Castle Hill bezeichnet ursprünglich ein umfassendes Gebiet mit drei Drumlins auf dem Gebiet der Stadt Ipswich im äußersten Nordosten des Bundesstaats Massachusetts der Vereinigten Staaten. Der Name steht heute jedoch hauptsächlich für das auf der Spitze einer der Erhebungen errichtete Landhaus von Richard T. Crane, Jr. und seiner Familie. Castle Hill ist Teil der Richard T. Crane, Jr. Memorial Reservation, die sich gemeinsam mit dem angrenzenden Schutzgebiet Cornelius and Mine S. Crane Wildlife Refuge auf insgesamt erstreckt und wurde als National Historic Landmark in das National Register of Historic Places eingetragen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwarb Richard T. Crane das Grundstück und gestaltete es mit Unterstützung namhafter zeitgenössischer Architekten fast völlig neu. Das erste Gebäude auf der Kuppe des Hügels wurde 1909 errichtet, jedoch bereits 1925 wieder abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der heute eine weithin bekannte Landmarke in Essex und Ipswich ist.Magnarelli, Pitts, S. 19 ff.

Geschichte mini|Diese Karte zeigt die Ausdehnung der Farm im Jahr 1846. Die Gegend um Ipswich war den Indianern als bekannt, was übersetzt etwa bedeutet, und war reich an Fischen, Holz, Agrarflächen und weiteren natürlichen Rohstoffen. Englische Siedler erwarben die ersten Landrechte im Jahr 1623, doch begann die Besiedlung erst mit John Winthrop den Jüngeren, der sich 1633 mit zwölf Getreuen am Nordufer des Ipswich River niederließ. Die förmliche Stadtgründung von Ipswich erfolgte im August 1634; im November des Jahres wurde bei einem town meeting das Gelände des Castle Hill zunächst „für immer“ als Allmende bestimmt: . Nur drei Jahre später wurde dieser Beschluss jedoch widerrufen: Nachdem Winthrop damit gedroht hatte, der Stadt den Rücken zu kehren, wurde ihm Castle Hill als persönlicher Besitz überschrieben, aber unter der Auflage, dass er seinen Wohnsitz in Ipswich beibehalten müsse.Thomas F. Waters: The Development of Our Town Government and Common Lands and Commonage. Salem Press, Salem, Mass. 1900. S. 6. (= Publications of the Ipswich Historical Society VII)

1759 kaufte John Patch III. das Gebiet und begann dort mit dem Betrieb einer Salzwasser-Farm. Er vererbte das Grundstück seinen beiden Töchtern Elizabeth Choate und Mary Lakeman: Die Castle Hill Farm erhielt Elizabeth, während der Castle Neck auf Mary übertragen wurde. Der heutige Castle Hill lag auf dem Gebiet der Farm. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Farm im Eigentum der Familie Brown von einem landwirtschaftlichen Produktivbetrieb in eine sog. Gentleman’s Farm und zum Sommersitz der Familie. Von 1886 bis 1888 war der Landschaftsarchitekt Ernest Bowditch damit beauftragt, auf dem Gelände Straßen und Wege so anzulegen, dass diese die Schönheit der Landschaft zeigten. Landwirtschaftliche Zwecke spielten keine Rolle mehr.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwarb Richard T. Crane das Grundstück und begann mit der landschaftlichen Umgestaltung, für die er namhafte Landschaftsarchitekten beauftragte. Die Olmsted Brothers arbeiteten gemeinsam mit dem in der direkten Nachbarschaft wohnenden Arthur Shurcliff am Barockgarten und an den Erholungsflächen in der Umgebung des Haupthauses, Harriett Foote beaufsichtigte die Bepflanzung des Rosengartens. Das Architekturbüro Shepley, Rutan & Coolidge, sowie die Architekten Edward Burnett und David Adler entwarfen neue und renovierten ältere Gebäude.

Das erste Gebäude an der Spitze des Hügels wurde 1909 von Shepley, Rutan & Coolidge im Italianate-Stil errichtet und verfügte über mehr als 60 Räume. Es wurde jedoch 1925 abgerissen und von David Adler durch einen Neubau mit 59 Zimmern im Stil der English Renaissance ersetzt. Dieses dreistöckige Gebäude ist heute eine weithin bekannte Landmarke in Essex und Ipswich.

Die Anlage wurde am 2. Dezember 1977 in das National Register of Historic Places und am 6. August 1998 als National Historic Landmark eingetragen.

Bestandteile des Anwesens mini|Der 2011 neu gestaltete Gartenbereich hinunter zum Ozean.

Hauptgebäude Das Hauptgebäude wurde 1925 nach den Entwürfen von David Adler errichtet. Es ersetzte einen Vorgängerbau, auf dessen Grundmauern es steht. Für den Neubau wählten die Cranes einen der Zeit entsprechenden englischen Stil mit Einflüssen der Renaissance aus dem 17. Jahrhundert. Konkret orientierte sich Adler am Belton House in Lincolnshire (1684), dem Eagle House in Surrey (1705) sowie dem Ham House in Richmond (1610).

Das dreistöckige Haus verfügt über ein Stahlgerüst mit tragenden Ziegelsteinen im Flämischen Verband sowie dekorativen Elementen aus Sandstein. Die Eingangsseite besteht aus insgesamt 13 symmetrisch angeordneten Erkern und wird durch einen Angestelltenflügel im Nordwesten ergänzt. Das aus Schiefer bestehende Walmdach oberhalb des Giebels wird durch eine Balustrade begrenzt und von einer Kuppel dominiert, die mit Stützpfeilern und Bogenfenstern verziert ist. Der Haupteingang wird durch ein ausladendes Vordach im Queen Anne Style geschützt. Zwischen den Flügeln des Gebäudes erstreckt sich eine breite Steinterrasse. Das Haus verfügt über zehn hohe, mit Karnies verzierte Backstein-Kamine.

Das Innere des Gebäudes ist um eine zentrale Galerie herum angeordnet, die sich lang durch den zentralen Mittelteil erstreckt, über zwei Feuerstellen verfügt und eine Höhe von erreicht. Im Südosten der Galerie befindet sich das Wohnzimmer, während die Bibliothek den gesamten Nordostflügel des Hauses einnimmt. Dort befindet sich auch eine von Grinling Gibbons reich verzierte Kaminumfassung aus Holz, das aus dem Cassiobury Park in Hertfordshire importiert worden war. Gegenüber der Bibliothek befindet sich eine Gäste-Suite. Das Speisezimmer liegt ebenso wie die Speisekammer, Küchen und Angestelltenzimmer nordwestlich der Galerie. Im dritten Stockwerk befinden sich Büros der Trustees of Reservations.

Vorplatz, Ost- und Nordterrassen Der Vorplatz und die Terrassen im Osten und Norden des Gebäudes wurden gemeinsam mit dem ersten Haus angelegt und bei der Neugestaltung übernommen. Die Gestaltung zeigt italienische Einflüsse, und ihre Balustraden sind identisch mit denen der Villa Borghese. Während Shepley, Rutan & Coolidge die Balustraden und Stützmauern entwarfen, waren die Olmsted Brothers für die Auswahl der Standorte, notwendige Begradigungen, das Design der Begrenzungen und die Bepflanzungen zuständig. Im Vorfeld der Errichtung des Hauses musste die Kuppe des Hügels vollständig umgestaltet werden, was 1911 abgeschlossen werden konnte.

Heute erstreckt sich die Ostterrasse entlang der gesamten Länge des Hauses und ist über eine Treppe mit einer tiefer gelegenen Plattform verbunden, auf der sich ein Tennisplatz befindet. Später wurde direkt daran angrenzend ein Irrgarten errichtet. Für den Bau der Nordterrassen musste die Kuppe des Hügels abgetragen werden, um ein tieferes Niveau zu erreichen. Dort wurde dann auch die Promenade errichtet, die bis hinunter zum Meer führt.

Der ursprünglich vorwiegend im neoklassizistischen Stil errichtete Vorplatz wurde in Form eines Rechtecks angelegt und verfügte über eine Balustrade aus mit einer Drahtbürste aufgerautem Beton. Er wurde weitgehend mit Gras sowie immergrünen Sträuchern und Bäumen bepflanzt. Im Zuge des Neubaus des Haupthauses wurde der Platz in einen einfachen, ovalen Parkplatz umgewandelt.Magnarelli, Pitts, S. 7

Nebengebäude Garage und Chauffeurs-Unterkunft Das als Garage sowie zugleich als Chauffeurs-Unterkunft dienende Gebäude wurde von Shepley, Rutan & Coolidge 1910 bis 1912 im Zuge der Errichtung des ursprünglichen Hauses entworfen. Daher entspricht sein Baustil demjenigen des ersten Hauses und weist italienische Ornamente und Stuck auf. Es befindet sich im Westen des Hauptgebäudes entlang der zum Haus führenden Straße. Es wurde teilweise in den Hügel hinein gebaut, jedoch so konzipiert, dass die Garagen direkte Anbindung an die Straße hatten.

Die großen, mit Rundbögen gestalteten Ausfahrten der einzelnen Garagen bilden zusammen eine Arkade mit flankierenden Eingängen, über denen sich runde Fenster befinden. Die seitlichen und rückwärtigen Mauern sind hingegen weit weniger aufwendig gestaltet. Die Baluster sind baugleich zu denen auf den Terrassen. Sowohl die Garagen als auch das Wohngebäude verfügen über ein mit Asphalt gedecktes Flachdach.Magnarelli, Pitts, S. 7 f.

Haupttor und Pförtnerloge Das Haupttor wurde gemeinsam mit der Pförtnerloge 1926 von David Adler im Zuge des Neubaus des Hauptgebäudes entworfen. Dadurch wurde dem Grundstück erstmals ein formaler Eingang hinzugefügt. Adler setzte jeweils ein Pförtnerhaus auf beide Seiten der Zufahrtsstraße und verband sie in einem wellenförmigen Muster mit Bruchsteinmauern. Die Gebäude selbst wurden aus Stahlbeton errichtet und mit Ziegelsteinen verkleidet. Das Dach besteht aus grauem Schiefer. Der Baustil entspricht demjenigen des Hauptgebäudes und verfügt über aus dem Stil der englischen Renaissance abgeleitete Zierelemente. Während das westliche Gebäude auch als Wohnunterkunft konzipiert wurde, diente das kleinere östliche Gebäude ausschließlich als Bürogebäude.Magnarelli, Pitts, S. 8

Brown Cottage Das Brown Cottage ist das älteste noch stehende Gebäude auf dem Castle Hill und stammt mutmaßlich aus dem 19. Jahrhundert, in dem es von der damaligen Eigentümerfamilie Brown errichtet wurde. Es wurde mehrfach und teilweise stark verändert; zuletzt wurde 1958 ein als bezeichneter, den Stil des 17. Jahrhunderts imitierender Anbau hinzugefügt. Heute zeigt das Gebäude viele Elemente der Shingle-Architektur, die im Zuge eines umfassenden Umbaus an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hinzugefügt wurden. Es ruht auf einem Fundament aus Feldsteinen und ist vollständig mit dunklen Schindeln verkleidet.

Das Besondere ist der ungewöhnliche Grundriss des zweieinhalb Stockwerke hohen Gebäudes, der V-förmig in Richtung Südosten ausgerichtet ist. Das hochgezogene Dach ist mit Dachgauben versehen, die jeweils ein Walmdach aufweisen. Die Gebäudeflügel selbst verfügen über ein unterschiedlich geneigtes Dach: ein Mansarddach auf der West- und ein Walmdach auf der Nordseite. Der Haupteingang befindet sich in der Mitte des Gebäudes und wird auf jeder Seite von einem Fenster flankiert. Diese Dreiteilung wird im Stockwerk darüber durch ein dreiteiliges Fenster reflektiert. Vom Nordflügel aus erstreckt sich ein überdachter Gang zur Taverne.Magnarelli, Pitts, S. 8 f.

Straßensystem Die heute auf dem Anwesen befindlichen Straßen wurden im 19. und im 20. Jahrhundert angelegt. Zu den ältesten Teilen zählen Abschnitte der ehemals öffentlichen Straße, die von der Chaussee am Brown Cottage vorbei bis zur Castle Hill Farm führte, dort die Richtung wechselte und weiter bis zum Leuchtturm sowie schließlich zum Castle Neck verlief. Zwischen 1884 und 1886 wurde der Verlauf der Straße verändert und die zuvor öffentlich zugängliche Straße zu einem Teil des privaten Wegesystems auf Castle Hill. Auch die Gras- bzw. Schotterstraße vom Brown Cottage bis zum Deich und der Fußweg vom Brown Cottage zum Steep Hill stammen aus dem Anfang bzw. aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Großteil der noch erhaltenen Straßen und Wege auf dem Grundstück wurde von Ernest Bowditch von 1886 bis 1888 angelegt. Bowditch verwendete die bereits vorhandenen Straßen und Wege als Grundlage und erweiterte sie mit einem Netzwerk aus neuen Straßen, die darauf ausgelegt waren, die besten Aussichtspunkte des Anwesens miteinander zu verbinden. In diesem Zuge gab er dem Brown Cottage einen formaler gestalteten Zugang, der im Gegensatz zu den anderen, im englischen Stil gehaltenen Straßen des Castle Hill eher französische Stilelemente aufwies, was insbesondere anhand der Doppelreihe Laubbäume erkennbar ist, die an einem Wendekreis um eine Ulme herum endet. Die den Eingangsbereich flankierenden Steinwälle weichten die Formalität etwas auf und fügten den neu gestalteten Eingangsbereich passend in die Umgebung ein.Magnarelli, Pitts, S. 9 f.