Absurd ist eine rechtsextremeAbsurd wurde im Verfassungsschutzbericht des Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz erstmals 1999 als rechte Black-Metal-Band aufgeführt, vgl. deutsche Band, die 1992 in SondershausenSeit 1998 werden als neue Herkunftsorte verschiedene Städte in Thüringen und Sachsen-Anhalt genannt; als aktuell gilt Eckartsberga. Vgl.: Christian Dornbusch, Jan Raabe, David Begrich: RechtsRock – Made in Sachsen-Anhalt. Magdeburg, Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, 2007, S. 60. gegründet wurde. Die Band begann als Rockband und wandte sich ab etwa 2001 dem Pagan Metal zu, sieht sich selbst aber als Teil der Black-Metal-Subkultur. Absurd reklamiert zudem für sich, eine der ältesten noch bestehenden Black-Metal-Gruppen Deutschlands zu sein. Selbst bezeichnet man sich als „the tyrants of German Black Metal“. Absurd zog mit einem durch die damaligen Bandmitglieder begangenen Mord und der späteren neonazistischen Laufbahn des Mitglieds Hendrik Möbus deutschlandweites Medieninteresse auf sich. Die Band gilt als eine der bekanntesten Gruppen des National Socialist Black Metal und hat in Teilen der Rechtsrock- und Black-Metal-Szenen Kultstatus.Christian Dornbusch, Jan Raabe: RechtsRock – Made in Thüringen. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, 2006, ISBN 3-937967-08-7, S. 73. Inzwischen gibt es zwei unabhängige Musikprojekte desselben Namens, die beide für sich in Anspruch nehmen, die Fortführung der ursprünglichen Gruppe zu sein.
Geschichte Anfänge Die Gruppe wurde nach offizieller Angabe am 2. Januar 1992 in Sondershausen gegründet. Der Name Absurd wurde wegen seiner vielfältigen Interpretierbarkeit gewählt, es besteht jedoch eine Verbindung zum gleichnamigen italienischen Horror-Film von 1981, der den Bandmitgliedern bekannt war. Sie spielte im dortigen Jugendclub und nahm die Demo-Kassetten God’s Death und Death from the Forest auf, die lokal vertrieben wurden. Eine dritte Demo mit dem Titel Sadness entstand, wurde jedoch nie offiziell veröffentlicht. Die Gruppe bestand im Kern aus Sebastian Schauseil, der sang als auch Musik und Text verfasste, und Hendrik Möbus am Schlagzeug. Die beiden stilisierten sich in ihrem Umfeld als Satanisten. Daneben waren noch Udo H. und Andreas K. Mitglieder der Band, wobei ersterer nach 1992 nicht mehr in Erscheinung trat. Ebenfalls beteiligt war – zumeist im Hintergrund – Hendrik Möbus’ älterer Bruder Ronald Möbus.
Der Sondershausen-Mord
mini|Das Rondell Sondershausen, wo sich die drei Jugendlichen mit Beyer trafen.
Bekannt geworden ist die Band durch den Mord an dem fünfzehnjährigen Sandro Beyer am 29. April 1993. Die drei damals 17-jährigen Bandmitglieder Sebastian Schauseil, Hendrik Möbus und Andreas K. lockten Beyer unter einem Vorwand zu einem Treffen und erdrosselten ihn dort gemeinschaftlich mit einem Stromkabel. Anschließend verscharrten sie ihr Opfer in einem Erdloch. Die Täter, vor allem Sebastian Schauseil und Hendrik Möbus, bezeichneten sich sowohl bereits vor der Tat als auch im anschließenden Prozess als Satanisten.Liane von Billerbeck, Frank Nordhausen: Satanskinder. Der Mordfall von Sondershausen und die rechte Szene. Ch. Links Verlag, 3., erw. Aufl., Berlin 2001, ISBN 3-86153-232-8, S. 37ff, S. 207.
Hendrik Möbus und Sebastian Schauseil wurden als Haupttäter wegen gemeinschaftlich geplanten Mordes, Freiheitsberaubung und Nötigung vom Landgericht Mühlhausen am 9. Februar 1994 zu einer achtjährigen, Andreas K. als Mittäter zu einer sechsjährigen Jugendstrafe verurteilt.Landgericht Mühlhausen, Urteil in der Strafsache gegen Andreas K., Hendrik M., Sebastian S., 9. Februar 1994, Aktenzeichen 280 Js 52177/93, S. 23; zitiert nach: Dornbusch/Killguss: Unheilige Allianzen. Unrast Verlag, 2005, ISBN 3-89771-817-0, S. 53, 298. In zahlreichen Medienberichten wurde die Tat als „Satansmord“ bezeichnet, obwohl sie sowohl nach Aussagen der Täter wie auch laut einigen Autoren in keinem satanistischen Kontext stand.„Unter der Schlagzeile ‚Der Satansmord von Sondershausen‘ ging der Fall in die Kriminalitätsgeschichte ein. Doch mit Satanismus hatte die damalige Tat wenig zu tun.“ Christian Dornbusch, Jan Raabe: RechtsRock – Made in Thüringen. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, 2006, ISBN 3-937967-08-7, S. 72. Der urteilende Richter hingegen betonte in seiner Urteilsbegründung, dass „die ständige Beschäftigung mit satanistischem Gedankengut und mit Tötungsdarstellungen in Filmen“ die Hemmschwelle herabgesetzt habe, sodass eine solche Tat möglich wurde, und „die Tat ohne diesen Hintergrund nicht möglich gewesen wäre.“Richter Jürgen Schuppner, zitiert nach: Liane von Billerbeck, Frank Nordhausen: Satanskinder. Der Mordfall von Sondershausen und die rechte Szene, 3. erweiterte Aufl., Berlin, 2001, S. 256. Allerdings habe die Ausführung der Tat „nicht das geringste mit einem Ritual oder mit einer satanistischen Tat zu tun. […] Es fehlt jeder rituelle Hintergrund, es fehlt die Vorbereitung, es fehlt die Ausstaffierung …“Richter Jürgen Schuppner im Gespräch mit der ARD in der Reihe Die großen Kriminalfälle aus dem Jahr 2001.
Bandmitglied Verurteilungen und Haftstrafen Sebastian Schauseil Acht Jahre Gefängnis nach Jugendstrafrecht wegen gemeinschaftlich geplanten Mordes, Freiheitsberaubung und Nötigung (Landgericht Mühlhausen am 9. Februar 1994). Vorzeitige Haftentlassung 1998. Andreas K. Sechs Jahre Gefängnis nach Jugendstrafrecht wegen gemeinschaftlich geplanten Mordes, Freiheitsberaubung und Nötigung (Landgericht Mühlhausen am 9. Februar 1994). Vorzeitige Haftentlassung 1998. Hendrik Möbus Acht Jahre Gefängnis nach Jugendstrafrecht wegen gemeinschaftlich geplanten Mordes, Freiheitsberaubung und Nötigung (Landgericht Mühlhausen am 9. Februar 1994). Vorzeitige Haftentlassung 1998. Nach Verstoß und Flucht Absitzen der restlichen Haftstrafe. Weitere Haftstrafe von anderthalb Jahren (Amtsgericht Tiergarten). Weitere Haftstrafe von acht Monaten (Amtsgericht Eisenach).Vier Jahre Gefängnis wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie Volksverhetzung (Landgericht Erfurt, 15. Mai 2003). Entlassung Frühjahr 2007. Ronald Möbus Zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung (Landgericht Erfurt, 15. Mai 2003)
Zeit im Gefängnis: Band „In Ketten“ und Hinwendung zum Rechtsextremismus
Während des Gefängnisaufenthaltes der Täter wandte sich die Band einem neuheidnischen Rechtsextremismus zu; dies zeigte sich in der Aussage „Don’t be stupid Satanists – Be luciferian pagans!!!“ auf dem Demo Out of the Dungeon, allerdings ist in dessen Coverbeilage das Siegel des Baphomet der Church of Satan direkt unter diesem Kommentar zu sehen. Das Bandlogo mit Drudenfuß und Petruskreuz wurde bis einschließlich Facta Loquuntur beibehalten, erst danach wurden diese Symbole durch Swastika (auf Asgardsrei) bzw. Radkreuz (ab Werwolfthron) und Mjölnir ersetzt. Hendrik Möbus, auf alten Bildern der Band noch mit einem Irokesenschnitt zu sehen, war laut der ARD-Dokumentation Der Satansmord – Tod eines Schülers „erst Punk, dann Satanist, jetzt Neonazi“ geworden. Seine damalige Freundin äußerte zu seinem Wandel:
Die Strafe traten die Täter alle in der Justizvollzugsanstalt Erfurt an, obwohl das Gericht auf eine getrennte Unterbringung plädiert hatte.
Im Gefängnis konnten die Täter die Band, welche in Teilen der rechtsextremen Szene zu Kultstatus gelangt war, weiterführen. Offiziell spielte sie unter dem Namen In Ketten, heimlich probte die Band neue Absurd-Titel, von denen einige aufgenommen und aus dem Gefängnis geschmuggelt wurden.Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos, Erweiterte und überarbeitete Ausgabe 2007, Index Verlag, ISBN 978-3-936878-00-4, S. 310. Die zweite zu dieser Zeit aufgenommene und veröffentlichte Kassette Thuringian Pagan Madness zeigt auf dem Cover das Grab des ermordeten Sandro Beyer mit dem Zusatz: The cover shows the grave of Sandro B. murdered by horde ABSURD on 29.04.93 AB. auf der Innenseite. Am 27. September 2007 wurde eine CD-R-Schwarzkopie, die fälschlicherweise Black Sun Productions aus den USA zugeschrieben wird, von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert. Am 30. Oktober 2007 erfolgte wiederum die Streichung dieses Tonträgers aus der Liste jugendgefährdender Medien. Noch während des Gefängnisaufenthaltes wurden neben den Demos Out of the Dungeon und Thuringian Pagan Madness das Debütalbum Facta Loquuntur, sowie die Split-Veröffentlichung Totenburg/Die Eiche mit der Band Heldentum, in der Hendrik Möbus’ Bruder Ronald spielte, eingespielt und über diverse Label, u. a. No Colours Records, veröffentlicht.Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos. ProMedia, Zeltingen-Rachtig 2002, ISBN 3-936878-00-5, S. 310. In dieser Zeit lässt sich in den Texten bereits die Hinwendung der Gruppe zum Rechtsextremismus erkennen. Während sich die Zeilen „Mordend Juden und Christenheit / Lüstern, voller Grausamkeit“ bei Pesttanz noch als im Metal verbreitete Religionsfeindlichkeit werten lassen, beinhaltet der Text von Der Sieg ist unser antisemitische Vernichtungsfantasien: „Südland wird fallen, wie schon Ostland fiel / Es auszulöschen, das ist unser Ziel / Israel, Juda im Schmutz vernichtet / Die Legionen des Schicksals haben sie alle gerichtet / Welch’ Massaker, Blut und nukleare Feuer / Wir sind Nordlands Wölfe, wahre Ungeheuer […] Gegen Untermenschen, doch nichts stoppt unsern Lauf / Gott Jahwe, wir schlitzen deinen Bastard auf“.
Aus ihren Jugendstrafen wurden die Bandmitglieder 1998 auf Bewährung entlassen. Andreas K. war seitdem nicht mehr Bestandteil der Gruppe, nach seiner Entlassung trat er weder im Black-Metal-Bereich noch in rechtsextremen Kreisen wieder in Erscheinung. Sebastian Schauseil und Hendrik Möbus nahmen nach der Entlassung eine neue Absurd-EP mit dem Titel Asgardsrei auf, auf der sich die neue ideologische Ausrichtung deutlich zeigte: In den Liedern wurden nun Themen aus dem germanischen Heidentum verarbeitet, zudem der Nationalsozialismus offen propagiert. Im Lied Germanien über alles wurden u. a. die beiden SS-Divisionen Wiking und Nordland glorifiziert.
Neue Besetzung und Wechsel zum Pagan Metal 1999 stieg Sebastian Schauseil aus der Gruppe aus und wandte sich anderen Projekten zu. Absurd hatte damit den Komponisten und Textschreiber verloren und bestand nur noch aus dem Schlagzeuger Hendrik Möbus. Nach der Haftentlassung von Möbus folgten weitere Haftstrafen (siehe Abschnitt Sonstiges).
Hendrik Möbus trat fortan nur noch als Verfasser einzelner Texte für Absurd auf. Neuer Kopf der Gruppe war seit 2000/2001 sein älterer Bruder Ronald Wolf Möbus. Dieser hatte zuvor bei den Bands Vargavinter, Wolfsburg, Heldentum und Sacrifice Slaughtered Jesus gespielt und ein Fanzine namens Infernus herausgebracht. Unterstützt wurde er durch Sven „Unhold“ Zimper (Luror, Cryogenic, W.T.C. Productions), welcher das Schlagzeug sowie die Gitarre einspielt. Zusätzlich waren Jens „Asemit“ Fröhlich sowie Denis „Herr Rabensang“ Schoner von der Geraer NSBM-Band Totenburg regelmäßige Studio- und Livemitglieder der Band. Ob eine feste Besetzung besteht, war nicht klar, da Möbus keine Aussagen dazu machte und sagte, dass er dazu keinen Kommentar abgebe und zudem „Absurd […] mehr als nur die Summe der involvierten Personen“ sei..