 Terheide, Willmsfeld Gesamt 82,95 —

Nachbargemeinden Die Samtgemeinde grenzt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Süden) an die Stadt Aurich (Süd) sowie die Gemeinden Großheide (West) und Dornum (Nord), alle drei im Landkreis Aurich gelegen. Im Nordosten und Osten wird Holtriem von Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund begrenzt: Die Holtriemer Gemeinde Ochtersum grenzt an die Esenser Gemeinden Holtgast und Moorweg, die Gemeinden Neuschoo und Blomberg grenzen an die Gemeinde Moorweg, die Gemeinde Blomberg grenzt darüber hinaus an die Gemeinde Dunum. Die Samtgemeinde hat folglich vier Nachbargemeinden (auf Samtgemeinde-Ebene betrachtet) bzw. sieben (auf Einheitsgemeinde-Ebene betrachtet).

Flächennutzung + Flächennutzung 2011 Nutzung Fläche in ha Gebäude- und Freiflächen 662 davon Wohnflächen 455 davon Gewerbe- und Industrieflächen 34 Betriebsflächen 16 davon Abbauflächen 6 Erholungsflächen 17 davon Grünanlagen 7 Verkehrsflächen 363 davon Straßen, Wege, Plätze 363 Landwirtschaftsflächen 6902 davon Moore 283 Wasserflächen 226 Waldflächen 88 Flächen anderer Nutzung 23 davon Friedhöfe 2 davon Unland 19 Gesamtfläche 8296

Die Flächennutzungstabelle rechtsQuelle: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, direkter Link auf die Seite nicht möglich. Vorgehensweise: Anklicken von „Regionaldatenbank“, ohne Anmelden „Weiter“, als Gast „Weiter“, Auswählen „Flächenerhebung“ und „Zeit und Region festlegen“, Anklicken „Einheits/Samtgemeinde“, Auswählen von Holtriem (dazu bis ans Ende herunterscrollen), Anklicken von „Tabelle erstellen und anzeigen“, abgerufen am 4. Januar 2013. macht den überragenden Anteil der Landwirtschaftsflächen in der Samtgemeinde von fast 83,2 Prozent deutlich. Damit liegt Holtriem nicht nur deutlich über dem ostfriesischen Durchschnitt von rund 75 ProzentEberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115., sondern auch – noch klarer – über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 52,3 Prozent.

Zu den Wasserflächen ist nicht nur das Ewige Meer mit seinen Nebenmeeren zu zählen: Auch die unzähligen Entwässerungsgräben tragen zum – im Bundesvergleich – überdurchschnittlichen Anteil an Wasserflächen bei. Mit 2,72 Prozent Wasserflächenanteil wird der Bundesdurchschnitt von 2,4 ProzentDestatis.de: Flächennutzung, abgerufen am 4. Januar 2013. leicht übertroffen. Holtriem ist hingegen – darin seinem Namensursprung widersprechend – im 21. Jahrhundert nur noch äußerst spärlich bewaldet. Dies gilt selbst im Vergleich zum gesamten Ostfriesland, das in Deutschland eine extrem unterdurchschnittliche Waldfläche aufweist. 1,06 Prozent der Samtgemeindefläche bestehen aus Wald im Vergleich zu 2,6 Prozent in Ostfriesland und 30,1 Prozent in der Bundesrepublik.

Klima Holtriem liegt in der gemäßigten Klimazone, hauptsächlich im direkten Einfluss der Nordsee. Im Sommer sind die Tagestemperaturen tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Inland. Das Klima ist insgesamt von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt. Nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Holtriem in der Einteilung Cfb. C steht für ein warm-gemäßigtes Klima, Cf für ein feucht-gemäßigtes Klima mit warmen Sommern b.

Mikroklimatisch zu berücksichtigen sind die Hochmoorkomplexe im Süden der Gemeinde. Wegen der Untergrundverhältnisse in einem Regenmoor sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht extrem. Im Sommer kann es tagsüber zu sehr hohen Temperaturen am Boden kommen, sodass durch Selbstentzündung Moorbrände entstehen können. Zudem sind Moorgegenden sehr viel nebelintensiver als die Umgebung. Durch den jahrhundertelangen Torfabbau und die damit verbundene Entwässerung ist dieser Effekt allerdings nicht mehr so stark ausgeprägt wie in der ursprünglichen Naturlandschaft. Die Anzahl der Frosttage ist allerdings im Hochmoorgebiet deutlich höher als in der Umgebung, es kommt häufiger zu Früh- und Spätfrösten.Thomas Huntke: Vegetationsökologische Untersuchungen zur Entwicklung des Naturschutzgebiets Lengener Meer (Landkreis Leer) - eine Fallstudie zur Effizienz des Naturschutzes von Hochmooren, Dissertation, Universität Oldenburg, 2008 (online), S. 7/8 (PDF-Datei; 40,3 MB).

Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich im benachbarten Aurich, das sehr ähnliche klimatische Bedingungen wie der Großteil des Holtriemer Gemeindegebietes aufweist. Die Klimatabelle der dortigen Station:

Schutzgebiete mini|Am Ewigen Meer (Foto von 1987) Das bedeutendste Naturschutzgebiet der Samtgemeinde ist das NSG „Ewiges Meer, Großes Moor bei Aurich“. Es umfasst 1290 Hektar rund um den größten Hochmoorsee Deutschlands, der selbst 91 Hektar einnimmt. Umgeben wird das Meer von ungenutzten Moorflächen mit Hochmoorprofil. In dem Naturschutzgebiet leben zahlreiche seltene Pflanzenarten und Vögel. Umgeben wird das Naturschutzgebiet vom größeren Landschaftsschutzgebiet „Berumerfehner-Meerhusener Moor“. Wie auch das NSG liegt es zum Teil im Landkreis Wittmund, zum Teil im Landkreis Aurich. Als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist zudem ein Gehölz bei einem Hof in Neuschoo-Lüdstede. Ein Areal in der nordöstlichen Gemarkung von Barkholt hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet Leegmoor, das sich jedoch zum größten Teil auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Esens befindet.

Geschichte mini|Die Goldschalen von Terheide Die Samtgemeinde Holtriem wurde am 20. Juli 1972 im Zuge der Gemeindegebietsreform in Niedersachsen aus den acht Mitgliedsgemeinden Blomberg, Eversmeer, Nenndorf, Neuschoo, Ochtersum, Schweindorf, Utarp und Westerholt gebildet. Das Gebiet dieser acht Gemeinden wurde seit Jahrhunderten als „Holtriem“ = Landstrich („Riem“) am Wald („Holt“) bezeichnet. Deshalb erhielt die neugebildete Samtgemeinde den alle Mitgliedsgemeinden verbindenden Namen „Holtriem“.

19. Jahrhundert