mini|240px|Kirchengebäude

Die Kirche in Laukischken ist ein zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstandenes Bauwerk und war bis 1945 evangelisches Gotteshaus für das Kirchspiel des heute russisch Saranskoje genannten Dorfes. Das Gebäude dient heute kulturellen Zwecken.

Geographische Lage Saranskoje am Flüsschen Kamenka (früher deutsch: Mauergraben), das wenig später in die Deime (Deima) mündet, liegt südöstlich der Stadt Polessk (Labiau) an der russischen Fernstraße A 190 (ehemalige deutsche Reichsstraße 126) im Einmündungsbereich der aus Richtung Prawdinsk (Friedland) und Snamensk (Wehlau) kommenden Fernstraße R 514. Die nächste Bahnstation ist Scholochowo (Schelecken, 1938–1946 Schlicken) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit). Das Kirchengebäude steht im Südosten der Gemeinde Saranskoje südlich des Landweges nach Petino (Bartuszen, 1936–1938 Bartuschen, 1938–1946 Bartelshöfen).

Kirchengebäude Im Jahre 1607 ersetzte ein stabiles Gebäude eine bis dahin aus vorreformatorischer Zeit stammende hölzerne Kapelle in Laukischken. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde ein völliger KirchenneubauWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 60, Abb. 197. fällig, der in den Jahren 1809 bis 1812 erfolgte und eine mit neugotischen Stilelementen versehene Kirche mit Glockenturm an der Westseite erstehen ließ.Bild der Kirche aus der Zeit vor 1914. Aus der Vorgängerkirche wurde eine Taufschale von 1668 aus Messing übernommen, ebenso ein Stollenstuhl aus dem 17. Jahrhundert. Kanzel und Altar der Kirche waren zu einem Kanzelaltar vereinigt.

Im Kriegsjahr 1914 wurde die Kirche stark beschädigt und in den Jahren 1920 bis 1924 wieder hergerichtet.Laukischen bei genealogy.net. Anstelle des zerstörten Glockenturms wurde 1920 ein kleiner Aufsatz aus Holz auf dem westlichen Dachgiebel aufgebracht.

Durch den Zweiten Weltkrieg kam die Kirche unversehrtDas Dorf Laukischken bei ostpreussen.net. und war bis 1996 relativ gut erhalten.. Sie wird als Kulturhaus und Diskothek genutzt.Bilder der Kirche aus dem Jahre 2004. Anlässlich einer Dachreparatur beseitigte man das Turmhäuschen und vermauerte die meisten Fenster.Кирха Лаукишкена Kirche Laukischken bei prussia39.ru (mit Bildern aus dem Jahre 2012).

Kirchengemeinde Eine erste Kirche dürfte auf dem damals prußischen Friedhof im 1258 gegründeten Laukischken gebaut worden sein, der 1318 urkundliche Erwähnung findet. Von der prußischen Zeit zeugte vor 1945 ein Weihwasserstein im Pfarrgarten. Im 14. Jahrhundert bereits wurde Laukischken als Kirchdorf genannt, und zu Beginn des 16. Jahrhunderts amtieren die ersten lutherischen Geistlichen hier. Bis 1945 gehörte Laukischken mit seinem weitflächigen Kirchspiel zum Kirchenkreis LabiauWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 464. in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Bei einer Volkszählung im Jahr 1925 waren in Laukischken und Umgebung 6600 evangelische Gemeindeglieder registriert, die von einem Ortspfarrer sowie einem Hilfsprediger betreut wurden.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung und eine restriktive Religionspolitik der Sowjetunion kam das kirchliche Leben in dem seit 1946 „Saranskoje“ genannten Dorf zum Erliegen. Heute liegt das Dorf im Einzugsbereich einer in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Lomonossowka (Permauern, 1938–1946 Mauern), einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad (russisch/deutsch) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Während das Kirchengebäude heute noch steht, wurde das Pfarrhaus im Jahre 1993 abgerissen.

Kirchspielorte Das Kirchspiel der Kirche Laukischken umfasste vor 1945 außer dem Pfarrort noch 58 Orte, Ortschaften und WohnplätzeWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 (wie oben), Seite 464 bis 465 (* = Schulorte): Name Namensänderung1938 bis 1946 RussischerName Name Namensänderung1938 bis 1946 Russischer Name (Adlig) Rathswalde Isobilnoje Krakau Krasny Bor*Alt Gertlauken Nowaja Derewnja Leischkidde Kleineichenberg Alt Kirschnabeck Kirschbeck Nowodworki Leiszen,ab 1936: Leischen Hirschdorf Nowodworki Balance Preußenberg Lenkhügel Bartuszen,ab 1936: Bartuschen Bartelshöfen Petino *Lucknojen Neuenrode Sapowedniki Dedawe Deimehöh Isobilnoje Medlauken Dwielen Meißnershof Fewralskoje Meyerhof Lomonossowka Eichenberg Kr. Labiau Müllershorst Krasny Bor Friedrichsbruch Neu Gertlauken Geroiskoje, jetzt: Nowaja Derewnja Geidlauken Heiligenhain Berjosowka Neu Holland Gertlauken Nowaja Derewnja Neu Kirschnabeck Kleinhirschdorf Jelnikowo Groß Kirschnakeim Kirschkeim Fewralskoje Paddeim Groß Mühlwalde Papsten Groß Rudlauken Rotenfeld Petino Perdollen Petino Groß Schmerberg Peremtienen Krasny Bor Groß Steindorf ab 1940: Steindorf Marksowo *Permauern Mauern Lomonossowka Groß Wannegen Peschlitz *Heidenberg Petruschkehmen Kleinburgsdorf Berjosowka Jorksdorf Pfeil (Ob.-Först.) Juwendt, Forst Möwenort, Forst Rasino Powangen Saranskoje *Kallweninken Schanzkrug Malyschewo Sandberg *Kelladden Waldwinkel Iljitschowo Schelecken Schlicken Scholochowo Klein Fließ Isobilnoje Schönbruch Klein Kirschnakeim Kleinschanzkrug Fewralskoje Schweizutt Wildhügel Klein Mühlwalde Skrusdienen Steinrode Marksowo Klein Rudlauken Steingrenz Marksowo Klein Schmerberg Szerszantinnen,ab 1936: Scherschantinnen Kleinwaldwinkel Klein Steindorf ab 1940: Steindorf Krasny Bor Tuttenberg Klein Wannegen Waldienen

Pfarrer Von der Reformation bis 1945 amtierten als evangelische Pfarrer, ab 1863 verstärkt um Hilfsprediger, in LaukischkenFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 83: Augustin Jamund, bis 1563 Daniel Gallus (Hahn), 1590 Alexander Hartwich, bis 1641 Johann Partatius, 1641–1646, der erste Ehemann von Ännchen von Tharau Christoph Grube, 1646–1652, Ännchen von Tharaus zweiter Ehemann Johann Melchior Beilstein, 1653–1676, Ännchen von Tharaus dritter Ehemann Johann Rebentisch, 1676–1691 Johann Albrecht Beilstein, 1691–1710, Ännchen von Tharaus jüngster Sohn Georg Friedrich Zimmermann, 1711–1713 Gotthelf Schultz, 1713–1742 Daniel Stoppelberg, 1742–1776 Christian Ernst Jahnke, 1776–1800 Friedrich Wilhelm Mielke, 1799–1800 Karl Friedrich Samuel Bulbeck, 1800–1827 Ernst Wilhelm Gottl. Huwe, 1828–1840 Karl Wilhelm Otto Glogau, 1840–1847 Johann Friedrich Brenke, 1847–1878Friedrich Brenke († 1886) war Angehöriger des Corps Littuania. August Adolf Ansat, 1863–1864 Johann Emil Richard Schneller, 1864–1866 Anton Gustav Laudien, 1866–1867 Johann Ferdinand Kuehn, 1867–1905 Karl Heinrich Bernhard Moeller, 1872–1875 Karl Louis Paul Gauer, 1887–1890 K. Ed. Albert Salewski, 1890–1891 Viktor Bruno Paul Stadie, 1891–1893 Walter Wilhelm G. Eichhorst, 1894–1899 Konrad Oloff, 1899–1900 Richard Echternach, 1900–1901 Fritz Moser, 1901 Friedrich Otto Bierfreund, 1901–1902 Hermann Cölestin Georg Ebel, 1906–1926 Franz Ruhnke, ab 1907 Paul Korzitzki, 1912–1917 Erich Krüger, 1927–1928 Alfred Müller, ab 1928 Hermann Leuschner, bis 1945

Kirchenbücher Folgende Kirchenbücher der Pfarrei Laukischken haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig verwahrt: Taufen: 1823 bis 1830 Trauungen: 1823 bis 1830 Begräbnisse: 1823 bis 1830.

„Ännchen von Tharau“ als Pfarrfrau in Laukischken Die mit dem Lied Ännchen von Tharau besungene Pfarrerstochter Anna Neander aus Tharau (heute russisch: Wladimirowo) lebte von 1641 bis 1676 als Pfarrfrau in Laukischken. Ihr erster Mann, der Pfarrer Johann Partatius, den sie 1636 geheiratet hatte, verstarb schon 1646. Sie heiratete daraufhin den Amtsnachfolger Christoph Grube, der bereits 1652 verstarb. Nun ehelichte sie dessen Amtsnachfolger Johann Melchior Beilstein und lebte im Pfarrhaus bis zu dessen Tod im Jahre 1676. Sie zog dann nach Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk), wo ihr ältester Sohn Pfarrer an der Lutherkirche war. In das Laukischkener Pfarrhaus zog 1691 die Familie ihres jüngsten Sohnes Johann Albrecht Beilstein und blieb dort bis 1710.

Literatur Laukischken, Dorf und Rittergut, Kreis Labiau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Laukischken (meyersgaz.org). Adlig Paddeim, Rittergut, Kreis Labiau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Adlig Padeim (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Samlandes. Königsberg 1898, S. 69 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 156 (Google Books). Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, Kapitel I. Samland, S. 54–55 (Google Books). Ludwig Fedemir Rhesa: Kurzgefasste Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in Ostpreußen angestellten Predigern, Königsberg 1834, S. 104 (Google Books).

Fußnoten

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