mini|Wappen der Zenger, ca. 1450, Scheiblersches Wappenbuch Die Zenger (auch: Szenger, Czenger, Tschenger, Tzenger) waren ein weitverzweigtes bayerisches Adelsgeschlecht des 12. bis 17. Jahrhunderts mit ausgedehnten Besitzungen in der Oberpfalz und in Niederbayern.

Stammsitz der Zenger Über den Stammsitz der Zenger gibt es unterschiedliche Meinungen. Nimmt man für Burg Zangenstein an, dass die im 14. Jahrhundert durch Otto Zenger erbaute Burg Zangenstein eine Vorläuferburg hatte für die Otto von Zangenstein 1099 erwähnt wurde, kommt diese als ursprünglicher Stammsitz in Betracht.

Die Veste Nabburg bestand schon im 11. Jahrhundert. Sie kommt als ein Stammsitz der Zenger in Frage.Johann Ferdinand Huschberg, Das adelige Geschlecht der Zenger, hg. v. F. Hüttner, in: VHVNdb 37, 1901, S. 4

Eine andere Meinung nimmt Schloss Fronhof, das bereits im ältesten, gegen Ende des 14. Jahrhunderts verfassten, leuchtenbergischen Lehenbuch erwähnt wurde, als Stammsitz der Zenger an. Auf Fronhof saßen 1308 Heinrich V. (93) Zenger, 1356, 1360 und 1363 Friedrich (97) Zenger, 1359 und 1396 Jordan IV. (104) Zenger, 1377 und 1378 Andre Zenger und 1383 und 1388 Allt Zenger.Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 162

Wappen Charakteristisch für die Wappen der Zenger ist eine Schmiedzange. Der Wappenschild ist zweigeteilt. Im oberen Feld die Zange, das untere Feld golden. Der Schild ist geschmückt mit einem oder zwei gekrönten Helmen, Adlerflügeln mit Zange und teilweise mit einem Rüden mit vorgeschlagener Zunge. Die Schmiedzange taucht teilweise auch in den Wappen der ehemaligen Besitzungen und Burgen der Zenger auf.Johann Ferdinand Huschberg, Das adelige Geschlecht der Zenger, hg. v. F. Hüttner, in: VHVNdb 37, 1901, S. 10 Das Wappen der Zenger befindet sich auch am Isartor in München. Am Isartor wurden alle Wappen der Ritter angebracht, die auf Seiten Ludwigs des Bayern bei der Schlacht bei Ampfing im Jahr 1322 kämpften.Christoph M. Zenger: Die Zenger von Nappurg und Trausnitz, Eigenverlag, 1985

Geschichte Die Geschichte der Familie Zenger ist eng verflochten mit der Geschichte vieler Ortschaften der Oberpfalz vom 12. bis ins 16. Jahrhundert. Ausgehend von Conrad I. (1) um 1271 blühte die Familie rasch auf und hatte im 14. Jahrhundert über 80 Familienangehörige, im 15. Jahrhundert noch an die 70 Familienangehörige, nahm dann im 16. Jahrhundert ziemlich schnell ab und erlosch Anfang des 17. Jahrhunderts. Viele Angehörige des Geschlechtes der Zenger zeichneten sich aus durch große Tatkraft, Mut, Risikobereitschaft und das ständige energische Bestreben, ihren Besitz zu vergrößern. Einige Zenger nahmen erfolgreich an Schlachten teil und wurden dafür von den Herrschern ausgezeichnet.

Einige Zenger wurden Burgmannen: Otto I. (3), Heinrich I. (6) Ritter: Marquart (12), Wolfhart III. zu Nabburg (16), Friedrich zu Trausnitz, Beilstein und Siegenstein (25), Wolfhart V. (27), Hartlieb zu Nabburg (57), Jordan II. zu Rottenstatt (89), Otto V. (118), Heinrich zu Schwarzenek (119), Hans der goldne Ritter zu Ekmühl, Thannstein und Lichtenwald (139), Heinrich zu Schwarzenek und Regenstauf (125), Hans zu Schwarzenek und Zangenstein (132), Parzival zum Lichtenwald und Adelmannstein (170), Wolfgang zum Lichtenwald (169), Urban, Ritter zu Lichtenwald und Adelmannstein (177).

Viele Zenger erwarben hohe Ämter und wurden Pfleger: Wolfhart I. (4), Ortlieb II. (8), Berthold (17), Wilhelm I. zu Steinberg und zum Haken (18), Wolfhart VI. zu Trausnitz und Zangenfels (30), Hans zum Schwarzenberg und zu Hegling (41), Christoph zum Schwarzenberg (42), Sigmund (52), Parzival zu Schwarzenek (109), Erhard I. zum Lichtenwald und zu Altenthann (144), Jobst II. zum Thannstein (146), Georg zum Thannstein (147), Jobst III. zum Thannstein (151), Georg zum Schneeberg und zum Thannstein (162), Wolfgang zum Lichtenwald (169), Michael zum Lichtenwald (174), Parzival zum Lichtenwald und Adelmannstein (191) Dienstmann: Rüger (15) Richter: Heinrich II. (13), Ulrich (9), Friedrich zu Trausnitz, Beilstein und Siegenstein (25), Heinrich III. zu Veldorf (58), Parzival zu Schwarzenek (109), Heinrich VIII. (105) zu der Rotenstatt und zu Forchtenberg, Georg zum Schneeberg und zum Thannstein (162), Hans (175), Urban, Ritter zu Lichtenwald und Adelmannstein (177), Otto zum Thannstein (156) Hofrat: Tristram (53), Georg zu Regenstauf (131), Erhard I. zum Lichtenwald und zu Altenthann (144), Parzival zum Lichtenwald und Adelmannstein (191), Sebastian (189) Burggraf: Otto II. zu Niedermurach (72) Vizedom: Heinrich V. zu Fronhof und zu Schwarzeneck (93), Hans zum Thannstein und Trüftelfing (164), Wiguleus zu Lichtenwald und Adelmannstein (179) Hofmarschall: Berthold (17), Urban, Ritter zu Lichtenwald und Adelmannstein (177) Hofmeister: Otto VI. zu Kefring (138).

Stets schienen Angehörige der Zenger zur Stelle, wenn Adlige des 12. und 13. Jahrhunderts auf Grund ihrer Schulden ihren Besitz verkaufen oder als Pfand geben mussten. Auf diese Weise vergrößerten sie rasch ihren Besitz und ihren Einflussbereich auf ausgedehnte Ländereien und viele Burgen in der Oberpfalz und auf angrenzende Gebiete in Nieder- und Oberbayern und in Franken. Um die durch ständige Zukäufe von Burgen und Ländereien entstehenden Schulden zu decken und aus Lust am Kampf und an der Wegelagerei, betätigten sich einige Zenger (Wolfhart VI. zu Trausnitz und Zangenfels (30), Parzival zu Schwarzenek (109), Hans der goldne Ritter zu Ekmühl, Thannstein und Lichtenwald (139)) als Raubritter, ohne den daraus folgenden Konflikt mit den Herrschern zu scheuen.

Einige Zenger wählten den geistlichen Stand und wurden Pfarrer: Wolfhart IV. (24), Hans (100) Domherren: Erhard (28), Wolf (49), Erhard III. (171), Heimeran zu Hettenbach (179), Hans zum Thannstein (154), Rupprecht (194), Wiguleus zu Lichtenwald und Adelmannstein (179), Georg (184) Nonnen: Anna (45), Elisabeth (121), Margarethe (o) Stiftsdamen: Beatrix (29), Barbara (116), Barbara (152) Äbtissinnen: Beatrix (178), Benigna (180) Priorinnen: Margareth (56).

Besonders im 16. Jahrhundert nahm die Zuwendung der männlichen Zenger zum geistlichen Stand zu, was das Aussterben des Geschlechtes beschleunigte. Durch Heirat waren die Zenger mit vielen anderen bedeutenden Adelsgeschlechtern verwandt.Johann Ferdinand Huschberg, Das adelige Geschlecht der Zenger, hg. v. F. Hüttner, in: VHVNdb 37, 1901, S. 1–88

Stammbaum der Zenger Der hier aufgezeichnete Stammbaum der Familie Zenger und die im Artikel benutzten Nummerierungen in Klammern richten sich nach dem Stammbaum in Johann Ferdinand Huschberg: Das adelige Geschlecht der Zenger. Herausgegeben von Franz Hüttner. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern (VHVNdb), Jg. 37 (1901), S. 1–88. Die von Huschberg nicht nummerierten Zenger sind mit Kleinbuchstaben in Klammern gekennzeichnet.Johann Ferdinand Huschberg, Das adelige Geschlecht der Zenger, hg. v. F. Hüttner, in: VHVNdb 37, 1901, Tabelle I bis VII

Früheste Erwähnungen der Zenger (948 bis 1238) Die folgenden frühesten Erwähnungen der Zenger sind nicht gesichert. 948 wurde eine Frau Wolfhild Zenger (a) erwähnt, die ihren Ehemann Jacob von Sandizell auf das Turnier zu Costnitz oder Constanz begleitete. Von einem Otto von Zangenstein (b) wurde 1099 berichtet, dass er eine ewige Lampe in der Kirche zu Kätzelsdorf gestiftet habe. Nach schriftlichen Zeugnissen wurde die Burg Zangenstein aber erst im 14. Jahrhundert gegründet. Haimeran (c) und Wolfgang Zenger (d) wurden für 1230 erwähnt und Conrad (v) und Otto (w) Zenger für 1238.Johann Ferdinand Huschberg, Das adelige Geschlecht der Zenger, hg. v. F. Hüttner, in: VHVNdb 37, 1901, S. 5

Ursprung der Zenger Conrad I. gilt als der Stammvater des Geschlechts der Zenger. Er ist der erste Zenger, der urkundlich zuverlässig bezeugt ist. Die Söhne Conrads I. Ortlieb I., Wolfhart I. und Heinrich I. begründeten je eine Linie. Die Linie Ortliebs starb im 14. Jahrhundert aus, die Linie Wolfharts im 16. Jahrhundert und die Linie Heinrichs im 17. Jahrhundert.Johann Ferdinand Huschberg, F. Hüttner: Das adelige Geschlecht der Zenger. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Band 37, 1901, S. 6

Linie Ortlieb I. Zenger Ortlieb I. begründete im Geschlecht der Zenger eine Linie, die im 14. Jahrhundert ausstarb.Johann Ferdinand Huschberg, F. Hüttner: Das adelige Geschlecht der Zenger. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Band 37, 1901, S. 6

Linie Wolfhart I. Zenger Wolfhart I. begründete im Geschlecht der Zenger eine Linie, die im 16. Jahrhundert ausstarb.Johann Ferdinand Huschberg, F. Hüttner: Das adelige Geschlecht der Zenger. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Band 37, 1901, S. 8

Heinrich II. Zenger und seine Nachkommen Heinrich II. (13) zu Altendorf war 1320 Richter zu Amberg und 1333 Pfleger zu Velburg. Seine Kinder waren: Hans (14) lebte um 1322. Er war verheiratet mit Anna von Fronhofen. Rüger (15) wurde 1338 und 1356 schriftlich erwähnt. Er war Dienstmann der Stadt Regensburg. Wolfhart III. zu Nabburg (16) (siehe nächstes Kapitel)

Erste Generation (14), (16) und ihre Kinder (1322 bis 1383) Hans (14) lebte um 1322. Er war verheiratet mit Anna von Fronhofen. Seine Kinder waren: Berthold (17) war 1371 Pfleger zu Möring und 1379 Hofmarschall zu Ingolstadt. Er starb vor 1383. Seine Ehefrau war Anna von Haibek.

Wolfhart III. zu Nabburg (16) wurde 1347, 1348, 1350 und 1352 schriftlich erwähnt. Er war Ritter und unter Ludwig IV. ein kaiserlich-markbrandenburgischer Küchenmeister. Seine erste Frau war Margaretha von Ramsberg, 1320 schriftlich erwähnt. Seine zweite Frau war Anna von Ramsberg, 1340 schriftlich erwähnt. Seine Kinder waren: Engelhard zu Nabburg (23) wurde 1350, 1355 und 1388 schriftlich erwähnt. Seine Ehefrau war Petrissa Auer von Premberg. Margarethe (f) wurde 1360 und 1374 schriftlich erwähnt. Sie war mit Albrecht von Nothaft verheiratet. Wolfhart IV. (24) war 1351 und 1355 Pfarrer zu Nabburg. Conrad (22) lebte um 1355. Friedrich zu Trausnitz, Beilstein und Siegenstein (25) war Ritter, 1371 Richter zu Kötzting, 1372 Pfleger zu Beilstein. Er starb 1393. Seine Ehefrau war eine von Kemnath.

Zweite Generation (17), (23), (25) und ihre Kinder (1350 bis 1470) Berthold (17) war 1371 Pfleger zu Möring und 1379 Hofmarschall zu Ingolstadt. Er starb vor 1383. Seine Ehefrau war Anna von Haibek. Seine Kinder waren: Wilhelm I. zu Steinberg und zum Haken (18) wurde 1388 schriftlich erwähnt. 1410 war er Pfleger zu Cham. Er war verheiratet mit Margareth von Hornbek. Caspar zu Hollenbrunn (19) lebte um 1427. Eine Tochter (g) war 1390 verheiratet mit Ritter Georg von Hornbek.

Engelhard zu Nabburg (23) wurde 1350, 1355 und 1388 schriftlich erwähnt. Seine Ehefrau war Petrissa Auer von Premberg. Seine Kinder waren: Leo (26) lebte um 1393. Wolfhart V. (27) zu dem Gänsberg war Ritter und wurde 1365, 1389, 1390 und 1393 schriftlich erwähnt. Beatrix (29) war Stiftsdame zu Obermünster. Erhard (28) war 1371 Domherr zu Regensburg.

Friedrich zu Trausnitz, Beilstein und Siegenstein (25) war Ritter, 1371 Richter zu Kötzting, 1372 Pfleger zu Beilstein. Er starb 1393. Seine Ehefrau war eine von Kemnath. Seine Kinder waren: Wolfhart VI. zu Trausnitz und Zangenfels (30) wurde 1376, 1392, 1395, 1411 schriftlich erwähnt. 1395 war er Pfleger zu Schwarzenburg. Er starb vor 1411. Seine erste Frau war Agnes von Froemelsberg. Sie starb vor 1380. Seine zweite Frau war Dorothea Hofer zum Lobenstein. Fritz (34) Hans zu Mantel, Murach, Trausnitz, Zangenfels (31) wurde für die Jahre 1389 bis 1393, 1402, 1416 schriftlich bezeugt. Er war 1402 und 1416 Pfleger zu Nabburg und wurde im Kloster Schönthal begraben. Andreas zum Siegenstein (32) starb 1390. Elisabeth (35) war mit Jacob von Muggenthal verheiratet. Paul zum Neuhaus (33) wurde 1446 und 1470 schriftlich erwähnt. Er war 1470 Pfleger zum Hilpoltstein.