Franz Hofer (eigentlich Franz Wygand Wüstenhöfer, * 31. August 1882 in Saarbrücken; † 5. Mai 1945 in Berlin) war ein deutscher Filmregisseur.

Leben Er war der zweite Sohn des Eisenbahn-Betriebsinspektors Carl Wüstenhöfer und seiner Ehefrau Maria, geborene Müller. Wie viele andere Regisseure kam auch Hofer über das Theater zum Film. Er arbeitete von 1909 bis 1911 als Autor am Central-Theater in Berlin, wo er sich auch als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur betätigte. 1910 heiratete er die Schauspielerin Paula Klär, die später in mehreren seiner Filme mitwirkte.Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Schöneberg I, Nr. 994/1910

Von 1910 an schrieb er Drehbücher und 1913 verwirklichte er seinen ersten Film – Des Alters erste Spuren – als Regisseur für die Luna Film. Hofer erwies sich bei der Art der verfilmten Stoffe als sehr flexibel, er filmte Detektivfilme, Dramen und Komödien. Bemerkenswert ist die Rolle der Frau in seinen Filmen. Sie hinterlassen in Filmen wie Die schwarze Kugel einen sehr emanzipierten Eindruck. Für Hofer spielten Leute wie der spätere Regisseur Ernst Lubitsch, der später bekannte Schauspieler Hans Albers sowie die früh verstorbene Dorrit Weixler. Mit seinen Filmen Deutsche Helden und Weihnachtsglocken 1914 gehörte er zu den Ersten, die den Ersten Weltkrieg thematisierten. Hofer drehte in der Folge für verschiedene Produktionsgesellschaften Filme, bis er sich 1920 selbständig machte.

Er konnte aber mit seinen Filmen nicht mehr an die Erfolge früherer Tage anknüpfen. Der Misserfolg seiner eigenen Produktionen machte es für ihn nötig, ab 1927 wieder für andere Gesellschaften als Regisseur tätig zu werden. Alle seine seitdem gedrehten Filme waren weder beim Publikum noch bei Kritikern erfolgreich. Sein letzter Film war Drei Kaiserjäger aus dem Jahr 1933.

Obwohl er zum 1. Mai 1932 der NSDAP beitrat (Mitgliedsnummer 1.105.143)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/49831148 und sich dann am 4. April 1933 der NS-Betriebszellen-Organisation deutschstämmiger Filmregisseure anschloss, erhielt er auch in der Zeit des Nationalsozialismus keine Filmaufträge mehr.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 258. Er wandte sich nun wieder dem Theater zu und schrieb mehrere Bühnenstücke, von denen die meisten von den Theateragenturen und Verlagen abgelehnt wurden. Zur Aufführung gelangten das Drama Schill (1932, Berlin), das Schauspiel Der Sprung ins Feuer (1938, Meiningen) und das Lustspiel Braut auf Abruf (1944, Stadttheater Görlitz).

Von seinen letzten Lebensjahren ist nicht viel bekannt. Zeitweise fungierte er als Kreiskulturhauptstellenleiter in Berlin-Schöneberg. Franz Hofer starb in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs im Franziskus-Krankenhaus in Berlin.Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Tiergarten von Berlin, Nr. 1145/1946 (kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com)

Hofer war einer der ganz frühen deutschen Autorenfilmer. Nur 15 seiner 84 Filme haben „überlebt“ (Stand: 1999). Bemerkenswert ist, dass Hofer von der Filmgeschichte offensichtlich „vergessen“ wurde. In vielen Filmlexika findet sich, soweit er überhaupt erwähnt ist, nur der Hinweis auf den Film Fräulein Piccolo 1915, das wohl auch nur aufgrund der Tatsache, dass Ernst Lubitsch in diesem Film eine Rolle spielt. Erst 1990 wurde Hofer und seine Filme beim 9. Internationalen Stummfilmfestival in Pordenone wiederentdeckt.

Seine frühen Filme zeigen ein vielfältiges Bild des deutschen Kinos im Kaiserreich. Die Zeit des deutschen Films steht vor 1919 noch immer im Schatten der „klassischen“ Zeit ab Das Cabinet des Dr. Caligari.

1999 würdigte ihn seine Geburtsstadt Saarbrücken im Rahmen ihrer 1000-Jahr-Feier mit einer Retrospektive seiner erhaltenen Filme.

Filmografie (Auswahl) 1913: Wer ist der Täter? 1913: Das rosa Pantöffelchen 1913: Hurrah! Einquartierung! 1913: Die schwarze Natter 1913: Die schwarze Kugel 1914: Das Liebesbarometer 1914: Sein Störenfried 1914: Ein seltsames Gemälde 1914: Der unsichtbare Zeuge 1914: Fräulein Piccolo 1914: Deutsche Helden 1914: Weihnachtsglocken 1914 1915: Fräulein Hochgemuth 1915: Das Geheimnis einer Nacht 1915: Kammermusik 1915: Ein verliebter Racker 1915: Papa Schlaumeyer 1915: Der Eremit 1915: Jahreszeiten des Lebens 1916: Wir haben’s geschafft 1916: Heidenröschen 1916: Das Riesenbaby 1916: Der gepumpte Papa 1916: Tote Gedanken 1917: Der Theaterprinz 1917: Die Nottrauung 1917: Seltsame Menschen 1917: Das zweite Ich 1917: Die Glocke 1917: Fräulein Pfiffikus 1917: Das Luxusbad 1918: Das Patschuli-Mäuschen 1918: Der Bettler von Savern 1927: Vom Leben getötet 1928: Notschrei hinter Gittern 1929: Madame Lu, die Frau für diskrete Beratung 1933: Drei Kaiserjäger

Franz-Hofer-Preis Zu seinen Ehren vergab das Filmhaus Saarbrücken von 2002 bis 2013 jährlich den Franz-Hofer-Preis für eine hervorragende Leistung im deutschen und internationalen Film. Die Preisträger sind

2002: Rolf Teigler für seinen Dokumentarfilm Outlaws 2003: Lars von Trier für Dogville 2004: Steffen Hillebrand und Oliver Paulus für Wenn der Richtige kommt 2005: Thomas Grube und Enrique Sánchez Lanch für Rhythm is it! 2006: Christian Moris Müller für Vier Fenster 2007: Hinnerk Schönemann 2008: Franziska Weisz 2009: Hanno Koffler 2010: Anna Fischer 2011: Ludwig Trepte 2012: Mark Waschke 2013: Robert Gwisdek

Literatur Elena Dagrada: Franz Hofer. Voyeur der Kaiserzeit. In: Thomas Elsaesser, Michael Wedel (Hrsg.): Kino der Kaiserzeit. Zwischen Tradition und Moderne. Edition Text + Kritik, München 2002, ISBN 3-88377-695-5, S. 253–264. Jerzy Maśnicki, Kamil Stepan: Franz Hofer – Regisseur, Autor, Produzent. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 33, 2000. Yuri Tsivian: Stilisten der 10er Jahre. Franz Hofer und Jewgenij Bauer. In: Thomas Elsaesser, Michael Wedel (Hrsg.): Kino der Kaiserzeit. Zwischen Tradition und Moderne. Edition Text + Kritik, München 2002, ISBN 3-88377-695-5, S. 379–400. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 4: H – L. Botho Höfer – Richard Lester. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 6 ff.

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Einzelnachweise

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