Friedrich August Lutz (* 29. Dezember 1901 in Saarburg, Lothringen;Viktor Vanberg (Hrsg.): Währungsordnung und Inflation. Zum Gedenken an Friedrich A. Lutz (1901–1975). Mohr Siebeck, Tübingen 2003, S. 44 (online). † 4. Oktober 1975 in Zürich) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler.
Leben Der Sohn eines Brauereibesitzers studierte nach seinem Abitur am Karls-Gymnasium in Stuttgart 1920 Nationalökonomie an der Universität Heidelberg und ab 1921 in Berlin, wo er dem jungen Privatdozenten Walter Eucken begegnete, als dessen erster Doktorand er Ende 1925 mit einer Arbeit „Der Kampf um den Kapitalbegriff in der neuesten Zeit“ an der Universität Tübingen promovierte. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als enger Mitarbeiter von Alexander Rüstow beim Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten VDMA in Berlin trat Lutz im April 1929 eine Assistentenstelle bei Eucken an der Universität Freiburg im Breisgau an, wo er 1932 mit der Schrift „Das Konjunkturproblem in der Nationalökonomie“ habilitiert wurde.
Als Stipendiat der Rockefeller Foundation ging Lutz 1934/35 nach Großbritannien, wo er vor allem über das dortige Geld- und Kreditsystem forschte und auch seine spätere Ehefrau Vera Constance Smith kennen lernte. Nach Freiburg zurückgekehrt erschien im folgenden Jahr Lutz‘ Studie Das Grundproblem der Geldverfassung, ein wichtiger früher Beitrag zur Freiburger Tradition der Ordnungsökonomik. Der Zusammenbruch zahlreicher Banken in der Weltwirtschaftskrise hatte Lutz zufolge seine Ursache darin, dass kein funktionsfähiges Geldsystem mehr existierte, wie es in der Blütephase der Goldwährung mit ihren festen Spielregeln bestanden hatte. Unmittelbar nach seiner Hochzeit mit Vera C. Smith im März 1937 ging Lutz als erneuter Fellow der Rockefeller Foundation in die USA, wo das Ehepaar nach Ablauf des Stipendiums blieb.
Von 1938 bis 1947 war er außerordentlicher, von 1947 bis 1952 ordentlicher Professor an der Princeton University. 1951/52 vertrat Lutz den Lehrstuhl seines 1950 unerwartet in London verstorbenen Lehrers Eucken an der Universität Freiburg, lehnte jedoch den an ihn ergangenen Ruf ab. Von 1953 bis 1972 war Lutz Professor für theoretische Sozialökonomie und Geschichte der Sozialökonomie an der Universität Zürich. Als in den 1950er Jahren die kapitaltheoretischen Kontroversen wieder aufflammten, war Lutz international bereits so anerkannt, dass er 1958 das Programmkomitee der legendären Korfu-Tagung der International Economic Association IEA über The Theory of Capital leitete und den themensetzenden Einführungsvortrag „The Essentials of Capital Theory“ hielt.
Lutz gehörte zur von seinem Lehrer Eucken begründeten Freiburger Schule der Nationalökonomie, die sich von der historischen Methode abwandte und sich den theoretischen Grundlagen des marktwirtschaftlichen Systems zuwandte. Seine Publikationsschwerpunkte waren die Zins-, Geld- und Währungstheorie. An den intensiven makroökonomischen Debatten, die nach Erscheinen von Keynes‘ General Theory einsetzten, nahm Lutz mit Aufsätzen zur Frage des Verhältnisses von Investitionen und Ersparnissen (1938) und einem wichtigen Beitrag zur Zeitstruktur der Zinssätze (1940) in führenden Fachzeitschriften teil. Schnell erwarb er sich auch international den Ruf eines exzellenten Wirtschaftstheoretikers. Das gemeinsam mit seiner Frau verfasste Werk The Theory of Investment of the Firm, vor allem aber seine Zinstheorie, Lutz‘ bekanntestes und in mehrere Sprachen übersetztes Werk, erhärteten diesen Ruf. Früh gehörte Lutz (1954) auch zu den führenden Befürwortern flexibler Wechselkurse.
Lutz war 1947 Mitgründer der Mont Pelerin Society, die er von 1965 bis 1967 präsidierte. Von 1948 bis 1975 war er Mitherausgeber der Zeitschrift Ordo. Er war 1954 Mitgründer und von 1954 bis 1975 Vorstandsmitglied des Walter-Eucken-Instituts. In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre war er Berater der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Von 1965 bis 1975 leitete er das Schweizerische Institut für Auslandforschung, im selben Zeitraum war er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim deutschen Bundesministerium für Wirtschaft.
Schriften (Auswahl) Der Kampf um den Kapitalbegriff in der neuesten Zeit. Göbel, Tübingen 1927 (Dissertation). Das Konjunkturproblem in der Nationalökonomie. Fischer, Jena 1932 (Habilitationsschrift). Das Grundproblem der Geldverfassung. Kohlhammer, Stuttgart 1936. The Outcome of the Saving-Investment Decision, Quarterly Journal of Economics, 52, 1938, S. 588–614. The Structure of Interest Rates, Quarterly Journal of Economics, 55, 1940, S. 499–529. Corporate cash balances 1914–43. Manufacturing and trade. National Bureau of Economic Research, New York 1945. mit Vera C. Lutz: The Theory of Investment of the Firm. Princeton University Press, Princeton 1951. The Case for Flexible Exchange Rates, Banca Nazionale del Lavoro Quarterly Review, 7 (31), 1954, S. 175–185. mit D.C. Hague (Hrsg.), The Theory of Capital. Proceedings of a Conference Held by the International Economic Association. Macmillan, London und New York 1961. Geld und Währung. Gesammelte Abhandlungen. Mohr, Tübingen 1962 (mit Bibliographie). Zinstheorie. Polygraphischer Verlag, Zürich und Mohr, Tübingen 1956, 2. Aufl. 1967; engl. Übersetzung: The Theory of Interest. Kluwer, Dordrecht 1967. Politische Überzeugungen und nationalökonomische Theorie. Zürcher Vorträge. Mohr, Tübingen 1971 (mit Bibliographie).
Literatur Franz Ritzmann: Professor Dr. Friedrich A. Lutz. In: Universität Zürich: Jahresbericht 1975/76. S. 79–81 (Digitalisat). Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,2. Saur, München 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 758. Christof Rühl: Lutz, Friedrich August. In: Harald Hagemann, Claus-Dieter Krohn (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Emigration nach 1933. Band 2: Leichter–Zweig. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11284-X, S. 400–404.
Viktor Vanberg (Hrsg.): Währungsordnung und Inflation. Zum Gedenken an Friedrich A. Lutz (1901–1975) (= Beiträge zur Ordnungstheorie und Ordnungspolitik. Bd. 169). Mohr Siebeck, Tübingen 2003, ISBN 3-16-148136-4.
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Einzelnachweise
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