mini|Drei Landser (1942) Als Landser wurden vereinzelt im Ersten, verbreiteter im Zweiten Weltkrieg und gelegentlich noch in der Nachkriegszeit rangniedrige deutsche Heeressoldaten bezeichnet.

Ungeklärte Etymologie Vor dem Ersten Weltkrieg finden sich vereinzelte Belege mit der Schreibung Lanzer. Nach Pfeifer ist der Begriff Ende des 19. Jahrhunderts „unter sächsischen Soldaten im Sinne von ‚Landsmann‘ entstanden“., Stichwort „Land“. Das Handbuch der Soldatensprache von 1905 teilt mit: „Besonders die Sachsen nennen sich gegenseitig Lanzer („Guten Tag, Lanzer“) und werden daher allgemein von den Preußen so geheißen.“Paul Horn: Die deutsche Soldatensprache. 1905, S. 24 (Textauszug). 1907 wird Lanzer neben Kamerad für Soldat angegeben.Robert Douffet: Deutsche Wortforschung und Wortkunde. 1907, S. 189 (Textauszug). 1910 nennt ein in Sachsen entstandenes Handbuch der Pennälersprache Lanzer für Soldat.Rudolf Eilenberger: Pennälersprache: Entwicklung, Wortschatz und Wörterbuch. 1910, S. 17, 18, 59 (Textauszüge).

Zur Herkunft des im Ersten Weltkrieg außerhalb der sächsischen Soldatensprache noch wenig verbreiteten Wortes finden sich von Anfang an unterschiedliche Angaben. Wie für einen solchen Jargon-Ausdruck nicht ungewöhnlich, werden mannigfache volksetymologische Erklärungen angeboten. Die Erklärungen stimmen darin überein, dass Landser eine Verkürzung eines längeren Wortes sei.

Kluge hält einen Anschluss des Wortes an Lanz(t) in Lanzknecht für möglich. Stichwort: „Landsknecht“, S. 556. Duden online schließt das Wort an „Lanz“ an, eine Kurzform von „Lanzknecht“, dies wiederum eine frühneuhochdeutsche Schreibweise für Landsknecht unter Anlehnung an Lanze oder Lanze (Militärischer Verband).Duden online: Landser Schon das Handwörterbuch der deutschen Sprache von Daniel Sanders (1912) führt Lanzener, Lanzer als Lanzenbewaffneter.Daniel Sanders: Handwörterbuch der deutschen Sprache. 8., neubearb. u. verm. Aufl. von Ernst Wülfing. Leipzig/Wien 1912, S. 394. Die Leipziger Zeitung befasste sich mit der Verwendung des Wortes in der „Pennälersprache“ in Sachsen um 1900 und hielt es für eine Verkürzung von ‚Landsmann‘.Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, Nr. 28 vom 6. März 1900. Auch die sächsischen Soldaten sollen sich schon in den Einigungskriegen untereinander mit ‚Landser‘ angeredet haben, „ursprünglich wohl Landsknecht, dann aber wie Landsmann gebraucht“, weshalb sie (die Sachsen) von den Preußen ebenfalls so genannt wurden.Wissenschaftliche Beihefte zur Zeitschrift des Deutschen Sprachvereins, Ausgaben 31–47 (1909), S. 310. Der Hannoveraner Georg von Ompteda lernte das Wort im Ersten Weltkrieg bei den sächsischen Soldaten kennen und betont, Landser heiße „doch nichts anderes als Landsmann“.Georg Freiherr von Ompteda: Sachsen im Felde (Ostfront). Berlin 1916, S. 84 (Textauszug). Der Mannheimer Gustav Hochstetter nennt in seinem Soldatenwörterbuch Der Feldgraue Büchmann von 1916 ‚Landser‘ und ‚Landstrich‘ als gängige Benennungen für einen Feldgrauen (also einen deutschen Soldaten).Der Feldgraue Buechmann: geflügelte Kraftworte aus der Soldatensprache. 1916, S. 27: Feldgrauer = Landser, Landstrich.

Der Neue Brockhaus schreibt 1941 unter Landser schlicht „Soldatensprache: Soldat“.Der Neue Brockhaus. Dritter Band, Brockhaus, Leipzig 1941, S. 17. 1945 wurde das Wort „Landser“ in den Monatsheften für deutschen Unterricht der University of Wisconsin als das zu jener Zeit gebräuchliche für Soldaten eingestuft.Monatshefte Für Deutschen Unterricht, University of Wisconsin, 1945 (Textauszug). Nach dem Bertelsmann Volkslexikon von 1956 steht das Wort Landser für „Landsmann“ und „Soldat“.Bertelsmann Lexikon-Redaktion: Bertelsmann Volkslexikon. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1956, S. 1035.

Verwendung des Begriffs Landser in Medien Publizistische VerwendungEine Abfrage der digitalisierten Bilddatenbank mit derzeit 200.000 Bildern des Bundesarchivs mit dem Suchbegriff „Landser“ bringt trotz der zahlreichen Bilder von Propagandakompanien (PK), die oft mit Originalbildunterschriften überliefert sind, nur 12 Funde von „Landser“. Alle Bilder zeigen Wehrmachtssoldaten bei Freizeitaktivitäten.http://www.bild.bundesarchiv.de/ abgefragt am 29. September 2015Eine Abfrage der Buchtitel der Deutschen Bibliothek nach „Landser“ beginnend mit dem Jahr 1917 ergibt 647 Funde. Auffällig ist von Beginn an der hohe Anteil von humorvollen Büchern, etwa: Humor für den fidelen Landser (1918) oder Peter Purzelbaum: Landser und Muschkoten (1929). Nur 8 Buchtitel stammen aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus. Im Nationalsozialismus setzt die Buchproduktion mit dem Titelbestandteil Landser in der Bedeutung von Soldat erst 1940 ein. Hier sind ebenfalls humorvolle bzw. unterhaltende Titel vorherrschend. Beispiele: Peter Brömse: Nur für Landser: fröhliche Lieder (1940) oder das von Alfred Schröter herausgegebene Landser lachen: Neuer deutscher Soldatenhumor. Die besten heiteren Kriegserlebnisse aus der Rundfunk-Sendung „Soldaten-Kameraden“ oder von Korbinian Lechner mit Zeichnungen von Franz Bleyer: Armleuchter bis Zielscheibe: Ebenso nützliches wie vergnügliches, mit vielen passenden und manchen unpassenden Zitaten wohlausgerüstetes und beinah vollständiges Landser-Lexikon, beide aus dem Jahr 1940. 1940/41 war das Lied "Wovon kann der Landser denn schon träumen" sehr erfolgreich. 1944 erscheint in der 11. Auflage Landser lachen: Fronthumor dieses Krieges von Werner Lass und Hans-Adolf Weber. Zwischen 1940 und 1945 erschienen also 44 Landser-Titel, die heute die Deutsche Bibliothek verwahrt.https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=%22landser%22+&cqlMode=true&sortOrderIndex=jhr_asc aufgerufen am 30. September 2015 Der „Landserhumor“ hatte in der NS-Kriegspropaganda einen festen Stellenwert mit einer definierten Aufgabe. Eines der Stilelemente, das Schriften wie „Landser lachen“ nutzten, waren fingierte Feldpostbriefe in Dialekt, die den „einfachen Landser“ simulierten und so den Soldaten Muster für die Deutung ihrer Kriegserlebnisse bereitstellten.Martina Kessel: Gewalt schreiben. „Deutscher Humor“ in beiden Weltkriegen. In: Wolfgang Hardtwig: Ordnungen in der Krise: Zur politischen Kulturgeschichte Deutschlands 1900–1933. München 2007, S. 229–260, besonders S. 244. Die Reihe erschien in hoher Auflage.Ernst Fischer, Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Band 3: Drittes Reich, Teil 1. 2005 (online). Die restlichen über 500 Titel der Deutschen Bibliothek entstammen der Nachkriegsproduktion. Hier ist wiederum Landser lachen: Erlebtes und Erlauschtes zwischen Front und Etappe von Hans-Jürgen Linden von 1954 die frühste Verwendung des Wortes Landser in einem Buchtitel nach 1945, bis 1957 die Groschenheftreihe Der Landser startet, die inklusive Nebenreihen das Gros der restlichen Titel stellt. Klaus F. Geiger weist in seiner detaillierten Analyse der „Landser“-Heftreihe auf die Funktion und Übernahme des „Landserhumors“ als Motiv hin. Landserhumor ist neben komischen Szenen und Erotik eines der Grundelemente, die zu seinem Analyseraster gehören.Klaus F. Geiger: Kriegsromanhefte in der BRD. Inhalte und Funktionen. Tübingen 1974, S. 72–76.

1955 kam der Dokumentarfilm So war der deutsche Landser in die deutschen Kinos. Dieser Film war vor allem aus Filmmaterial von Wochenschauberichten zusammengeschnitten und mit einem neuen Text unterlegt. Als er der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) vorgestellt wurde, bekam er starke Kritik und Forderungen zu Änderungen. Die FSK kritisierte den Filmtext wegen „militaristischer, nationalistischer und nationalsozialistischer Tendenzen“. 380 Meter des einst 2880 Meter langen Filmes wurden vor der Veröffentlichung herausgeschnitten, ganze Textpassagen weggelassen oder verändert.So war die Wochenschau. In: Der Spiegel. 13/1955, S. 38f.

2019 erschien das Buch So war der deutsche Landser... - Das populäre Bild der Wehrmacht, welches sich in 18 Beiträgen verschiedener Historiker kritisch mit dem Blick der Deutschen bzw. der deutschen Medien auf die Wehrmacht und Waffen-SS nach dem Krieg befasste.Buch: So war der deutsche Landser bei Perlentaucher

Der Historiker Sönke Neitzel verwendete 2020 den Begriff Landser auch für Soldaten der Bundeswehr in seinem Buch Deutsche Krieger: Vom Kaiserreich zur Berliner Republik – eine Militärgeschichte.Sönke Neitzel: Deutsche Krieger: Vom Kaiserreich zur Berliner Republik – eine Militärgeschichte. Propyläen, Berlin 2020, ISBN 978-3-549-07647-7.

Siehe auch Doughboy: veraltete, umgangssprachliche Bezeichnung für einen US-Soldaten GI: gängige, umgangssprachliche Bezeichnung für einen US-Soldaten Poilu: in Frankreich, umgangssprachliche Bezeichnung für einen französischen Soldaten, während des Ersten Weltkrieges Tommy: umgangssprachliche Bezeichnung für einen britischen Soldaten

Literatur Georg Heydemarck: Der Landser: Sachsens Soldatenlieder. Leipzig 1915, . Georg Freiherr von Ompteda: Sachsen im Felde (Ostfront). Berlin 1916, S. 84ff: Vom Landser, . Heinz Küpper: Am A… der Welt. Landserdeutsch 1939–1945. Hamburg 1970.

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Einzelnachweise

Kategorie:Militärisches Brauchtum und Ritual Kategorie:Historische Personenbezeichnung (Militär) Kategorie:Deutschland im Zweiten Weltkrieg