Die Geschichte Amerikas lässt sich grob in die Bereiche Geschichte Nordamerikas, Geschichte Mittelamerikas und Geschichte Südamerikas aufteilen.

Kulturen vor 1500 Die Besiedlung Amerikas erfolgte in mehreren Einwanderungswellen, die mindestens 16000 Jahre überspannen. Die Hauptroute der als Paläoindianer bezeichneten Gruppen führte von Sibirien über Beringia nach Alaska und von dort aus nach Süden. Sehr alte archäologische Funde (ca. 13.800 v. Chr.) stammen mit dem Fundort Monte Verde aus Chile, was die These unterstützen könnte, die Westküste sei zuerst besiedelt worden, und von dort aus seien die Indianer ostwärts gezogen. Die Diskussion über die frühesten Zuwanderer und die Wege, die sie innerhalb des Kontinents nahmen, ist in den letzten Jahrzehnten wieder stark in Fluss geraten.

Nordamerika Als älteste Kultur galt lange Zeit die Clovis-Kultur, doch spätestens die Funde in den Paisley-Höhlen, die rund ein Jahrtausend vor den Clovis-Funden liegen, sowie 2011 die Publikation des Buttermilk Creek Complex in Texas mit einem Alter von 15.500 bis 12.300 Jahren Before Present, zeigten, dass es bereits als pre-Clovis bezeichnete Vorgänger auf dem amerikanischen Kontinent gab und die Technologien der Clovis-Kultur vor Ort entwickelt und nicht etwa bereits aus Asien mitgebracht wurden. Die ältesten menschlichen Überreste lieferte die über 10.500 Jahre alte Buhl-Frau aus Idaho. An diese frühe Phase, die durch den Kennewick-Mann neu diskutiert werden musste, schloss sich die Archaische Periode an. An ihrem Ende zwischen 2000 und 1000 v. Chr. entwickelten sich der Gebrauch von Keramik, Ackerbau und verschiedene Formen abgestufter Sesshaftigkeit bis weit in den Norden. Die Jagdtechniken wurden durch Atlatl und später durch Pfeil und Bogen wesentlich verbessert. Während im Norden, wo Karibu- und Bisonherden die Ernährung sicherten, Jagdkulturen bestanden, spielte die Jagd im Süden eine immer geringere Rolle. Bevölkerungsverdichtungen traten um die Großen Seen, an der pazifischen Küste um Vancouver Island, am Mississippi und an der Atlantikküste sowie im Südwesten auf.

In Nordamerika existierten im Einzugsgebiet des Mississippi und des Ohio (Adena-Kultur, Mississippi-Kultur) komplexe Gemeinwesen (Templemound-Kulturen), die jedoch kurz vor Ankunft der ersten Europäer untergegangen sind. Im Südwesten entstanden Lehmbausiedlungen, die so genannten Pueblos. Diese Kultur ging auf die Basketmaker zurück, die bereits Mais anbauten. Um die Großen Seen entwickelten sich Großdörfer mit Palisaden und dauerhafte Konföderationen. Diese Gruppen betrieben, ähnlich wie im Westen, Mais- und Kürbisanbau sowie einen ausgedehnten Fernhandel – etwa mit Kupfer und bestimmten Gesteinsarten, die für Jagdwaffen und Schmuck von Bedeutung waren –, der sich in British Columbia bis 8000 v. Chr. nachweisen lässt.

Mittelamerika Erste landwirtschaftliche Aktivitäten setzten in Mittelamerika etwa um 8000 v. Chr. ein. So züchteten die Bewohner Oaxacas Kürbisse, die jedoch nicht zur Ernährung, sondern für den Wassertransport von den Flussläufen zu ihren Höhlen in den Bergen gedacht waren. Die eigentliche Nahrungsbeschaffung erfolgte zunächst weiter durch Jagen und Sammeln.

In den wasserarmen Regionen entwickelte sich eine Bewässerungswirtschaft, was wiederum höhere Bevölkerungsdichten und komplexere Organisationsformen zuließ. In Yucatan entstand ab etwa 3000 v. Chr. eine auf größeren Siedlungen basierende Kultur, die zur vorklassischen Epoche der Maya-Kulturen gerechnet wird.

Die Ursprünge der Kultur der Olmeken, die oft als Träger der Mutterkultur Mesoamerikas angesehen wurden, reichen bis in die Zeit um 1500 v. Chr. zurück. Den Olmeken wird auch der früheste Beweis des Gebrauchs einer Schrift zugeschrieben, belegt durch den Fund eines Rollsiegels mit Schriftsymbolen, das auf 650 v. Chr. datiert wird.

Etwa um 500 bis 100 v. Chr. gründeten die Zapoteken ihre Hauptstadt Monte Albán (span. Weißer Berg). Viele Bauten der Stadt, wie Tempel, Pyramiden, Gräber etc., sind bis heute erhalten geblieben. Monte Albán ist UNESCO-Weltkulturerbe.

Eine der wichtigsten Metropolen der Maya wurde das zwischen dem 5. und dem 7. Jahrhundert erstmals aufblühende Chichén Itzá. Es entstand ein Netz miteinander verbundener Städte. Nach dem ungeklärten Zusammenbruch der Mayakultur im 10. Jahrhundert dominierten kulturell Tolteken die Stadt. Bei den Maya übernahm nun Tulúm an der Küste eine Führungsrolle.

Zwischen 100 und 600 n. Chr. war Teotihuacán das kulturelle, wirtschaftliche und Herrschaftszentrum Mesoamerikas. Seine Einwohnerzahl wird für die Zeit zwischen 450 und 650 auf bis zu 200.000 geschätzt, seine Fläche auf über 20 km². Großbauten, wie die Sonnenpyramide oder die Ciudadela, eine Art geschlossener Herrschaftsbezirk, entstanden. Die wirtschaftliche Basis der Stadt war neben der Bewässerungslandwirtschaft ein ausgedehnter Obsidianhandel; er reichte mindestens bis an die heutige Grenze zu den USA. Um 750 war die Metropole allerdings verlassen. Das zurückbleibende Machtvakuum füllten im 10. Jahrhundert erst wieder die Tolteken.

Diese wanderten ab dem 9. Jahrhundert in den Süden Mexikos ein und bildeten für zwei Jahrhunderte eine städtische Kultur, die allerdings von den stärker militärisch organisierten Chichimeken bedroht war, die gleichfalls aus dem Norden stammten.

Ende des 14. Jahrhunderts gelang es den Azteken, die sich selbst als Mexica bezeichneten, ein Großreich zu erobern. Ihre Wurzeln reichen wohl ins 11. Jahrhundert zurück. Die Hauptstadt Tenochtitlán hatte möglicherweise 150.000 Einwohner.

Südamerika mini|Cueva de las Manos („Höhle der Hände“) in der südargentinischen Provinz Santa Cruz, ca. 7300 v. Chr., heute Weltkulturerbe Sieht man von den Funden von Monte Verde ab, so sind wohl die Funde von Los Toldos,Dazu ausführlich: in der argentinischen Provinz Santa Cruz, die ältesten in Südamerika. Sie reichen mindestens 12.000 Jahre zurück. Ähnlich den nordamerikanischen Fundplätzen, weisen die Überreste auf die Jagd von Großsäugern, in diesem Falle auf Riesenfaultiere und Pferde hin, dazu kamen Guanacos und Lamas. Ähnliches wurde in Chile gefunden, wie etwa in der Cueva del Milodón. Die Casapedrense-Kultur (ca. 7000 bis 4000 v. Chr.) galt als Vorläuferkultur der Tehuelche, bzw. Patagonier, deren älteste Funde allerdings inzwischen auf 9400 bis 9200 v. Chr. datiert werden.Christine Papp: Die Tehuelche. Ein ethnohistorischer Beitrag zu einer jahrhundertelangen Nichtbegegnung, Diss. Wien 2002, S. 75.

Die ältesten Steinwerkzeuge in Südamerika reichen bis etwa 10000 v. Chr. zurück, ähnlich wie die Höhlenmalereien bei Ayacucho in Peru und in den Lauricocha-Höhlen an der Quelle des Marañón. Der erste Anbau von Kürbissen und Bohnen und die Züchtung von Lamas wird auf 4000 v. Chr. datiert.

In der Guitarrero-Höhle im Anden-Hochland von Peru fanden sich andererseits Überreste von Anbaupflanzen wie Bohnen, die schätzungsweise schon aus der Zeit von 7500 v. Chr. stammen.

Die ältesten Keramiken gehören der ecuadorianischen Valdivia-Kultur an und werden auf das 4. vorchristliche Jahrtausend datiert. Sie brachte bereits eine städtische Organisation mit Kulten, Riten und Opfergaben hervor.

Die Pyramide von Sechín Bajo konnte auf 3200 v. Chr. datiert werdenBerthold Seewald: Deutsche Forscher finden riesige Pyramide in Peru, in: Die Welt, 19. Oktober 2006 und Peru: Ältestes Gebäude Südamerikas freigelegt. und ist der Norte-Chico-Kultur zuzuordnen. Die Sonnenpyramide von Caral, nördlich von Lima, konnte auf 2627 v. Chr. datiert werden. Zur Stadt gehörten Häuser für mindestens 3.000 Bewohner. Tempelanlagen, künstliche Bewässerungssysteme und Fernhandel mit den Bewohnern der Küste und des Amazonasgebiets deuten auf eine bereits weit entwickelte Hochkultur hin.

An der Küste Ecuadors bestand um 1600 v. Chr. die Machalilla-Kultur. Auf sie gehen Keramikgefäße mit Henkel zurück, die auch bei den Chavín, Mochica und Chimú typisch sind. Die nachfolgende Chorrera-Kultur brachte um 1200 bis 500 v. Chr. Keramiken in Menschen- und Tiergestalt hervor. Die Häuser wurden um einen großen Platz gruppiert und auf künstlichen Aufschüttungen erbaut.

Die Kultur der Chavín (etwa 800 bis 300 v. Chr.) wies enge Beziehungen zu der der Olmeken auf, was der Gebrauch der Symbolhäufungen von Jaguar, Puma, Vogel und Schlange nahelegt. Die zeitgenössische Paracas-Kultur in der Gegend um Lima war wegen ihres Totenkultes bekannt.

Im Hochland von Bogotá bestand die Herrera-Kultur (vor 4. Jahrhundert v. Chr. bis 2. Jahrhundert n. Chr.), an der Westseite der Anden die Calima-Kultur (4. Jahrhundert v. Chr. bis 2. Jahrhundert n. Chr.). Grabanlagen ab dem 4. Jahrhundert gehen auf die San Agustín-Kultur zurück.

Zwischen 300 v. Chr. und nach 600 n. Chr. bestand die Nazca-Kultur rund 500 km südlich von Lima, die Bewässerungskanäle baute. Ähnliche Bewässerungssysteme entwickelte die Mochica-Kultur im Wüstenstreifen an der Pazifikküste. Neben Edelmetallen wurde Kupfer verarbeitet.

Um den Titicacasee bestand ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 1000 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur. Nördlich schloss sich die Wari-Kultur (600 bis 1100) an. Beide Kulturen wurden von großflächigen Hauptstädten dominiert.

Die Mochica (100 bis 800 n. Chr.) waren sehr gute Handwerker, die neben Gold und Silber auch Kupfer verarbeiteten. Sie stellten Keramikgefäße in Massenproduktion her und bauten mit zwei Pyramiden die größten Bauten des alten Südamerika. Zu ihrem Untergang führten vermutlich lang andauernde, schwere Regenfälle, gefolgt von einer ebenso schweren Dürre.

Das erste Großreich entwickelten die Chimu in der Zeit von 1000 bis 1470 mit der Hauptstadt Chan Chan in der Gegend um Trujillo. Ab etwa 1200 bis 1532 schufen die Inka ein Reich, das im 15. Jahrhundert seine größte Ausdehnung erreichte. Cusco war zeitweise die Hauptstadt.

Erheblich weniger erforscht ist die Geschichte der am Ostrand der Anden und in den Waldgebieten des Amazonas lebenden indigenen Gruppen. Zahlreiche Funde deuten jedoch auf erheblich ältere Kulturen hin (ca. 2450 v. Chr.), die möglicherweise noch vor denen des andinen Hochlandes entstanden sind. Wenig ist über die Chachapoya bekannt, die von etwa 800 bis 1600 am Ostrand der Anden lebten. Sie errichteten Felsengräber an steilen Klippen.

Zwischen 1000 v. Chr. und 500 v. Chr. wanderten die Arawak den Orinoco abwärts. Sie bauten Kanus und lebten von Fischfang, Jagd und dem Anbau von Mais, Bohnen, Süßkartoffel, Kürbis und Maniok. Hinzu kamen Erdnuss, Pfeffer, Ananas, Tabak und Baumwolle.

Entwicklung organisierter Religionen Im Juli 2002 fanden Archäologen etwa 190 Kilometer nördlich von Lima in einer geplünderten Grabstätte ein etwa 4.000 Jahre altes Kürbisfragment, welches ein Stabgott-Motiv trägt. Dieses wurde mittels Radiokarbondatierung auf 2250 v. Chr. datiert. Es scheint die älteste identifizierbare religiöse Ikone zu sein, die in Amerika gefunden wurde und weist zudem darauf hin, dass die organisierte Religion in den Anden mehr als 1.000 Jahre früher begann als zuvor angenommen.

Kolonialgeschichte Nach der Entdeckung Amerikas – genauer: der Wieder-Entdeckung Amerikas 1492 – wurde der Doppelkontinent nach und nach von europäischen Staaten in Besitz genommen. Die unterschiedlichen Kolonisierungs- und Besiedlungsformen hatten gravierende Auswirkungen auf die dort angetroffenen Kulturen. Während im Norden ein Jahrhundert lang der Handel vorherrschte, und erst nach 1600 dauerhafte Kolonien an der Ostküste entstanden, eroberten Spanier binnen weniger Jahrzehnte die Großreiche Lateinamerikas.Vgl. Horst Pietschmann: Staat und staatliche Entwicklung am Beginn der spanischen Kolonisation Amerikas, Münster 1980 und Hans-Jürgen Prien: Die Geschichte des Christentums in Lateinamerika, Göttingen 1978. Während im spanischen Bereich mehr als drei Viertel der Indianer lebten, erhielten Portugal mit Brasilien und Frankreich und England mit dem Norden die dünner besiedelten Regionen.

Zusammenbruch der indigenen Bevölkerung