Die Liste der Stolpersteine in Naumburg (Saale) enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Naumburg (Saale) verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Naumburg lebten und wirkten. In den Jahren 2009, 2010 und 2025 wurden 15 Stolpersteine an sechs Adressen in der Kernstadt Naumburg und zwei Steine an einer Adresse im Ortsteil Schulpforte verlegt.
Liste der Stolpersteine
Stadt Naumburg Adresse Datum der Verlegung Person Inschrift Bild Bild des Hauses Franz-Ludwig-Rasch-Straße 8 Olaf Döring: Stolpersteine in Naumburg. myheimat.de, 10. Mai 2010; abgerufen am 1. November 2013. (1906–1942) Annemarie Gutkind war die Tochter von Gustav Gutkind und wurde in Berlin geboren. 1942 mussten beide ihre Naumburger Wohnung aufgeben und nach Halle (Saale) umziehen. Annemarie Gutkind kam dort in einem „Judenhaus“ unter. Sie wurde am 1. Juni 1942 deportiert und zwei Tage später im Vernichtungslager Sobibor ermordet.Gutkind, Annemarie. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 1. November 2013. Hier wohnteANNEMARIE GUTKINDJg. 1906deportiert 1943Theresienstadtermordet 120px|Stolperstein für Annemarie Gutkindweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q133282098 100px Franz-Ludwig-Rasch-Straße 8 (1860–1943) Gustav Gutkind stammte aus Schneidemühl. 1942 mussten er und seine Tochter ihre Naumburger Wohnung aufgeben und nach Halle (Saale) umziehen. Gustav Gutkind kam dort in einem vermeintlichen Altersheim unter. Er wurde am 27. Februar 1943 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 17. April 1943 starb.Gutkind, Gustav. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 1. November 2013. Hier wohnteGUSTAV GUTKINDJg. 1860deportiert 1943Theresienstadtermordet 120px|Stolperstein für Gustav Gutkindweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q133282089 Herrenstraße 16/17 Naumburger Tageblatt, 19. August 2009; abgerufen am 1. November 2013. (12. Febr. 1889–4. Aug. 1944) Die Geschwister Lotte und Fritz Jonas betrieben in Naumburg ein Kaufhaus. Sie waren die Erben der Familie Max Cohn aus Zeitz. Im November 1938 mussten sie ihren Besitz im Zuge der Arisierung verkaufen. Am 21. Jan. 1942 werden die Geschwister in das Ghetto von Riga deportiert, wo Lotte Laura Jonas vermutlich bereits am 24. Jan. 1942 ermordet wurde. Für ihren Bruder Fritz Jonas hingegen ist der Leidensweg noch nicht zu Ende. Von Riga aus wird er in das Vernichtungslager Stutthof weiterverschleppt, wo sich seine Spur nach dem 4. Aug. 1944 verliert. Seit diesem Zeitpunkt gilt er als unbekannt verschollen. Die Mutter der Geschwister Jonas Minna Jonas geb. Dobrin 26. Okt. 1863 in Wangerin wird am 14. Aug. 1942 ab Berlin mit dem Transport I/45 unter der Transportnummer 3776 in das Ghetto von Theresienstadt verschleppt, wo sie kurz nach ihrer Ankunft am 5. Sept. 1942 verstirbt.Detlef Belau: Juden in Naumburg. In: naumburg-geschichte.de. 9. März 2013, abgerufen am 1. November 2013. Hier wohnteFRITZ JONASJg. 1889deportiert 1942ermordet inRiga 120px|Stolperstein für Fritz Jonasweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q133278012 100px|Stolpersteinlage Naumburg-Saale Herrenstraße 16-17100px|Stolpersteine Naumburg-Saale Herrenstraße 16-17 Herrenstraße 16/17 (8. Jan. 1887–24. Jan. 1942) Die Geschwister Lotte Laura und Fritz Jonas betrieben in Naumburg ein Kaufhaus. Sie waren die Erben der Familie Max Cohn aus Zeitz. Im November 1938 mussten sie ihren Besitz im Zuge der Arisierung verkaufen. Am 21. Jan. 1942 werden die Geschwister in das Ghetto von Riga deportiert, wo Lotte Laura Jonas vermutlich bereits am 24. Jan. 1942 ermordet wurde. Hier wohnteLOTTE JONASJg. 1887deportiert 1942ermordet inRiga 120px|Stolperstein für Lotte Jonasweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q133278003 Kösener Straße 27 geb. Mockrauer (Mockraner) (1873–1944) Elly Landsberg stammte aus Berlin. In Naumburg lebte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Adolf, der 1940 starb. Im Juni 1942 musste sie in ein vermeintliches Altersheim in Halle (Saale) umziehen. Von dort wurde sie am 27. Februar 1943 zunächst ins Ghetto Theresienstadt und am 15. Mai 1944 weiter ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt.Landsberg, Elly. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 1. November 2013. Hier wohnteELLY LANDSBERGJg. 1873deportiert 1942Theresienstadtermordet 120px|Stolperstein für Elly Landsbergweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q130526140 100px|Stolpersteinlage Kösener Straße 27, Naumburg Parkstraße 21 (1886–1943) Artur Samter wurde in Posen geboren. Von 1905 bis 1908 studierte er in Genf, München und Breslau Rechtswissenschaft. Danach trat er einen dreijährigen Militärdienst an. 1910 promovierte er und arbeitete anschließend an den Landgerichten in Posen und Berlin. Im Ersten Weltkrieg diente er an der Westfront und wurde 1917 verwundet. Nach dem Krieg arbeitete er als Rechtsanwalt, unter anderem für die Rote Hilfe Deutschlands. 1925 wirkte er als Verteidiger im Tscheka-Prozess. Im Oktober 1927 heiratete er Paula geb. Lienhardt. Nachdem er in Berlin nicht als Notar zugelassen wurde, zog er mit seiner Frau und den mittlerweile geborenen zwei Kindern nach Naumburg, wo er seit April 1932 als Rechtsanwalt am Oberlandesgericht tätig war. Am 3. März 1933 wurde er verhaftet und im KZ Lichtenburg inhaftiert. 1934 wurde er wegen Einrichtung eines illegalen Waffenlagers angeklagt. Der Prozess endete zwar mit einem Freispruch, Samter musste jedoch Naumburg verlassen und nach Berlin zurückkehren. Im November 1938 wurde ihm die Zulassung als Anwalt entzogen. Ab 1939 wurde er mehrfach verhaftet und 1942 schließlich nach Auschwitz deportiert, wo er laut Sterbeurkunde am 17. Februar 1943 den Tod fand.Detlef Belau: Rechtsanwalt Doktor Artur Samter. In: naumburg-geschichte.de. 28. März 2012, abgerufen am 1. November 2013. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf im Block Urnenhain II, Feld 12, Wahlstelle 34. Hier wohnteDR.ARTUR SAMTERJg. 1886deportiert 1943Auschwitzermordet 17.2.1943 120px|Stolperstein für Artur Samterweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q133288098 100px|Stolpersteinlage Parkstraße 21, Naumburg Salzstraße 40 geb. Grossmann (1896–1943) Eva Gross geb. Grossmann stammte aus Gorodok. Am 1. Juni 1942 wurden beide von Halle (Saale) aus ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort zwei Tage später ermordet.Gross, Eva. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 1. November 2013. Hier wohnteEVA GROSSgeb. GrossmannJg. 1896deportiert 1943ermordet inSobibor 120px|Stolperstein für Eva Grossweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q133275639 100px|Stolpersteinlage Naumburg-Saale Salzstraße 40100px|Stolpersteine Naumburg-Saale Salzstraße 40 Salzstraße 40 (1889–1943) Josef Gross stammte aus Brzesko. Am 1. Juni 1942 wurden er und seine Frau von Halle (Saale) aus ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort zwei Tage später ermordet.Gross, Josef. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 1. November 2013. Hier wohnteJOSEF GROSSJg. 1889deportiert 1943ermordet inSobibor 120px|Stolperstein für Josef Grossweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q133275569 Spechsart 5 neu verlegt5. März 2025Verlegung von sieben Stolpersteinen im Spechsart 5. Gedenken an die Familie Hollaender am 05.03.2025. In: naumburg.de. 3. März 2025, abgerufen am 16. März 2025. (1928–1941) Johannes Hollaender wurde am 6. Januar 1928 in Naumburg als vierter Sohn des Rechtsanwalts und Notars Dr. jur. Otto Hollaender, Sohn von Dr. phil. Ludwig Hollaender und Julie Auerbach, und seiner Frau Hildegard, einer evangelischen Christin geboren. Er hatte fünf Geschwister, von denen eines bereits früh verstarb. Johannes Hollaender hatte eine geistige Behinderung und litt an Epilepsie. Er kam zunächst als Patient in die Neinstedter Anstalten und wurde später in die Landesheilanstalt Altscherbitz verlegt. Von dort gelangte er wiederum in die Landesheilanstalt Uchtspringe, wo er im Rahmen der Aktion T4 ermordet wurde. Als Todesdatum wurde der 26. Oktober 1941 angegeben, offizielle Todesursache war „Bronchopneumonie“.Detlef Belau, Anja Hollaender: Juden in Naumburg. In: naumburg-geschichte.de. 9. März 2013, abgerufen am 1. November 2013 (Abschnitt „Familie Doktor Otto Hollaender“).Hier wohnte JOHANNES HOLLAENDER Jg. 1928 Seit 1938 in mehreren Heilanstalten ‚Verlegt‘ 30.5.1941 Uchtspringe Ermordet 26.10.1941Bis 2025 lautete die Inschrift: „Hier wohnte / JOHANNES / HOLLAENDER / Jg. 1928 / Eingewiesen 1941 / ‚Heilanstalt‘ / Uchtspringe / Ermordet 26.10.1941“. Sie wurde aufgrund fehlerhafter und unvollständiger Inschriften geändert. 120px|Stolperstein für Johannes Hollaenderweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q133262105 100px|Stolpersteinlage Spechsart 5, Naumburg Spechsart 5 neu verlegt5. März 2025 (1919–1942) Peter Hollaender wurde am 3. August 1919 in Naumburg als erster Sohn des Rechtsanwalts und Notars Dr. jur. Otto Hollaender, Sohn von Dr. phil. Ludwig Hollaender und Julie Hollaender-Auerbach, und seiner Frau Hildegard, einer evangelischen Christin geboren. Er wohnte bis 1935 bei seiner Großmutter und besuchte das Domgymnasium im Naumburg. Danach verließ er Deutschland und ging nach Paris. Dort lernte er Brigitte Marum, die Tochter des Reichstagsabgeordneten Ludwig Marum kennen und ging eine Beziehung mit ihr ein. Brigitte Marum und Peters ebenfalls nach Frankreich geflohene Schwester Gerda wurden später interniert, auf sein Betreiben hin aber im Sommer 1940 freigelassen. Sie lebten daraufhin gemeinsam in Toulouse bis Peter Hollaender im September seinerseits interniert wurde. Brigitte und Peter trennten sich, obwohl sie von ihm schwanger war. Im März 1941 kehrte Peter Hollaender nach Deutschland zurück und lebte kurz bei seiner Mutter in Bad Kösen. Am 10. April wurde er von der Gestapo verhaftet. Über Halle (Saale) kam er ins KZ Sachsenhausen, wo er am 3. April 1942 ermordet wurde. Brigitte Marum wurde 1943 in Sobibor ermordet. Der gemeinsame Sohn überlebte den Krieg ebenso wie Peter Hollaenders Mutter und seine Geschwister Gerda, Christoph und Jürgen. Vater Otto Hollaender starb 1937 im Pariser Exil an einer Grippe. Hier wohnte PETER HOLLAENDER Jg. 1919 Flucht 1935 Frankreich Interniert Camp Colombes Meslay-du-Maine Verhaftet 1941 KZ Sachsenhausen Ermordet 3.4.1942 120px|Stolperstein für Peter Hollaenderweitere Bilder | 16px|verweis=d:Q133262114 Spechsart 5 , Dr. (1888–1937) Otto Hollaender wurde am 13. August 1888 als Sohn des Gymnasialoberlehrers Ludwig Hollaender und Julie Hollaender-Auerbach in Naumburg geboren. Er besuchte das Domgymnasium Naumburg und studiert dann Jura. 1914 heiratete er Hildegard Wollesen, die zu ihm nach Berlin umzog. Otto zog als Kriegsfreiwilliger in den Ersten Weltkrieg und wurde dann aufgrund eines Leidens als garnisonsverwendungsfähig eingestuft, so dass er als Militärhilfsrichter in Spandau und Berlin arbeitete, 1917 als Kriegsgerichtsrat nach Posen wechselte und nach Kriegsende in seine Heimatstadt Naumburg zurückkehrte. Bald darauf starb sein Vater Ludwig Hollaender im Jahr 1919. Otto und Hildegard wohnten zunächst in der Burgstraße 57 und zogen dann zur Adresse Spechsart 5 um. Otto war Schriftführer des Ortsverbandes der Deutschen Demokratischen Partei und trat in seinen Reden den erstarkenden Nationalsozialisten entgegen, da er als Esperantist gänzlich andere Ansichten vertrat. Während er sich 1933 in Jena um das Erbe von Felix Auerbach, einem Verwandten seiner Mutter, kümmerte, wurde die Familie von der SA aufgesucht, so dass ihn sein Sohn Peter bei der Rückkehr mit einem Koffer am Bahnhof empfing und Otto umgehend über Saarbrücken nach Paris floh. Er wurde bereits im April 1933 aus der liste der Rechtsanwälte gelöscht. Ein Teil seiner Familie folgte bald darauf, doch war er gesundheitlich so angeschlagen, dass er 1937 an einer Grippe verstarb und in Neuilly-sur-Seine beerdigt wurde. Hier wohnte DR. OTTO HOLLAENDER Jg. 1888 Flucht 1933 Frankreich Tot 24. Januar 1937 Paris Spechsart 5 , geb. Wollesen (1893–)